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Veröffentlicht am 12.04.2026

Ein kurzweiliges Buch, das unterhält, inspiriert und neugierig macht

Ein Ozean voll Fragen
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Ich habe "Ein Ozean voller Fragen" beim Stöbern auf Bookbeat gefunden und ganz spontan begonnen, auch wenn ich weder die Autorin, noch das vorgestellte Projekt kenne und vom Segeln nun wirklich gar keine ...

Ich habe "Ein Ozean voller Fragen" beim Stöbern auf Bookbeat gefunden und ganz spontan begonnen, auch wenn ich weder die Autorin, noch das vorgestellte Projekt kenne und vom Segeln nun wirklich gar keine Ahnung habe. Die Mischung aus autobiografischem Bericht, Reiseerzählung, persönlicher Reflexion und motivierenden Impulsen hat mir aber überraschend gut gefallen, sodass ich mich sehr gerne zusammen mit Leonie Maßmann auf ihre Weltreise von der Nordsee in die Karibik begeben habe.

Auf 255 Seiten schildert die Autorin, die gemeinsam mit ihrem Freund Thilo als @bluehorizon_exploration von ihrer Segel-Weltreise auf YouTube und Instagram berichtet, wie sie von der Idee bis zur Umsetzung, über viele Höhen, Tiefen und Hürden zu ihrem Traum eines eigenen kleinen Segelboots gekommen ist. Dabei vermischen sich Logbucheinträge mit einem lockeren Reisebericht und generellen Perspektiven darüber, was die Autorin auf ihrer Reise gelernt hat. Zwar wird durchaus chronologisch erzählt, es gibt aber viele Sprünge, Vorgriffe und einzelne Passagen der Reise werden schnell zusammengefasst. Man sollte also keinen lückenlosen Reisebericht erwarten. Immer wieder habe ich mich zwischendurch gefragt - ja und wie ging es dann weiter? was haben sie danach gemacht? -, doch wer genau wie ich neugierig geworden ist, muss für diese Antworten wohl den YouTube Kanal verfolgen. Stattdessen greift die Autorin die wichtigsten Meilensteine, Herausforderungen und prägende Ereignisse heraus und erzählt beispielsweise von wichtigen Begegnungen, Entscheidungen oder besonders gefährlichen Situationen.

Auch wenn ich diese Erzählung sehr genossen habe, hätte sie für meinen persönlichen Geschmack fast noch umfangreicher sein können - das spricht also wirklich für die Autorin, die mich mit ihrer Geschichte total abholen konnte. Auch der Ratgeberanteil hat mir überraschend gut gefallen. Natürlich ist er nicht so strukturiert oder theoriegebunden wie in einem klassischen Ratgeber und kann hinsichtlich inhaltlicher Tiefe nicht mit anderen mithalten. Dafür sind die Impulse zu den Themen Mut, Komfortzone, Entscheidungen, Zweifel und Intuition wunderbar authentisch und wirken umso ehrlicher und persönlicher.


Das Urteil

"Ein Ozean voller Fragen" ist ein kurzweiliges Buch, das unterhält, inspiriert und neugierig macht. Die Mischung aus Reisebericht, Autobiografie und Ratgeber weckt Fernweh, macht Lust auf Abenteuer und ermutigt dazu, die eigenen Lebensträume ernster zu nehmen und vielleicht ein kleines Stück mutiger zu verfolgen.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Eine scharfe Kritik an der Liebe - Berechtigt?

Entromantisiert euch!
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Kaum etwas wird so beharrlich romantisiert wie die romantische Liebe. Wie sehr sie in Musik, Literatur und Film wird seit Jahrhunderten verklärt wird und gesellschaftlich als zentraler Baustein für ein ...

Kaum etwas wird so beharrlich romantisiert wie die romantische Liebe. Wie sehr sie in Musik, Literatur und Film wird seit Jahrhunderten verklärt wird und gesellschaftlich als zentraler Baustein für ein erfülltes Leben gilt, wurde mir erst in den letzten Jahren klar. "Entromantisiert Euch!" von Beatrice Frasl setzt genau da an: diese Selbstverständlichkeit radikal zu hinterfragen, die romantische Liebe als soziales Konstrukt zu kritisieren, das insbesondere Frauen benachteiligt und dafür zu plädieren, lieber andere Formen der Liebe zu zentralisieren.

"Wenn ich an Liebe denke, denke ich an meine Freundinnen!"

Auf 277 Seiten plädiert die Autorin dafür, andere Formen von Nähe und Bindung stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Besonders Freundschaften, Wahlfamilien und platonische Netzwerke hebt sie als unterschätzte, zugleich stabilere und gesündere Alternativen hervor. Ihre zentrale These deckt sich dabei mit vielen Argumenten gegen das Heteropatriarchat: Der Fokus auf heteroromantische Paarbeziehungen ist keineswegs naturgegeben, sondern erfüllt im patriarchalen System die klare Funktion den Status quo zu erhalten. Solche Beziehungen bringen strukturelle Vorteile für Männer mit sich, während Frauen häufig die Nachteile tragen: von einem überproportionalen Anteil an unbezahlter Care-Arbeit über wirtschaftliche Abhängigkeiten bis hin zu erhöhtem Risiko für Altersarmut und gesundheitliche Belastungen. Außerdem sorgt die starke Zentrierung der romantischen Liebe dafür, dass andere Familienmodelle als die Kleinfamilie verdrängt werden, dass Freundschaften und andere wichtigen Beziehungen abgewertet werden und eher Vereinzelung und Inselbildung stattfindet. Soweit gehe ich zu 100% mit der Autorin mit. In einer Zeit, in der sich immer mehr Frauen aus genau diesen Gründen bewusst gegen eine klassische heteronormative Partnerschaft entscheiden und gleichzeitig Männer sich in einer Einsamkeits-Epidemie wähnen, trifft diese Analyse genau den Punkt und bildet einen wichtigen Ausgangspunkt, um gemeinsam zu diskutieren, was sich ändern muss.

"Schwesternschaft ist mir ein inneres Bedürfnis, denn um mich herum leben zahllose glänzende, begabte, engagierte, unglaublich tolle Frauen, die meine ganze Unterstützung und Liebe verdienen. Sie und Frauen im Allgemeinen sollen von meiner zwischenmenschlichen Energie profitieren."

Allerdings hat das Buch auch deutliche Schwächen. Die Argumentation wirkt stellenweise repetitiv, wenn zentrale Thesen immer wiederholt werden. Die Autorin kritisiert häufig bestehende Strukturen scharf, ohne jedoch konkrete Alternativen oder Lösungsansätze auszuarbeiten. Außerdem war mir der Ton an manchen Stellen zu provokant und polemisch. Die Möglichkeit, dass es gesunde, gleichberechtigte und stabile Partnerschaften geben kann, wird praktisch gleich ausgeschlossen. Wo der Blick auf romantische Liebe in der sonstigen Gesellschaft und Popkultur verklärt positiv ist (wie sie wunderbar herausarbeitet), präsentiert sie hier also ein einseitig negatives Bild. Wenn sie das Gefühl und die Neuropsychologie hinter romantischer Liebe mit Zwangsstörungen oder einer Suchterkrankung vergleicht, schießt sie doch über das Ziel hinaus und vergisst, den biologischen, evolutionären und gesellschaftlichen Nutzen von Liebe dagegenzuhalten. Als scharfe Gegenrede zur sonstigen Überhöhung der Liebe ist das Buch also durchaus geeignet, aber eine neutrale, differenzierte Darstellung, die verschiedene Seiten miteinbezieht, kann sie leider nicht bieten.

"Ich will also gar nicht weniger Liebe, sondern mehr. Und andere. Und ich bin überzeugt davon, dass die romantische Liebe der Liebe im Weg ist."


Zudem bleibt der Anspruch auf Inklusivität nur teilweise eingelöst. Obwohl queere Beziehungen angesprochen werden, richtet sich die Argumentation primär an cis Frauen in heterosexuellen Kontexten; andere Perspektiven werden vergleichsweise oberflächlich behandelt. Auch wenn die Autorin queere, romantische Beziehungen zurecht nicht von ihrer Kritik ausnimmt, trennt sie nicht konsequent genug zwischen queerplatonischen und queerromantischen Beziehungen und das Acespektrum wird sowieso nur am Rande gestreift.


Fazit*

"Entromantisiert Euch" kann also durchaus Prozesse anregen und hat dabei sehr überzeugende Grundthesen, bietet aber zu wenig Raum für eigene Perspektiven oder abweichende Meinungen, um als Gesamtes richtig überzeugen zu können.

Veröffentlicht am 04.04.2026

Ein kluges, urkomisches und überraschend aktuelles Comeback!

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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"Die Känguru-Rebellion" zählte schon seit der Ankündigung zu meiner am neugierigsten erwarteten Neuerscheinung 2026. Neue Geschichten vom Känguru und Marc-Uwe in this economy?!? Es gibt wohl kaum einen ...

"Die Känguru-Rebellion" zählte schon seit der Ankündigung zu meiner am neugierigsten erwarteten Neuerscheinung 2026. Neue Geschichten vom Känguru und Marc-Uwe in this economy?!? Es gibt wohl kaum einen passenderen Zeitpunkt für ein Comeback des Traumduos als eine Zeit, in der das aktuelle Weltgeschehen die Realsatire fast selbst schreibt. Wie also am Ende der Känguru-Comics angekündigt: Das Känguru ist zurückgekehrt, als die Welt es am meisten gebraucht hat.

Auf 224 Seiten nimmt sich der Autor Zeit, fachmännisch aufzuarbeiten, was in letzter Zeit passiert ist, schlägt dabei aber einen etwas anderen Stil ein, als in den vorherigen Känguru-Büchern. Statt sich auf Klamauk und absurde Rahmenhandlung zu stützen, stehen hier vor allem brandaktuelle Themen, Gesellschafts- und Politikkritik im Vordergrund. Damit ist dieser Band ernster, inhaltlicher, aktueller und auch desillusionierter. Das unschlagbare Duo aus Känguru und seinem Sidekick nimmt in den einzelnen Kapiteln Bezug zu politischen Akteuren sowie Krisen und argumentiert gewohnt schlagfertig gegen Rechte, Konservative und Neoliberale (das Pink des Covers ist hier politisch definitiv wieder Programm!). Es geht um Migrationspolitikkritik, KI und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft, Fake News im Social Media Zeitalter, Klimaschutz, Elektroautos und fossile Verbrenner, Kapitalismus, Sprachverbote und Sprachneuerungen, Feminismus, Trumpismus und Rechtsruck.

Trotz der klaren politischen Ausrichtung, liest "Die Känguru-Rebellion" sich aber wie bereits gesagt etwas desillusionierter und müder als zuvor. Ob dies mit den multiplen Krisen, dem fortschreitenden Alter des Autors oder dem fünften Teil zusammenhängt, es schwingt eine neue Tonlage mit weniger anarchische Lust an der Eskalation und mehr Müdigkeit gegenüber einer Realität, die sich kaum noch überzeichnen lässt. Statt anarchistischen Anschlägen des asozialen Netzwerks, kommunistischer Satire, Provokation und geboxten Nazis, ist bei Marc-Uwe ein wenig die Verzweiflung und Ernüchterung eingetreten. Das fühle ich zwar sehr, legt für 5 Sekunden den Kopf auf den Tisch, aber macht diese Fortsetzung doch etwas weniger bissig als erhofft.

Auch die Einbettung in eine Rahmenhandlung ist etwas sparsamer als in den vorherigen Bänden. Zwar ist die Handlung weniger episodisch als beispielsweise in den "Apokryphen" und folgt durchaus einem roten Faden, die Weiterentwicklung der Handlung sowie das Wiedersehen mit bekannten Figuren wird aber eher sparsam eingesetzt. So gibt es zwar neue Entwicklungen wie Herta, die einen Podcast startet, die geplante Vernissage des Kängurus und natürlich die titelgebende Rebellion gegen die Zustände, die Marc-Uwe und das Känguru anzetteln, andere Nebenfiguren wie Krapotke, Friedrich Wilhelm oder Otto Von kommen allerdings kaum vor. Auch Fan-Lieblinge wie der Pinguin, der Schredder oder das asoziale Netzwerk fehlen komplett. Hier bleibt die ursprüngliche Trilogie, insbesondere ihr überaus gelungenen Abschluss in "Die Känguru Offenbarung", weiterhin unerreicht.

"Die Känguru Rebellion" war also inhaltlich ein wenig anders als erwartet - weniger bissig, weniger handlungsgestützt, politisch expliziter. Davon kann man halten, was man möchte. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist der großartige Humor, der die Geschichte abermals zu einem Highlight gemacht hat. Denn natürlich gibt es auch hier die gewohnten Wortspiele, spaßige Situationskomik, wortgewandte Kleinkunst-Monologe und Dialog-Abtausche zum Schreien. Auch Fans der üblichen Insider-Witze, Fußnoten, Anspielungen und falsch zu geordneten Zitaten werden hier voll auf ihre Kosten kommen, wenn Unsinn und Intelligenz wieder in genau richtigem Maß gemischt werden. Erfrischend sind zudem die erzählerischen Variationen wie Perspektivwechsel, der spielerische Umgang mit Zeit und Struktur, Gleichnisse des Beuteltiers sowie erstmals auch Passagen aus der Sicht des Kängurus selbst (was genauso kurzweilig ist, wie ihr es euch vermutlich gerade vorstellt.)

Zum Abschluss möchte ich noch wie jedes Mal hervorheben, dass es sich wirklich lohnt, das Hörbuch zu hören. Marc-Uwe Kling liest hier wie gewohnt selbst live vor Publikum vor und überzeugt mit den verstellten Stimmen, wohlüberlegten Pausen und Betonungen und seinem humoristischen Timing. Die kleinen Lacher im Hintergrund verstärken dabei sogar noch das Gefühl, mitten in einer Lesung zu sitzen. Auch gerade deshalb sind die Känguru-Bände längst mehr als eine Sammlung von Witzen, sondern ein fortlaufender Running Gag über Politik, Popkultur, Gesellschaft und Literatur, der auch Jahre später noch den Nerv trifft.


Fazit


Trotz kleiner Abstriche bei Biss und Handlung bleibt „Die Känguru-Rebellion“ ein kluges, urkomisches und überraschend aktuelles Comeback, das genau zur richtigen Zeit kommt. Für Fans ein absolutes Muss, oder in Känguru-Kategorien "WITZIG!"

Veröffentlicht am 19.03.2026

"Gewalt hat keine Ethnie, Klasse, Religion oder Nationalität, aber ein Geschlecht."

Wenn Männer mir die Welt erklären
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In "Wenn Männer mir die Welt erklären" seziert die feministische Ikone Rebecca Solnit in neun Essays was es bedeutet, als Frau im Patriarchat zu leben. Sie schreibt von alltäglicher männlicher Überheblichkeit, ...

In "Wenn Männer mir die Welt erklären" seziert die feministische Ikone Rebecca Solnit in neun Essays was es bedeutet, als Frau im Patriarchat zu leben. Sie schreibt von alltäglicher männlicher Überheblichkeit, der Kernfamilie als Institution, Gewalt gegenüber Frauen, dem Kassandra-Syndrom und postkolonialen Machtverhältnissen. Ihr titelgebender Essay über Mainsplaining ist damit also nur der Einstieg in ein Buch, das ganz verschiedene Aspekte feministischer Theorie und Realität aufgreift. Die Autorin steigt tief in die Gräben feministischer Debatten hinab und legt eine Vielzahl von Ungleichheiten offen, mit denen Frauen nach wie vor konfrontiert sind.

"Gewalt hat keine Ethnie, Klasse, Religion oder Nationalität, aber ein Geschlecht."


Besonders eindrücklich ist das Kapitel, das sich mit Zahlen und Fakten zu Gewalt gegen Frauen beschäftigt. Auch wenn sich viele Beispiele auf die USA beziehen, ist die dargestellte Realität erschreckend universell und wirkt weit über den konkreten Kontext hinaus. Was der Autorin ebenfalls sehr gut gelingt, ist das Sichtbarmachen subtiler Machtstrukturen. Sie zeigt, wie Unterdrückung sich als vermeintliche Ohnmacht, als „Natur der Dinge“, als gesellschaftliche Normalität tarnt und dadurch umso schwerer zu benennen ist. Dafür verbindet sie stilistisch Schärfe mit Witz und analytischer Klarheit. Die einzelnen Essays unterscheiden sich leicht im Ton, sind aber alle zugänglich geschrieben und als Einstieg in das Thema gut geeignet. Besonders im letzten Drittel, in dem sie den Bogen über kulturelle Narrative bis hin zu literarischen Bezügen, etwa zu Virginia Woolf, spannt, wird es aber gelegentlich etwas trocken. Nichtsdestotrotz entsteht ein vielschichtiges Bild, das sowohl intellektuell anregt als auch emotional nachhallt.

"Wir sind entweder gemeinsam frei oder gemeinsam unfrei. Wer glaubt, er müsse gewinnen, dominieren, bestrafen und uneingeschränkt herrschen, ist mit Sicherheit alles andere als frei."


Bemerkenswert ist zudem, wie aktuell das Buch trotz seines Alters wirkt. Auch mehr als ein Jahrzehnt nach Veröffentlichung treffen viele Beobachtungen noch immer ins Schwarze. Eine traurige Bilanz der Entwicklungen der letzten Jahre! Rebecca Solnit zeigt also auch, dass Fortschritte im Feminismus keineswegs linear verlaufen und bereits Erkämpftes immer wieder infrage gestellt werden kann. Umso wichtiger ist der beharrliche Aufruf, jetzt nicht stehen zu bleiben, sich auf Veränderungen auszuruhen, sondern weiterzukämpfen!


Fazit


"Wenn Männer mir die Welt erklären" ist auch zehn Jahre nach Erscheinen ein wichtiges und leider nach wie vor hochaktuelles Buch. Rebecca Solnit gelingt es in neun Essays, komplexe feministische Themen klug, eindringlich und leicht greifbar zu machen – auch wenn einzelne Passagen dabei etwas trocken ausfallen.

Veröffentlicht am 19.03.2026

"Gewalt hat keine Ethnie, Klasse, Religion oder Nationalität, aber ein Geschlecht."

Wenn Männer mir die Welt erklären
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In "Wenn Männer mir die Welt erklären" seziert die feministische Ikone Rebecca Solnit in neun Essays was es bedeutet, als Frau im Patriarchat zu leben. Sie schreibt von alltäglicher männlicher Überheblichkeit, ...

In "Wenn Männer mir die Welt erklären" seziert die feministische Ikone Rebecca Solnit in neun Essays was es bedeutet, als Frau im Patriarchat zu leben. Sie schreibt von alltäglicher männlicher Überheblichkeit, der Kernfamilie als Institution, Gewalt gegenüber Frauen, dem Kassandra-Syndrom und postkolonialen Machtverhältnissen. Ihr titelgebender Essay über Mainsplaining ist damit also nur der Einstieg in ein Buch, das ganz verschiedene Aspekte feministischer Theorie und Realität aufgreift. Die Autorin steigt tief in die Gräben feministischer Debatten hinab und legt eine Vielzahl von Ungleichheiten offen, mit denen Frauen nach wie vor konfrontiert sind.

"Gewalt hat keine Ethnie, Klasse, Religion oder Nationalität, aber ein Geschlecht."


Besonders eindrücklich ist das Kapitel, das sich mit Zahlen und Fakten zu Gewalt gegen Frauen beschäftigt. Auch wenn sich viele Beispiele auf die USA beziehen, ist die dargestellte Realität erschreckend universell und wirkt weit über den konkreten Kontext hinaus. Was der Autorin ebenfalls sehr gut gelingt, ist das Sichtbarmachen subtiler Machtstrukturen. Sie zeigt, wie Unterdrückung sich als vermeintliche Ohnmacht, als „Natur der Dinge“, als gesellschaftliche Normalität tarnt und dadurch umso schwerer zu benennen ist. Dafür verbindet sie stilistisch Schärfe mit Witz und analytischer Klarheit. Die einzelnen Essays unterscheiden sich leicht im Ton, sind aber alle zugänglich geschrieben und als Einstieg in das Thema gut geeignet. Besonders im letzten Drittel, in dem sie den Bogen über kulturelle Narrative bis hin zu literarischen Bezügen, etwa zu Virginia Woolf, spannt, wird es aber gelegentlich etwas trocken. Nichtsdestotrotz entsteht ein vielschichtiges Bild, das sowohl intellektuell anregt als auch emotional nachhallt.

"Wir sind entweder gemeinsam frei oder gemeinsam unfrei. Wer glaubt, er müsse gewinnen, dominieren, bestrafen und uneingeschränkt herrschen, ist mit Sicherheit alles andere als frei."


Bemerkenswert ist zudem, wie aktuell das Buch trotz seines Alters wirkt. Auch mehr als ein Jahrzehnt nach Veröffentlichung treffen viele Beobachtungen noch immer ins Schwarze. Eine traurige Bilanz der Entwicklungen der letzten Jahre! Rebecca Solnit zeigt also auch, dass Fortschritte im Feminismus keineswegs linear verlaufen und bereits Erkämpftes immer wieder infrage gestellt werden kann. Umso wichtiger ist der beharrliche Aufruf, jetzt nicht stehen zu bleiben, sich auf Veränderungen auszuruhen, sondern weiterzukämpfen!


Fazit


"Wenn Männer mir die Welt erklären" ist auch zehn Jahre nach Erscheinen ein wichtiges und leider nach wie vor hochaktuelles Buch. Rebecca Solnit gelingt es in neun Essays, komplexe feministische Themen klug, eindringlich und leicht greifbar zu machen – auch wenn einzelne Passagen dabei etwas trocken ausfallen.