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Veröffentlicht am 02.09.2020

Der Sternenhimmel über den Rocky Mountains, liebenswerte Charaktere und eine Prise Humor – was braucht man mehr?

New Dreams
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Cover und Gestaltung
„New Promises“ ist der dritte Teil der Green Valley Reihe, die im Knaur Verlag erscheint. Das Cover ist fügt sich dabei wieder nahtlos in die Serie ein, dieses Mal erstrahlt es in ...

Cover und Gestaltung
„New Promises“ ist der dritte Teil der Green Valley Reihe, die im Knaur Verlag erscheint. Das Cover ist fügt sich dabei wieder nahtlos in die Serie ein, dieses Mal erstrahlt es in Lilatönen (defintiv mein bisheriger Favorit).

Schreibstil und Aufbau
Was kann ich nach zwei grandiosen Büchern aus der Reihe noch Neues zu Lilly Lucas‘ Schreibstil sagen? Sie kombiniert moderne Wortwahl mit malerischen Beschreibungen und verzaubert mich immer wieder aufs Neue. Ihr Humor trifft genau meinen Geschmack und das schafft definitiv nicht jede Autorin. Ich hoffe, sie schreibt noch hunderte von Büchern.

Story und Atmosphäre
Unsere Protagonistin in „New Dreams“ ist Elara aus Phoenix, die bisher noch nicht in der Reihe aufgetaucht ist. Sie fährt nach einem Streit mit ihrer Mutter nach Green Valley, um ein paar Tage bei ihrer Großmutter Molly zu verbringen. Als sie kurz vor ihrer Ankunft einen Autounfall hat, lernt sie den hilfsbereiten, gutaussehenden Noah kennen. Es knistert gewaltig, doch Noahs Ex-Freundin liegt im Koma und das macht die Situation nicht gerade einfacher. Werden ihre Gefühle trotz allen Widrigkeiten eine Chance bekommen?
Zuerst muss ich zugeben, dass ich anfangs etwas enttäuscht darüber war, dass in diesem Teil die Geschichte von bisher unbekannten Charakteren erzählt wird. Das legte sich aber relativ schnell, denn auch wenn Noah und Elara nicht direkt in den vorhergegangenen Bänden auftauchen, gibt es mit einigen bekannten Figuren ein Wiedersehen. Die Atmosphäre im beschaulichen Green Valley ist nach wie vor traumhaft, der kleine Ort ist für mich zu einer absoluten Wohlfühloase geworden.
Hauptsächlich begleiten wir Elara bei ihrem Aufenthalt in Green Valley und beobachten die Entwicklung ihrer Gefühle zu Noah. Einen nicht unwesentlichen Teil macht aber auch ihre Selbstfindung und der Konflikt mit ihrer Mutter aus, die nicht akzeptieren will, dass Elara nicht mehr Medizin sondern Lehramt studieren möchte. Dabei wird mir Elara im Laufe der Geschichte immer sympathischer, denn man merkt deutlich, wie sie durch die Zeit in Green Valley reifer und erwachsener wird.
Noah ist ein intelligenter, hilfsbereiter Typ, der aktuell sein Raumfahrtstudium pausiert, um sich um seine komatöse Ex-Freundin und die Werkstatt ihres Vaters zu kümmern. Seine Handlungen und Gefühle konnte ich manchmal nicht zu 100% nachvollziehen, was mich aber nicht großartig an der Geschichte gestört hat.
Die Liebesgeschichte zwischen den beiden zeichnet sich bereits sehr früh ab, daher wollte ich öfter im Verlauf der Geschichte schreien „Jetzt loooos, selbst ein Blinder sieht doch, dass ihr verrückt nacheinander seid!“, aber es gibt einige Hürden, die sie zunächst bewältigen müssen. Was ich an dieser Stelle mal loben muss: Keine schreibt intime Szenen so schön, wie Lilly Lucas! Oft sind mir diese Stellen in New Adult Romanen zu „versaut“ und ruinieren irgendwie die Romantik, das ist hier nicht der Fall. Es sind nicht zu viele Stellen und die, die es gibt, sind sehr geschmackvoll umgesetzt.
Wir lernen auch wieder einige tolle Nebencharaktere kennen, wie zum Beispiel Noahs Schwestern und Hank, den Besitzer der Werkstatt. Die Personen passen sehr gut zu meinem Wohlfühlort und sind mir auch wieder sehr schnell ans Herz gewachsen. Gut finde ich, dass die Autorin auch hier nicht zu viele Personen ins Spiel bringt, sodass es immer noch übersichtlich für den Leser bleibt.

Fazit
Nun habe ich auch den dritten Teil dieser Reihe beendet und muss sagen, dass sich die Qualität der Geschichten seit dem ersten Band nicht verändert hat. Oft stellt man ja einen leichten Niveauabfall innerhalb einer Reihe fest, das ist hier aber (meiner Meinung nach) nicht der Fall. Lilly Lucas hat mich absolut verzaubert mit ihrer Welt rund um Green Valley und auch der dritte Teil konnte mich gefühlsmäßig erneut begeistern. Trotz der eher leichten, lockeren Handlung bleibt „New Dreams“ durch den frechen Humor, die liebenswerten Charaktere und das malerische Setting im Gedächtnis. Ich freue mich schon unglaublich auf den vierten Teil!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.08.2020

Ein packender Auftakt einer vielversprechenden Fantasy-Reihe

Celestial City - Akademie der Engel
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Cover und Gestaltung
Das Cover war für mich ein besonderer Blickfang und hat mich gleich sehr angesprochen. Besonders schön finde ich, dass es am Anfang des Buchs eine kleine Karte von Celestial City gibt, ...

Cover und Gestaltung
Das Cover war für mich ein besonderer Blickfang und hat mich gleich sehr angesprochen. Besonders schön finde ich, dass es am Anfang des Buchs eine kleine Karte von Celestial City gibt, so kann man sich das Gebiet etwas besser vorstellen.

Schreibstil und Aufbau
Die Geschichte ist in klassische, durchnummerierte Kapitel eingeteilt, was mir einfach am besten gefällt. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und die Schreibweise von Leia Stone ist ziemlich locker und modern. Ich bin gut ins Buch reingekommen und die Formulierungen waren für mich stets stimmig und verständlich. Das Lesen viel mir generell leicht und ging flüssig von der Hand.

Story und Atmosphäre
Die Menschheit wurde in einen Krieg zwischen Engeln und Dämonen hineingezogen, welche nun mit den Menschen auf der Erde leben. Unsere Geschichte spielt im zweigeteilten Los Angeles, es gibt nun Angel City und Demon City, wo Brielle mit ihrer Familie lebt. Durch die Kämpfe kam es zu einem Engelsfall und alle Menschen haben besondere Kräfte bekommen, die entweder dämonischen oder himmlischen Ursprungs sind. Bei der Erweckungszeremonie werden die Kräfte jedoch erst sichtbar und aktiviert. Als Brielle bei der Zeremonie feststellt, dass sie eine Celestial mit schwarzen Flügeln ist, beginnt ihr Studium an der Fallen Academy und damit ein großes Abenteuer. Wieso ist sie die einzige Celestial mit schwarzen Flügeln? Schlummern in ihr dämonische Kräfte?

In diesem ersten Teil der Buchreihe begleiten wir Brielle durch ihr erstes Jahr an der Fallen Academy. Dabei hat das Buch Fantasy- als auch Lovestory-Elemente. Mich hat die Geschichte auf Anhieb sehr angesprochen und ich wollte immer unbedingt weiterlesen. Die Geschichte entwickelt sich relativ schnell und startet eigentlich so ziemlich direkt mit der Erweckungszeremonie. Mir hat gut gefallen, dass sich die Geschichte nicht zu sehr zieht und es relativ viel Action (hauptsächlich Kämpfe mit Dämonen) gab. Trotzdem hätte ich gerne noch etwas mehr über die Hintergründe und die Charaktere erfahren. Vielleicht wird dies dann in den nächsten Bänden noch detaillierter passieren.

Auch wenn die Grundidee vielleicht nicht total neu ist, hat mir die moderne, freche Umsetzung sehr gefallen. Die Geschichte war für mich nicht vorhersehbar und es gibt viele Stellen, die mich sehr überraschen konnten. Brielle als Hauptperson war mir sehr sympathisch und hat einiges zu bieten. Besonders Bris Freunde Shea und Luke habe ich ins Herz geschlossen. Brielles Lehrmeister Lincoln war mir erst ziemlich unsympathisch, das hat sich dann aber im Laufe der Seiten gelegt. Bezüglich der Lovestory: Im Nachhinein ging mir die Entwicklung der Gefühle etwas zu schnell und war für mich kein Highlight im Buch. Es gab viel Drama, wo für mich keins hätte sein müssen. Diese Beziehung hatte für mich leider zu wenig Tiefe, auch wenn die Kabbeleien ab und zu sehr unterhaltsam waren.

Ich bin ein großer Fantasy-Fan und lese gerne Bücher, in denen Engel und Dämonen vorkommen. Leider hat mir hier aber ein wenig die bildhafte Beschreibung gefehlt. Ich konnte mir die Dämonen kaum vorstellen, obwohl die verschiedenen „Arten“ jeweils kurz vorgestellt wurden. Da hätte ich mir deutlichere Beschreibungen gewünscht, sehen sie grundsätzlich aus wie Menschen oder wie übernatürliche Kreaturen? Bei den Engeln fiel mir das deutlich leichter.

Fazit
Das erste Jahr in der Fallen Academy hat mir sehr gut gefallen, auch wenn es an einigen Stellen ein bisschen an Details und Tiefe mangelt. Die Geschichte entwickelt sich zügig und ist spannend, weshalb ich auch unbedingt das zweite Buch lesen muss, sobald es erscheint. Für Fantasy-Fans ist das Buch definitiv zu empfehlen, wer aber eine bewegende Liebesgeschichte erwartet, der sollte lieber zu einem klassischen New Adult Roman greifen. Die Erzählung hat Witz und ist durch den lockeren Schreibstil genau das Richtige für Zwischendurch. Ich bin sehr gespannt, wie es mit Brielle und den anderen im zweiten Jahr weitergeht!

  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 24.08.2020

Ein leichter Sommerroman kombiniert mit ernsten, wichtigen Themen - und vorallem viel Humor!

Das Glück in vollen Zügen
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Schreibstil und Aufbau
Die Kapitel sind abwechselnd aus Maries und Johannes Sicht geschrieben und wir bekommen so eine Einsicht in die Gefühle und Gedanken von beiden Hauptcharakteren. Der Schreibstil ...

Schreibstil und Aufbau
Die Kapitel sind abwechselnd aus Maries und Johannes Sicht geschrieben und wir bekommen so eine Einsicht in die Gefühle und Gedanken von beiden Hauptcharakteren. Der Schreibstil von Lisa Kirsch ist wirklich angenehm und leicht zu lesen. Sie schafft es, jedem Charakter eine eigene Ausdrucksweise zu verleihen, die auch dem Alter der Person gut entspricht.

Story und Atmosphäre
Marie lebt in einem kleinen Bauwagen im idyllischen Herrsching am Ammersee und pendelt täglich für ihren Job als Produktdesignerin nach München. Johannes wohnt im selben Örtchen bei seinem dementen Vater und pendelt ebenfalls für seinen Job bei BMW in die nahe gelegene Großstadt. Durch ihren gemeinsamen Arbeitsweg sehen die beiden sich regelmäßig in der Bahn nach München und beobachten sich aus der Ferne. Wird einer von beiden den ersten Schritt machen und ein Gespräch beginnen?
Für mich steht in diesem Buch nicht die Liebesgeschichte im Vordergrund, sondern die privaten Probleme und Hürden, die sich vor den beiden Protagonisten auftun. Dadurch erfahren wir viel über ihre Charakterzüge und auch über die zahlreichen Nebencharaktere. Die Autorin schafft es dabei, auch wichtige, schwierige Themen mit einzubeziehen, die ich in diesem sommerlichen, leichten Roman gar nicht vermutet hätte. Es geht unter anderem darum, wie schwer es ist, mit einem an Demenz erkrankten Familienmitglied umzugehen und den Alltag mit der Krankheit zu meistern. Trotz der Ernsthaftigkeit, die dieses Thema mit sich bringt, wird der Leser nicht runtergezogen und die lockere Stimmung des Buches bleibt erhalten. Dazu wird Humor an den richtigen Stellen eingesetzt, ohne die Krankheit ins Lächerliche zu ziehen.
Besonders gut gefallen hat mir die Vielschichtigkeit der Charaktere, man sollte sich halt nicht immer direkt vom ersten Eindruck blenden lassen. Personen, die mir am Anfang nicht gerade positiv aufgefallen sind, habe ich im Laufe der Geschichte sehr ins Herz geschlossen. So ist zum Beispiel Maries grummeliger Nachbar zu einem meiner Lieblinge geworden. Die Klischees waren mir aber teilweise etwas zu dick aufgetragen.

Achtung SPOILER!
Kritik kann ich eigentlich nur an der Liebesgeschichte zwischen Marie und Johannes äußern, denn diese beginnt eigentlich erst ganz am Ende des Buches. Das „Hin- und Her“ war mir leider zu sehr ausgeschmückt und wirkte irgendwann zu gewollt. Am Ende war es einfach unglaubwürdig, wie oft sich die beiden trotz bekannten Adressen und Nummern „verpasst“ haben. Wenn man so großes Interesse an dem anderen hat, dann findet man meiner Meinung nach einem besseren Weg, sich zu begegnen, als in der Geschichte beschrieben. Das ist aber auch mein einziger großer Kritikpunkt.

Fazit
„Das Glück in vollen Zügen“ ist ein moderner, sommerlicher Roman mit mehr Tiefgang, als man zunächst annimmt. Mit zunehmender Seitenzahl hat mich die Geschichte immer mehr in ihren Bann gezogen und die Personen sind sehr schön ausgearbeitet worden. Trotz meiner kleinen Kritik am Ende des Buches, hat mir das Lesen sehr viel Spaß gemacht. Die Art, wie Lisa Kirsch ernste Themen mit einer leichten Wohlfühlgeschichte kombiniert, hat mir sehr gut gefallen. Aufgrund der Beschreibungen des Settings, steht der Ammersee jetzt auch auf der Liste von Orten, die ich in den nächsten Jahren besuchen möchte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.08.2020

Ein Wohlfühlbuch mit tollen Charakteren und einer traumhaften Kulisse!

Sterne sieht man nur im Dunkeln
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Anni lebt mit ihrem Freund Thies in Bremen und ist vollkommen zufrieden mit ihrem Leben - oder? Sie arbeitet bis abends als Game-Designerin und nach Feierabend widmet sie sich ihrem eigenen kleinen Geschäft ...

Anni lebt mit ihrem Freund Thies in Bremen und ist vollkommen zufrieden mit ihrem Leben - oder? Sie arbeitet bis abends als Game-Designerin und nach Feierabend widmet sie sich ihrem eigenen kleinen Geschäft mit selbstgezeichneten Prints. Doch als sie für die Firma nach Berlin ziehen soll und Thies auf einmal heiraten will, weiß sie gar nicht mehr so genau, was sie eigentlich will. So beschließt sie, ihren Sommer bei einer alten Freundin auf Norderney zu verbringen und ahnt dabei gar nicht, wie sehr das ihr Leben verändern wird.
Das Buch hat keine klassischen Kapitel, was mich anfangs etwas verwirrt hat. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt, empfinde die Einteilung in Kapitel aber als angenehmer. Sehr süß fand ich, dass die von Anni entworfenen Prints in der Geschichte mit abgedruckt wurden und es am Ende des Buches sogar nochmal Farbdrucke von den schönsten Sprüchen gibt. So konnte ich mir Annis Arbeit noch besser vorstellen.
Die Art, wie Meike Werkmeister die verschiedenen Orte beschreibt, hat es mir sehr angetan. Ich hatte oft das Gefühl, ich bin mit Anni auf Norderney und spüre den Wind in meinen Haaren. Ich werde definitiv bald mal einen Urlaub dort verbringen, es hörte sich wirklich traumhaft an. In die Geschichte bin ich gut reingekommen, sie entwickelt sich zügig, wirkt aber nicht gehetzt. Auch wenn ich einige Entscheidungen anders getroffen hätte, konnte ich Annis Beweggründe immer gut nachvollziehen. Das Buch beschäftigt sich viel mit dem Thema Selbstfindung und Glück, was mich oft selbst zum Nachdenken angeregt hat. Was zählt wirklich im Leben? Was macht mich glücklich? Was erwarten andere von mir und was will ich? Mir hat es ins Bewusstsein gerufen, dass wir heutzutage einfach viel zu selten innehalten und das Leben bewusst wahrnehmen.
Die Charaktere haben mir sehr gut gefallen, besonders Iris und Simon habe ich ins Herz geschlossen. Die einzige Person, bei der ich das Gefühl hatte, nicht allzu viel erfahren zu haben, ist Thies. Daher bin ich wohl auch nicht sein größter Fan geworden. Die ganze Zeit habe ich sehr mit Anni mitgefiebert und immer gehofft, dass sie ihr Glück findet. Ich denke, ich würde sie im realen Leben sehr mögen. Vor allem, weil wir beide eher kreative Persönlichkeiten sind und ich mich oft wiedererkannt habe.

Fazit
„Sterne sieht man nur im Dunkeln“ ist ein wundervoller Sommerroman, der Spaß macht, aber auch berührt. Als ich das Ende gelesen habe, konnte ich mich gar nicht mehr zusammenreißen und habe geheult wie ein Schlosshund. Natürlich will ich nicht abstreiten, dass da eventuell auch meine eigenen Erlebnisse und Gefühle eine Rolle gespielt haben, aber trotzdem haben mich die letzten Seiten sehr berührt. In Meike Werkmeisters nächstem Buch „Über dem Meer tanzt das Licht“ geht es um Annis Freundin Maria, ich habe es schon hier stehen und freue mich, wieder nach Norderney zurückzukehren.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.08.2020

Tiefgründige autobiographische Erzählung mit hilfreichen Ratschlägen für Betroffene und Angehörige

Wie viel wiegt mein Leben?
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„Wie viel wiegt mein Leben?“ ist als Taschenbuch im Eden Books Verlag erschienen und hat 256 Seiten. Auf dem Cover ist Antonia zu sehen, es ist in Schwarz-Weiß gehalten und hat bunte Akzente. Mir gefällt ...

„Wie viel wiegt mein Leben?“ ist als Taschenbuch im Eden Books Verlag erschienen und hat 256 Seiten. Auf dem Cover ist Antonia zu sehen, es ist in Schwarz-Weiß gehalten und hat bunte Akzente. Mir gefällt die Gestaltung des Buches sehr gut, besonders der pastellige Look des Buchrückens ist schön. Die Qualität und Verarbeitung ist sehr gut, beim Lesen ist mir aufgefallen, dass man nur sehr schwer Leserillen bekommt. Das ist für mich ein großer Pluspunkt, da ich Leserillen immer vermeiden will.
Das Buch ist eine Mischung aus einem Ratgeber zum Thema Magersucht und einer Autobiographie, die Antonias Weg mit der Essstörung begleitet. Dabei gehen Tonis Schilderungen sehr viel tiefer, als ich es von vielen Büchern über dieses Thema kenne. Sie möchte klarstellen, dass Essstörungen im Grunde mit viel tieferen psychologischen Ursachen zu erklären sind, als mit dem Wunsch „dünn zu sein“. Dabei ist sie so schonungslos ehrlich und offen, dass es manchmal erschreckend sein kann. Aber diese Ehrlichkeit braucht es, um die Psyche zu entschlüsseln und wieder gesund zu werden. Toni thematisiert auch ihre drei Klinikaufenthalte und vermittelt dem Leser auch generelles Wissen zum Thema Psychische Erkrankungen.
Um meine Wertung des Buches besser zu verstehen: Im Alter von 15 Jahren bin ich selbst in die Anorexie gerutscht und hatte dazu noch mit Depressionen zu kämpfen. Ich kann heute stolz behaupten, dass ich „gesund“ bin, soweit man das eben bei einer Krankheit behaupten kann, die man nie komplett „heilen“ kann. Da ich aber damals keine Therapie gemacht habe, fand ich es sehr interessant über Antonias Erfahrungen in den Kliniken zu lesen. Ich finde ihren Ansatz gut, die tiefen psychologischen Ursachen für ihre Krankheit zu erläutern, wobei ich ihre Ehrlichkeit und Offenheit sehr bewundere. Sie redet über Themen, die sehr privat sind und hat mir damit an vielen Stellen gezeigt, dass ich nicht alleine bin/war mit vielen Gefühlen, Gedanken oder Erlebnissen.
Besonders positiv finde ich, dass sie bei Ihren Schilderungen keine Zahlen nennt, weder beim Gewicht noch bei den Kalorien. Denn sowas empfinde ich sogar noch nach 10 Jahren als „triggernd“ und nicht förderlich für die Leser, die selbst betroffen sind. Toni hat es mir ihrem Buch geschafft, mich zum Nachdenken anzuregen und hat mir dabei geholfen, viele meiner eigenen Gefühle und meinen Krankheitsverlauf besser verstehen zu können. Wichtig finde ich, dass sie die tieferliegenden Ursachen der Krankheit hervorhebt und klarstellt, dass ein gesunder Mensch durch eine Diät nicht in eine Essstörung rutscht. Es sind meist ganz andere Faktoren (meist aus der eigenen Vergangenheit), die die Gefahr, in ein krankhaftes Verhalten abzurutschen, begünstigen. Sie widmet sich auch dem Thema Selbstfindung, was viele (vor allem junge) Menschen stark beschäftigt. Gut finde ich auch, dass sie ihre Familie selbst zu Wort kommen lässt. Mein einziger Kritikpunkt ist nur, dass sich manche Dinge wiederholen, was aber nicht dramatisch ist.

Fazit:
Antonia hat mich mit ihrem Buch sehr beeindruckt, sie hat sich zu einer starken, lebensfrohen jungen Frau entwickelt und wird mit „Wie viel wiegt mein Leben?“ sicherlich vielen Lesern helfen, sowohl Betroffenen als auch Angehörigen und Freunden, die die Krankheit besser verstehen möchten. Ihr Schreibstil ist sehr angenehm, modern und flüssig zu lesen. Das Buch hat mit 256 Seiten einen guten Umfang und ist nicht zu lang. Viele Vergleiche und Ratschläge werde ich so schnell nicht mehr vergessen und versuchen umzusetzen. Ihre schonungslos ehrlichen Erzählungen sind oft im ersten Moment schockierend, meiner Meinung nach aber notwendig. In unserer Gesellschaft wird viel zu selten so offen über Probleme und Gefühle gesprochen. Danke Antonia, ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft und dass du deine Ziele weiterhin so leidenschaftlich verfolgst!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere