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Veröffentlicht am 28.11.2022

Faszinierendes Magiesystem, atmosphärisch geschrieben

Die Dunkeldorn-Chroniken - Blüten aus Nacht
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Mit dem Auftakt der „Dunkeldorn-Chroniken“ lädt Katharina Seck uns in eine Welt ein, in dem die aus dem Dunkeldorn gewonnene Blütenstaub die Basis der Macht und Magie der Dunkeldornmagier darstellt. Opal, ...

Mit dem Auftakt der „Dunkeldorn-Chroniken“ lädt Katharina Seck uns in eine Welt ein, in dem die aus dem Dunkeldorn gewonnene Blütenstaub die Basis der Macht und Magie der Dunkeldornmagier darstellt. Opal, unsere Protagonistin, ist eine der Plantagearbeiterinnen und obwohl ihr von Kindheit an beigebracht wurde, sich vor dem gefährlichen Dunkeldorn zu hüten, steht sie einer unvorhergesehenen Katastrophe schutzlos gegenüber und gerät zudem in einen Mahlstrom aus Geheimnissen und Intrigen.
Ohne jeden Zweifel ist der Dunkeldorn der Star des Romans: von mythischem Ursprung, magischer Befähigung bis hin zu wissenschaftlicher Manipulation bildet er das Herzstück des Settings und erfüllt diese Rolle auf spannende und originelle Weise. Ausgesprochen gut haben mir die Enthüllungen um den (desaströsen) gesellschaftlichen Umgang mit dem Dunkeldorn gefallen. Der flüssige, einnehmend-rankende Schreibstil der Autorin passt hervorragend zu der Thematik und macht das Lesen zu einem kurzweiligen Vergnügen.
Die Protagonistin hingegen hat mich stellenweise nicht überzeugt, besonders ihre Faszination und Anziehung zum Dornenprinz konnte mich nicht einnehmen.
Im Mittelstück des Romans gibt es eine ruhigere Phase der Neuorientierung, doch zum Ende nimmt die Handlung rasant an Fahrt auf, zieht mit überraschenden Wendungen in seinen Bann und endet viel zu früh.
Alles in allem ein gelungener Reihenauftakt, der mit interessantem Worldbuilding und Cliffhanger-Ende Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 23.11.2022

Suchtpotenzial: Komplexe Fantasy mit arabischem Setting

Die Stadt aus Messing
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Mit Lug, Betrug und dem einen oder anderen Gelegenheitsdiebstahl hält sich Nahri im Kairo des 18. Jahrhunderts über Wasser. Niemand ist überraschter als sie selbst, als sie bei einem Ritual einen Daeva-Krieger ...

Mit Lug, Betrug und dem einen oder anderen Gelegenheitsdiebstahl hält sich Nahri im Kairo des 18. Jahrhunderts über Wasser. Niemand ist überraschter als sie selbst, als sie bei einem Ritual einen Daeva-Krieger beschwört und in einen jahrhundertealten Konflikt gerät. In der Stadt aus Messing soll sie Schutz finden, doch die Stadt ist alles andere als sicher: Alter Hass und neue Gerüchte brodeln und werden notdürftig durch die harte Hand des Königs im Zaum gehalten.
Über die Perspektiven Nahris, der Fremden, und Alis, des jüngeren Königssohns, erhält der Leser zwei verschiedene Blickrichtungen auf das Geschehen in und um Daevabad. Aufgrund der komplexen sozialen und politischen Strukturen handelt es sich hierbei um keinen Roman, den man „mal nebenbei“ lesen kann bzw. sollte.
Die Handlung zeichnet sich durch ein Wechselspiel aus Action und Politik aus, Loyalität und List, Verrat und Vorurteile, Geheimnisse und Geschichte. Sowohl die Figuren als auch die einzelnen Gruppierungen sind glaubwürdig, authentisch und vielschichtig. Besonders gut hat mir gefallen, dass es kein simples „Gut vs. Böse“ gibt, vielmehr wird in moralischen Grauzonen agiert. Die Figuren werden in hohem Maße gegeneinander ausgespielt, wobei es nicht immer eindeutig ist, wer an wessen Fäden zieht.
Chakraborty ist ein Roman gelungen, der ohne sackenden Mittelteil von Anfang bis Ende hochspannend ist und zugleich mit fantastischen, lebendigen Beschreibungen und einer magischen Atmosphäre überzeugt.
Alles in allem ein wundervolles Fantasy-Lesehighlight.

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Veröffentlicht am 28.10.2022

flache Figuren und oberflächlicher Plot

Wie man einen Lord gewinnt (Regency Romantics 1)
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Anstelle einer ordentlichen Rezension hier vorläufig als Übersicht.


Positiv:

- amüsante Dialoge


Negativ:

- den Figuren mangelt es an Charakter, sie erscheinen flach, unauthentisch

- außerdem hat ...

Anstelle einer ordentlichen Rezension hier vorläufig als Übersicht.


Positiv:

- amüsante Dialoge


Negativ:

- den Figuren mangelt es an Charakter, sie erscheinen flach, unauthentisch

- außerdem hat man beim Lesen den Eindruck, dass die Freunde nur vorgestellt werden, um später eigene Bücher zu erhalten. Dadurch fühlt sich der Roman mehr wie ein Set-Up als ein eigenständiges Werk an

- eine gewisse Voraussehbarkeit ist angesichts des Plots (vgl. Klappentext) zu erwarten (dafür an sich also kein Minus) aber: es war langatmig und langweilig

- der eigentliche Konflikt der Hauptfiguren ist extrem kindisch (vorallem wenn man bedenkt, wie alt James zum Zeitpunkt des Streites war)

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Veröffentlicht am 28.10.2022

Über die blutig-faszinierenden Anfänge der plastischen Chirurgie

Der Horror der frühen Chirurgie
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Der zweite medizinhistorische Roman von Lindsey Fitzharris erzählt von der Geburtsstunde der modernen Schönheitschirurgie: während des 1. Weltkrieges entstanden Gesichtsverletzungen in nie dagewesenen ...

Der zweite medizinhistorische Roman von Lindsey Fitzharris erzählt von der Geburtsstunde der modernen Schönheitschirurgie: während des 1. Weltkrieges entstanden Gesichtsverletzungen in nie dagewesenen Mengen, und während andere Soldaten nach Ende des Krieges in die Gesellschaft zurückkehren konnten, wurden als die Gueules cassées nicht selten als Ausgestoßene behandelt. So hatten sie beispielsweise in Frankreich zunächst keinen Anspruch auf Kriegsversehrten-Unterstützung.
Harold Gillies, HNO-Arzt, wurde in dieser Stunde Vater der plastischen Chirurgie. Spannend und auf sehr bildliche Weise werden die schrecklichen Verwundungen und die Heilungsbemühungen beschrieben. Dabei wird das Schlaglicht nicht nur auf Gillies, sondern auch auf mehrere Zeitgenossen gerichtet, die sich ebenfalls bemühten, das Leid der Gesichtsverletzten zu mindern. Neben Ärzten werden auch künstlerisch tätige Persönlichkeiten vorgestellt, die mittels Masken eine Rückkehr in die Gesellschaft ermöglichten.
Ganz konkret sind die medizinischen Grenzen, Möglichkeiten und Methoden der Zeit hervorragend recherchiert. Vorgänge und Eingriffe werden verständlich beschrieben. Hier ein Beispiel:
„Zuerst deckte er das rohe Fleisch im Wundbereich mit Hauttransplantaten ab, um die Atemwege zu schützen. Dann entnahm er [dem Patienten] Rippenknorpel und schnitt ihn in Form einer Pfeilspitze, um ihn später als Stütze für die Nasenflügel zu verwenden. Dann implantierte er das Knorpelstück unterhalb des Haaransatzes in [seine] Stirn, wo es sechs Monate verblieb.“ (S. 135f.)
Ich gestehe, dass ich vorher nie darüber nachgedacht habe, wie schwierig Gesichtsoperationen damals aufgrund der gängigen Anästhesie durch Gase war.
Beim Lesen habe ich ab und an gedacht, dass die erwähnten Abbildungen der Endresultate der Operationen Gillies interessant wären. Allerdings ist eine wissenschaftliche Veröffentlichung von Harold Gillies online zugänglich und Fitzharris hat vermutlich Recht daran getan auf eine Wiedergabe der Bilder zu verzichten und so einen sachlichen Ton und respektvollen Umgang mit den betroffenen Männern aufrecht gehalten.
Alles in allem empfehle ich diesen Roman allen Lesern, die an medizinischen Dingen Interesse haben und drastisch-detaillierte Beschreibungen verkraften.

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Veröffentlicht am 21.10.2022

Spannender Auftakt einer Serie zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein.
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„Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein“ ist das erste Buch der Spiegel-Bestsellerautorin Hanna Caspian, das ich gelesen habe (und es wird nicht das letzte bleiben).
Es handelt sich hier um den Auftakt ...

„Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein“ ist das erste Buch der Spiegel-Bestsellerautorin Hanna Caspian, das ich gelesen habe (und es wird nicht das letzte bleiben).
Es handelt sich hier um den Auftakt einer neuen Reihe, die im August 1906 beginnt:
Aufgrund der Willkür eines Fürsts erhält die junge Adelheid überraschend eine Stelle als Stubenmädchen. Als Tochter eines Tagelöhners, dessen Familie Hunger und Armut nur zu vertraut ist, setzt sie nun alles daran, trotz unbekannter Aufgaben, Schlafmangel und der Missgunst in der Beförderung übergangener Hausmädchen in ihrem neuen Alltag zu brillieren. Doch der Beginn der Eulenburg-Affäre bedroht die soziale Stellung der arbeitsgebenden Fürstenfamilie.
Neben Adelheid wird auch aus den Perspektiven von Viktor, einem Diener mit verheerendem Familiengeheimnis, Hedda, einem weltgewandten Stubenmädchen mit großem Traum, und Constanze, der Gouvernante der drei Fürstentöchter, erzählt. Sie alle unterscheiden sich aufgrund ihrer familiären und sozialen Prägung in ihren Ansichten.
Nicht zuletzt dank des schönen, eingängliches Schreibstils gelingt es der Autorin die Vielzahl der Figuren zu koordinieren, ohne dass sich Handlungsstränge unverständlich ineinander verwirren. Der historische Hintergrund ist vorbildlich recherchiert, sowohl was geistesgeschichtliche Aspekte angeht wie auch das Alltägliche aus dem Leben von Arm und Reich.
Besonders gut gefallen haben mir die Spannungen unter den Dienstboten: die strikte Hierarchie fördert Konflikte, Eifersucht und Konkurrenz in der ohnehin aufgrund mangelnder Rechte vulnerablen Gruppe. Und wo es an gesetzlichen Wegen zur Lösung von Problemen fehlt, müssen Figuren kreativ werden.
Alles in allem kann ich den Roman an alle empfehlen, die eine Reihe suchen, in der das Leben von Dienstboten nicht romantisiert und ihr Verhältnis zu den Arbeitsgebern nicht verklärt ist.

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