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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.07.2025

Sehnsucht

Die Geschichte des Klangs
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Im Buch geht es um Lionel, der in einem Frühling David kennenlernt. Sie verbringen den schönsten Sommer ihres Lebens zusammen, in dem sie Lieder auf Wachswalzen sammeln, und sehen sich danach nie wieder. ...

Im Buch geht es um Lionel, der in einem Frühling David kennenlernt. Sie verbringen den schönsten Sommer ihres Lebens zusammen, in dem sie Lieder auf Wachswalzen sammeln, und sehen sich danach nie wieder. Eines Tages tauchen die Wachswalzen in einem Paket bei Lionel auf und er schwelgt in den Erinnerungen dieses unvergesslichen Sommers.

Der Schreibstil des Buches ist wunderschön poetisch. Er hat mich in seinen Bann gezogen und trotz der Kürze des Buches absolut verzaubert. Der Autor schafft es mit ganz wenigen Worten, ein tiefes Gefühl der Nostalgie entstehen zu lassen nach vergangenen besseren Tagen. Nach diesem einen wunderschönen Lebens definierenden Sommer, nach dem sich der Hauptcharakter immer sehnen wird.
Im zweiten Teil lesen wir von Annie, die diejenige ist, die die Wachswalzen wiederentdeckt. Zuerst fand ich den Umschwung sehr irritierend, weil ich gerade von diesem Mann gelesen habe, der eine unbeschreibliche Nostalgie fühlt, und jetzt plötzlich von dieser Frau, die eben diesen Mann im Fernsehen sieht. Der Autor hat es jedoch geschafft, starke Parallelen zu der Sehnsucht zu ziehen, die beide Figuren erfasst hat.

Das Buch beschreibt Sehnsucht und Nostalgie so greifbar, dass ich ungeheuer beeindruckt war.

Veröffentlicht am 29.06.2025

Enttäuschend

Die Sprache der Drachen
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Vivien Featherswallow ist ein Ass in Sprachen. Sie spricht sowohl mehrere Menschen- als auch Drachensprachen und möchte an der Akademie studieren. Doch als ihre Eltern als Rebellen verhaftet werden, sieht ...

Vivien Featherswallow ist ein Ass in Sprachen. Sie spricht sowohl mehrere Menschen- als auch Drachensprachen und möchte an der Akademie studieren. Doch als ihre Eltern als Rebellen verhaftet werden, sieht sie keinen anderen Ausweg, als an einem Geheimprojekt der Regierung teilzunehmen. Dabei soll sie eine bisher unbekannte Drachensprache übersetzen, von der die Drachen, auch die auf der Seite der Regierung, nicht wollen, dass die Menschen sie erlernen. Umso weiter Viv in ihrer Übersetzung fortschreitet, umso klarer wird, dass sie alle angelogen werden.

Der Anfang des Buches hat mir gut gefallen. Ich fand es spannend, dass wir in unserer Welt sind, die Drachen aber vollständig als Mythologie integriert sind. Ich war gespannt, wie die Autorin das umsetzen würde. Nachdem ich das Buch fertig gelesen habe, kann ich sagen: Nicht besonders gut.
Zuerst einmal gibt es eine Segregation der Drachen und Menschen, was für die Geschichte zwar Sinn macht, aber leider verhindert, dass die Mythologie gut in die Welt integriert ist.
Außerdem sind die Beziehungen zwischen den Charakteren bestenfalls lauwarm. Sie werden einfach nicht natürlich aufgebaut. Stattdessen interagieren sie kaum und plötzlich sind sie Freunde oder hassen sich. Die Liebesgeschichte ist davon auch betroffen.
Auch die ganze Geschichte der Rebellion war schwach aufgebaut. Sie sind an Stellen stehen geblieben, die sie sabotiert haben, oder haben lautstark über ihre Umsturzpläne gesprochen. Es hat sich einfach albern angefühlt.
Viv ist eine sehr anstrengende Charakterin. Ich verstehe, dass es darum geht, dass sie versucht, damit klarzukommen, dass sie ihr gesamtes Leben Propaganda gehört hat und diese internalisiert hat und nun muss sie versuchen, ihrer Moral zu folgen. Das hätte auch unheimlich spannend sein können, aber leider schwankt sie ständig hin und her und trifft teilweise die hirnrissigsten Entscheidungen.

Die Geschichte hat ein beeindruckendes Gerüst, in das dann leider jede Menge Müll gekippt wurde. Folglich kann ich persönlich nur von dem Buch abraten.

Veröffentlicht am 29.06.2025

Ruhe und Schlaf

Der Schlaf der Anderen
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Im Buch geht es um Janis, die in einer Schlafklinik arbeitet. Schon lange lebt sie entgegen des Tagesablaufs normaler Menschen und fühlt sich nicht mit ihnen verbunden. Eines Tages kommt Sina in die Klinik, ...

Im Buch geht es um Janis, die in einer Schlafklinik arbeitet. Schon lange lebt sie entgegen des Tagesablaufs normaler Menschen und fühlt sich nicht mit ihnen verbunden. Eines Tages kommt Sina in die Klinik, um ihre Schlafprobleme abzuklären und beide bilden eine zarte Freundschaft, die ihnen vielleicht aus ihrer überwältigenden Schlaflosigkeit hilft.

Die Autorin betrachtet ein spannendes Thema, das auch mir nahe geht. Schlaf ist schon immer etwas, das persönlich viel Anstrengung benötigt, während andere es eben “im Schlaf können”.
Das Buch beschäftigt sich damit, wie unsere Gesellschaft Schlaf betrachtet. Als etwas, das funktionieren muss, damit du morgen wieder arbeiten kannst. Als etwas, das man nicht in der Öffentlichkeit tun sollte, weil es bedeutet, dass die Person vom Schlaf überwältigt wurde. Diese Perspektive fand ich unheimlich spannend.
Das alles haben wir betrachtet, während wir die zarte und sanfte Freundschaft sehen konnten, die sich zwischen Janis und Sina entsponnen hat. Diese Freundschaft hat den beiden eine neue Perspektive und Kraft gebracht, die sehr motivierend zu sehen war.

Das Buch hat sich sehr tiefgreifend und sacht angefühlt und ich kann es jedem empfehlen, der sich auch nur ein bisschen von dem Thema angesprochen fühlt.

Veröffentlicht am 01.06.2025

Die ersten Frauen im All

Atmosphere
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Im Buch geht es um die ersten Weltall Missionen, bei denen Frauen mitfliegen durften. Unsere Hauptcharakterin ist Joan Goodwin, die eine der ersten Frauen auf einer eben jener ist. Wir sehen ihren Weg ...

Im Buch geht es um die ersten Weltall Missionen, bei denen Frauen mitfliegen durften. Unsere Hauptcharakterin ist Joan Goodwin, die eine der ersten Frauen auf einer eben jener ist. Wir sehen ihren Weg zur Astronautin und auch wie sie mit der neuesten Mission umgeht, die verspricht, zu einer Tragödie zu werden.

“Die sieben Ehemänner der Evelyn Hugo” ist eines meiner liebsten Bücher überhaupt. Es war so emotional, bewegend und beeindruckend zu lesen, dass es wirklich mein Herz erobert hat. Auch andere Bücher von Taylor Jenkins Reid habe ich gelesen. Auch wenn sie mir nicht so nah gegangen sind, war doch jedes einzelne ein wunderbares Stück Literatur.
Daher habe ich mich ausgesprochen auf dieses Buch gefreut. Vor allem der Fakt, dass es mal wieder queer wird, hat mich begeistert. Außerdem war das Thema genau mein Fall. Die Weltall Missionen fand ich schon immer faszinierend.
Das Buch beginnt mit Beschreibungen einer Mission im Jahre 1984, die wider Erwarten katastrophale Ausmaße annimmt. Das fand ich sehr gut gewählt, da man beim Lesen von der ersten Minute an total gefesselt ist. Die Beschreibungen dieser Mission werden unterbrochen mit der Geschichte, wie sich Joan auf ihre Stelle bewirbt, Astronautin wird und ihre TeamkollegInnen kennenlernt. In der Mitte des Buches wird dann wieder kurz mit einer Erzählung aus dem Jahre 1984 unterbrochen, die eine viel stärkere Wirkung hat, dadurch dass wir die TeamkollegInnen von Joan inzwischen kennenlernen durften. Danach geht es weiter mit der Geschichte zu ihrer Ausbildung und Beziehungsbildung bis zur Gegenwart, wo wir die Auflösung der katastrophalen Situation sehen.
Diesen Aufbau fand ich sehr gelungen, da er dafür sorgt, dass alle Informationen, die wir im Laufe des Buches erhalten, viel intensivere Gefühle auslösen.
Mir hat gefallen, wie explizit sich das Buch mit Diskriminierung von Frauen und Queerfeindlichkeit zum einen in der Zeitperiode aber auch vor allem bei der NASA auseinandersetzt. Der Subplot, wie Joan ihre Nichte großzieht und versucht, mit dem Charakter ihrer Schwester klarzukommen, war sehr gelungen.
Leider fand ich das Buch insgesamt irgendwie blasser und weniger ergreifend als andere Werke der Autorin. Ich weiß nicht, ob es an mir liegt, aber ich hatte das Gefühl, dass die hohe Emotionalität, die ich von ihren anderen Büchern gewohnt bin, hier zum Teil etwas zu kurz kam.

Das Buch ist trotz meiner kleinen Kritik ein sehr gelungenes Werk, das absolut lesenswert ist.

Veröffentlicht am 17.05.2025

Ein Hoch auf Therapieerfolge

No Hard Feelings
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Penny hat Probleme. Probleme im Job, Probleme mit ihrem Freund und Probleme mit ihrem Körper. Bei allen anderen scheint einfach alles in Ordnung zu sein. Ihre Freunde haben tolle Beziehungen und tolle ...

Penny hat Probleme. Probleme im Job, Probleme mit ihrem Freund und Probleme mit ihrem Körper. Bei allen anderen scheint einfach alles in Ordnung zu sein. Ihre Freunde haben tolle Beziehungen und tolle Jobs oder zumindest einfach keine Probleme mit sich. Aber Penny nimmt sich fest vor, dass alles besser wird. In ihrem Job, bei dem sie nicht leidenschaftlich dabei ist, wird sie bestimmt eine Beförderung kriegen und ihr Freund, der sie eigentlich ausschließlich zum Sex einlädt, wird ihr auch bald zu Füßen liegen. Das weiß sie genau. Also bestimmt.

Das Buch zeigt einen sehr faszinierenden und meiner Erfahrung nach sehr realistischen Blick auf psychische Krankheiten. Man sieht Pennys Ängste, Gedankenspiralen und Selbstzweifel ganz genau. Auch wenn ich persönlich nicht ganz so selbstzerstörerisch bin, fand ich es sehr nachvollziehbar. Das Buch setzt sich sehr ehrlich und ungeschönt mit dem Thema auseinander. Was zwischendurch auch teilweise frustrierend ist, da Penny gefühlt immer wieder die gleichen Fehler macht. Letztendlich können wir aber ihre Therapieerfolge sehen, was sehr befriedigend ist. Dabei finde ich es auch schön, wie realitätsnah das Ganze ist. Penny wird nämlich nicht durch die Liebe erlöst und sie hat auch nicht eine plötzliche Eingebung, weswegen ihr ihr Leben plötzlich ganz leicht von der Hand geht. Stattdessen sieht man, dass es ein langer Prozess ist mit Rückschlägen, der sich aber langfristig einfach lohnt.

Das Buch ist sehr empfehlenswert für Leute, die psychische Ängste haben und sich einfach mal gesehen fühlen wollen und sonst natürlich auch für alle, die das vielleicht nicht so kennen, aber gerne etwas mehr nachvollziehen würden.