Das Känguru ist nicht mehr kommunistisch...
Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)Ich habe diesen fünften Band der Känguru Reihe sehnsüchtig erwartet, seit vier Jahren höre ich die Hörbücher zum Einschlafen und kann quasi auswendig mitsprechen. Kaum eine Reihe hat mich so sehr geprägt ...
Ich habe diesen fünften Band der Känguru Reihe sehnsüchtig erwartet, seit vier Jahren höre ich die Hörbücher zum Einschlafen und kann quasi auswendig mitsprechen. Kaum eine Reihe hat mich so sehr geprägt (und vermutlich auch etwas "radikalisiert"). Da ich ein großer Fan von Marc-Uwe Kling als Autor und vom Känguru als Figur bin, hatte ich sehr hohe Erwartungen an "Die Känguru-Rebellion", habe mit einer ebenbürtigen Fortsetzung gerechnet, die ein großes Highlight wird. Leider wurde ich etwas enttäuscht. "Die Känguru-Rebellion" ist ein tolles Buch, aber es kann nicht an die Vorgänger heranreichen und unterscheidet sich inhaltlich sehr.
Dieser Band behandelt quasi tagesaktuelle Themen, in fast jedem Kapitel dabei sind Merz, Trump, Söder, Musk und Co. Dadurch ist dieses Buch nicht nur ernster und weniger lustig als die Vorgänger, sondern vor allem nicht so zeitlos. "Die Känguru-Chroniken" ist vor 17 Jahren erschienen und immer noch lesbar und verständlich für eine neue Zielgruppe (einfach zeitlos, das macht die Känguru Bücher so genial). Ich befürchte, das wird bei der "Känguru-Rebellion" in 17 Jahren nicht so sein, da zu dem Zeitpunkt kaum jemand mehr etwas mit dem tagespolitischen Geschehen aus 2026 anfangen kann und wir (hoffentlich) alle vergessen haben, wer Christian Lindner war.
"Die Känguru-Rebellion" ist vielmehr ein Manifest von Marc-Uwe Kling persönlich, in dem er durch das Känguru seine eigenen politischen Forderungen und Denkanstöße artikuliert. Diese würde ich zwar fast 1:1 so unterschreiben und konnte viel für mich daraus mitnehmen, aber dadurch wird das Känguru politisch gemäßigter, um Klings Meinung anschlussfähig zu machen. Das Känguru erzählt nicht mehr ständig vom Viet Cong und schimpft nicht mehr auf den "Kapitalismus" im Generellen als Wurzel allen Übels, sondern auf "Profitinteressen". Das Känguru ist nicht mehr gegen das System AN SICH , sondern rebelliert gegen die Zustände INNERHALB des Systems (Neoliberalismus, Konservatismus und Faschismus). Das ist eine noble Einstellung, allerdings passt das für mich nicht zur Figur des Kängurus, dass in den vorherigen Bänden noch mehr oder weniger an einer kommunistischen Revolution gearbeitet hat. In der "Känguru-Rebellion" kann ich mich nicht mal daran erinnern, dass der Begriff "Kommunismus" auch nur erwähnt wurde, was untypisch ist für das Känguru, das ich kenne und liebe.
Ich möchte diese Fortsetzung soooo gerne ebenfalls mit 5 Sternen bewerten wie den Rest der Reihe, aber sie kommt leider nicht an diese heran. Ich bringe es allerdings auch nicht übers Herz, diesen Teil schlecht zu bewerten. "Die Känguru-Rebellion" ist trotz allem ein Buch, dass ich gerne gelesen habe und bei dem ich mich über bekannte Charaktere und alte Insider gefreut habe. Ich nehme einige Denkanstöße mit, denn auch wenn das für mich kein richtiger Känguru Band ist, bin ich trotzdem Fan von diesem "Marc-Uwe Kling Manifest" (oder vllt lieber "Das Kleinkünstler-Manifest", das wäre ein passender Titel). Denn Kling hat die Fähigkeit, schwierige Themen runterzubrechen und gute Antworten zu finden. Das Känguru bietet sich halt gut als Medium für Klings politische Agenda an und ich finde es nur logisch und richtig, dass er seine größtmögliche Bühne dafür nutzt. Wenn man das Känguru als funktionales Sprechrohr Klings betrachtet (es wiederstrebt mir sehr, dass zu schreiben, das Känguru würde sofort seine Boxhandschuhe aus dem Beutel holen…), ist dieser Band großartig.