Ein perfekter Schreibstil trifft auf eine schwierige Protagonistin
Nowhere Heart Land„Nowhere Heart Land“ erzählt die Geschichte von Rosa Konert, die lost im Erwachsensein ist. Und weil die Dinge immer anders laufen als erwartet, landet sie auf einmal wieder in der deutschen Kleinstadt, ...
„Nowhere Heart Land“ erzählt die Geschichte von Rosa Konert, die lost im Erwachsensein ist. Und weil die Dinge immer anders laufen als erwartet, landet sie auf einmal wieder in der deutschen Kleinstadt, in der sie aufgewachsen ist. Hier brechen alte, nicht geheilte Wunden wieder auf und Rosa versucht ihre chaotischen Erinnerungen, die in ihre Gegenwart gespült werden, vergeblich zu ordnen.
Der Schreibstil ist perfekt für diese Art von Geschichte! Assoziativ, fragmentarisch und teilweise willkürlich mit vielen Streams of Consciousness wird der Gemütszustand Rosas auf der Erzählebene abgebildet. So habe ich direkt ein Gefühl für ihren mentalen Zustand bekommen. Das ist die Art von Schreibstil, die ich liebe! Sehr nah an der Protagonistin und an vielen Stellen in dem Chaos wunderschön, aber auch nachdenklich stimmend.
Es gibt häufig Rückblenden in die Vergangenheit am Internat, wenn Rosa sich zurück erinnert. Diese sind teilweise sehr willkürlich oder leicht deplatziert, vermitteln jedoch ein gutes Gefühl für Rosas Aufwachsen und ihre Art, daran zurückzudenken.
Leider hatte ich so meine Probleme mit Rosa. Ich empfand sie an einigen Stellen als sehr anstrengend. Ich verstehe genau, warum sie so ist, wie sie ist. Sie agiert sehr kindisch, weil sie nicht erwachsen sein möchte, ist impulsiv, hat viele (Generationen-)Traumata, gerade was ihre Mutter und Großmutter betrifft, nicht verarbeitet und sehnt sich nach ihrer Internatszeit zurück, die sie wieder in die Gegenwart zu holen versucht. Dennoch ging sie mir oft auf die Nerven und ich finde ihr Verhalten anderen Personen gegenüber unfair und kopflos. In mancher Hinsicht ist sie unvorhersehbar, weil mir trotz des Schreibstils nicht ganz einleuchtete, was genau in Rosas Kopf vorgeht. Das hat mein positives Leseerlebnis etwas eingeschränkt, weil ich an bestimmten Stellen einfach nur den Kopf geschüttelt habe und mir ihr Verhalten nicht mehr erklären konnte.
Nichtsdestotrotz hat „Nowhere Heart Land“ meine vorherige Erwartungshaltung erfüllt und obwohl ich Rosa so schwierig finde, macht gerade das das Buch so besonders. Auch wenn es nicht mein liebstes Buch ist, kann ich es empfehlen, weil es definitiv außergewöhnlich ist und wunderschön geschrieben! Allein für den Schreibstil lohnt es sich!