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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2022

Teuflisch

Teufelskreuz
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Im 69-Seelendorf Ursprung tritt nach dem Ableben des alten Pfarrers ein neuer Geistlicher die Stelle des Seelsorgers an. Doch Mano Urian ist definitiv anders, als man sich den typischen Geistlichen vorstellt. ...

Im 69-Seelendorf Ursprung tritt nach dem Ableben des alten Pfarrers ein neuer Geistlicher die Stelle des Seelsorgers an. Doch Mano Urian ist definitiv anders, als man sich den typischen Geistlichen vorstellt. Jung, modern und gutaussehend, verfallen ihm nicht nur die Frauen reihenweise. Er mischt auch den Gottesdienst gehörig auf, bei ihm gibt es nur Ein-Satz-Predigten. Dafür geht er lieber ins Wirtshaus oder nimmt den Dorfbewohnern die Beichte ab. Durch seine einnehmende, aber rätselhafte Art bringt er die Dorfbewohner dazu, ihm ihre intimsten Geheimnisse zu verraten. Und seit seiner Ankunft häufen sich skurrile Unglücks- und Todesfälle, Intrigen kommen ans Licht…. Man ahnt, mit Mano Urian ist einer ins Dorf gekommen, der – eventuell in Anlehnung an Goethes Mephisto - stets das Gute will und stets das Böse schafft.
Auch wenn so manche Szene böse und amüsant erzählt wird, konnte mich ,,Teufelskreuz“ leider nicht so recht überzeugen. Die einzig interessante Figur war für mich der geheimnisvolle und charismatische Pfarrer Mano Urian. Die übrigen Dorfbewohner wirkten alle klischeehaft und satiremäßig überzogen, was zum Autor Joesi Prokopetz passt, mir persönlich aber nicht so gefallen hat. Auch die versprochene Krimispannung kam nicht auf, da es eine wirkliche Krimihandlung nicht gibt. Vielleicht liegts an der Art des Humors? Mich konnte das Buch nur leidlich unterhalten und leider nicht so recht packen.

Veröffentlicht am 06.12.2022

Berlin bei Nacht

Die Stunde der Hyänen
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In Berlin brennen nachts immer wieder Autos. Zu Beginn wird man Zeuge, wie der ehemalige LKW-Fahrer und Alkoholiker Radek, der nach dem Rausschmiss zu Hause nun im VW -Bulli haust, fast Opfer eines Brandanschlags ...


In Berlin brennen nachts immer wieder Autos. Zu Beginn wird man Zeuge, wie der ehemalige LKW-Fahrer und Alkoholiker Radek, der nach dem Rausschmiss zu Hause nun im VW -Bulli haust, fast Opfer eines Brandanschlags wird. Jette Geppert ist Journalistin und berichtet über die Geschehnisse. Sie besucht Radek auch im Krankenhaus und durch ihre Artikel wird eine große Spendenaktion für Radek ins Leben gerufen. Jette Geppert ist im Beruf erfolgreich und tough, zu Hause allerdings wird sie von ihrem weniger erfolgreichen Freund ausgenutzt und geschlagen. Die Journalistin wiederum trifft die junge Polizistin Romina Winter, die gerade zum Dezernat für Branddelikte strafversetzt wurde. Sie ist eine Roma und wird von ihren hauptsächlich männlichen Kollegen ignoriert oder belächelt. Ihre Wege kreuzen sich mehr oder weniger zufällig im nächtlichen Berlin. Insofern erinnert die Handlung ein bisschen an den Film Short Cuts.
Was vielversprechend beginnt, wird dann aber leider zu wenig spannend. Schon sehr früh kennt man den Täter, den jungen Postboten Maurice, der mit seiner Familie in einer strengen Sekte lebt. Seine Liebe zu Britta kann er nicht ausleben, da er es nicht wagt, sich ihr zu öffnen, außerdem wird sie von den Sektenführern strikt unterbunden. Auch die anderen Figuren leben in schwierigen Bedingungen, Alkohol, Missbrauch in der Familie oder in der Partnerschaft, schwierige Eltern-Kind-Beziehungen usw. Irgendwie verliert man sich in den zahllosen Handlungssträngen, was zwar wohl realistisch ist, trotz aller Düsterkeit. Aber ein richtiger Spannungsbogen kann sich dabei nicht entwickeln.
Da hat der Klappentext leider etwas zu viel - oder etwas Falsches versprochen. ,,Die Stunde der Hyänen“ ist ein interessanter und lesenswerter Roman, aber kein Thriller und auch nicht ,,hochexplosiv“.

Veröffentlicht am 25.11.2022

Lektionen des Lebens

Lektionen
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Der über 700 Seiten starke Roman des britischen Autors unterhält nicht nur, sondern fordert auch den Leser. Erzählt wird das Leben des Roland Baines, der einige biographische Parallelen zum Autor aufweist.
Die ...

Der über 700 Seiten starke Roman des britischen Autors unterhält nicht nur, sondern fordert auch den Leser. Erzählt wird das Leben des Roland Baines, der einige biographische Parallelen zum Autor aufweist.
Die Geschichte beginnt in der Kindheit Rolands, der als Sohn eines britischen Armeeoffiziers in Libyen aufwächst. Mit elf Jahren wird er nach England aufs Internat geschickt, da der Vater Kinder für störend in der Ehe empfindet. Für den bis dahin sehr behütet aufgewachsenen Roland ist das ein Schock. Doch nach der ersten Verunsicherung findet er sich im Internat mit den anderen Jungs gut zurecht. Wegen seiner musikalischen Begabung erhält er Klavierstunden bei Miriam Cornell, die ihn zunächst in Angst und Schrecken versetzt, ihn aber mit 14 Jahren zu einem sexuellen Verhältnis verführt, das Roland zeit seines Lebens prägen wird.
Erst spät erkennt er, welche Macht Miriam Cornell über ihn ausüben will. Er verlässt trotz seiner Begabungen die Schule, lässt sich durchs Leben treiben, übt mal diesen, mal jenen Job aus, verdingts sich als Barpianist und hangelt sich ohne Ziele oder Ambitionen durchs Leben. Als er beim Deutschunterricht Alissa Eberhart kennenlernt, werden die beiden schnell ein Paar, heiraten und bekommen ein Baby. Doch sehr bald verlässt Alissa Roland und den 4 Monate alten Lawrence, um sich ihrem Ziel, Schriftstellerin zu werden, voll und ganz widmen zu können.
Dies ist der Zeitpunkt, an dem Roland beginnt, sein Leben genauer zu betrachten und nach Antworten zu suchen, warum sein Leben so und nicht anders verlaufen ist. Wir Leser begleiten Roland bei seinen Erinnerungen in die frühe Kindheit und Jugend, aber dann auch weiter bis ins hohe Alter. Dabei schweift der Autor oft sehr weit ab, geht in teils epischer Breite auf das Weltgeschehen ein, was teils interessant, teils aber auch ausufernd ist.
Während der Held (oder eher Antiheld) Roland mich zu Beginn eher geärgert hat mit seiner Antriebslosigkeit und Unentschlossenheit, ist er mir im Laufe der Lektüre doch ans Herz gewachsen. Seine Fehler sind zutiefst menschlich, seine Antriebslosigkeit wandelt sich im Alter eher in Güte und Verständnis. Die Lektionen, die der Protagonist in seinem Leben lernt, lassen auch den Leser bewegt und nachdenklich zurück.

Veröffentlicht am 19.11.2022

Gelungener Auftakt einer neuen Reihe

Kalt und still
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Die Autorin ist bekannt für ihre Sandhamn-Reihe, die im Schärengarten angesiedelt ist. Nun wählt sie einen ganz anderen Schauplatz: den Polarkreis.
Die Ermittlerin ist die Polizistin Hanna Ahlander, die ...

Die Autorin ist bekannt für ihre Sandhamn-Reihe, die im Schärengarten angesiedelt ist. Nun wählt sie einen ganz anderen Schauplatz: den Polarkreis.
Die Ermittlerin ist die Polizistin Hanna Ahlander, die von ihrem Chef mehr oder weniger dazu gezwungen wird, den Dienst bei der Stockholmer Polizei zu quittieren. Hintergrund ist der, dass Hanna es abgelehnt hat, einen kriminellen Kollegen zu decken, woraufhin sich alle Kollegen von ihr abgewandt haben. Zum gleichen Zeitpunkt trennt sich auch noch ihr Freund von ihr und schmeißt sie aus der Wohnung, die ihm gehört. Hannas Welt bricht zusammen und sie versinkt völlig in Selbstmitleid und Apathie. Ihre Eltern braucht sie gar nicht erst um Hilfe zu bitten, für sie ist Hanna schon immer eine Enttäuschung gewesen. Gut dass Hanna eine resolute und erfolgreiche große Schwester hat. Diese hat glücklicherweise auch noch ein leer stehendes Ferienhaus im Skiort Åre, wo Hanna sich verkriechen und ihre Wunden lecken kann.
Als die 18-jährige Amanda nach einer Party nicht mehr nach Hause kommt, ergibt sich für Hanna die Chance, die lokale Polizei zu unterstützen. Da diese völlig unterbesetzt ist, wird ihre Unterstützung von Daniel Lindskog und seinen Kollegen auch gerne angenommen. Lindskog ist vor kurzem erst Vater geworden und fühlt sich zwischen Familie und Beruf ziemlich hin- und hergerissen. Da normalerweise in Åre wenig passiert, hat dieser Spagat bisher auch ganz gut geklappt. Doch in dem Fall des verschwundenen Mädchens muss auch Daniel Lindskog an seine Grenzen gehen.
Man merkt, dass Viveca Sten die Gegend sehr genau kennt. Bildhaft und atmosphärisch werden die Landschaft des Polarkreises, aber auch die Bewohner und ihre Beziehungen untereinander beschrieben.
Hanna Ahlander und Daniel Lindskog sind sympathische Ermittler, mit jeweils ganz eigenen privaten und beruflichen Problemen, was sie menschlich und interessant macht.
Ein gelungener Auftakt einer neuen Reihe der Erfolgsautorin!

Veröffentlicht am 24.10.2022

Klischeehaft und zunehmend langweilig

Rachejagd - Gequält
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Die Journalistin Anna lebt seit drei Jahren mit einer schweren Schuld. Vor drei Jahren wurde sie nach einer Party zusammen mit ihrer Freundin Natalie entführt und von ihrem Peiniger Edward Harris auf vielfache ...

Die Journalistin Anna lebt seit drei Jahren mit einer schweren Schuld. Vor drei Jahren wurde sie nach einer Party zusammen mit ihrer Freundin Natalie entführt und von ihrem Peiniger Edward Harris auf vielfache Art gequält. Während Anna fliehen konnte und Hilfe holen wollte, starb Natalie. Der Entführer Edward Harris wurde dagegen nie gefunden.
Eines Morgens erhält Anna einen Brief ohne Absender. Inhalt und Schrift verraten ihr, dass ihr Entführer Edward Harris zurück ist. Dazu noch wurde der Brief mit Annas Blut geschrieben!
Anna wendet sich an ihre Jugendliebe, Nick Coleman. Er ist FBI-Agent und nimmt die Ermittlungen auf. Zusammen mit der Profilerin Lynette McKenzie und Annas Kollege Zane versuchen sie, Edward Harris zu finden.
Zu Beginn konnte mich der Thriller noch einigermaßen fesseln, da es viele rätselhafte Aspekte gab. Wie konnte Harris sich so lange spurlos verstecken, woher weiß er nun über jedes Detail aus Annas Leben Bescheid? Er scheint den Ermittlern immer einen Schritt voraus zu sein. Unrealistisch erscheint mir jedoch, wie schnell Nick Coleman praktisch alle Polizeikräfte mobilisieren kann, der Täter aber dennoch immer entwischt. Die Hauptfiguren Nick und Anna wirken ziemlich klischeehaft und überzeichnet: beide sind tough, stets kampfbereit …..wahre Stehaufmännchen. Auch wenn es zu einigen überraschenden Wendungen kommt, ist ziemlich vorhersehbar, wer hier auf Rache aus ist. Mich hat der Thriller (?) spätestens ab der Hälfte nur noch gelangweilt. Genervt hat mich dann wirklich das Ende, das sich ewig in die Länge gezogen, aber keine schlüssige Auflösung gebracht hat. Hier sollte wohl zu Band 2 übergeleitet werden.