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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2021

Kein Krimi

1981
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Die Bezeichnung ,,Krimi“ wird diesem Roman meiner Meinung nach nicht gerecht, auch wenn es durchaus spannend zugeht.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, 2001 und 1981 in Argentinien. Inspector Joaquín ...

Die Bezeichnung ,,Krimi“ wird diesem Roman meiner Meinung nach nicht gerecht, auch wenn es durchaus spannend zugeht.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, 2001 und 1981 in Argentinien. Inspector Joaquín Alzada möchte eigentlich bald in den Ruhestand gehen, ist aber aufgrund der Ebbe in der staatlichen Rentenkasse gezwungen, weiterzuarbeiten. Als eine Leiche auf einer Müllhalde gefunden wird und zeitgleich eine junge Frau aus einer der reichsten und einflussreichsten Familien der Stadt verschwindet, wird Alzada an das Verschwinden seines jüngeren Bruders im Jahre 1981 erinnert. Zur Zeit der Militärdiktatur war dieser politisch aktiv, bis er eines Nachts mitsamt seiner Frau verhaftet wurde. Nur der kleine Sohn, Alzadas Neffe, konnte sich verstecken und lebt seit dieser Zeit bei Inspector Alzada und seiner Frau Paula. Durch die wechselnden Zeitebenen erfährt der Leser nur ganz allmählich, was sich vor 20 Jahren ereignet hat und welche schmerzhaften Erinnerungen Alzada nun dazu bringen, sich nicht mehr wegzuducken.
Die Figuren wachsen einem nach und nach ans Herz, auch wenn Alzada nicht immer ein Sympathieträger ist. Die Autorin versteht es in ihrem Debütroman vorzüglich, Zeitgeschichte spannend, authentisch und bildhaft zu vermitteln.

Veröffentlicht am 03.09.2021

Ausgereiztes Erzählprinizip

Neben wem du erwachst
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Louise erwacht eines Morgens in ihrem Ehebett neben einem ihr völlig unbekannten Mann – und er ist tot! Ihr Ehemann Niall befindet sich auf Geschäftsreise und Louise erinnert sich nur daran, dass sie mit ...

Louise erwacht eines Morgens in ihrem Ehebett neben einem ihr völlig unbekannten Mann – und er ist tot! Ihr Ehemann Niall befindet sich auf Geschäftsreise und Louise erinnert sich nur daran, dass sie mit ihrer Freundin April am Vorabend unterwegs war und wie meist an diesen Abenden mit April sehr viel Alkohol getrunken hat. Louise Erinnerungen sind zwar äußerst lückenhaft, aber wäre sie wirklich fähig, einen Mann zu ermorden?
DCI Sheen und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Louises Erinnerungen kehren nur ganz allmählich in einzelnen Bruchstücken wieder. In einem Brief, den sie ihrem Ehemann schreibt, erfährt man auch die Hintergründe für ihren maßlosen Alkoholkonsum. Doch trotz allem kommen die Ermittlungen nicht recht voran, da sich immer neue Verdachtsmomente ergeben. Und nicht nur für die Ermittler, sondern auch für Louise und somit auch für den Leser, ist nichts so, wie es zunächst erscheint. Das ist zu Beginn spannend, da man seine ersten Eindrücke schnell korrigieren muss und sich die Puzzleteilchen immer wieder neu zusammensetzen. Allerdings fand ich diese ständigen Wendungen irgendwann ermüdend und vorhersehbar, was für mich die Lektüre zunehmend zäh werden ließ. Das Erzählprinzip, das die Autorin auch in ihren vorigen Bänden anwendet, ist an sich raffiniert, verliert aber an Reiz, wenn es immer wieder aufgewärmt wird.

Veröffentlicht am 05.08.2021

Opfer jagt Täter

The Nothing Man
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«Ich war das Mädchen, das den Nothing Man überlebte. Jetzt bin ich die Frau, die ihn fassen wird.» So beginnt der Thriller ,,The Nothing Man“ und hier wird auch sofort die besondere Perspektive deutlich. ...


«Ich war das Mädchen, das den Nothing Man überlebte. Jetzt bin ich die Frau, die ihn fassen wird.» So beginnt der Thriller ,,The Nothing Man“ und hier wird auch sofort die besondere Perspektive deutlich. Eve Black überlebte als einzige den Überfall eines Serienkillers auf ihre Familie. Nach nunmehr fast 20 Jahren hat sie das Erlebte noch immer nicht verarbeitet. Aber sie ist bereit, den Täter von damals zu jagen, indem sie über ihn schreibt. Das von ihr verfasste Buch ,,The Nothing Man“ wird sofort zum Bestseller. Ein zweiter Handlungsstrang zeigt den Supermarkt-Wachmann Jim Doyle, der auf den Bestseller aufmerksam wird und ihn aus ganz persönlichen Gründen liest, denn er ist der Nothing Man. Ihn begleitet der Leser bei seiner Lektüre und erlebt hautnah mit, wie ihn die Wut packt und wie er plant, Eve Black zu töten.
Die beiden Perspektiven werden immer enger ineinander verwoben, da sich beide, Täter und Opfer, nicht nur in der Lektüre, sondern auch noch bei einer Lesung persönlich begegnen.
Durch dieses komplexe Erzählprinzip wird die Geschichte sehr spannend und schlüssig erzählt, inklusive überraschender Wendungen!

Veröffentlicht am 05.08.2021

Gutes Team

Hundstage für Beck
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Der Polizist Nick Beck, ehemals erfolgreicher LKA-Ermittler, hat nach einem völlig missglückten Einsatz, bei dem seine Partnerin ums Leben kam, den Boden unter den Füßen verloren. In Nordbek, einem kleinen ...

Der Polizist Nick Beck, ehemals erfolgreicher LKA-Ermittler, hat nach einem völlig missglückten Einsatz, bei dem seine Partnerin ums Leben kam, den Boden unter den Füßen verloren. In Nordbek, einem kleinen Ort im Hamburger Norden, wohin er sich hat versetzen lassen, ertränkt er seinen Frust in Alkohol. In diesem alkoholisierten Zustand überfährt er dann eines Nachts eine junge Frau. In seiner Panik versteckt er zunächst die Leiche. Doch anhand der Spuren an seinem Auto wird ihm allmählich klar, dass die junge Frau schon vorher tot gewesen sein muss. Um bei der Aufklärung des Falls nachzuhelfen, platziert er die Leiche so, dass sie schon bald gefunden wird.
Die LKA-Ermittlerin Cleo Torner wird mit dem Fall beauftragt. Zur Unterstützung fordert sie ausgerechnet Nick Beck an, der nun gegen sich selbst ermitteln muss. Bald schon führen die die Ermittlungen ins Drogenmilieu…..
Der Fall beginnt mit einer recht verzwickten Ausgangslage für den Antihelden Nick Beck, was dem Krimi einen besonderen Reiz verleiht. Leider verläuft die Handlung dann teilweise recht vorhersehbar. Nick Beck und seine neue Kollegin Cleo Torner bilden ein gutes Team, wirken aber beide stellenweise etwas klischeehaft. Auch kann man ihr Handeln nicht immer ganz nachvollziehen. Während man bei Nick Beck so manchen Fehler verzeiht, da er ja ein sympathischer Antiheld ist und sich durch die Arbeit an dem Fall aus seinem Selbstmitleidtief zieht, wirkt Cleos Torners Privatleben etwas zu konstruiert und wenig authentisch. Dennoch kann man sich die beiden in einem weiteren Fall gut vorstellen und die norddeutsche Provinz als Handlungsort ist durchaus reizvoll.

Veröffentlicht am 21.07.2021

Irisches Duell

Der Abstinent
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Der Roman ,,Der Abstinent" spielt in Manchester im Jahr 1867. Die Fenian Brotherhood, eine geheime Organisation, die für den irischen Unabhängigkeitskampf kämpft, verübt terroristische Anschläge in England. ...

Der Roman ,,Der Abstinent" spielt in Manchester im Jahr 1867. Die Fenian Brotherhood, eine geheime Organisation, die für den irischen Unabhängigkeitskampf kämpft, verübt terroristische Anschläge in England. Die Fenians oder ihre Sympathisanten werden sofort hingerichtet, egal ob der Verdacht begründet ist oder nicht.
Mittendrin in dieser hochexplosiven Situation befindet sich der Constable James O’Connor, ein Ire, der gerade aus Dublin nach Manchester strafversetzt wurde. Nach dem Tod seiner Frau und seines Kindes war er dem Whisky verfallen. Seine Versetzung nach Manchester ist nun seine letzte Chance, im Polizeidienst zu verbleiben. Er soll seine Landsleute für die Engländer ausspionieren, was er mit Hilfe einiger Spitzel auch tut.
Um die Freiheitsbewegung gewaltsam zu unterstützen, wird der irische Kriegsveteran Stephen Doyle aus Amerika geholt. Er soll Verräter aufspüren und den Bürgermeister von Manchester ermorden. Zwischen Doyle und O’Connor entbrennt bald ein erbitterter Kampf.
Diese Ausgangslage hört sich spannend und interessant an. Tatsächlich steht aber vor allem O’Connor und sein Kampf gegen den Alkohol und mit sich selbst im Zentrum der Handlung. Ihn begleitet man bei all seinen Höhen und Tiefen. Allerdings wird man nicht so recht warm mit dem Protagonisten. Dafür bleibt er einem zu fremd, zu distanziert. Bei der Jagd nach Doyle kommt eine gewisse Spannung auf, allerdings zerfasert die Handlung zunehmend zu einem privaten Rachefeldzug, der O’Connor sogar bis nach Amerika führt. Das Ende lässt mich ziemlich enttäuscht und ratlos zurück. Schade, denn vom historischen Setting hätte ich mir eine deutlich spannendere Geschichte versprochen.