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Veröffentlicht am 21.11.2020

Eine Wanderung mit Lamas von Bozen nach Rom

Mit drei Lamas nach Rom
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Der Autor ist nach einer Krebserkrankung in schlechter Verfassung und bricht mit zwei Freunden und drei Lamas zu Fuß von Bozen nach Rom auf. 50 Tage, 1075 km.

Das Buch beginnt mitten in der Reise, nämlich ...

Der Autor ist nach einer Krebserkrankung in schlechter Verfassung und bricht mit zwei Freunden und drei Lamas zu Fuß von Bozen nach Rom auf. 50 Tage, 1075 km.

Das Buch beginnt mitten in der Reise, nämlich am 18. Tag. Aber nur die ersten drei Seiten lang. Doch die hätte es meines Erachtens nicht gebraucht, die hätte ich gerne erst später gelesen. Die dann übrigens nicht mit genau den gleichen Worten, sondern nur ähnlich beschrieben wird.

Vor der eigentlichen Reise kommt dann noch die Vorgeschichte (auch nur drei Seiten) und eine Karte. Auf Seite 13 geht es dann an einem 20. Februar unweit von Bozen los. Anfangs ist mir der Autor ein wenig unsymphatisch – seine Krebserkrankung verschweigt er, nur einem Weggefährten der auch Arzt ist, macht er Andeutungen. Er raucht immer wieder und obwohl er Frau und Tochter extra eine Prepaid-Handynummer mitgeteilt hat und nur über diese zu erreichen ist (weil er es so will) ruft er dann doch in seiner eigenen Kanzlei an – und die ihn daraufhin auch. Doch der Weg ist das Ziel und mal sehen was er mit einem macht.

Wo die drei Freunde hinkommen mit ihren Lamas erwecken sie Aufmerksamkeit, da hilft manchmal nur „Bitte Abstand halten, die Tiere können spucken“. Polizisten die sich zu ihnen gesellen (weil sie die Lamas näher sehen wollen) bekommen schon mal scherzhafte Entschuldigungen wie die im Halteverbot geparkten Lamas oder die übertretene Geschwindigkeit zu hören. Auf dem Weg nach Rom gibt es Überlegungen, die Ballen der Lamas vor dem Asphalt zu schützen – da ist einiges Ausprobieren nötig. Man muss sich auch beim Überqueren einer vielbefahrenen Straße nur zu helfen wissen: Nachdem kein Auto anhält, einfach mal den Pilgerstab quer über die Straße ausstrecken.

Gegen Ende der Reise schaffen es die Freunde sogar, mit den Lamas in eine Therme (Terme del Baggnacio) zu kommen. Auch wenn die Kassiererin bei „Vier Erwachsene und drei Lamas“ abwinkt. In Rom angekommen, treffen sie Papst Franzkiskus. Das Buch ist durch mehrere Fotos von der Reise aufgelockert.

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Veröffentlicht am 15.11.2020

Handlungsverlauf eher mau

Land in Sicht
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Jana (24) ist die jüngste Passagierin auf einem Kreuzfahrtschiff von Passau nach Wien und sucht ihren Vater, der dort als Kapitän arbeitet. Zu ihm hatte sie seit ihrer Geburt keinen Kontakt. Ob sie sich ...

Jana (24) ist die jüngste Passagierin auf einem Kreuzfahrtschiff von Passau nach Wien und sucht ihren Vater, der dort als Kapitän arbeitet. Zu ihm hatte sie seit ihrer Geburt keinen Kontakt. Ob sie sich ihm zu erkennen gibt, weiß sie noch nicht.

Das Buch hat nur 160 Seiten und ist kapitelmäßig aufgeteilt in 8 Tage. Die Handlung plätscherte mir so vor sich hin, zudem springt die Autorin immer wieder zu Erinnerungen zurück. Witzige Momente gibt es aber auch, z. B. als sie gefragt wird wie so eine junge Frau auf einem Schiff voller Greise landet. Der Gedankengang „Da wo sonst Straße ist, ist jetzt Wasser“ hat was – so hab ich das bisher nie gesehen, wenn ich auf dem Bodensee mit dem Schiff gefahren bin.

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Veröffentlicht am 14.11.2020

Anfangs wurde ich mit dem Buch nicht warm, aber dann...

Ich geh dann mal nach Tibet
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Der Autor erzählt hier von seiner Reise. Zu Fuß von Deutschland über Österreich, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Georgien, Iran und über die Türkei nach Indien, Nepal nach Tibet. Diese ...

Der Autor erzählt hier von seiner Reise. Zu Fuß von Deutschland über Österreich, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Georgien, Iran und über die Türkei nach Indien, Nepal nach Tibet. Diese Reise tritt er am Tag nach seinem 31. Geburtstag am 11. März 2012 an, am 31. Oktober 2015 kommt er nach 1.329 Tagen in Lhasa an.

Anfangs brauchte ich etwas, um mit dem Buch warm zu werden. Es war zuerst von Gedanken und auch vom Jakobsweg die Rede, die eigentliche Reise begann erst auf Seite 31. Als er zwischen München und Mühldorf am erstbesten Haus vorbeikommt und fragt, ob man ihm seine Wasserflasche auffüllen kann, ertappe ich mich dabei mich zu fragen ob die Reaktion „Kein Problem“ Jahre später die gleiche gewesen wäre – man hört ja viel von Trickdieben und jetzt kommt ja auch die Corona-Pandemie hinzu, wo man ja so viel Abstand wie möglich halten sollte.

In den ersten Tagen seiner Reise kam mir der Autor auch etwas überheblich vor. In Marktl fragt er in Gasthäusern und Pensionen nach kostenloser Übernachtung und erzählt seine Geschichte, in Burghausen spricht er Passanten danach an. Das macht ihn mir etwas unsympathisch – nachdem er seine Wohnung gekündigt hat, müsste er ja Geld zum Übernachten übrig haben? Da kommt er mir schon als Schnorrer vor, zumal sein Arbeitgeber (Globetrotter) ihn sponsert und seine Ausrüstung zur Verfügung stellt. Aber vielleicht kommt man ja auch wirklich leichter mit Menschen ins Gespräch, wenn man einen 30-Kilo schweren 75-Liter-Rucksack trägt. Jedenfalls denkt er auf Seite 52 darüber nach, seinen Rucksack später mal mit leichtem Verpackungsmaterial zu füllen und in der Gegend rumzulaufen, einfach nur um Leute kennenzulernen. In Gars am Inn bezieht er auf Kosten der Gemeinde ein kleines Zimmer in einer Wallfahrtsherberge und wird zum Abendessen ins Gasthaus eingeladen, so dass er nicht im Zelt, das er im Rucksack dabei hat, übernachten muss.

Nein, er ist kein Schnorrer. Er geht einfach gerne auf Menschen zu. Für ihn ist der Weg das Ziel. Nicht einfach nur laufen, sondern z. B. auch 13 Tage in Wien verbringen. Ein anderer läuft 35 – 50 km pro Tag, er gibt sich mit weniger km pro Tag zufrieden. Er hat am 84. Tag seiner Reise 1.222 km hinter sich, was durchschnittlich 14 km pro Tag entspricht. Für ihn sind unterwegs sein und die Menschen wichtig. Und er nimmt nicht nur, er gibt auch. In manchen Ländern wird er zum Lehrer, entweder vor einer ganzen Schulklasse oder verdient Geld bzw. Übernachtung sogar mit Einzelunterricht. Und den Kindern wird bewusst, was ihnen die Beherrschung einer Fremdsprache bringt.

Nebenbei lerne ich in seinem Reisebericht einiges über die anderen Länder. Im Iran versucht er sich als Anhalter, kommt aber mit der deutschen Geste nicht weit. Dort hat der Daumen nach oben eine andere Bedeutung, hier muss er mit der Handfläche nach unten winken. Ich leide mit ihm, als in Indien das Essen zu scharf gewürzt ist und er in Tibet sogar die Suppe mit Stäbchen essen muss. Beim Reis hat jemand mal ein Einsehen und bringt ihm einen Keramiklöffel.

Am Ziel angekommen, erfolgt seine Rückreise nach Deutschland deutlich schneller – statt zu Fuß geht es mit dem Flugzeug zurück in den Iran, dann per Anhalter weiter und von Bulgarien nach Deutschland nimmt ihn ein Trucker mit.

Das Buch wird mit einigen Fotos aufgelockert und manche sagen auch mehr als tausend Worte. Wie das Bild der überdachten Wüstendörfer, weil es dort fast 40 °C hat.

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Veröffentlicht am 06.11.2020

Mit ausgelegten Büchern die Liebe finden?

Buchstäblich Liebe
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Frankie arbeitet in einer Buchhandlung und hat auch selbst ein paar Bücher geschrieben. Den Mann fürs Leben hat sie allerdings noch nicht gefunden. Den möchte sie allerdings mit in Zügen und Straßenbahnen ...

Frankie arbeitet in einer Buchhandlung und hat auch selbst ein paar Bücher geschrieben. Den Mann fürs Leben hat sie allerdings noch nicht gefunden. Den möchte sie allerdings mit in Zügen und Straßenbahnen ausgelegten Büchern im australischem Melbourne finden. Hierzu schreibt sie ziemlich ganz hinten in die ausgelegten Bücher

„Du hast einen großartigen Geschmack, was Bücher angeht. Möchtest Du ein Date mit mir? Schreib mir eine E-Mail! Scarlett O. hello@buchstabenliebhaberin.com

Sie bekommt einige Rückmeldungen und trifft sich mit diesen Leuten, schreibt auch unter falschem Namen einen sehr erfolgreichen Blog darüber. Doch der richtige ist immer noch nicht dabei – Kunde Sunny wäre es schon eher, nur was den Geschmack seiner Bücher angeht, darüber ist sie anderer Meinung. So einer kann nicht ihr Mann fürs Leben sein. Oder etwa doch?

Als die beiden sich annähern und sogar schon vier Monate zusammen sind, holt Frankie ihre Vergangenheit ein. Sunny weiß nichts vom Blog und auch nicht von den Dates mit den Buchliebhabern, als er Frankie seinen Freund Miguel vorstellt. Der hat Frankie allerdings wegen eines Buches angeschrieben und vor kurzem haben sich beide auch getroffen. Enttäuschung bei Sunny, Wut auf sich selbst bei Frankie. Kann sie ihre Beziehung zu Sunny retten?

Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben, zum Beispiel antwortet Miguel auf die Frage wie er dazu gekommen ist, als Beruf Akrobat zu wählen, „nein, ist überhaupt nicht quälen“.

Frankies Blogs sind gut als solches im Handlungsverlauf des Buches erkennbar, denn er ist in einer anderen Schriftart geschrieben. Zusätzlich zum Blog tauchen im Buch immer wieder Messages und Mails auf, die wunderbar in die Handlung passen.

Die Bücher, die im Buchverlauf erwähnt werden, tauchen am Ende nochmals in einer Bücherliste auf. Viele davon kenne ich nicht bzw. nur dem Namen nach, aber „Pu der Bär“, „Fünf Freunde essen glutenfrei“ und einige andere habe ich schon gelesen und „Wunder“ und „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ zumindest schon als Film gesehen.

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Veröffentlicht am 28.10.2020

Hat mir sehr gut gefallen

Das Glück umarmen
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Johanna (29) ist gerade auf einem Achtsamkeitsspaziergang unterwegs, als sie auf den einige Jahre älteren Leon trifft, der sich eben mit dem Auto überschlagen hat und eingeklemmt wurde. Sie leistet erste ...

Johanna (29) ist gerade auf einem Achtsamkeitsspaziergang unterwegs, als sie auf den einige Jahre älteren Leon trifft, der sich eben mit dem Auto überschlagen hat und eingeklemmt wurde. Sie leistet erste Hilfe, verständigt den Notarzt und meint, es ist der eine, den sie nie wieder loslassen darf. Und dann bringt sie ihn nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ins Haus ihrer an Demenz erkrankten Oma Marceline, bis er wieder in seine Wohnung im 5. Stock ohne Aufzug einziehen kann.

Von der Buchrückenbeschreibung hatte ich erwartet, dass es zwar auch um Marceline, aber vor allem auch mehr um Leon geht. Dies ist anfangs nicht der Fall, erst später nimmt Leon mehr Raum ein. Allerdings ist es für den weiteren Handlungsverlauf auch wichtig zu wissen, was es mit dem Asylbewerber Kio auf sich hat.

Die Überschriften zu den Kapiteln passen zunächst mal nicht zu den Kapiteln („Sonnenlichter, das durch Ufervegation ins Wasser fällt – Magie“), zählen aber zu besonderen Momenten die vor allem am Ende des Buches deutlich werden.

Das Buch ist recht unterhaltsam geschrieben und bringt einem zu einem kleinen Teil auch die Krankheit Alzheimer etwas näher.

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