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anika_hlt

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.09.2025

Fesselnder Roman

Botanik des Wahnsinns
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Leon Englers Roman Botanik des Wahnsinns ist ein intensives, leicht autobiografisch gefärbtes Debüt, das zwischen Familienchronik, Roman und psychologischem Erfahrungsbericht changiert.
Ausgangspunkt ist ...

Leon Englers Roman Botanik des Wahnsinns ist ein intensives, leicht autobiografisch gefärbtes Debüt, das zwischen Familienchronik, Roman und psychologischem Erfahrungsbericht changiert.
Ausgangspunkt ist der Verlust sämtlicher Erinnerungsstücke durch eine Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter – ein passendes Bild für das Ausgelöschtwerden der eigenen Geschichte. Engler zeichnet das Porträt einer Familie, in der psychische Krankheiten viele Generationen prägen, und eines Ich-Erzählers, der zwischen Flucht und Selbstsuche seinen Platz sucht. Sprachlich wechselt der Roman zwischen Humor, Beobachtung und schonungsloser Ehrlichkeit.
Die fragmentarische Struktur fordert Aufmerksamkeit, belohnt aber mit dichten Momentaufnahmen und einer empathischen Sicht auf „Wahnsinn“. Ein kraftvolles Buch über Erbe, Identität und die Frage, was „normal“ überhaupt heißt.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Ganz toll

In sieben Koffern um die Welt
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„In sieben Koffern um die Welt“ ist ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch, das kleine und große LeserInnen auf eine fantasievolle Reise einlädt. In der Gepäckaufbewahrung von Herrn Walis öffnen sich sieben ...

„In sieben Koffern um die Welt“ ist ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch, das kleine und große LeserInnen auf eine fantasievolle Reise einlädt. In der Gepäckaufbewahrung von Herrn Walis öffnen sich sieben geheimnisvolle Koffer, gefüllt mit kuriosen Gegenständen, die von Menschen aus aller Welt erzählen — von Naschkatzen über mögliche GeheimagentInnen ist alles mit dabei. Roberta Schneiders einfühlsame Texte sind behutsam, voller kindlicher Neugier und regen zum Miträtseln und Weiterdenken an.
Katja Spitzers wimmelige, farbenfrohe Illustrationen machen jede Seite zu einem Entdeckungsspielplatz fürs Auge. Besonders gelungen ist wie das Buch beim Vorlesen dazu anregt, ins Gespräch zu kommen: Welche Geschichte steckt in welchem Koffer? Ein kleiner Kritikpunkt wäre vielleicht: Der Umfang von 32 Seiten fühlt sich etwas kurz an – ein paar Koffer mehr hätten der Fülle der Ideen gutgetan. Dennoch ist es ein zauberhaftes Buch, das mit Fantasie und Wärme überzeugt.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Interessanter Einblick

Einfach Literatur
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„Einfach Literatur“ von Klaus Willbrand ist ein ungewöhnliches und zugleich erfrischendes Buch über den Zugang zu Literatur. Willbrand gelingt es, mit einem klaren, zugänglichen Stil die Freude am Lesen ...

„Einfach Literatur“ von Klaus Willbrand ist ein ungewöhnliches und zugleich erfrischendes Buch über den Zugang zu Literatur. Willbrand gelingt es, mit einem klaren, zugänglichen Stil die Freude am Lesen neu zu entfachen – ganz ohne belehrenden Ton. Statt trockener Theorie bietet er anregende Gedanken darüber, warum Literatur wirkt, berührt und manchmal irritiert. Besonders beeindruckend ist seine Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge mit Leichtigkeit zu erklären und dabei den Leser stets mitzunehmen. Das Buch eignet sich sowohl für Literaturinteressierte als auch für jene, die einen neuen Zugang zu Texten suchen. Das Buch versteht sich nicht als Ratgeber, sondern vielmehr als eine Einladung, sich ohne Scheu auf Texte einzulassen – und das mit wachsender Neugier und Offenheit. Ein inspirierendes Leseerlebnis.

Veröffentlicht am 19.08.2025

Regt zum Nachdenken an

Gesellschaftsspiel
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Dora Zwickaus Buch Gesellschaftsspiel verbindet feinsinnig persönliche Themen mit gesellschaftspolitischer Brisanz. Im Zentrum stehen die Schwestern Isabelle und Annika sowie ihre Tante Dagmar, die sich ...

Dora Zwickaus Buch Gesellschaftsspiel verbindet feinsinnig persönliche Themen mit gesellschaftspolitischer Brisanz. Im Zentrum stehen die Schwestern Isabelle und Annika sowie ihre Tante Dagmar, die sich am Sterbebett der Mutter neu begegnen müssen. Drei Frauen mit ihrer eigener Geschichte, eigenen Wunden und oft unausgesprochener Distanz. Inmitten dieser Ausnahmesituation kündigt ein milliardenschweres Tech-Projekt seinen Start in Weimar an – mit dem Anspruch, Gesellschaft radikal neu zu denken, per App.

Zwickau verwebt die zarten, tastenden Versuche familiärer Annäherung mit der lauten Außenwelt, in der Utopien, Ängste und Ideologien aufeinanderprallen. Die Figuren sind ziemlich vielschichtig, ihre Konflikte sehr glaubwürdig, teils schmerzhaft nah. Ohne einfache Antworten zu geben, lässt der Roman Raum für Zweifel, Hoffnung und kritische Fragen zu Digitalisierung, Demokratie und Zusammenhalt. Ein ruhiges, kluges Buch über die Zerbrechlichkeit von Beziehungen und Gesellschaft(en).

Veröffentlicht am 11.08.2025

Unvergleichlich

Eine Welt nur für uns
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Claire Deyas Roman „Eine Welt nur für uns“ entführt die Leser:innen in eine außergewöhnliche Zeit voller Spannungen, Hoffnung und ungelöster Konflikte: das Frankreich des Jahres 1945. In der unmittelbaren ...

Claire Deyas Roman „Eine Welt nur für uns“ entführt die Leser:innen in eine außergewöhnliche Zeit voller Spannungen, Hoffnung und ungelöster Konflikte: das Frankreich des Jahres 1945. In der unmittelbaren Nachkriegszeit, an den sonnendurchfluteten Küsten der Côte d’Azur, webt sie ein feinsinniges, emotional aufgeladenes Narrativ, das weit mehr ist als eine bloße Liebesgeschichte.
Deyas Sprache ist bildreich, aber niemals überladen. Sie findet poetische Bilder für Zerstörung und Wiederaufbau, für Sehnsucht und Resignation. Die Côte d’Azur wird nicht romantisiert, sondern als Kulisse voller Ambivalenzen gezeigt.
Es ist diese Dichte an Gegensätzen, die den Roman so lebendig macht.
Ein Roman, der durch psychologische Tiefe und historische Genauigkeit besticht – und der zeigt, dass der wahre Kampf oft erst beginnt, wenn der Krieg vorbei ist. Eine klare Leseempfehlung für alle, die Nachkriegsliteratur schätzen, in der es nicht um Heldentum geht, sondern um Menschlichkeit.