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anika_hlt

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2026

Lesenswert

Schleifen
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Elias Hirschl hat mit „Schleifen“ ein Buch geschrieben, das mich richtig erwischt hat – nicht wegen komplizierter Theorie, sondern weil es zeigt, wie sehr Sprache unter die Haut gehen kann. Die Idee, dass ...

Elias Hirschl hat mit „Schleifen“ ein Buch geschrieben, das mich richtig erwischt hat – nicht wegen komplizierter Theorie, sondern weil es zeigt, wie sehr Sprache unter die Haut gehen kann. Die Idee, dass Franziska jedes Wort direkt als Krankheit am eigenen Körper spürt, ist einerseits kreativ verrückt und gleichzeitig total beklemmend. Man fühlt beim Lesen richtig mit, wie schutzlos sie ihrer eigenen Wahrnehmung ausgeliefert ist.

Zusammen mit dem Mathematiker Otto Mandl flüchtet sie sich in die Logik, um sich gegen die Welt zu immunisieren. Das ist mal spannend, mal aber auch sehr traurig, weil man merkt, dass die beiden eine Rettung suchen, die es vielleicht gar nicht gibt. Hirschl schreibt das so leichtfüßig, dass man den Wiener Kreis fast vergisst und einfach nur wissen will, ob die beiden in ihren „Sprach-Schleifen“ glücklich werden. Ein kluges Buch, das einen emotional ordentlich durchschüttelt.

Veröffentlicht am 04.02.2026

Wichtige Lektüre

Deinen Selbstwert bestimmst nur du
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Deinen Selbstwert bestimmst nur du von Yoon Hong Gyun entfaltet eine klare und zugleich tiefgehende Perspektive auf ein Thema, das viele Menschen begleitet: die Abhängigkeit vom Urteil anderer.
Der Autor ...

Deinen Selbstwert bestimmst nur du von Yoon Hong Gyun entfaltet eine klare und zugleich tiefgehende Perspektive auf ein Thema, das viele Menschen begleitet: die Abhängigkeit vom Urteil anderer.
Der Autor verbindet psychologisches Fachwissen mit einer einfühlsamen, fast schon beruhigenden Erzählweise. Besonders überzeugend ist, wie er komplexe innere Muster verständlich erklärt und aufzeigt, dass ein stabiles Selbstwertgefühl kein unerreichbares Ideal, sondern vielmehr ein gut erlernbarer Prozess ist.
Die zahlreichen Beispiele aus seiner Praxis schaffen Nähe und Glaubwürdigkeit. Die vorgestellten Strategien wirken recht alltagstauglich, was mir gut gefällt. Das Buch lädt dazu ein, Verantwortung für das eigene innere Fundament zu übernehmen und eröffnet eine Perspektive, die Mut macht, sich von äußeren Bewertungen zu lösen und die eigene Stärke wiederzufinden.

Veröffentlicht am 04.02.2026

Lässt sich gut lesen

Mathilde und Marie
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„Mathilde und Marie“ führt in das abgelegene Bücherdorf Redu, wo das Leben bewusst langsam verläuft. Woywod beschreibt diesen Ort mit seinen Eigenheiten – dem schiefen Kirchturm, der knappen Internetzeit ...

„Mathilde und Marie“ führt in das abgelegene Bücherdorf Redu, wo das Leben bewusst langsam verläuft. Woywod beschreibt diesen Ort mit seinen Eigenheiten – dem schiefen Kirchturm, der knappen Internetzeit und den gelassenen Bewohnern – sehr anschaulich. Der erste Eindruck ist ruhig und bodenständig. Als Marie im Dorf auftaucht, verändert sich die Stimmung spürbar. Besonders Mathilde, die sonst eher verschlossen ist, reagiert darauf überraschend offen. Das Buch wirkt wie eine unaufgeregte Beobachtung kleiner Veränderungen im Alltag. Man liest unheimlich gern weiter, weil die Figuren sehr natürlich wirken und der Schauplatz sofort neugierig macht. An einigen Stellen hätte ich mir gerne ein bisschen mehr Spannung gewünscht. Auch ein etwas differenzierteres Bild der Hauptprotagonistinnen hat mir ein wenig gefehlt. Ansonsten aber ein sehr empfehlenswerter Roman!

Veröffentlicht am 26.01.2026

Regt zum Nachdenken an

Alexander
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Von akhl_t

Ferdinand von Schirachs Alexander wirkt leicht und zugänglich. Der Protagonist selbst ist ein sympathischer, offener Junge, der mit ehrlicher Neugier Fragen stellt, die Erwachsene oft übergehen. ...

Von akhl_t

Ferdinand von Schirachs Alexander wirkt leicht und zugänglich. Der Protagonist selbst ist ein sympathischer, offener Junge, der mit ehrlicher Neugier Fragen stellt, die Erwachsene oft übergehen. Gerade diese kindliche Klarheit im Text fand ich angenehm, da sie große politische Fragen verständlicher gemacht hat. Beim Lesen wurde ich stets dazu angeregt, über unsere eigenen Regeln des Zusammenlebens nachzudenken.

Emotional hat mich vor allem erreicht, dass das Buch Vertrauen in die Fähigkeit von Menschen vermittelt, gemeinsam gute Lösungen zu finden. Die Begegnungen, die Alexander auf seiner Reise macht, sind prägend und humorvoll und sie zeigen auf, wie vielfältig Perspektiven sein können - und wie wichtig diese Vielfalt letztendlich ist. Es bleibt ein Gefühl von Zuversicht: dass Demokratie etwas sein kann, das wir alle begreifen und selbst aktiv mitgestalten können.

Veröffentlicht am 09.12.2025

Wundervoll

Ins hohe Gras
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„Ins hohe Gras“ von Trevor Noah ist eine Kindergeschichte, die mich überrascht hat, weil sie trotz ihrer Einfachheit eine große Tiefe entfaltet. Noah erzählt hier nicht wie gewohnt aus seinem eigenen Leben, ...

„Ins hohe Gras“ von Trevor Noah ist eine Kindergeschichte, die mich überrascht hat, weil sie trotz ihrer Einfachheit eine große Tiefe entfaltet. Noah erzählt hier nicht wie gewohnt aus seinem eigenen Leben, sondern schafft eine kleine Welt, die Kinder direkt anspricht und gleichzeitig Erwachsenen etwas mitgibt. Die Geschichte wirkt wie ein Spaziergang durch Fantasie und Natur – leicht verständlich, mit Bildern, die Kinder sofort greifen können. Dabei geht es nicht nur ums Abenteuer im hohen Gras, sondern auch ums Staunen, ums Fragenstellen und ums Entdecken der eigenen Sicht auf die Welt. Was mir gefallen hat: Die Sprache ist klar und kindgerecht, aber nicht banal. Sie lädt dazu ein, gemeinsam zu lesen und danach ins Gespräch zu kommen. Es ist eine Geschichte, die Geborgenheit vermittelt und gleichzeitig Neugier weckt. Für mich fühlt es sich an wie ein kleines Geschenk: warm und voller Möglichkeiten, die Welt durch Kinderaugen neu zu sehen.