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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2026

Toll

Laute Nächte
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Kenni hat der Tod seiner Freundin völlig aus der Bahn geworfen. Er versucht irgendwie mit dem Verlust umzugehen, verlässt sein altes Leben und zieht in eine WG nach Wien. In der WG trifft Kenni auf ganz ...

Kenni hat der Tod seiner Freundin völlig aus der Bahn geworfen. Er versucht irgendwie mit dem Verlust umzugehen, verlässt sein altes Leben und zieht in eine WG nach Wien. In der WG trifft Kenni auf ganz unterschiedliche Menschen. Sie werden fast eine kleine Familie für ihn und helfen ihm dabei, langsam wieder ins Leben zu finden. Trotzdem plagen ihn immer wieder Schuldgefühle und zu viele Erinnerungen. Wie soll er damit umgehen? Wir begleiten Kenni über viele Jahre hinweg. Dabei geht es nicht nur um Trauerbewältigung, sondern auch um Liebe und Freundschaft.

Ein Roman, der ganz still daherkommt und doch so eine unglaubliche Kraft hat. Der Schreibstil ist ganz ruhig und unaufgeregt, doch schafft er es, starke Gefühle hervorzurufen. Kenni und seine Mitbewohner wirken sehr authentisch und nahbar. Besonders die Dynamik zwischen den Mitbewohnern ist richtig stark geschrieben. Die zwischenmenschlichen Beziehungen helfen Kenni, und doch haben die Mitbewohner alle ihren eigenen Schmerz. Es ist so schön zu lesen wie sie sich gegenseitig gut tun. Kennis Heilung dauert und dafür gibt der Roman ihm viel Raum. Die widersprüchlichsten Gefühle muss er durchleben. Auch das wirkt sehr authentisch. Von den großen Zeitsprüngen war ich am Anfang überrascht aber sie sind so wichtig. Besonders um zu aufzuzeigen wie manche Erlebnisse Menschen prägen können. Und dann natürlich die große Frage: Darf man sich erlauben nach so einem schweren Verlust wieder glücklich zu sein?

Ein intensives, zutiefst berührendes Buch über Schuld, Verlust den eigenen Platz im Leben. Dieser Roman bleibt definitiv im Kopf. Empfehle ich euch sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 18.05.2026

Nostalgisch

Little Hollywood
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Leonie ist gerade fertig mit den Abiturprüfungen. Sie steht vor einem einschneidenden Wendepunkt in ihrem Leben und noch ist alles offen. Den Sommer verbringt sie in ihrer Heimatstadt, gefangen in Zukunftsängsten ...

Leonie ist gerade fertig mit den Abiturprüfungen. Sie steht vor einem einschneidenden Wendepunkt in ihrem Leben und noch ist alles offen. Den Sommer verbringt sie in ihrer Heimatstadt, gefangen in Zukunftsängsten und familiären Spannungen. Ihr Vater lebt nicht mehr bei der Familie. Er ist gewalttätig und keine Unterstützung. Nun lebt sie mit ihrem Bruder und ihrer Mutter zusammen, mit geringen finanziellen Mitteln und einer dauerhaft angespannten Mutter. Leos Zufluchtsort ist die Videothek „Little Hollywood“. Dort leiht sie sich Filme aus, bei denen sie abschalten kann und lernt Jo besser kennen. Er arbeitet dort und hat es mit seiner Familie auch nicht so leicht.

Ein melancholischer und warmherziger Coming-of-Age Roman über eine Zeit im Leben, die geprägt ist von diversen unterschiedlichen Gefühlen. Eigentlich sollte Leo die Freiheit spüren, die Aufbruchstimmung genießen, doch leider ist es nicht ganz so einfach. Die unausgesprochenen Konflikte zuhause werden für Leo zunehmend unerträglich. Eigentlich will sie nur noch weg. Doch dann ist da auch noch Jo. Was ist das zwischen den beiden? Der Schreibstil ist ruhig, atmosphärisch und sehr gefühlvoll. Einmal angefangen, wollte ich gar nicht mehr aufhören. Trotzdem habe ich mir für dieses Buch bewusst viel Zeit genommen, denn das hat es definitiv verdient. Hier wollte ich nichts überlesen und so habe ich jede einzelne Seite genießen können. Großartig gelungen ist die Atmosphäre. Zwischen flirrender Sommerhitze, dem Klacken der VHS-Hüllen und Ernüchterung des eigenen Lebens, ist Leo hin- und hergerissen. Inga Hanka lässt uns tief in Leos Gefühlswelt blicken. Ihre Unsicherheit ist so präsent. Nostalgisch wird man als Leser, zwischen all den 90er Jahre Songs, der Videothek und diverser Filmzitate. Da kamen doch sehr viele Erinnerungen und Ohrwürmer wieder hoch.

Ein sensibler, nostalgischer und sehr stimmungsvoller Roman übers Erwachsenwerden und die Angst seinen Platz im Leben nicht zu finden. Eine ganz große Empfehlung und auf jeden Fall ein Anwärter auf meine Jahreshighlights.

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Veröffentlicht am 16.05.2026

Bleibt im Kopf

Fast Abend, immer noch hell
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Einige Jahre sind vergangen als Sylvia und ihre Freundesgruppe von der Uni zuletzt viel Zeit miteinander verbracht haben. An einem Haus am See, soll das für ein paar Tage nachgeholt werden. Alle leben ...

Einige Jahre sind vergangen als Sylvia und ihre Freundesgruppe von der Uni zuletzt viel Zeit miteinander verbracht haben. An einem Haus am See, soll das für ein paar Tage nachgeholt werden. Alle leben sehr unterschiedlich, haben verschiedene Lebensmodelle. Jetzt treffen sie aufeinander, philosophieren über das Leben, Queerness und ihr eigenes Glück. Spontan verkündet ein Paar, dass es heiraten möchte. Das wirft viele Fragen auf. Alte Gefühle sind wieder da, neue Gefühle kommen auf und alle hinterfragen sich: Lebe ich wirklich so, wie ich es möchte?

Ein atmosphärischer Roman über moderne Beziehungen, Freundschaft und Begehren. Leben die Menschen, die sich den gesellschaftlichen Normen beugen, wirklich besser? Braucht jeder Kinder, Haus und einen festen Partner? Oder sind diejenigen, die alternative Lebensformen gewählt haben, wirklich glücklich damit? Oder wollen sie nur nicht so sein wie alle? Die Stärke des Romans ist eindeutig die Stimmung. Die Gruppe verliert sich in Gesprächen, schwelgt in Erinnerungen und philosophiert. Doch unter der idyllischen Oberfläche brodelt es. Ungelöste Konflikte und Sehnsüchte gibt es genügend. Eine Anspannung schwingt immer mit. Zugang zu den Charakteren konnte ich nur schwer finden. Mehr Schein als Sein, pseudointellekte Menschen, die sich um sich selbst drehen. Das war für mich manchmal schwierig zu lesen. Ich hoffe doch sehr die Menschen in dem Alter sind nicht alle so. Die größte Freiheit ist für mich immer noch, selbstbestimmt zu leben. Ich denke das geht auch, ohne andere Menschen zu belügen oder zu verurteilen.

Ein klug beobachteter Roman über Menschen, die nach dem perfekten Lebensmodell streben aber auch nur unsicher sind, ob das jetzt so richtig ist. Definitiv ein Buch, dass im Kopf bleibt und ich euch gern empfehle.

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Veröffentlicht am 16.05.2026

Emotional

Hofsommer
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Doreen lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in München. Aufgewachsen ist sie auf dem Hof Fallera im Osten Deutschlands. Damals wollte sie unbedingt weg, sich ein eigenes Leben aufbauen. Jetzt kommt ...

Doreen lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in München. Aufgewachsen ist sie auf dem Hof Fallera im Osten Deutschlands. Damals wollte sie unbedingt weg, sich ein eigenes Leben aufbauen. Jetzt kommt sie zurück. Zurück zu ihren Großeltern, die beschlossen haben zu sterben. Die Großmutter ist schwer krank, hat keinen Lebenswillen mehr. Ihr Großvater möchte nicht ohne seine Frau sein, baut auch immer mehr ab. Doreen kehrt nicht nur in ihre Heimat zurück, sondern auch an einen Ort, der nie mehr so sein wird wie in ihrer Erinnerung.

Ein stiller Roman über Abschied, Selbstbestimmung und Heimat. Doreen ist hin- und hergerissen. Sie sehnt sich nach ihrer Kindheit auf dem Dorf. Hat sich aber auch in München ein Leben aufgebaut. Sie kann die Großeltern nicht verstehen, möchte nicht ohne sie sein und versucht verzweifelt sie umzustimmen.
Hanna Heim schreibt sehr atmosphärisch. Die Pferde, der Stall, der Geruch von Sommerregen, war für mich fast spürbar. Erzählt wird eher ruhig, ohne dramatische Wendungen. Einzig in den Dialogen wird die Sprache manchmal dramatischer. Die Beschreibungen des Pferdehofs sind fast schon zärtlich. Doreens emotionale Verbindung wird gerade dadurch sehr deutlich. Die Verbindung zwischen ostdeutscher und persönlicher Geschichte ist toll umgesetzt. Wandel, Verlust, Familie, Dorfgemeinschaft. Richtig stark. Ich bin in der DDR aufgewachsen, am Wochenende auf dem Dorf. Da kam mir einiges sehr bekannt vor. Der Wunsch nach dem selbstbestimmten Tod der Großeltern lässt sicher keinen Leser kalt und regt zum Nachdenken an. Manchmal bedeutet Liebe vielleicht auch Loslassen.

Ein intensiver und berührender Roman, der nachdenklich macht. Empfehle ich euch sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 15.05.2026

Toll

Widdersehen
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Die Schafherde kehrt zurück in ihre Heimat. Doch da hat sich einiges geändert. Was sind das für fremde Schafe und wo kommt der Zaun plötzlich her? Als Schäferin Rebecca nicht mehr zu ihrer Schafherde zurückkehrt, ...

Die Schafherde kehrt zurück in ihre Heimat. Doch da hat sich einiges geändert. Was sind das für fremde Schafe und wo kommt der Zaun plötzlich her? Als Schäferin Rebecca nicht mehr zu ihrer Schafherde zurückkehrt, vermuten die Schafe nichts Gutes. Dann finden sie auch noch einen Finger von einem Menschen. Was kann das alles bedeuten? Gemeinsam suchen sie nach Ideen um Rebecca wiederzufinden. Ganz schnell finden sie sich mitten in einem Familiendrama wieder. Doch diese Schafe, mit ihrer eigenen originellen Logik, ermitteln nach ihren eigenen Kriterien und können hier natürlich helfen.

Cozy Crime mit ganz viel Humor bekommt der Leser hier geboten. Die Schafe allein sind schon herrlich. Madouc, (eigentlich Ziege) ist noch Schaf auf Probe; Miss Marple mit ihrem messerscharfen Verstand; das verfressene Schaf Mopple und der ehemalige Leitwidder Ritchfield, der unerwartet seinen verschollenen Zwilling findet; sind mir am meisten ans Herz gewachsen. Eine herrlich verrückte Truppe ist das. Da war der Kriminalfall für mich eher nebensächlich. Mit ganz viel Herz wurden die Charaktere gezeichnet. Etwas skurril aber so liebevoll und warmherzig.
Erzählt wird humorvoll und sehr atmosphärisch. Viele Ereignisse werden aus Sicht der Schafe erzählt. Dadurch gibt es natürlich eine Menge Missverständnisse. Doch auch ernste Töne werden angeschlagen. Hinter vielen humorvollen Szenen stecken doch häufig gesellschaftliche Beobachtungen. Dadurch wirkt der Roman nie oberflächlich.

Insgesamt ein charmanter, eigenwilliger Roman, mit britischem Humor, der schon allein durch seine Charaktere überzeugt.

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