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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2026

Inselhoping vom Feinsten

Die Bücherfrauen von Listland. Der Duft des Strandhafers
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Die Dilogie findet mit diesem zweiten Band ihren Abschluss – und es ist wirklich schade, dass die Reise nun endet. Schon der erste Teil hat mich sofort begeistert, doch der zweite Roman hat diese Wirkung ...

Die Dilogie findet mit diesem zweiten Band ihren Abschluss – und es ist wirklich schade, dass die Reise nun endet. Schon der erste Teil hat mich sofort begeistert, doch der zweite Roman hat diese Wirkung sogar noch übertroffen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe es innerhalb weniger Tage regelrecht verschlungen.

Besonders die Figur Martje hat mich vom ersten Moment an überzeugt. Obwohl sie fremden Menschen schnell Vertrauen schenkt und sich dadurch manchmal in unsichere Situationen begibt, scheint sie zugleich ein bemerkenswertes Gespür für Chancen und Begegnungen zu haben, die sie in ihrem Leben weiterbringen. Auch der Strandpirat Harke nimmt eine zentrale Rolle ein. Seine Präsenz ist stark und bedeutend, wenngleich er im Verlauf der Handlung etwas in den Hintergrund tritt. Einige Entwicklungen und zufällige Verknüpfungen geschehen recht rasch, was stellenweise vielleicht etwas konstruiert wirkt. Dennoch hat es meinen Lesegenuss kaum geschmälert.

Im Gegenteil: Die Geschichte hat mich sofort tief hineingezogen. Ich war gedanklich mitten im Geschehen und konnte das Buch uneingeschränkt genießen. Besonders hervorzuheben ist das atmosphärische Nordseefeeling, das sich durch das gesamte Buch zieht. Die Beschreibungen von Sylt, Amrum und Föhr haben in mir selbst den Wunsch geweckt, diese Route einmal nachzureisen. Der Roman fängt das Inselleben mit all seinen Facetten wunderbar ein.

Abgerundet wird das Ganze durch ein zart blaues Cover, das perfekt zur Stimmung der Geschichte passt und mich zusätzlich begeistert hat. Insgesamt ein sehr gelungener Abschluss der Reihe und eine klare Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Sehr leicht

Der schwimmende Blumenladen von Amsterdam
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Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um einen sehr leicht zugänglichen Roman, der sich ohne große geistige Anstrengung lesen lässt. Die Handlung verläuft geradlinig und ist in weiten Teilen vorhersehbar, ...

Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um einen sehr leicht zugänglichen Roman, der sich ohne große geistige Anstrengung lesen lässt. Die Handlung verläuft geradlinig und ist in weiten Teilen vorhersehbar, wodurch es insgesamt an Spannung und überraschenden Wendungen fehlt. Tiefgehende Reflexionen oder komplexe Konflikte bleiben aus. Als entspannende Lektüre für ein ruhiges Wochenende auf dem Sofa oder für den Urlaub eignet sich die Geschichte jedoch durchaus, da sie sich angenehm „weglesen“ lässt.

Persönlich hatte ich jedoch höhere Erwartungen an den Roman. Die Grundidee der Handlung ist vielversprechend angelegt, verliert jedoch im weiteren Verlauf deutlich an Tiefe. Insbesondere die Hauptfigur Rosi wirkt stellenweise äußerst naiv und wenig realistisch gezeichnet. So trifft sie die weitreichende Entscheidung, London zu verlassen und ein neues Leben in Amsterdam zu beginnen, ohne sich vorab vor Ort ein Bild von der Stadt oder dem Blumenmarkt zu machen. Vor Ort angekommen, bezieht sie ein heruntergekommenes Hausboot, das sie zu einem hohen Preis mietet und zudem erst aufwendig renovieren muss, um dort überhaupt wohnen zu können. Dieses Vorgehen erscheint wenig plausibel und lässt die Figur in ihrer Entwicklung unglaubwürdig wirken.

Zwar wird Rosi unmittelbar von wohlgesinnten Nebenfiguren unterstützt – etwa von Emma, die ihr rasch den Weg zu einem kleinen Verkaufsstand auf dem Blumenmarkt ebnet, den sie nahezu mühelos erhält –, doch auch diese Abfolge wirkt zu unkompliziert und konstruiert. Insgesamt erscheint vieles zu einfach gelöst und wenig realitätsnah, wodurch Spannung und emotionale Tiefe verloren gehen.

Positiv hervorzuheben ist hingegen die atmosphärische Beschreibung der Stadt Amsterdam. Die Schauplätze sind lebendig und anschaulich geschildert, sodass man als Leser*in unmittelbar Lust bekommt, selbst durch die Straßen und Märkte der Stadt zu schlendern. Auch das sonnig-gelbe Cover ist ansprechend gestaltet und vermittelt eine freundliche, leichte Stimmung, die gut zum Charakter der Geschichte passt.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Ruhig

Tage des Lichts
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Die Geschichte setzt zu Ostern im Jahr 1938 ein, als sich die Familie von Joseph und Ivy versammelt, um die Feiertage gemeinsam zu verbringen. Schon zu Beginn liegt eine leise Spannung in der Luft, denn ...

Die Geschichte setzt zu Ostern im Jahr 1938 ein, als sich die Familie von Joseph und Ivy versammelt, um die Feiertage gemeinsam zu verbringen. Schon zu Beginn liegt eine leise Spannung in der Luft, denn Ivy ist besonders neugierig auf Frances, Josephs Freundin, die erstmals Teil dieses familiären Treffens sein soll. Die Tage versprechen Wärme, Nähe und unbeschwerte Stunden im Kreis von Familie und Freunden – ein Osterfest, das in Erinnerung bleiben sollte.

Doch die erwartete Harmonie zerbricht jäh: Joseph ertrinkt, und mit ihm geht nicht nur ein geliebter Mensch verloren, sondern auch die Zukunft, wie Ivy sie sich vielleicht vorgestellt hatte. Der Schock sitzt tief. Ivy ist orientierungslos, innerlich zerrissen und sucht Halt in einer schnellen, beinahe fluchtartigen Ehe. Diese Entscheidung gibt ihrem Leben Struktur und Sicherheit, aber keine Erfüllung. Sie führt fortan ein angepasstes, gesellschaftlich akzeptiertes Leben – nicht unglücklich, aber ebenso wenig glücklich. Es ist ein Dasein, das funktioniert, jedoch nie wirklich ihres war.

Jahre später begegnet Ivy Frances zufällig wieder. Auch Frances hat inzwischen geheiratet, doch die gemeinsame Vergangenheit und der Verlust von Joseph verbinden die beiden Frauen auf eine stille, intensive Weise. Aus dieser geteilten Erinnerung heraus entsteht eine vorsichtige Nähe, die mehr von Andeutung als von offenen Worten lebt.

Der Roman gewährt tiefe Einblicke in Ivys Innenwelt: ihre Gedanken, Zweifel, Sehnsüchte und Ängste werden feinfühlig geschildert, oft nur angedeutet statt klar ausgesprochen. Genau darin liegt die besondere Atmosphäre des Buches. Der poetische, fast schwebende Schreibstil verzichtet weitgehend auf direkte Rede und verlangt hohe Aufmerksamkeit. Man liest langsam, hält inne, blättert zurück – nicht aus Unverständnis, sondern um die leisen Zwischentöne wirklich zu erfassen. Dennoch bleiben Ivy und Frances dadurch stellenweise auf Distanz, fast wie Figuren hinter einem Schleier.

Besonders positiv hervorzuheben ist das Cover, das wie ein Gemälde wirkt: ruhig, ästhetisch und voller Stimmung. Es fängt die Melancholie und Tiefe der Geschichte wunderbar ein und bereitet bereits vor dem Lesen auf den literarischen Ton des Romans vor.

Dieses Buch richtet sich an Leserinnen und Leser, die einen anspruchsvollen, poetischen Stil schätzen und bereit sind, sich auf eine ruhige, introspektive Erzählweise einzulassen. Wer Literatur mag, die mehr fühlen lässt als erklärt, wird hier fündig.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Schade

Trau dich doch
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Leider konnte mich dieses Buch nicht nachhaltig fesseln. Im Vergleich zu anderen Romanen von Ellen Berg, die ich sehr schätze, blieb dieser für mich persönlich hinter den Erwartungen zurück und ist derjenige, ...


Leider konnte mich dieses Buch nicht nachhaltig fesseln. Im Vergleich zu anderen Romanen von Ellen Berg, die ich sehr schätze, blieb dieser für mich persönlich hinter den Erwartungen zurück und ist derjenige, der mich am wenigsten überzeugen konnte.

Meine Vorfreude war entsprechend groß, da ich das erzählerische Talent der Autorin kenne. Umso bedauerlicher war es, dass sich die erhoffte Spannung nur punktuell einstellte. Vereinzelt hatte ich das Gefühl, nun würde die Geschichte an Dynamik gewinnen und das Weiterlesen wirklich Freude bereiten — doch dieser Eindruck hielt meist nur kurz an und wich bereits nach ein oder zwei Kapiteln wieder einer eher langatmigen Erzählweise.

Besonders schade ist dies, da die zugrunde liegende Idee und die Handlung durchaus viel Potenzial bieten. Mit einer stringenteren Spannungsführung hätte der Roman für mich deutlich an Wirkung gewinnen können. Insgesamt bleibt daher ein zwiespältiger Eindruck: eine interessante Grundidee, die mich in der Umsetzung leider nicht überzeugen konnte

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Veröffentlicht am 23.12.2025

Blass

Hazel sagt Nein
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Von anna67

Hazel sagt Nein erzählt die Geschichte eines mutigen Mädchens, das sich gegen einen schweren Machtmissbrauch stellt. Nachdem der Direktor ihrer Schule Hazel gezielt als Opfer seiner sexuellen ...

Von anna67

Hazel sagt Nein erzählt die Geschichte eines mutigen Mädchens, das sich gegen einen schweren Machtmissbrauch stellt. Nachdem der Direktor ihrer Schule Hazel gezielt als Opfer seiner sexuellen Übergriffe auswählt und diese sogar offen und unverhohlen formuliert, trifft sie eine klare Entscheidung: Sie sagt Nein. Dieses Nein ist stark, wichtig und notwendig – und bildet den zentralen Kern des Buches.
Trotz der großen Dramatik und der Schwere des Themas bleibt Hazel als Hauptfigur jedoch überraschend blass. Als Leserin hätte man sich gewünscht, ihr näherzukommen, ihre Gedanken, Ängste und inneren Kämpfe intensiver mitzuerleben. Stattdessen entsteht oft der Eindruck, dass Hazel eher eine Mitspielerin als der emotionale Mittelpunkt der Geschichte ist.
Auffällig ist auch, dass sich die Erzählung immer wieder stark auf die Eltern und den Bruder konzentriert. Ihre Gefühle, Reaktionen und Perspektiven nehmen viel Raum ein, während Hazels eigene innere Welt vergleichsweise wenig Beachtung findet. Dadurch verschiebt sich der Fokus der Geschichte: Hazel, um die es eigentlich gehen sollte, rückt für die Lesenden beinahe in den Hintergrund, was besonders bei einem so sensiblen und wichtigen Thema schade ist.
Gänsehautmomente bleiben größtenteils aus. Der Schreibstil wirkt häufig sachlich und distanziert, fast nüchtern, wodurch die emotionale Wucht der Thematik nicht voll zur Entfaltung kommt. Gerade hier hätte man sich mehr Tiefe, mehr Gefühl und mehr Nachdruck gewünscht, um die Bedeutung von Hazels Nein noch stärker spürbar zu machen.
So bleibt am Ende der Eindruck einer wichtigen Geschichte mit einem starken Ansatz, die jedoch ihr emotionales Potenzial nicht vollständig ausschöpft. Das Thema verdient große Aufmerksamkeit – und hätte durch eine intensivere Nähe zur Hauptfigur noch eindringlicher und berührender erzählt werden können

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