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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.08.2025

Tolle Idee, aber frustrierend zu lesen

Im Leben nebenan
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Das Konzept des Romans hat mir sehr gut gefallen. Antonia ist Mitte 30 und lebt mit ihrem Partner zusammen in der Großstadt und hat einen unerfüllten Kinderwunsch. Eines Morgens wacht sie plötzlich ...

Das Konzept des Romans hat mir sehr gut gefallen. Antonia ist Mitte 30 und lebt mit ihrem Partner zusammen in der Großstadt und hat einen unerfüllten Kinderwunsch. Eines Morgens wacht sie plötzlich in einem anderen Leben auf. Auf einmal lebt sie in einem Haus in ihrem Heimatdorf, ist verheiratet mit ihrem ersten Freund aus Schulzeiten und hat ein Baby, um das sie sich kümmern muss. Sie erinnert sich aber nur an ihr "altes" Leben und ihr kommt alles fremd vor.
Wir Leser begleiten Antonia dabei, wie sie sich mit ihrem alternativen Leben auseinander setzt. Im Wechsel dazu sehen wir sie auch (als Toni), wie sie ihr Leben in der Großstadt ohne Kinder normal weiterlebt.
Die Frage wie unser Leben wäre, wenn wir uns an einem Punkt anders entschieden hätten, stellt sich ja jeder im Laufe seines Lebens und ist immer spannend. Was wäre, wenn ich immer noch mit meiner Jugendliebe zusammen wäre? Was wäre, wenn ich in der Heimat geblieben wäre und nicht in die Großstadt gezogen wäre? Und genauso umgekehrt. Das sind Fragen mit denen sich wahrscheinlich fast jeder identifizieren kann und die das Buch sehr realistisch machen, obwohl es Magic Realism ist. Und das hat Anne Sauer auch gut umgesetzt.

Das Buch setzt sich sehr stark mit Kinderfrage auseinander und wie unsere Gesellschaft mit Frauen in Relation dazu umgeht. Es behandelt einen unerfüllten Kinderwunsch sowie gar keinen zu haben, ungewollte Mutterschaft, postpartale Depressionen und generell die Schwierigkeiten und die schönen Seiten der Mutterschaft. Es wird auch viel darauf eingegangen, wie ein Kind sowie ein unerfüllter Kinderwunsch sich auf eine Beziehung auswirkt.
Es ist auf jeden Fall ein sehr wichtiges und lesenswertes Buch, da es sich realistisch und überhaupt nicht verklärt bzw. romantisierend mit dem Thema Mutter sein/ nicht sein auseinander setzt.

Leider fand ich das Buch insgesamt zu frustrierend, also zu negativ und deprimierend, da Antonia eigentlich in beiden Versionen ihres Lebens irgendwie unzufrieden ist. Viele sagen, dass absichtlich kein Leben besser als das andere dargestellt wird, aber am Ende ist sie in beiden Versionen die meiste Zeit unglücklich. Ich verstehe ja, dass es realistisch sein soll, aber so war das irgendwie nicht besonders lebensbejahend zu lesen. Außerdem hat mich ein bisschen der Stellenwert der Kindfrage gestört, so als ob Frauen sich nur über das Mutter sein oder nicht Mutter sein definieren. Mir hat irgendwie die Perspektive einer Frau gefehlt, die nie einen Kinderwunsch hatte und damit zufrieden lebt, was auch viele Leute betrifft. Für mich als eine Frau ohne Kinderwunsch fühlte es sich am Ende so an, als ob die zweite Antonia sich einfach nur damit abgefunden hat kinderlos zu sein, nachdem es nicht funktioniert hat und nicht, als ob sie sich bewusst dazu entschieden hat. Daher fand ich nicht, dass beide Versionen "gleichwertig" behandelt wurden. Es liest sich wie ein Buch, das versucht das ganze Thema feministisch zu behandeln, und auch teilweise gute Gesellschaftskritik beinhaltet, aber am Ende in der Frage doch zu oberflächlich bleibt.

Insgesamt finde ich aber trotzdem, dass es ein sehr lesenswertes Buch ist, vor allem wenn man sich selber mit der Frage, ob man Kinder möchte oder nicht, auseinander setzt, und würde es vor allem Frauen den 20er und 30er Jahren empfehlen.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Schmerzhafte Sehnsucht

Öffnet sich der Himmel
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Was für ein besonderer Roman! Wir begleiten ein Jahr lang unseren Protagonisten James, der als einziger geouteter schwuler Junge in einem kleinem, ländlichen Dorf in England lebt und sich sehr ...

Was für ein besonderer Roman! Wir begleiten ein Jahr lang unseren Protagonisten James, der als einziger geouteter schwuler Junge in einem kleinem, ländlichen Dorf in England lebt und sich sehr einsam und ausgeschlossen fühlt, bis er sich mit sechzehn das erste Mal verliebt - und zwar in seinen neuen besten Freund Luke, der aber hetero zu sein scheint.

James liebt mit einer Intensität und Dramatik, wie es nur ein Teenager kann. Seine Liebe und Sehnsucht zu Luke ist allumfassend und nimmt ihn komplett ein und bleibt doch schmerzhaft und unerwidert.
Die Art wie Seán Hewitt James Gedanken und Gefühle beschreibt ist sehr poetisch und mitfühlend, sodass man als Leser genau wie James gefangen ist in der Spannung zwischen Freundschaft, Liebe und Begehren sowie in einer Sehnsucht, die so stark ist, dass sie schmerzt. Man fühlt sich beim Lesen in diese Zeit des Erwachsenwerdens und der ersten Gefühle zurückversetzt.
Die Sprache liest sich sehr schön und atmosphärisch und viele Passagen sind sehr lyrisch, aber trotzdem angenehm zu lesen. An der Stelle muss man auch den Übersetzer loben. Das Ende lässt Fragen offen ist aber trotzdem in sich schlüssig.

Mir hat der Roman sehr gefallen und ich würde ihn allen empfehlen, die Lust haben auf einen emotionalen Roman über das Erwachsenwerden, über Freundschaft, die erste Liebe, Begehren und Sehnsucht - und alles beschrieben in wunderschöner, lyrischen Sprache.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Leider nichts für mich

Just for the Summer
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Da Abby Jimenez ja sehr gehypt ist und ich noch nichts von ihr gelesen habe, bin ich mit relativ hohen Erwartungen an dieses Buch ran und wurde leider enttäuscht. Ich verstehe auch irgendwie nicht, wie ...

Da Abby Jimenez ja sehr gehypt ist und ich noch nichts von ihr gelesen habe, bin ich mit relativ hohen Erwartungen an dieses Buch ran und wurde leider enttäuscht. Ich verstehe auch irgendwie nicht, wie es so gute Bewertungen überall hat.

Die Anfangsprämisse mit dem Reddit-post und dem Fluch fand ich eigentlich eine coole und originelle Idee, obwohl dies im Verlauf des Buches kaum noch eine Rolle spielt. Die erste Hälfte des Buches war noch ganz gut, aber dann ging es leider stetig bergab.
Ich fand tatsächlich die Hintergrundgeschichte viel spannender, als die Entwicklung der Beziehung zwischen Emma und Justin, was bei einem Romance-Buch irgendwie nicht so sein sollte. Emma fand ich als Charakter gleichzeitig langweilig und nervig und außerdem wirkte sie in ihrem inneren Monolog überhaupt nicht wie jemand Ende 20, sondern eher wie eine 16 Jährige. Justin und Maddy waren ganz gute Charaktere, obwohl Justin ein bisschen zu perfekt und unrealistisch ist. Was Justin und Emma außer ihrem Trauma und dass sie beide gut aussehen verbindet, ist irgendwie nie klar geworden.
Dann kam einmal die fast Trennung und dann die richtige Trennung und beide Male aus dem gleichen Grund, was sehr künstlich konstruiert wirkte.
Die Auflösung der ganzen Geschichte mit der Mutter und Emmas Familie wirkte auf mich sehr sehr unrealistisch und über dramatisiert. Aber dann ist Emma in 6 Monaten auf einmal über dieses krasse Trauma hinweggekommen und ist "geheilt". Ja klar.
Generell wirkte das Buch teilweise nicht wie für Erwachsene geschrieben, sondern eher wie YA, da besonders aus Emmas Sicht ihre Gefühle so einfach beschrieben wurden und immer wieder gleich. Und dann nachdem sie sich immer mit dieser metaphorischen Insel beschrieben hat, ist sie auf einmal krank und buchstäblich allein auf einer echten Insel. Da musste ich echt die Augen verdrehen.

So für einen Tag am Strand wenn man ohne hohe Erwartungen rangeht, ist das Buch auf jeden Fall nicht schlecht, aber für mich war es leider am Ende nichts. Mir hätte es wahrscheinlich gefallen, als ich jünger war, aber jetzt konnte ich mich mit Emmas kindischen Gedanken kaum identifizieren, obwohl wir im gleichen Alter sind. Sehr schade!

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Poetisch und berührend

Die Geschichte des Klangs
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"Die Geschichte des Klangs" sind zwei Kurzgeschichten, die mit einander verbunden sind.
Lionel und David sind junge Musikstudenten, die sich in einander verlieben und zusammen einen Sommer lang auf der ...

"Die Geschichte des Klangs" sind zwei Kurzgeschichten, die mit einander verbunden sind.
Lionel und David sind junge Musikstudenten, die sich in einander verlieben und zusammen einen Sommer lang auf der Suche nach vergessenen Folksongs durch das Land reisen, um die Lieder für die Nachwelt aufzunehmen. Nach diesem Sommer verliert sich der Kontakt und Lionel wird Jahre später im hohen Alter daran erinnert, als er die Tonträger von diesem Sommer anhören kann.
Annie findet auf dem Dachboden ihres neu gekauften Hauses diese Tonträger und setzt sich in Kontakt mit der vorherigen Besitzerin. Durch ein Gespräch mit dieser, hinterfragt sie ihre Entscheidungen im Leben und ihre Ehe.

Ben Shattuck ist ein sehr talentierter Erzähler, der Gefühle und Musik wunderbar poetisch schreibt. Auf so wenigen Seiten schafft er es sehr schöne und tiefgründige Geschichten zu vermitteln, die auch vom Übersetzter gut ins Deutsche übertragen wurden.
Allerdings hätte die Geschichte für meinen Geschmack doch noch etwas länger sein können und ich frage mich, warum nur zwei Kurzgeschichten der Sammlung im Deutschen veröffentlicht wurden. Ich denke, dadurch fehlt einiges, da die Kurzgeschichten ja miteinander verbunden sind. Ich hätte mir eine komplette Übersetzung gewünscht.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Packend und emotional

Atmosphere
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Da mich das Thema Weltraum und NASA nicht so interessiert, ich aber ein Fan von Evelyn Hugo und Daisy & the six war, bin ich ein bisschen skeptisch an das Buch herangegangen, wurde aber nach wenigen Kapiteln ...


Da mich das Thema Weltraum und NASA nicht so interessiert, ich aber ein Fan von Evelyn Hugo und Daisy & the six war, bin ich ein bisschen skeptisch an das Buch herangegangen, wurde aber nach wenigen Kapiteln restlos überzeugt und Atmosphere wird auf jeden Fall ein Jahreshighlight sein.

Es spielt in den 80er Jahren. Joan wird für das NASA Astronauten-Programm ausgewählt und muss sich in diesem von Männer dominierten Umfeld als eine der sehr wenigen ersten Frauen behaupten, während sie sich das erste Mal in eine Frau verliebt, in einer Zeit, in der man als queere Person nicht für die Regierung arbeiten durfte.

Der Roman ist von Anfang spannend und emotional. Es wird sehr auf die Schwierigkeiten von Frauen in den 1980er Jahren eingegangen. Zum einem in der NASA, wo wir sehr verschiedene Frauencharaktere kennenlernen, die alle unterschiedlich mit Sexismus und Misogynie umgehen. Auf der anderen Seite ist da Joans Schwester Barbara, die als unverheiratete alleinerziehende Mutter anderen Schwierigkeiten ausgesetzt ist.
Die queere Liebesgeschichte wurde auch sehr schön und realistisch geschrieben. Vanessa ist ein sehr interessanter und komplexer Charakter. Die wichtigste Beziehung des Buches ist aber eigentlich die besondere Verbindung zwischen Joan und ihrer Nichte Francis, die sich durch die ganze Geschichte zieht und wunderschön beschrieben ist.
Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass Joan als Protagonistin kaum Schwächen hat und ein bisschen zu perfekt ist. Auch ihre Schwester Barbara ist leider ein bisschen eindimensional, aber in die andere Richtung.

Auf jeden Fall eine ganz klare Leseempfehlung, selbst wenn man nicht sich nicht so für den Weltraum und Astronauten interessiert.

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