Platzhalter für Profilbild

annuschkar

Lesejury-Mitglied
offline

annuschkar ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit annuschkar über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.01.2026

Alles in allem, kann man es durchaus lesen

Anna O.
0

Anna O. schläft seit vier Jahren, seit sie angeblich zwei Menschen erstochen haben soll. Bisher konnte sie niemand aufwecken, dass soll Dr. Ben Prince nun aber ändern.

Wie viele Wahrheiten gibt es? Und ...

Anna O. schläft seit vier Jahren, seit sie angeblich zwei Menschen erstochen haben soll. Bisher konnte sie niemand aufwecken, dass soll Dr. Ben Prince nun aber ändern.

Wie viele Wahrheiten gibt es? Und gibt es die eine objektive Wahrheit überhaupt? Anna O. ist ein Psychothriller übers Schlafwandeln, über ungerechte Gesundheitssysteme, über Opfer von Karrieregeilheilt und Bürokratie. Die ersten 200 Seiten ist es mir schwer gefallen einen Kopf an den kurzen Kapiteln und wechselnden Perspektiven zu bekommen. Es fließt viel Weltliteratur und Philosophie mit ein, aber die eigentliche Handlung tritt auf der Stelle. Dann nimmt es etwas Fahrt auf und man hat das Gefühl endlich etwas besser zu verstehen um was es eigentlich geht, aber das hält nicht lange an.

Die komplette Geschichte als auch der Aufbau der einzelnen Kapitel ist antiklimatisch, viel Gesprochenes ist redundant und der letzte Teil muss viel zu viel erklären und Löcher stopfen, weil es auf den vorherigen Seiten versäumt wurde. Es ist ein solides Gedankenspiel mit einer erwartbaren Auflösung und einer brillanten Idee, aber mir fehlt einfach Substanz. Bei allem. Außerdem ist die stilistische Umsetzung in meinen Augen einfach nicht gut genug, es verpufft viel Potential.

Im Laufe des Buches werden auch immer wieder Einträge aus Annas Notizbuch wiedergeben, nur leider schreibt kein einziger Mensch so in sein Notizbuch - man hätte es auch einfach Rückblende nennen können.

Alles in allem, kann man es durchaus lesen - ein wirklich guter Psychothriller ist es aber nicht. Um den Geist ähnlich zu stimulieren, könnte man auch Jean-Paul Sartres „Entwürfe für eine Moralphilosophie“ lesen.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Wenig Spannung, aber dafür mit Plottwist

Trümmertote
0

1949 liegt ein großer Teil von Berlin immer noch in Trümmern. Bei Aufräumarbeiten wird eine mutmaßliche Hinrichtungsstelle gefunden, die einer aufstrebenden jungen Bande gehören soll, die Berlin in Chicago ...

1949 liegt ein großer Teil von Berlin immer noch in Trümmern. Bei Aufräumarbeiten wird eine mutmaßliche Hinrichtungsstelle gefunden, die einer aufstrebenden jungen Bande gehören soll, die Berlin in Chicago 2.0 verwandeln wollen und deren Einfluss bis in den Polizeiapperat von West-Berlin reicht. Wem kann Kommissar Oppenheimer noch vertrauen?

Band 7 der Oppenheimer-Reihe ist gewohnt stark darin, die konfusen Zeiten in den späten 40ern aufzudröseln. Der Zerfall in Ost und West, das Leben unter Besatzungsmächten, der unglaubliche Berg an Bürokratie im Kompetenzendschungel wird bildhaft vor Augen geführt und mit einer Prise Lokalkolorit aufgehübscht.

Leider enttäuscht mich diesmal die eigentliche Handlung, denn wirklich Spannung kommt bei mir nicht auf. Das Auflösen des Falles ist von zu vielen Zufällen abhängig, es wirkt hier und da etwas einfallslos und der Antagonist Jo löst bei mir keine weiteren Gefühle aus. Ein Jugendlicher, der zu viele Krimis gesehen hat und eine Gangsterbande nach dem Vorbild von Al Capone gründen möchte könnte unglaublich spannend sein, ist es aber irgendwie nicht.

Ein kleiner Plottwist hat für mich das Ruder dann zum Glück noch etwas herumgerissen, sodass ich am Ende halbwegs zufriedengestellt war, dennoch konnte dieser Teil für mich nicht an die vorherigen anknüpfen. Außerdem habe ich ein Exemplar erwischt, was auch noch über einige Rechtschreibfehler verfügt, die den Lesefluss nochmal anders beeinträchtigt haben.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Zufriedenstellend aber nicht begeisternd

In Case We Dare
0

Laurel wird dem aufstrebenden und nach langer krankheitsbedingter Abwesenheit zurückkehrendem Star der Anwaltskanzlei Aaron als neue Mentee zugeteilt. Bei den Vorbereitungen zum Gerichtsprozess rund um ...

Laurel wird dem aufstrebenden und nach langer krankheitsbedingter Abwesenheit zurückkehrendem Star der Anwaltskanzlei Aaron als neue Mentee zugeteilt. Bei den Vorbereitungen zum Gerichtsprozess rund um die Bürgermeistergattin fliegen bald nicht nur die Fetzen.

Laurel ist eine furchtbar anstrengende Protagonistin. Sie ist unglaublich gut geschrieben, sehr komplex und kantig und eben „grau“, weil nichts auf der Welt nur schwarz oder weiß ist. Ihre Vergangenheit, ihre Ängste, ihre Gegenwart erklären viel, aber machen den Umgang mit ihr natürlich nicht einfach. Das muss es auch nicht, es gibt genügend glattgestriegelte Protagonisten, dennoch ist Laurel jemand mit dem ich im echten Leben nicht zusammenarbeiten wollen würde.

Aaron liegt mir etwas besser, vielleicht weil ich mich selber gerade von einem Burn-Out erhole und viel Verständnis für seinen Leidensdruck mitbringen kann oder weil ich ihn dafür bewundere, so sehr um seine Beziehung kämpfen zu wollen.

Mit knapp 530 Seiten bietet das Buch einige Längen, die aber okay sind, weil das Kanzleileben recht interessant und der Schreibstil ausladend schön ist. Das lange Push-and-Pull zwischen den beiden Charakteren hingegen hat mich etwas genervt, ist aber sehr passend für die Verhaltensweisen der Charaktere.

Am Anfang werden drei Haupthandlungsstränge aufgemacht: etwas aus Laurels Vergangenheit, der Fall an dem beide arbeiten müssen sowie die Beziehung der beiden und da hätten meiner Meinung nach zwei vollkommen gereicht. Die Handlung mit Laurels Vergangenheit ist für mich etwas unrund gelöst und trägt auch nicht weiter zur Spannung bei.

Ich bin zufrieden mit dem Buch, aber nicht begeistert und ich hätte mir gewünscht, dass sich die zwei Sichtweisen aus denen erzählt wird mehr voneinander unterscheiden. Leider verquirlt die Tonalität der Erzählweise das alles zu einem Einheitsbrei.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Lesenswerter Thriller, bei dem man etwas Durchhaltevermögen braucht

Fremd
0

Joanna genießt einen entspannten Tag bis sie aus der Dusche kommt und dort auf einmal ein fremder Mann im Haus steht, der behauptet ihr Verlobter zu sein. Erik freut sich nach einem stressigen Tag auf ...

Joanna genießt einen entspannten Tag bis sie aus der Dusche kommt und dort auf einmal ein fremder Mann im Haus steht, der behauptet ihr Verlobter zu sein. Erik freut sich nach einem stressigen Tag auf der Arbeit auf seine Verlobte, doch als er nach Hause kommt, rastet sie aus, weil sie denkt er wäre ein Einbrecher.

Dieser Poznanski/Strobel Thriller wirft uns direkt mitten in die Handlung zwischen der australischen Milliardärstochter und dem deutschen IT-Spezialisten. Es ist nervenaufreibend, verworren und man weiß gar nicht so wirklich wem man jetzt was glauben soll. Vor allem da es turbulent weiter geht und immer klarer wird, dass beide in höchster Gefahr schweben und andere Leute ihnen nach dem Leben trachten.

Ich habe die Story innerhalb eines Nachmittages gelesen, da es flüssig von der Hand geht und einen wirklich bei der Stange hält. Ab und an hatte ich zwar Momenten in denen ich alle Beteiligten am liebsten geschüttelt hätte und hin und wieder war es etwas repetitiv, da die Kapitel ausnahmslos abwechselnd aus Jo‘s und Eriks Sichtweise geschrieben sind und auch mal die gleichen Zeitspannen abdecken.

Zum Ende hin verdichtet sich die Spannung immer weiter und es wird richtig action geladen - leider wird hier dann an Glaubhaftigkeit und Realitätsbezug eingebüßt. Wer steckt jetzt genau wo hinter? Wer hängt mit drin? Die finale Auflösung wird allerdings in wenigen Seiten abgehandelt, da hätte ich mir etwas mehr gewünscht, vor allem bei dem Thema was da zum Schluss aufgemacht wird und was genau in Antigua passiert ist.

Fazit: Lesenswerter Thriller bei dem man etwas Durchhaltevermögen braucht und den man nicht allzu ernst nehmen sollte.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Charaktere mit Vorbildfunktion

Vielleicht nie (Vielleicht-Trilogie, Band 2)
0

Joanas Leben läuft perfekt nach Plan, nur ist es der Plan ihrer verstorbenen Schwester an deren Tod sie sich die Schuld gibt. Als der Bruder ihrer besten Freundin wieder in München auftaucht, weckt der ...

Joanas Leben läuft perfekt nach Plan, nur ist es der Plan ihrer verstorbenen Schwester an deren Tod sie sich die Schuld gibt. Als der Bruder ihrer besten Freundin wieder in München auftaucht, weckt der Adrenalinjunkie Killian Träume und Sehnsüchte in ihr, die sie sich eigentlich nicht erlauben kann.

Jo ist eine kantige Protagonisten voller selbst auferlegten Zwängen und Prinzipien, die erst erkennen muss, dass sie sich selbst im Weg steht. Killian ist sorg- und zwanglos, der sein Dasein auf Gottes grüner Erde eigentlich nur genießen möchte, ohne Einschränkungen und der Beständigkeit, die ihm Angst macht.

Seit dem sie klein sind, geraten sie mit Worten wieder und wieder aneinander, weil es ihnen einfach Spaß macht, sich gegenseitig zu triezen. Das Geplänkel der Beiden ist super natürlich und sprüht nur so vor Funken. Es knistert auf jeder Seite.

Beide sind unglaublich charakterstark und auf ihrer Seite ein Vorbild für mich geworden. Die Entwicklung dieser frenemies with benefits Geschichte passiert auf der einen Seite sacht und schleichend und auf der anderen Seite explosiv zwischen Wiesn und Weihnachtsmarkt. Dabei entwickeln sich beide Charaktere weiter, erkennen eigene Baustellen und machen den jeweils anderen einen Stück besser.

Third-Arch-Breakups bleiben meine Nemesis, aber hier waren es zum Glück nur ca. 20 Seiten und das letzte Kapitel hat es für mich wieder wett gemacht. I loved it.