Alles in allem, kann man es durchaus lesen
Anna O.Anna O. schläft seit vier Jahren, seit sie angeblich zwei Menschen erstochen haben soll. Bisher konnte sie niemand aufwecken, dass soll Dr. Ben Prince nun aber ändern.
Wie viele Wahrheiten gibt es? Und ...
Anna O. schläft seit vier Jahren, seit sie angeblich zwei Menschen erstochen haben soll. Bisher konnte sie niemand aufwecken, dass soll Dr. Ben Prince nun aber ändern.
Wie viele Wahrheiten gibt es? Und gibt es die eine objektive Wahrheit überhaupt? Anna O. ist ein Psychothriller übers Schlafwandeln, über ungerechte Gesundheitssysteme, über Opfer von Karrieregeilheilt und Bürokratie. Die ersten 200 Seiten ist es mir schwer gefallen einen Kopf an den kurzen Kapiteln und wechselnden Perspektiven zu bekommen. Es fließt viel Weltliteratur und Philosophie mit ein, aber die eigentliche Handlung tritt auf der Stelle. Dann nimmt es etwas Fahrt auf und man hat das Gefühl endlich etwas besser zu verstehen um was es eigentlich geht, aber das hält nicht lange an.
Die komplette Geschichte als auch der Aufbau der einzelnen Kapitel ist antiklimatisch, viel Gesprochenes ist redundant und der letzte Teil muss viel zu viel erklären und Löcher stopfen, weil es auf den vorherigen Seiten versäumt wurde. Es ist ein solides Gedankenspiel mit einer erwartbaren Auflösung und einer brillanten Idee, aber mir fehlt einfach Substanz. Bei allem. Außerdem ist die stilistische Umsetzung in meinen Augen einfach nicht gut genug, es verpufft viel Potential.
Im Laufe des Buches werden auch immer wieder Einträge aus Annas Notizbuch wiedergeben, nur leider schreibt kein einziger Mensch so in sein Notizbuch - man hätte es auch einfach Rückblende nennen können.
Alles in allem, kann man es durchaus lesen - ein wirklich guter Psychothriller ist es aber nicht. Um den Geist ähnlich zu stimulieren, könnte man auch Jean-Paul Sartres „Entwürfe für eine Moralphilosophie“ lesen.