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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.05.2026

Schonungslos ehrlich

Half His Age
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„Half His Age“ ist definitiv kein leichtes Buch, aber genau das macht es so fesselnd. Im Mittelpunkt steht die siebzehnjährige Waldo, die sich in ihren deutlich älteren Lehrer verliebt. Aus dieser Ausgangslage ...

„Half His Age“ ist definitiv kein leichtes Buch, aber genau das macht es so fesselnd. Im Mittelpunkt steht die siebzehnjährige Waldo, die sich in ihren deutlich älteren Lehrer verliebt. Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich eine Affäre, die von Anfang an von einem spürbaren Ungleichgewicht geprägt ist.

Besonders beeindruckt hat mich Waldo als Hauptfigur. Sie wirkt widersprüchlich, klug, verletzlich und gleichzeitig erstaunlich reflektiert. Gerade dadurch hatte ich oft das Gefühl, dass ihr die problematischen Strukturen dieser Beziehung durchaus bewusst sind, auch wenn sie sich ihnen emotional nicht entziehen kann. Diese innere Zerrissenheit macht die Geschichte sehr intensiv.

Der Schreibstil ist dabei kompromisslos direkt und teilweise ziemlich hart. Nichts wird romantisiert oder beschönigt, sondern roh und unangenehm ehrlich dargestellt. Genau deshalb bleibt das Buch lange im Kopf.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Eine Dystopie der Einsamkeit

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Dieses Buch entwirft eine trostlose, dystopische Welt voller Einsamkeit und Rätsel. Es ist keine klassische Dystopie, sondern vielmehr ein stilles, verstörendes Gedankenspiel. Die karge Welt voller unendlicher ...

Dieses Buch entwirft eine trostlose, dystopische Welt voller Einsamkeit und Rätsel. Es ist keine klassische Dystopie, sondern vielmehr ein stilles, verstörendes Gedankenspiel. Die karge Welt voller unendlicher Weite bleibt dabei oft schwer zu greifen. Genau das macht den Roman gleichzeitig faszinierend und herausfordernd. „Ich, die ich Männer nicht kannte“ stellt seine Leser definitiv auf die Probe: Die Geschichte wirkt oft rätselhaft, beinahe entrückt, und genau das macht ihren besonderen Reiz aus.

Im Mittelpunkt stehen vierzig Frauen, die in einem unterirdischen Käfig gefangen gehalten werden, bis sie sich durch einen glücklichen (?) Zufall befreien können. Von da an sind die Frauen vollkommen auf sich allein gestellt und müssen lernen, ihr Leben selbst zu bestreiten.

Besonders beeindruckt hat mich die bedrückende Atmosphäre und die existenzielle Leere dieser Welt. Das Buch lebt weniger von Handlung als von Gedanken, Beobachtungen und der Frage, was Menschlichkeit überhaupt ausmacht, wenn jede gesellschaftliche Ordnung verschwunden ist. Manchmal war mir das Ganze allerdings etwas zu distanziert und schwer greifbar, weshalb ich emotional nicht immer komplett eintauchen konnte.

Trotzdem eine faszinierende, ungewöhnliche Dystopie, die noch lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Mehr erwartet

Woman Down
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Ich bin mit ziemlich hohen Erwartungen an Woman Down von Colleen Hoover herangegangen, da ich schon viel positives über ihre Bücher gehört habe. Leider konnte mich dieses hier nicht ganz überzeugen.

Der ...

Ich bin mit ziemlich hohen Erwartungen an Woman Down von Colleen Hoover herangegangen, da ich schon viel positives über ihre Bücher gehört habe. Leider konnte mich dieses hier nicht ganz überzeugen.

Der Einstieg war noch vielversprechend, auch wenn sich die Handlung stellenweise etwas gezogen hat. Die Grundidee rund um eine Autorin nach einem Shitstorm fand ich spannend und aktuell, aber die Umsetzung hat mich nicht komplett abgeholt. Einige Entscheidungen wirkten konstruiert oder überzogen. Vor allem einige Entscheidungen und Verhaltensweisen der Protagonisten wirkten konstruiert und überzogen.

Ich hatte mir ehrlich gesagt etwas mehr in Richtung von Verity erhofft – also mehr psychologische Tiefe, düstere Atmosphäre und überraschende Wendungen. Diese Erwartungen wurden für mich leider nicht so ganz erfüllt. Dem beworbenen Genre „Romantic Thriller“ wird das Buch meines Erachtens auch nicht gerecht.

Insgesamt kein schlechtes Buch, aber ich hatte mir deutlich mehr Spannung erhofft. Für mich eher solide Unterhaltung, aber kein Highlight.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Man braucht Durchhaltevermögen

Asa
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„ASA“ von Zoran Drvenkar ist ein Rachethriller, der sehr facettenreich und komplex angelegt ist. Die Geschichte ist spannend und vielschichtig, verlangt den Leserinnen und Lesern aber einiges ab. Durch ...

„ASA“ von Zoran Drvenkar ist ein Rachethriller, der sehr facettenreich und komplex angelegt ist. Die Geschichte ist spannend und vielschichtig, verlangt den Leserinnen und Lesern aber einiges ab. Durch die extreme Detailfülle, teils sehr explizite Szenen und spürbare Längen ist das Buch definitiv nichts für schwache Nerven – und auch kein Thriller, den man „mal eben“ wegliest.

Teilweise wirkt die Handlung etwas konstruiert und nicht immer ganz realistisch. Trotzdem schafft es Drvenkar, eine dichte und beklemmende Atmosphäre aufzubauen, die einen bei der Stange hält, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Insgesamt ein anspruchsvoller, harter Thriller, der Durchhaltevermögen erfordert und sicher nicht für jeden geeignet ist, Fans komplexer Rachegeschichten aber durchaus fesseln kann.

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Veröffentlicht am 12.12.2025

Ungwöhnliche Erzälweise

Die Ausweichschule
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Die Ausweichschule ist ein eindringlicher und bewegender Roman, der sich mit schwierigen Lebensumständen, Ausgrenzung und der Suche nach Zugehörigkeit auseinandersetzt – ohne dabei sensationsgeil zu sein. ...

Die Ausweichschule ist ein eindringlicher und bewegender Roman, der sich mit schwierigen Lebensumständen, Ausgrenzung und der Suche nach Zugehörigkeit auseinandersetzt – ohne dabei sensationsgeil zu sein. Die Geschichte wird ruhig, aber eindrucksvoll erzählt und regt immer wieder zum Nachdenken an.

Kaleb Erdmann setzt sich darin mit dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Jahr 2002 auseinander. Statt die Geschehnisse durch Interviews oder eine nüchterne Rekonstruktion des Tathergangs aufzuarbeiten, wählt er einen anderen, sehr persönlichen Ansatz.

Der Schreibstil ist eigen und anfangs ungewohnt, sodass man sich zunächst daran gewöhnen muss. Zudem ist das Buch nicht einfach zu lesen, da es keinen klaren roten Faden gibt. Die fragmentarische Erzählweise fordert Aufmerksamkeit und Geduld, passt jedoch gut zur inneren Zerrissenheit und Traumatisierung, die thematisiert werden. Hat man sich darauf eingelassen, entfaltet die Sprache ihre Wirkung und unterstützt die ernste, nachdenkliche Atmosphäre der Geschichte sehr eindrucksvoll.

Gerade weil Erdmann konsequent auf Effekthascherei verzichtet, entfaltet der Roman eine leise, aber nachhaltige Wirkung. Die Figuren wirken authentisch, die Atmosphäre dicht und teilweise bedrückend, ohne zu dramatisieren.

Insgesamt ist Die Ausweichschule ein anspruchsvoller, sensibel erzählter Roman mit Tiefgang, der wichtige Themen ernst nimmt und lange nachwirkt. Keine leichte Lektüre – aber eine sehr lohnende.

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