Profilbild von arislifestyle

arislifestyle

Lesejury-Mitglied
offline

arislifestyle ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit arislifestyle über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2025

Ein Spiegelbild unserer patriarchal geprägten Gesellschaft

Hero
0

“Männer hassen es, wenn Frauen sich interessant finden. Weil du dann nicht auf ihre Bestätigung angewiesen bist.“
Ein Zitat von vielen sehr guten und treffenden Zitaten aus Katie Buckleys Buch, welches ...

“Männer hassen es, wenn Frauen sich interessant finden. Weil du dann nicht auf ihre Bestätigung angewiesen bist.“
Ein Zitat von vielen sehr guten und treffenden Zitaten aus Katie Buckleys Buch, welches mir im Gedächtnis geblieben ist und präzise beschreibt, was das große Problem unserer Gesellschaft ist.

Zum Buch:
Das Cover bildet für mich eine griechische Göttin ab, die etwas traurig wirkt, auf dem Gesicht lässt sich eine Träne erahnen. Im Buch spricht Katie Buckley öfters über Helenas trauriges Schicksal in der griechischen Mythologie. Vielleicht ist das Cover eine Anlehnung dazu, dies würde das Gesamtbild definitiv stimmig machen.

Das Buch gliedert sich in sieben Kapitel, von denen jedes einen Tag repräsentiert, was an die Form von Tagebucheinträgen erinnert. Als Stilmittel wird hier die indirekte Rede genutzt, was natürlich Geschmackssache ist, mir persönlich das Lesen aber sehr erschwert hat, da ich Passagen mehrmals lesen musste, um die Handlung nachvollziehen zu können. Zusätzlich fließen Geschichten, Märchen und Mythologien in Heros Gedanken mit ein, die sprachlich sowie literarisch zwar sehr ansprechend zu lesen sind, jedoch auch den Text als Heros Gedanken wirrer machen. Die Metaphern sind gut gewählt, jedoch anspruchsvoll und nicht immer verständlich.

Zum Inhalt:
Die Protagonistin Hero hat in ihrem Leben schon viele einschneidende Erfahrungen mit Männern gemacht. Auf einer Hausparty lernt sie ihren aktuellen Partner kennen, mit dem es super läuft bis dieser sie heiraten möchte. Sie fordert sieben Tage Bedenkzeit, lässt in diesen Tagen ihr Leben Revue passieren und teilt ihre Gedanken mit den Leser:innen. Für sie bedeutet Ehe das Aufgeben ihres eigenen Selbst, was sie ausmacht. Sie soll jemandes Frau werden, seinen Namen annehmen, seine Kinder gebären und dabei glücklich sein.


Der Name „Hero“ bedeutet im Englischen „Heldin“, aber auch Protagonistin. Beides kann hier als treffend empfunden werden. Hero ist in dem Sinne eine Heldin für mich, da sie ihre Entscheidungen reflektiert, überdenkt und auch bereit ist gegen den Strom zu schwimmen, um sich selbst treu zu bleiben.

Es werden sehr viele gesellschaftliche Themen angeschnitten und mit Erlebnissen beschrieben, wie es nur Hero kann. Es wird über die Erziehung von Jungs und Mädchen berichtet und wie es unsere Gesellschaft nachhaltig beeinflusst. Männer sollen stark sein und wollen gebraucht werden. Frauen sollen der emotionale Part sein und Männer brauchen. Es wird die Frage gestellt, ob das der Sinn des Lebens ist? Auch Heirat wird als Konzept in Frage gestellt. Muss man heiraten, nur weil man sich liebt? Mir ist beim Lesen selber aufgefallen, dass es dazu keinen Grund gibt. Trotzdem wird es erwartet, auch wenn sich danach nichts ändern soll. Vielleicht ist auch die Heirat an sich nur ein soziales Konstrukt, welches Abhängigkeit fördern soll. Care-Work bleibt allein an Frauen hängen, die zusätzlich einem geregelten Job nachgehen, während Männer erwarten, dass das normal ist und es nicht hinterfragen, da dieses System ausschließlich Vorteile für sie hat.

Fazit:
Im Großen und Ganzen hat mir das Buch sehr gefallen und ich kann es jedem empfehlen, der sich gesellschaftskritisch weiterbilden möchte und sich gleichzeitig für anspruchsvollere Literatur interessiert. Das Buch ist nicht geprägt von einer spannenden kontinuierlichen Handlung, aber lebt von den Emotionen der Protagonistin, welche sehr ehrlich und reflektiert über ihre Vergangenheit berichtet. Die Geschichten, Mythen und Märchen verstärken die Emotionen der Geschichte nochmal mehr und zeigen den Leser:innen auf, wie frauenverachtend unsere Gesellschaft immer noch ist, unter dem Deckmantel, dass dabei nur das Beste für sie gewollt wird.

Es ist ein Werk, was wütend macht, aber auch ein Werk, welches essenziell in der heutigen Zeit ist!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 07.06.2025

Ein Sommer Fiebertraum

Sunburn
0

Das Buch, welches ich als Jugendliche gebraucht hätte, um zu verstehen, was in mir vorgeht! Zahlreiche Emotionen - Freude, Trauer, Wut, Hoffnung, Verzweiflung - wurden beim Lesen in mir ausgelöst und haben ...

Das Buch, welches ich als Jugendliche gebraucht hätte, um zu verstehen, was in mir vorgeht! Zahlreiche Emotionen - Freude, Trauer, Wut, Hoffnung, Verzweiflung - wurden beim Lesen in mir ausgelöst und haben viel mit mir gemacht!

Ich war sehr gespannt auf den Debütroman von Chloe Michelle Howarth und wurde definitiv nicht enttäuscht. Meine Gedanken wurden sogar bei Weitem übertroffen!

Zum Buch:
Das Cover passt perfekt zur Geschichte, die Farbe Orange erinnert an Susannah, an ihr Leuchten und die Sonne, die sie für Lucy repräsentiert! Das Bild der zwei jungen Frauen passt ebenfalls sehr gut, Sunburnwird hier nochmals bildlich dargestellt und wer das Buch gelesen hat, versteht auch warum der Titel so gut zur Geschichte passt!

Schön fand ich die Aufteilung der Kapitel, die sich um eine bestimmte Zeitspanne drehen. Die Geschichte liest sich zwar schnell, aber ich wollte mir bewusst viel Zeit für dieses Werk nehmen, da ich von Beginn an geflasht von diesem unglaublichen sprachlichen Niveau war und immer noch bin. Die Beschreibung der Natur, der inneren Gefühle und die ausführlichen Liebesbekundungen haben mein Herz deutlich höher schlagen lassen und ich hatte das Bedürfnis jeden Satz auf meiner Zunge zergehen zu lassen. Die Metaphern haben alle inhaltlich als auch sprachlich wie die Faust aufs Auge gepasst.

Zum Inhalt:
Die Geschichte handelt von Lucy, die in den 90er Jahren in einem kleinen irischen Dorf aufwächst und eines Tages merkt, dass ihre Gefühle zu ihrer Freundin Susannah nicht nur freundschaftlich sind und daraufhin auf eine Reise der inneren Entdeckung geht. In Crossmore, wo beide Mädchen leben, ticken die Uhren noch anders und Queerness findet dort keinen Platz. Lucys Mutter wünscht sich nichts sehnlicher als eine Beziehung ihrer Tochter mit Martin, dem Nachbarjungen, der zudem in naher Zukunft das Haus und den Hof seiner Eltern erben wird. Als Susannah eines Tages Lucys zarte Verliebtheit erwidert beginnt eine heimliche Beziehung der beiden, die von verzweifelter Liebe geprägt wird.

Die Geschichte gliedert sich inhaltlich in vier Teile, die zwar nicht klar voneinander abgegrenzt werden, aber die alle ganz andere Emotionen in mir hervorgerufen haben.
Lucys Selbstfindung kann ich als queere Frau sehr gut nachvollziehen. Der Wunsch nach Anpassung, Liebe der Eltern und Glück sind Dinge, die erstrebenswert sind. Kein Mensch, vor allem kein Teenager, will freiwillig anders oder komisch sein und für Unmut sorgen. Zudem wird uns das heteronormative Rollenbild von Geburt an durch die Gesellschaft auferlegt, weswegen viele queere Personen erstmal nicht verstehen, was mit ihnen geschieht. Die Gefühle können zunächst nicht eingeordnet werden. Lucy schwärmt im ersten Teil unentwegt von Susannah und versteht aber nicht, dass sie verliebt in diese ist und wartet stattdessen darauf Gefühle für Martin zu entwickeln.

Lucy bezeichnet ihre Clique aus mehreren Freundinnen als “nette Mädchen”, obwohl diese andere Menschen ständig schlecht reden. Genauso sieht es mit ihrer Familie aus. Sie ist physisch da, aber die zwischenmenschliche Verbindung gestaltet sich eher schwierig. Ihr Vater interessiert sich nur für ihre Brüder, ihre Mutter liebt sie nur, wenn Lucy genauso ist, wie sie es sich wünscht, unter dem Deckmantel, dass sie nur das Beste für Lucy möchte.

Lucy möchte im Grunde genommen nur von ihrer Familie geliebt werden und zahlt dafür einen hohen Preis, indem sie die Menschen verletzt, die sie, neben ihrer Familie, am meisten liebt. Neben Susannah ist da auch noch Martin, der sie ebenfalls liebt und dem sie aus purem Egoismus die Chance auf ein erfülltes und glückliches Leben mehr oder weniger verwehrt.
Am liebsten hätte ich Lucy an einigen Textstellen gerne einfach wachgerüttelt und ihr gesagt:

“Ich verstehe dich, es ist schwer, aber du musst mutig sein und du wirst glücklich!”

Natürlich verstehe ich aufgrund ihrer Erziehung und ihrer Lebensverhältnisse, woher Lucys stagnierendes Verhalten kommt, aber trotzdem hat es mich traurig und wütend zugleich gemacht, dass sie leider nicht besser mit ihrer Situation umgehen konnte.

Das letzte Drittel hat mein Herz mehrmals gebrochen. Ein hartes Stück Literatur, aber so brutal ehrlich, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Lucys Gedankengänge waren wirr, aber deshalb auch authentisch. Welcher Mensch denkt schon immer gradlinig? Manche Gedankenströme haben mich emotional sehr getroffen, auch weil ich mich persönlich sehr damit identifizieren konnte.

Fazit:
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der etwas über einen klassischen Liebesroman hinaus lesen möchte und dabei eine wirklich schöne Sprache bevorzugt! Ich wünsche mir zudem, dass jede lesbische Frau diesen Roman liest, denn er beschreibt den inneren Coming-Out Prozess so gut und das Werk hat definitiv das Potenzial ein queerer Klassiker zu werden!
Ich könnte mir das Buch auch sehr gut als Schullektüre vorstellen, da es wichtige zentrale Themen, wie Glücklichsein, gesellschaftliche Konventionen und internalisierte Homophobie behandelt. In Zeiten, die von Rechtsruck in Europa und den USA geprägt sind, empfinde ich es als super wichtig noch mehr über besagte Themen zu sprechen! Ich verbleibe nach dem Lesen auf jeden Fall in einem Gefühlschaos und bin schon sehr gespannt auf das neue Werk der Autorin, welches in einigen Monaten in englischer Sprache erscheinen wird!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Themen
Veröffentlicht am 06.05.2025

Erste deutsche Auflage eines queeren Klassikers

Women
2

Chloé Caldwell hat mit diesem Buch eine Geschichte geschaffen, die viele queere Frauen genau schon so erlebt oder zumindest in jedem Fall davon gehört haben. Im Vorwort wird erwähnt, dass dieses Buch mittlerweile ...

Chloé Caldwell hat mit diesem Buch eine Geschichte geschaffen, die viele queere Frauen genau schon so erlebt oder zumindest in jedem Fall davon gehört haben. Im Vorwort wird erwähnt, dass dieses Buch mittlerweile zu den queeren Klassikern gehört und quasi als Insider in der lesbischen Community gilt. Viele Frauen schenken der Frau, in die sie sich unsterblich verliebt haben ein Exemplar von “Women” und so kommt es, dass jeder die Story von Finn und der Hauptprotagonistin kennt! Ich denke, dies bezieht sich auf die USA, wo die Geschichte ihre Handlung hat, aber ich finde die Idee total süß und wünsche mir heimlich, dass dies auch in Europa seinen Lauf nehmen wird.

Zum Buch:


Das Cover ist wunderschön gestaltet, die Farben harmonieren sehr gut und die weiblichen, zarten Hände auf dem Bild bilden ein Zeichen der Harmonie und Einigkeit.

Das Buch an sich ist sehr kurz und schnell gelesen. Die Sprache ist einfach und angenehm, die Kapitel zudem ebenfalls nicht lang. Es gibt ein vergleichsweise längeres Vorwort und ein Nachwort, welche eine tolle Ergänzung zum Buch ergeben!

Sprachlich hat das Werk einen schönen Stil. Die Sätze sind einfach gehalten, aber von gutem sprachlichem Niveau. Es wurden einige queere Künstler:innen, die ich noch nicht kannte, genannt und es gab einige Insider der Community, was ich super spannend finde!

Zum Inhalt:


Es geht, kurz geschrieben, um eine junge Autorin, die mit Mitte 20 nach New York zieht, um erwachsen zu werden und sich dabei unsterblich in die 19 Jahre ältere Finn verliebt, die zudem vergeben ist. Die Autorin hat gesagt, dass sie bewirken wollte, dass sich die Leser:innen in Finn verlieben und ich kann für meinen Teil behaupten, dass ich sofort hin und weg von ihr war.

Die Geschichte beginnt total romantisch und leicht, aber wird mit der Zeit immer schwieriger. Es war zu Beginn schon klar, wie die Geschichte enden wird, aber ich habe mir trotzdem eingeredet, dass es vielleicht doch anders sein könnte, da ich es mir so sehr gewünscht habe.

Die Protagonistin hat bis sie Finn kennen gelernt hat ausschließlich Männer gedatet und konnte viele ihrer Emotionen nicht einordnen. Das Thema toxische Beziehung ist ganz klar Thema dieses Romans, denn was die Protagonistin und Finn führen, ist leider genau das, egal wie romantisch es auf vielen Seiten war. Finn merkt, dass die Protagonistin sich in sie verliebt, aber nimmt dies nicht ernst, da sie im Buch später sagt, dass die Protagonistin sowieso danach einen Mann heiraten würde. Sie spricht ihr sozusagen auch ihre Bisexualität damit ab. Zudem lässt sich Finn von ihr nicht wirklich berühren. Die Rollen sind sehr klar verteilt und ich hatte das Gefühl, dass sich die Protagonistin damit nicht wohl gefühlt hat und deswegen auch nach einiger Zeit so heftig emotional reagierte.

In der Community werden gleichgeschlechtliche Beziehungen von einigen stark romantisiert, weswegen ich froh bin, dass dieses Werk eine etwas andere Perspektive zeigt. Eine Liebe zwischen zwei Frauen ist bekanntlich so intensiv, dass sie zerstörend sein kann und ich habe diese Verzweiflung bei der Protagonistin förmlich spüren können.

Fazit:


Ich als queere Frau würde diesen Roman jedem empfehlen, der sich für das Thema interessiert und vor allem würde ich ihn jeder queeren Frau empfehlen. Ich bezweifle, dass sich nicht queere Personen so in die Thematik hineinversetzen können, denn das Buch lebt von den Emotionen und den Gedanken. Wer einen heftigen Plot erwartet, wird hiermit eventuell nicht zu 100% glücklich, aber für jeden, der sich in die erste queere Liebe einer jungen Frau hineinfühlen möchte, wird hiermit gut bedient sein. Ich wusste, worauf ich mich einlasse und wurde nicht enttäuscht! Das Buch hat sogar das Potenzial eins meiner Jahreshighlights werden!

Auch wenn der Roman ursprünglich vor 10 Jahren erschienen ist, ist die Thematik so aktuell wie noch nie, auch wenn Liebende heutzutage wohl kaum noch über e-Mails kommunizieren oder sich gegenseitig auf die Facebook Pinnwand schreiben. Dies hat mich tatsächlich zum Schmunzeln gebracht, aber mir auch einen Hauch Nostalgie entgegengebracht.

Chloé Caldwell hat erwähnt, dass sie diesen Roman ursprünglich für sich selbst geschrieben hat und gar nicht veröffentlichen wollte und so liest er sich auch, was ich positiv meine. Er ist wie eine Ansammlung von Tagebucheinträgen und sprüht nur so von Authentizität, was ihn so einzigartig macht!

Zum Schluss möchte ich noch anmerken, falls das nicht klar ist, dass eine queere Liebe etwas total Schönes ist und es neben solcher Geschichten, wie in diesem Buch, auch total gesunde Verbindungen gibt!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema