Ein Spiegelbild unserer patriarchal geprägten Gesellschaft
Hero“Männer hassen es, wenn Frauen sich interessant finden. Weil du dann nicht auf ihre Bestätigung angewiesen bist.“
Ein Zitat von vielen sehr guten und treffenden Zitaten aus Katie Buckleys Buch, welches ...
“Männer hassen es, wenn Frauen sich interessant finden. Weil du dann nicht auf ihre Bestätigung angewiesen bist.“
Ein Zitat von vielen sehr guten und treffenden Zitaten aus Katie Buckleys Buch, welches mir im Gedächtnis geblieben ist und präzise beschreibt, was das große Problem unserer Gesellschaft ist.
Zum Buch:
Das Cover bildet für mich eine griechische Göttin ab, die etwas traurig wirkt, auf dem Gesicht lässt sich eine Träne erahnen. Im Buch spricht Katie Buckley öfters über Helenas trauriges Schicksal in der griechischen Mythologie. Vielleicht ist das Cover eine Anlehnung dazu, dies würde das Gesamtbild definitiv stimmig machen.
Das Buch gliedert sich in sieben Kapitel, von denen jedes einen Tag repräsentiert, was an die Form von Tagebucheinträgen erinnert. Als Stilmittel wird hier die indirekte Rede genutzt, was natürlich Geschmackssache ist, mir persönlich das Lesen aber sehr erschwert hat, da ich Passagen mehrmals lesen musste, um die Handlung nachvollziehen zu können. Zusätzlich fließen Geschichten, Märchen und Mythologien in Heros Gedanken mit ein, die sprachlich sowie literarisch zwar sehr ansprechend zu lesen sind, jedoch auch den Text als Heros Gedanken wirrer machen. Die Metaphern sind gut gewählt, jedoch anspruchsvoll und nicht immer verständlich.
Zum Inhalt:
Die Protagonistin Hero hat in ihrem Leben schon viele einschneidende Erfahrungen mit Männern gemacht. Auf einer Hausparty lernt sie ihren aktuellen Partner kennen, mit dem es super läuft bis dieser sie heiraten möchte. Sie fordert sieben Tage Bedenkzeit, lässt in diesen Tagen ihr Leben Revue passieren und teilt ihre Gedanken mit den Leser:innen. Für sie bedeutet Ehe das Aufgeben ihres eigenen Selbst, was sie ausmacht. Sie soll jemandes Frau werden, seinen Namen annehmen, seine Kinder gebären und dabei glücklich sein.
Der Name „Hero“ bedeutet im Englischen „Heldin“, aber auch Protagonistin. Beides kann hier als treffend empfunden werden. Hero ist in dem Sinne eine Heldin für mich, da sie ihre Entscheidungen reflektiert, überdenkt und auch bereit ist gegen den Strom zu schwimmen, um sich selbst treu zu bleiben.
Es werden sehr viele gesellschaftliche Themen angeschnitten und mit Erlebnissen beschrieben, wie es nur Hero kann. Es wird über die Erziehung von Jungs und Mädchen berichtet und wie es unsere Gesellschaft nachhaltig beeinflusst. Männer sollen stark sein und wollen gebraucht werden. Frauen sollen der emotionale Part sein und Männer brauchen. Es wird die Frage gestellt, ob das der Sinn des Lebens ist? Auch Heirat wird als Konzept in Frage gestellt. Muss man heiraten, nur weil man sich liebt? Mir ist beim Lesen selber aufgefallen, dass es dazu keinen Grund gibt. Trotzdem wird es erwartet, auch wenn sich danach nichts ändern soll. Vielleicht ist auch die Heirat an sich nur ein soziales Konstrukt, welches Abhängigkeit fördern soll. Care-Work bleibt allein an Frauen hängen, die zusätzlich einem geregelten Job nachgehen, während Männer erwarten, dass das normal ist und es nicht hinterfragen, da dieses System ausschließlich Vorteile für sie hat.
Fazit:
Im Großen und Ganzen hat mir das Buch sehr gefallen und ich kann es jedem empfehlen, der sich gesellschaftskritisch weiterbilden möchte und sich gleichzeitig für anspruchsvollere Literatur interessiert. Das Buch ist nicht geprägt von einer spannenden kontinuierlichen Handlung, aber lebt von den Emotionen der Protagonistin, welche sehr ehrlich und reflektiert über ihre Vergangenheit berichtet. Die Geschichten, Mythen und Märchen verstärken die Emotionen der Geschichte nochmal mehr und zeigen den Leser:innen auf, wie frauenverachtend unsere Gesellschaft immer noch ist, unter dem Deckmantel, dass dabei nur das Beste für sie gewollt wird.
Es ist ein Werk, was wütend macht, aber auch ein Werk, welches essenziell in der heutigen Zeit ist!