atmosphärischer Fiebertraum
King Sorrow IJoe Hill schafft es, Horror, Fantasy und düstere Coming-of-Age-Stimmung so miteinander zu verbinden, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Besonders der Einstieg war für mich extrem stark: ...
Joe Hill schafft es, Horror, Fantasy und düstere Coming-of-Age-Stimmung so miteinander zu verbinden, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Besonders der Einstieg war für mich extrem stark: Sechs Freunde geraten durch ein okkultes Ritual in etwas hinein, das sie weder verstehen noch kontrollieren können – und genau dieses langsame Abrutschen ins Unheil sorgt für eine unglaublich beklemmende Atmosphäre. Über die Kapitel hinweg schien das Buch oft ein Fiebertraum zu sein: haltlose Skips, weirde Kapitel, wenig Zusammenhang im Aufbau. Trotzdem wird eine Geschichte erzählt, was es gleichzeitig anstrengend aber auch sehr interessant macht.
Am meisten begeistert hat mich, wie menschlich und fehlerhaft die Figuren geschrieben sind. Niemand ist eindeutig gut oder böse. Alle kämpfen mit Schuldgefühlen, Ängsten, Loyalität und moralischen Entscheidungen. Obwohl ich die Charaktere an sich relativ flach fand, hat mich die Dynamik der Freundesgruppe überzeugt. Man merkt, wie eng sie verbunden sind und wie die Ereignisse anfangen, diese Beziehungen zu zerstören. Dieses Gefühl von drohendem Unheil zieht sich permanent durch die Seiten.
King Sorrow selbst ist dabei eine richtig starke Horrorfigur: bedrohlich, unberechenbar und gleichzeitig faszinierend. Die Idee, dass jedes Jahr ein Opfer gebracht werden muss, erzeugt konstant Spannung. Das ist auch der Erzählstruktur geschuldet, da diese nicht unbedingt chronologisch oder vollständig ist. Für mich lag der eigentliche Horror aber weniger im Übernatürlichen, sondern eher darin, wie die Figuren entscheiden müssen, wer geopfert wird und was diese Entscheidungen mit ihnen machen.
Auch die Mischung aus Dark Academia, Okkultismus und Fantasy hat für mich gut funktioniert. Die Atmosphäre in den frühen Kapiteln war dicht, düster und teilweise richtig creepy. Dazu kommen viele starke Dialoge und einige überraschende Wendungen, die mich wirklich kalt erwischt haben. Leider dazu aber auch einige Entscheidungen und Misskommunikation, die mich sehr genervt haben. Teilweise sind Nebenhandlungen ausgeufert und haben sich verloren. Der Vibe konnte sich trotzdem davon abheben, was mich hat weiterlesen lassen.
Insgesamt ist King Sorrow für mich ein atmosphärischer, konfuser Horrorroman mit großartiger Beziehungsdarstellung und ein gut ausgearbeiteter Fiebertraum (nicht negativ gemeint). Nicht perfekt, aber definitiv ein Buch, das mir lange im Kopf bleiben wird.
Ich bin sehr gespannt, wie im deutschen zweiten Part des Buchens weitergeht - und wie die Geschichte dann am Ende ausgeht.
Das Buch ist im deutschen in 2 Teile aufgeteilt - Teil 1 ist erhältlich und Teil 2 folgt im Juli.
Vielen Dank @teambloggerportal und @penguinbuecher für die Möglichkeit, das eBook zur Verfügung gestellt zu bekommen und zu rezensieren! <3