Ein ganz besonderes Lesevergnügen
Ich habe das Buch in einem Zug mit viel Vergnügen gelesen.
Der Meinung vieler Leser, dass das Buch im Schreibstil und der Leser-Freundlichkeit etwas ganz besonderes ist, kann ich mich nur anschließen.
Lobenswert ...
Ich habe das Buch in einem Zug mit viel Vergnügen gelesen.
Der Meinung vieler Leser, dass das Buch im Schreibstil und der Leser-Freundlichkeit etwas ganz besonderes ist, kann ich mich nur anschließen.
Lobenswert finde ich zudem, dass die Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche nicht durch das von der Duden-Redaktion m.e. zu Recht abgelehnte Gendern verhunzt wird - wie in einigen Roman, die ich gelesen habe, geschehen - obwohl: dass es in der Übersetzung "Studierende" und nicht "Studenten" heißt, ist m.E. eine der Political Correctness unterworfene Verballhornung der deutschen Sprache, die der korrekten Übersetzung eines englischsprachigen Romans, der im Großbritannien vor 200 Jahren angesiedelt ist, nicht würdig ist.
Ganz erstaunlich, wie ich von Anfang an in das Buch gekommen bin und wie mich die Autorin leicht und locker an der Hand nimmt, durch alle überraschenden Plot- und Genrewendungen hindurch. Ob es daran liegt, dass sie lt. Klappentext bei Disney in Hollywood arbeitet? Die Story ist so vielfältig und spannend, dass sie für die Verfilmung in einer Streaming-Serie bei HBO, Netflix, Prime bzw. Disney gedacht zu sein scheint. Mehr als nur ein Zufall?
Mir kommen sofort Bilder von Szenen aus ur-englischen Kneipenszenen in »Herr der Ringe«, aus der düster-skurrilen britischen Filmkomödie »Kleine Morde unter Freunden« der frühen 90er-Jahre, ich denke an Sherlock-Holmes-Krimis, aber auch an Charles Dickens, der die Leiden der britischen Unterschicht im 19. Jahrhundert so treffen beschrieb – nicht zu vergessen all die eigentlich in einem historischen Roman unterzubringenden Details des Kampfes aufgeklärter Naturwissenschaftler gegen tradierten Standesdünkel, wie ihn Mediziner vor 200 Jahren erlebten.
Während ich im ersten Teil des Romans noch überlegte, ob die Bezeichnung Krimi bzw. Thriller diesem Roman gut stehen würde, haut es mich im Mittelteil der 2. Leserunde geradezu um, wenn ich lese, wie sehr sich alles hin zu einer Schwulenromanze al la »Brokeback Mountain« und »I Love You Phillip Morris« aus den 2000er-Jahren entwickelt.
Hat es die Autorin, der ich bislang brav gefolgt bin, nicht mit dieser Wendung übertrieben? Diese Frage stellen sich vielleicht einige hier in der Lesegruppe. Ich für meinen Teil bin ganz erstaunt, wie es Amanda Rae Dunlap auch hier gelingt, die Kurve zu kriegen. Kompliment! »Steampunk« wäre vermutlich die beste Bezeichnung für das Genre, in dem sie schreib. Und schreiben kann sie allemal.
Ja, das Buch ist wirklich eine schöne Lektüre, hat mich angenehm überrascht. In der Filmsprache spricht man von Easter Eggs, wenn kleine versteckte Botschaften eingebaut sind, für aufmerksame Zuschauer bzw. hier Lesern zum Entdecken eingebaut sind. Das Buch wurde von der Autorin derart liebevoll konstruiert, sowohl was die Thriller- und Krimi-Elemente als auch die schwule Liebesgeschichte betrifft, dass ich mich über ein Fortsetzung wirklich freuen würde.