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Veröffentlicht am 23.08.2026

Melancholisch und nostalgisch

Die Mitternachtsreise
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Wilbur ist mit Anfang 80 am Ende seines Lebens angekommen und wir erleben seine letzten Stunden mit. Nach regelmäßigem Klavierunterricht und einem distanzierten Telefonat mit seiner Ex-Frau Maggie bricht ...

Wilbur ist mit Anfang 80 am Ende seines Lebens angekommen und wir erleben seine letzten Stunden mit. Nach regelmäßigem Klavierunterricht und einem distanzierten Telefonat mit seiner Ex-Frau Maggie bricht er zusammen und stirbt. Doch statt im Jenseits aufzuwachen, steht er an einem Bahnhof. Der Mitternachtszug bringt ihn zu jedem wichtigen Moment seines Lebens, den er nochmals durchleben kann oder muss. So durchlebt Wilbur wieder den schrecklichen Augenblick eines Unfalls oder steht während der Flitterwochen mit Maggie in den Gassen Venedigs. Als Außenseiter der Situation erkennt Wilbur nun einiges an seinem jüngeren Ich oder den anderen Personen.

„Er hätte gern einen bestimmten Moment wie eine Blume gepflückt und in ein Buch gepresst, um auf dieser Seite zu verweilen bis ans Ende der Zeit.“ S. 192

Matt Haigs Schreibstil ist wieder sehr schön und wortgewaltig, sodass ich mir einige Zitate markiert habe. Er bringt uns Wilburs Leben gefühlvoll näher, von seiner entbehrungsreichen Kindheit, seiner Beziehung zu Maggie und seiner Arbeit als Buchhändler. Wir erleben den normalen Alltag und viele Schlüsselmomente direkt mit und verstehen Wilbur als Mensch immer wieder ein Stückchen mehr.

Die Idee des Mitternachtszuges passt sehr gut zur Mitternachtsbibliothek und hat mir durchaus gefallen. Die Stationen des Zuges sind interessant und lassen uns Wilbur sehr gut kennenlernen, doch insgesamt sind sie nicht mitreißend. Schnell wird klar, dass Wilbur mehr gearbeitet und dabei Maggie sträflich vernachlässigt hat. Und das ist so banal, wie man es schon hundertmal gesehen oder gelesen hat. Der Grund dahinter ist zwar nicht so herkömmlich und nachvollziehbar beschrieben, aber trotzdem. Zusammenhängend damit trauert Wilbur auch ständig Maggie und der gemeinsamen Zeit hinterher. Das gesamte Buch über ist, trotz glücklicher Momente, die der alte Wilbur nochmals durchleben darf, eigentlich nur überschattet von seiner Melancholie und Nostalgie über seine Beziehung zu Maggie und das hat meine Stimmung mit der Zeit leider runtergezogen.

„Das war das Problem mit dem Leben. Es schenkte einem Tag für Tag, sodass jedes einzelne Wunder, das man eigentlich hätte wertschätzen sollen, zur Normalität wurde, die man einfach nur hinnahm.“ S. 27

Fazit:
„Die Mitternachtsreise“ hat ein tolles Konzept, wie auch schon „Die Mitternachtsbibliothek“, ist aber nicht unbedingt mit der anderen Geschichte vergleichbar. Matt Haig hat Wilburs Geschichte nahbar und nachvollziehbar beschrieben, aber hauptsächlich herrscht die Grundstimmung von Melancholie und Nostalgie, weil Wilbur ständig der gemeinsamen Zeit mit Maggie hinterher trauert. Eine Geschichte, die man nicht lesen muss, aber wenn man sich für Lebensphilosophie und das Bedauern über (verpasste) zweite Chancen interessiert, durchaus auch lesenswert sein kann.

Veröffentlicht am 23.08.2026

Fun cozy fantasy

Cursed for Good – Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen.
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Für Tandy sind die vielen Termine als Prinzessin eine anstrengende Aufgabe, auch wenn ihr einige Spaß machen. Ihre liebste Beschäftigung ist das Lesen und so besucht sie auch in Little Pepperidge eine ...

Für Tandy sind die vielen Termine als Prinzessin eine anstrengende Aufgabe, auch wenn ihr einige Spaß machen. Ihre liebste Beschäftigung ist das Lesen und so besucht sie auch in Little Pepperidge eine Buchhandlung, um ihren „Reiseproviant“ aufzustocken. Doch kurz vor dem Verlassen verflucht sie die aktuelle Eigentümerin, wodurch Tandy den Laden nicht mehr verlassen kann. Dort verbringt eine schwermütige Jugendliche Sasha ihre Nachmittage, die Tandy bald als Aushilfe zur Seite steht. Außerdem taucht ebenfalls ein Pirat auffällig oft auf, der überaus ironisch und nicht nützlich ist und obendrein noch Dinge klaut, für die er aber als Tausch Kleinigkeiten zurück lässt.

Ich liebe den Humor der Geschichte! Wirklich, wirklich sehr! Er ist so locker leicht und hat mich ständig zum Schmunzeln gebracht. Die Autorin schrieb, dass sie während einer schweren Zeit in ihrem Leben in dunklen Nächten Tandys Geschichte so lächerlich wie möglich geschrieben hat, aber die Geschichte finde ich nicht lächerlich lustig, sondern amüsant lustig. Einfach herzerwärmend und unterhaltsam! Auch der Schreibstil von Amy Coombe ist unbeschwert, wortgewandt und anschaulich. Ich bin einfach nur durch die Seiten geflogen und hatte so viel Spaß beim Lesen.

Da Tandy verflucht wurde, die Buchhandlung nicht mehr verlassen zu können, spielt das Buch natürlich hauptsächlich dort. Das Setting ist wunderschön gestaltet. Die Buchhandlung ist bis über mehrere Stockwerke vollgestopft mit wackeligen (manchmal, meistens sind sie mit Zaubersprüchen gesichert) Bücherstapeln und Tandys Privaträume sind mit einem Alkoven-Bett und kleinen Hinterhof absolut gemütlich. Auch die kleinen Zaubersprüche und unterschiedliche Fantasywesen (nicht nur gewöhnliche, ich musste einige googeln) als Charaktere runden die Geschichte magisch ab. Die Prinzen der anderen Reiche, die Tandys Fluch durch einen Kuss brechen sollen, sind skurril und herrlich komisch. Ich liebe es, wie die Autorin der Geschichte so viele liebevolle kleine Details gegeben hat. Und auch die Liebesgeschichte selbst verläuft gemächlich und herzerwärmend.


Fazit:
„Cursed for Good“ ist eine gemütliche und sehr unterhaltsame Geschichte! Ich liebe den cozy fantasy-Roman vor allem für seinen Humor – einfach herrlich amüsant zum Schmunzeln. Auch die unterschiedlichsten Charaktere sind besonders, sowie die Buchhandlung voller Bücherstapel und Magie. Das Buch hat mir so viele freudige Lesestunden beschert – ich liebe es!

Veröffentlicht am 23.08.2026

Sommer und Neuanfänge

Summer Tides
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Die Londonerin Scarlett möchte für die nächsten Monate in St. Ives einen Strandkiosk führen, wo ihre beste Freundin Emily in einem Hotel arbeitet. Kaum dort angekommen geht so einiges schief, doch die ...

Die Londonerin Scarlett möchte für die nächsten Monate in St. Ives einen Strandkiosk führen, wo ihre beste Freundin Emily in einem Hotel arbeitet. Kaum dort angekommen geht so einiges schief, doch die Bewohner/innen springen ihr direkt zur Seite. Zum Beispiel die anderen Budenverkäufer/innen am Strand oder auch der Rettungsschwimmer Jonah, zu dem sie sich bald hingezogen fühlt. Doch Zuhause in London hat Scarlett einen Freund und der Sommer ist vergänglich.

Ich muss sagen, ich fand Scarlett am Anfang naiv, trotzig und oftmals unbeholfen. Sie hat einen offenen und unstetigen Charakter. Dass sie verschiedene und vor allem sehr viele Jobs hatte, ist erfrischend und auch nachvollziehbar. Aber darüber wie sie mit ihren Finanzen umgeht, konnte ich nur den Kopf schütteln. Trotzdem wurde Scarlett ein sympathischer und nahbarer Charakter für mich. Sie ist anders, naiv anders, aber auch vom Leben gezeichnet anders. Denn eigentlich sucht sie nur ihren Platz im Leben, beruflich wie privat. Und unter anderem das macht die Geschichte so echt. Nicht unbedingt ernst, denn sehr viel schönes sommerliches Flair gibt es auf jeden Fall auch!

Das Setting ist wunderschön gewählt. St. Ives ist nicht nur ein sommerlicher Küstenort mit einigen Touristen, sondern verströmt in der Geschichte ebenfalls einen gemütlichen Kleinstadtcharme. Die Besitzer/innen der anderen Läden sind total hilfsbereit und amüsant, Scarletts beste Freundin Emily ein Schatz und die Familie des Hotels liebevoll. Das Sommerfest vereint beides und rundet das gemütliche Setting ab.

Die Liebesgeschichte hat mir besonders gut gefallen. Nicht nur sind Scarlett und Jonah unfassbar nahbar und tolle Charaktere, als Paar passen sie perfekt zusammen. Die beiden reden auch miteinander und können sich einfach nicht voneinander fernhalten. Sie nähern sich nur langsam an und ich empfand viele Situationen als so romantisch. Ich hab mich richtig wohlgefühlt! Nur, dass ein Protagonist, dem/der anderen zum Ende hin irgendwie die Meinung aufdrängen wollte und nicht die Gefühle des/der Gegenübers zugelassen hat, fand ich richtig schade. Aber alles in allem ist die Liebesgeschichte wirklich schön verlaufen und ich bin zufrieden mit dem Ende.


Fazit:
Ein schöner sommerlicher Wohlfühlroman mit viel Gefühl und nahbaren Charakteren. Die Geschichte punktet mit einem Kleinstadtflair und romantischen Momenten. Das perfekte Buch für den Sommer! Ich freu mich nun schon sehr auf den nächsten Band!

Veröffentlicht am 26.07.2026

Fesselnde Geschichte mit kleinen Schwächen

Red Star Rebels
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Cleo lebt illegal in der UN-Station auf dem Mars und schlägt sich gerade mit Diebstählen durch, als eine Evakuierung angekündigt wird. Währenddessen trifft Hunter auf der Marsbasis ein und kann nicht mehr ...

Cleo lebt illegal in der UN-Station auf dem Mars und schlägt sich gerade mit Diebstählen durch, als eine Evakuierung angekündigt wird. Währenddessen trifft Hunter auf der Marsbasis ein und kann nicht mehr rechtzeitig registriert werden, weshalb auch er mit Cleo auf der Station zurückbleibt. Aus zunächst Pragmatismus schließen sich die beiden zusammen, denn es scheint eine echte Bedrohung zu geben, weshalb die Gebäude entlüftet werden sollen. Die Geschichte spielt sich deshalb über 8 Stunden ab, dessen Countdown auch immer am Kapitelanfang vermerkt ist.

Wir werden direkt ins Geschehen hineingeworfen und die beiden Protagonisten finden sich sofort alleine auf der Station zurück. So beginnt die Geschichte sehr rasant und spannend, andererseits musste ich mich auch kurz zurechtfinden. Es gab nur wenig eingestreute Erklärung der Welt bzw. Regierung auf dem roten Planeten und erst nach und nach wird erzählt, wie der Mars besiedelt und eingenommen wurde. Vor allem wegen Hunters Rolle als Erbe des Millionenkonzerns und wie dieser zur UN-Basis steht, hätten mir diese Infos eher erklärt werden sollen. Hauptsächlich geht es natürlich um die direkte Bedrohung, dass in der Basis in einigen Stunden aufgrund des Evakuierungsprozesses entlüftet werden soll. Immer wieder tauchen neue Probleme und Hürden auf, sodass sich die Situation zuspitzt. Die kurze Geschichte mit Ablaufdatum ist im Grunde ein Pageturner, doch weil ich mich anfangs erst etwas zurechtfinden musste, konnte ich mich nicht ganz fallen lassen.

Die Charaktere sind echt toll gewählt und erzählen die Kapitel abwechselnd aus ihrer Sicht. Cleo als Anhalterin (illegale Bewohnerin außerhalb der Erde) und Hunter als Geschäftsmann und Erbe des führenden Unternehmens schlechthin, stehen beide an unterschiedlichen Enden der Gesellschaft. Cleo hat als illegale Überlebenskünstlerin viel Erfahrung über Verstecke oder wichtige Punkte in der Station gesammelt. Außerdem lässt sie sich nicht leicht aus der Ruhe bringen und ist total clever und gewitzt. Hunter dagegen kann mit seinem Technik-Wissen punkten und eine Verbindung zu den Computern herstellen. Die gemeinsam zu meisternde Gefahr bringt die beiden schnell näher. Jedoch checkt z. B. Hunter Cleo im ersten Moment direkt ab und dann geht es oft um ihr Aussehen, bis da noch mehr als nur körperliche Gefühle auftauchen. Es ist nicht einfach, auf wenigen Seiten bzw. in nur 8 Stunden eine Liebesgeschichte glaubwürdig zu gestalten und ich muss sagen, dass Amie Kaufman mich hier nicht vollständig überzeugen konnte. Die romantische Szene versteckt hinter dem Schreibtisch hat mich aber berührt und langsam wurden die Gefühle von Cleo und Hunter nachvollziehbarer.


Fazit:
„Red Star Rebels“ ist eine mitreißende und rasante Geschichte über das perfekte Team auf der Mars-Basis, das gegen den Countdown ankämpft. Es gibt immer wieder brenzlige und spannende Situationen, wodurch das Buch ein Pageturner werden kann. Leider nicht für mich, wegen kleinen Schwächen, aber ich habe die Geschichte insgesamt trotzdem sehr gerne gelesen.

Veröffentlicht am 25.07.2026

Herzensbuch

The Road Between Us
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Clea und Casper sind beste Freunde und unzertrennlich, seit Cleas Familie vor einigen Jahren in die Kleinstadt Two Pines Port gezogen ist. Nun haben sie ihren Abschluss gemacht und Clea wird für ihren ...

Clea und Casper sind beste Freunde und unzertrennlich, seit Cleas Familie vor einigen Jahren in die Kleinstadt Two Pines Port gezogen ist. Nun haben sie ihren Abschluss gemacht und Clea wird für ihren Traum des Meteorologiestudiums wegziehen. Deshalb verbringen die beiden einen letzten gemeinsamen Sommer auf einem Roadtrip voller „Essenswürdigkeiten“. Das ist die perfekte Gelegenheit für Clea Casper ihre Gefühl zu gestehen oder auch ihn und ihre Gefühle gehen zu lassen.

Ich habe das Buch von Anfang an geliebt. Casper und Clea sind miteinander einfach so tolle Charaktere. Ihre Freundschaft ist so tief und die beiden stehen sich nah, das hat mich direkt berührt. Das Cover passt perfekt zum Inhalt, weil er so wunderschön und berührend ist. Vielleicht trägt auch der Schreibstil der Autorin dazu bei, die wirklich immer schöne und besondere Beschreibung findet, deren Wortwahl perfekt zur Geschichte passen.

Caspers Blindheit ist ein schönes Detail der Geschichte. Wie er sich im Alltag zurechtfindet oder auch Unsicherheiten verspürt, wird sehr anschaulich dargestellt. Einzig den Blindenhund Diegeo hätte ich auch gerne in Action erlebt.

So sehr ich die Protagonisten ins Herz geschlossen habe, hat mich Casper manchmal auch genervt. Er hat Clea verletzt, irgendwann auch wissentlich und das fand ich total schade. Das Ende ist ein wunderschöner Abschluss und ich freu mich sehr, dass alles so gekommen ist.


Fazit:
„The Road between us“ ist ein sehr besonderer Roman, den ich direkt zu Beginn ins Herz geschlossen habe. Tolle Charaktere, gemütliche Settings, ein anschaulicher besonderer Schreibstil und eine bittersüße slow burn Romance bieten eigentlich so alles, was ein gutes Buch braucht, oder? Definitiv ist es eines meiner Jahreshighlights geworden.