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Veröffentlicht am 09.01.2026

Macht schlechte Laune

Drei Tage im Schnee
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Hannah ist ein Workaholic und völlig überarbeitet. Deshalb will sie raus aus der Großstadt und ihrer gewohnten Umgebung und hat sich übers Wochenende ein kleine Hütte am See mitten im Nirgendwo gemietet. ...

Hannah ist ein Workaholic und völlig überarbeitet. Deshalb will sie raus aus der Großstadt und ihrer gewohnten Umgebung und hat sich übers Wochenende ein kleine Hütte am See mitten im Nirgendwo gemietet. Rundherum ist alles mit Schnee bedeckt, in dem ein kleines Mädchen in rotem Mantel tobt.

Da die Protagonistin sich eine Auszeit nimmt, ist es logisch, dass am Anfang des Buches Stress und getrübte Stimmung überwiegen. Es geht ja darum, dass es Hannah nicht gut geht, weshalb sie das Wochenende fernab ihres Alltags verbringt. Die Autorin hat auch richtig schön dargestellt, wie ausgelaugt und unter Strom sich Hannah fühlt. Aber diese negativen Themen kommen immer wieder auf. Kaum genießt Hannah ihr Essen oder die Zeit mit dem kleinen Mädchen, tauchen schon wieder Gedanken an die Arbeit in ihrem Kopf auf. Die kurze Geschichte fängt nicht mit Hannahs gestressten Zustand an, wird immer besser und am Ende fühlt sie sich gelöst… nein, es werden psychisch belastende Themen erwähnt, dann eine positiver Moment oder Gedanke, dann wieder ein negatives Thema, daraufhin etwas Positives, wieder belastende Emotionen, daraufhin etc. Mir hat die Entwicklung gefehlt. Auch Hannahs Entschluss, was sie alles ändern will, wenn sie wieder in ihrem Alltag angekommen ist, ist viel zu leicht gefallen. Ganz ehrlich, ich denke nicht, dass es Hannah nach dem Buch viel besser gehen wird. Mir fehlt das positive Gefühl, mit dem man aus der Geschichte rausgeht. Das Lächeln fehlt, während ich das Buch zuklappe und an Hannah und das kleine Mädchen mitten im Schnee zurückdenke. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass es eine Liste mit psychisch belastenden Themen gab, die die Autorin schrittweise abgearbeitet hat, ansonsten wäre auch dieser überraschende Moment über das Thema Ängste zum Ende hin nicht mehr aufgetaucht.

"Die Pflanzen zogen sich zurück, warfen alles ab, was Ballast war, und verbargen ihre zarten Knospen und Triebe, bis der Frühling kam. So überstanden sie die kargen Wintermonate und sammelten Kraft für ein neues Jahr, um umso prächtiger zu blühen, Früchte zu tragen und zu gedeihen. Nur für uns Menschen gab es, so schien es, keinen Winter mehr." S. 142

Ina Bhatter hat eine sehr anschauliche und klare Art zu schreiben, wodurch man sich sehr, sehr gut in Hannahs Gefühlswelt einfühlen kann. Die Geschichte hat sich durch den angenehmen Schreibstil wirklich schnell lesen lassen. Das Aufeinandertreffen von Hannah und dem kleinen Mädchen und ihre glücklichen Momente im Schnee haben mir am besten gefallen. Das Schneinhorn ist eine echt schöne Idee der Autorin bzw. ihren Kindern, wie sie in der Danksagung erwähnt.


Fazit:
„Drei Tage im Schnee“ ist eine sehr anschaulich beschriebene Geschichte mit schönen und spaßigen Momenten im Schnee. Jedoch gibt es keine klare Entwicklung im Gefühlsleben der Protagonistin, sondern immer ein hin und her zwischen positiven und negativen Gedanken. Kaum hatte ich Spaß an der Geschichte, wurde sie mit einem neuen negativen Thema getrübt.

Veröffentlicht am 05.01.2026

Ich hätte am liebsten abgebrochen

The Pumpkin Spice Latte Disaster
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Jude hat ihrem Heimatort Lower Whilby schon lange den Rücken gekehrt und wohnt nie lange an einem Ort. Für die Hochzeit ihrer kleinen Schwester kehrt sie natürlich für wenige Tage zurück. Doch aufgrund ...

Jude hat ihrem Heimatort Lower Whilby schon lange den Rücken gekehrt und wohnt nie lange an einem Ort. Für die Hochzeit ihrer kleinen Schwester kehrt sie natürlich für wenige Tage zurück. Doch aufgrund eines Umstands bezüglich ihrer Schwester und des Cafébsitzers James, dessen Eltern einer bekannten Band angehörten und perfekt zu Judes Musik-Podcast passen würde, werden daraus mehrere Wochen.

Ich war beim Lesen dieses Buches von Anfang an genervt, denn keiner der beiden Protagonisten ist mir sympathisch gewesen. Jude ist total aufdringlich, fast frech, z. B. als sie anfangs vehement mit James flirtet um ein Interview zu bekommen oder (auch ihn) ständig nervt, dass im Café Musik laufen und Pumpkin Spice Latte ausgeschenkt werden müsste. Ich habe wegen ihres aufgeweckten Auftretens schon vermutet, dass sie ADHS haben könnte, was die Autorin auch auf einer Lesung bestätigt hat. Aber das ist doch trotzdem kein Grund unhöflich zu sein. James denkt nur an das eine und wann bei ihm das letzte Mal war, was ihn als anstrengenden ausgehungerten Jugendlichen erscheinen ließ. Und stäääändig wird erwähnt, wie sexy Judes Po doch ist bzw. was für unglaubliche Unterarme James doch hat!

Vieles in dem Buch ist übertriebener und zugespitzer als in Kyra Grohs anderen Romanen, finde ich. Kein Humor, sondern übertrieben witzig. Zum Beispiel meint Jude, dass die Eltern einer perfekten jungen Frau zufrieden damit sind, ihre Gene gemischt zu haben, vermutlich aber bloß bis zu diesem Zeitpunkt, wo diese heftigen Liebeskummer hat und (wie ich finde verständlicherweise) etwas neben der Spur ist. Ernsthaft? Wie unempathisch und schräg geschrieben ist das denn? Oder die bizarre Beschreibung auf S. 160: „Eben beim Essen hat sie beinahe mütterliche Gefühle zu einem Stück Hähnchen entwickelt, nur weil es annähernd geformt war wie ein Herz.“

Von dem Setting in Lower Whiliby oder Herbstfeeling bekommt man auch nicht viel. Hauptsächlich werden ein paar Geschäfte bzw. am Ende wenigstens das Herbstfest beschrieben. Am besten gefallen hat mir ein Nebencharakter: Eleanore ist wirklich toll! Sie war mir direkt sympathisch, ist liebenswert und ich kann ihre Gefühle echt gut nachempfinden. Auf ihre Geschichte bin ich neugierig, ansonsten werde ich Lower Whilby den Rücken kehren.


Fazit:
„The Pumpkin Spice Latte Disaster“ ist nicht unbedingt ein Desaster für mich gewesen, aber auch kein Buch, das ich genießen konnte. Die beiden Protagonisten waren mir total unsympathisch, ihr ständiges Denken an den sexy Körper der/des Gegenübers und dementsprechend das eine, hat mich einfach nur genervt! Auch der Humor ist drüber und deshalb überhaupt nicht mehr witzig. Ich wollte das Buch an so vielen Stellen abbrechen, hätte ich es doch getan! Das einzig Gute an der Geschichte ist der Nebencharakter Eleanore!

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2026

Ein Meisterwerk!

Frankenstein
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Viktor Frankenstein studiert in Ingolstadt und kommt auf die Idee, ein Wesen zu erschaffen bzw. Leben einzuhauchen. Diese Grundinfo kennen wir vermutlich alle über die Geschichte. Frankenstein ist dann ...

Viktor Frankenstein studiert in Ingolstadt und kommt auf die Idee, ein Wesen zu erschaffen bzw. Leben einzuhauchen. Diese Grundinfo kennen wir vermutlich alle über die Geschichte. Frankenstein ist dann so geschockt und verzweifelt darüber, welches Wesen er erschaffen hat, dass er es alleine lässt und in tiefe Verzweiflung stürzt. Und so entspinnen sich das Leben des alleingelassenen „Monsters“ (ich mag es so nicht nennen, deswegen die Anführungsstriche) und Frankenstein, ihre eigenen Erlebnisse und Zusammenstöße miteinander.

Ich bin echt begeistert von Mary Shelleys Geschichte. Der Aufbau ist geschickt gemacht, dass man auch, obwohl die Geschichte hauptsächlich aus Frankensteins Sichtweise erzählt wird, die der anderen Charaktere, wie z. B. dem „Monster“ selbst, lesen kann. Den Schreibstil der Autorin mag ich auch sehr! Zum einen ist er lebendig und sehr anschaulich, aber andererseits bringt Mary Shelley wirklich nur die wichtigen Aspekte auf den Punkt. Ich mag auch die Naturbeschreibungen sehr. Außerdem finde ich es schön, wie sie uns die Gefühle der Protagonisten näher bringt. Ich war richtig gefangen in der Geschichte und dem, was die Protagonisten bewegt. Ich weiß nicht, ob das so beabsichtigt war, aber das Geschehen hat mich sehr, sehr berührt und auch manches Mal mit Grauen erfüllt. Dass Shelley und wie sie überhaupt so eine psychologisch tiefgründige Geschichte erschaffen hat, beeindruckt mich wirklich sehr!

Der Zeichenstil von MinaLima ist recht einfach und klar. Die Illustrationen sind in unterschiedlichen Blautönen gehalten und passen mit dem dunklen Stil gut zur düsteren Geschichte, die durch die gelben Elemente aber nicht zu kalt aussehen. Das Bild auf S 201 ist aber falsch, da dort eine Person zu sehen ist, die erst später in der Geschichte auftaucht. An jedem Kapitelanfang befinden sich eine Zeichnung und ein charakteristisches Zitat daraus auf einer Doppelseite, innerhalb der Kapitel auch immer mal wieder kleine Bilder. Die interaktiven Elemente finde ich schön, wo man z. B. Dinge aufklappen oder verschieben kann. Die beiden letzten gefallen mir besonders gut, weil sie hochwertig und aufwendig erscheinen und teilweise sehr filigran sind.


Fazit:
„Frankenstein“ ist ein wahres Meisterwerk! Zum einen hat Mary Shelley eine wunderbare Geschichte geschaffen, die düster, traurig und raffiniert ist. Ich muss unbedingt mehr von der Autorin lesen! Zum anderen hat das Team MinaLima tolle Illustrationen dazu entworfen, die die Stimmung der Geschichte gut einfangen.

Veröffentlicht am 31.12.2025

Rundum gelungen

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Felix und seine Freunde sind als Kinder wohlhabender Eltern aufgewachsen und treffen sich in dem Antiquariat am alten Friedhof, das einem von ihnen gehört. Felix, Vadim, Julius und Eddie suchen Nervenkitzel ...

Felix und seine Freunde sind als Kinder wohlhabender Eltern aufgewachsen und treffen sich in dem Antiquariat am alten Friedhof, das einem von ihnen gehört. Felix, Vadim, Julius und Eddie suchen Nervenkitzel bei ihren Bücher-Diebstählen und verkaufen die Sammlerstücke über Vadims Antiquariat. Eva bringt die Gruppe in Aufruhr und bald müssen sie sich auch entscheiden, wie weit sie mit ihrem diebischen Zeitvertreib gehen wollen… Der Protagonist Felix ist während des Krieges nach Amerika ausgewandert und kommt nun, 1945, als Bibliothekar zurück um die von den Nazis geraubten Bücher zu katalogisieren. In Leipzig trifft er auf einige seiner alten Freunde und geht der Frage nach, was mit Eva in den letzten Jahren geschehen ist.

Ich finde es überaus spannend, wie Kai Meyer die 15 vergangenen Jahre und Geheimnisse immer weiter entfaltet und Hinweise gibt. Der Protagonist Felix möchte unbedingt herausfinden, was mit Eva geschehen ist und auch wie es seinen ehemaligen Freunden geht. Parallel erzählt der Autor sehr spannend und ereignisreich die Erlebnisse der letzten Jahre bis in Felix‘ Gegenwart. Hier werden auch bald Verbrechen entdeckt, die das zerbombte Leipzig in Atem halten. Die Geheimnisse und Geschehnisse werden nach und nach aufgedeckt und entfaltet. Die Geschichte hat sich wirklich flüssig wie ein historischer Krimi lesen lassen (was es teilweise auch ist).

Was mir am besten an der Geschichte gefallen hat, ist der Vibe. In der älteren Zeitebene sehe ich immer noch die vier Freunde auf der Empore des Antiquariats sitzen, wo sie fachsimpeln, trinken und sich gegenseitig necken. Die Gruppe hat durch die verschiedenen Charaktere eine ganz einzigartige Dynamik. Währenddessen überblicken sie den Verkaufsraum des Antiquariats, den Friedhof außerhalb des Fensters und die immerwährenden Rauchschwaden des Graphischen Viertels - mystisch. Auch in der Zeit nach dem Krieg herrscht eine geheimnisvolle und düstere Atmosphäre, während Felix nach seinen Freund/innen sucht, überall zerstörte Häuser in Schutt und Asche liegen und bald auch ein Verbrechen eine große Rolle spielt.

Ich habe noch nie einen Roman gelesen, der direkt nach dem Krieg spielt und fand es hier überaus interessant und anschaulich dargestellt, wie die Menschen nach einem entbehrungsreichen Krieg gelebt haben. Das trostlose Stadtbild mit Schutthaufen hat dies auch gut verbildlicht.


Fazit:
„Das Antiquariat am alten Friedhof“ ist eine sehr spannende historische Geschichte, die mit einem fesselnden Kriminalfall, verschiedenartigen Charakteren und düsteren sowie gefährlichen Momenten punkten kann. Am meisten hat mir die mystische und geheimnisvolle Atmosphäre gefallen.

Veröffentlicht am 31.12.2025

Zu viel und zu wenig

The Nightmare Before Kissmas
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Coal ist der Weihnachtsprinz und soll während der Weihnachtszeit seiner besten Freundin Iris, der Prinzessin von Ostern, den Hof machen um sie zum großen Fest zu heiraten. Doch von der arrangierten Ehe ...

Coal ist der Weihnachtsprinz und soll während der Weihnachtszeit seiner besten Freundin Iris, der Prinzessin von Ostern, den Hof machen um sie zum großen Fest zu heiraten. Doch von der arrangierten Ehe seines Vaters Santa hält Coal nichts. Insbesondere, als Hex auftaucht, der Prinz von Halloween, der Coal schwer beeindruckt hat. Wie kommt er aus dem Dilemma wieder raus?

Ich hab erwartet, dass dieses Buch die perfekte Lektüre für den November ist. Während es um Weihnachten spielt und der Halloween-Prinz ein wichtiger Protagonist ist, habe ich mich auf viel festliche Weihnachtsstimmung mit einem Hauch düsteren Vibe gefreut. Den düsteren Vibe gibt es, nur liegt das nicht an Halloween, sondern den dunklen Machenschaften von Santa Claus und diese verdecken auch noch die weihnachtlichen Momente (denn Schlittenrennen, Krawatten mit Kürbislaternen, die Weihnachtsmützen tragen und viele weitere kleine passende Details gibt es). Die Probleme in der Geschichte sind einfach zu viele. Die arrangierte Ehe wäre genug, aber Santa Claus ist wirklich, wirklich teuflisch. Auch die Mutter von Coal und Kris, die einfach abgehauen ist, spielt immer und immer wieder eine Rolle. Das ist mir einfach zu viel gewesen.

Die Witze in der Geschichte sind auch oft einfach... niveaulos. Coal spielt erstens gerne Streiche und zweitens geht ihm einiges schief. Obwohl er im Laufe des Buches eine Entwicklung durchmacht und die Anliegen der royalen Feiertagsfamilien ernster nimmt, ist er oft zu naiv. Die Liebesgeschichte zwischen Coal und Hex ist süß, aber die spicy Szenen waren überhaupt nicht meins. Es folgen zwei direkt aufeinander, Coal labert die ganze Zeit und den Rest empfand ich als verkrampft und fast schon unangenehm. Es gibt so viel Potenzial in diesem Buch und die Idee, dass hinter jedem Feiertag ein Königshaus steckt und die den Menschen gebrachte Freude wieder zurückkommt und für Magie genutzt werden kann, ist einfach megagut! Aber so vieles wurde zu wenig erklärt oder geschildert. Das Ende endet auch einfach... zu einfach, vieeel zu einfach! Ich mein, ehrlich? Das ergibt einfach keinen Sinn, ist zu gewollt und konstruiert!


Fazit:
Statt eines schönen Weihnachtsromans mit düsteren Halloweenvibes habe ich nur einen unreifen Protagonisten und viel zu viele Probleme bekommen, die die Stimmung trüben und viel zu einfach aus der Welt geschafft werden können. Die Geschichte wollte zu viel, hat zu viele dunkle Themen, zu wenig Worldbuilding und zu wenig nachvollziehbare Entwicklung.

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