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Veröffentlicht am 07.03.2026

Epische Wikinger-Fantasy

Flut aus schwarzem Stahl
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Der Reihenauftakt „Flut aus schwarzem Stahl“ spielt in derselben Welt wie Anthony Ryans Trilogie um den stählernen Bund, hat allerdings einen anderen geographischen Fokus. Man muss die Trilogie nicht gelesen ...

Der Reihenauftakt „Flut aus schwarzem Stahl“ spielt in derselben Welt wie Anthony Ryans Trilogie um den stählernen Bund, hat allerdings einen anderen geographischen Fokus. Man muss die Trilogie nicht gelesen haben, aber der Roman hier enthält ein paar Spoiler.
Nach dieser kurzen Warnung, worum geht es in „Flut aus schwarzem Stahl“? Im Mittelpunkt steht Ascarlia, ein von drei Schwesterköniginnen regiertes Reich aus vielen Insel, dessen Kultur Anklänge an Wikinger hat. Doch alte Geschichten bleiben nicht tot und die Bewohner der Inseln sehen sich Intrigen eines vernichtet geglaubten Kultes und brutalen Überfällen eines unbekannten Feindes ausgesetzt. Erzählt wird aus den Perspektiven eines Gefangenen, einer Justizvollstreckerin, eines in Ungnade Gefallenen und einer Gelehrten. Die großen politischen Momente werden geschickt mit persönlichen Schicksalen verknüpft, ich persönlich fand allerdings, dass zwei der Perspektivcharaktere (Thera und Felnir) besser und detaillierter ausgearbeitet waren, als ihre Konterparte. Generell ist der Roman eher handlungsorientiert als durch die Entscheidungen der Charakter getrieben. Das heißt nicht, dass Figuren nervig passiv bleiben, aber der Fokus liegt klar auf dem großen Ganzen. Manche der Nebenfiguren waren derart interessant, dass sie geradezu die Show stahlen.
Viele Kapitel enden auf Cliffhangern, von denen manche etwas bemüht wirkten, weil man als Leser schnell ein Gefühl dafür bekommt, welche Figuren durch den Plot geschützt werden und definitiv (noch) nicht sterben werden. Die Handlung war stellenweise etwas langsamer, aber die Perspektivwechsel und die anhaltend gelungene Atmosphäre haben darüber hinweggeholfen.
Das Buch endet je nach Handlungsstrang, wie sollte es anders sein, mit spannenden Plottwists, fiesen Cliffhangern oder relativ offen. Ich werde den nächsten Band auf jeden Fall lesen.
Alles in allem ein toller Reihenauftakt für Fans von Fantasy mit Wikinger-Vibes und Leser von Anthony Ryan.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.12.2025

Zwischen Wissenschaft und Verbrechen

Wer die Toten stört
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Edinburgh, 1828: James Willoughby, ein junger Gentleman aus verarmten Haus, brennt für die medizinische Wissenschaft. Leider ist erfordert ein erfolgreiches Medizinstudium mehr Mittel, als ihm zu Verfügung ...

Edinburgh, 1828: James Willoughby, ein junger Gentleman aus verarmten Haus, brennt für die medizinische Wissenschaft. Leider ist erfordert ein erfolgreiches Medizinstudium mehr Mittel, als ihm zu Verfügung stehen. Entschlossen seinem Traum zu folgen, setzt er sich Schritt für Schritt über gesellschaftliche und gesetzliche Grenzen hinweg und entdeckt die Schattenwelt der Anatomie zu des 19. Jahrhunderts.
Die Geschichte der Medizin ist ein Thema, das mich fasziniert, also war ich sofort vom Roman angetan. Ich hoffe in Zukunft mehr von der Autorin lesen zu können, denn der Schreibstil hat es mir wirklich angetan: er erinnert an den der erzählten Zeit, ist aber gleichzeitig moderner gehalten und dadurch flüssig und angenehm zu lesen. Zusammen mit der düsteren Thematik und den bildlichen Beschreibungen von Armut und Elend der sozialen Unterschicht sowie ungeschönt blutigen Szenen des Sezierens und Erforschung menschlicher Anatomie entsteht eine wundervoll makabre Atmosphäre, die immer wieder durch humorvolle Momente aufgehellt wird. Alles, was mit der Leichenbeschaffung zu tun hat, ist unglaublich gut recherchiert und wird voll spannender Details erzählt. Stellenweise hätte ich mir allerdings gewünscht auch mehr über das reguläre, offizielle Medizinstudium zu erfahren. Der Klappentext greift sehr weit in die Handlung voraus, Thrillerelemente kommen eigentlich erst im letzten Drittel auf.
Ein paar der historischen Charaktere fand ich etwas blass dargestellt, aber die fiktiven Hauptfiguren James und Aneurin sind gut ausgearbeitet, besonders James wächst im Laufe des Romans weit über seine Anfänge hinaus. Die sich entwickelnde Liebesgeschichte war ganz nach meinem Geschmack: dezent, ohne explizite Sexszenen und unnötige Kommunikationsprobleme und nicht im Vordergrund der Handlung. Es hat sich sehr natürlich gelesen, die Figuren passen zueinander und wurden nicht auf die Beziehung zueinander reduziert.
Alles in allem eine wundervolle Anreicherung historischer Wahrheit um fiktive Figuren, perfekt für alle Fans historischer Romane und Krimis.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 22.11.2025

Epische Fantasy mit düsterer Atmosphäre, Sehnsucht und Blut

The Second Death of Locke
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The Second Death of Locke von V. L. Bovalino ist der Auftakt einer Fantasytrilogie. Es ist allerdings zugleich ein Stand-Alone und handlungsmäßig 100% in sich abgeschlossen. Der nächste Band wird zwar ...

The Second Death of Locke von V. L. Bovalino ist der Auftakt einer Fantasytrilogie. Es ist allerdings zugleich ein Stand-Alone und handlungsmäßig 100% in sich abgeschlossen. Der nächste Band wird zwar in derselben Welt spielen, allerdings andere Protagonisten verfolgen. Aber ich greife voraus. Wovon handelt der Roman? Es geht um die Soldaten Grey und Kier, eine Quelle und ihren Magier, die in dem spannenden, neuen Magiesystem der Welt nur zu zweit, nur gemeinsam, Magie wirken können. Nach dem Untergang der Heimatinsel der Magie sind die nahen Nationen im Aufruhr, es herrscht Krieg, in den die beiden Protagonisten seit Jahren verwickelt sind. Doch plötzlich taucht ein Mädchen auf, von dem es heißt, sie sei die Erbin der verlorenen Insel…
Die schöne, dunkle Aufmachung des Buches wird der düsteren Atmosphäre absolut gerecht. Der zermürbende Alltag zwischen Kriegsmüdigkeit und Phasen blutiger Action wird sehr emotionsvoll erzählt. Der Schreibstil passt hervorragend zum Inhalt, er ist ungeschönt und bildhaft, dann wieder nahezu lyrisch. Grey und Kier teilen eine schmerzlich-schöne Verbundenheit, die ich in der Realität sicherlich als eine Codependency pathologisiert werden würde, aber in einem Roman spannend und mitreißend zu lesen ist. Weder verdrängt die Romanze den anderen Plot, noch wird sie toxisch. Die Hauptcharaktere sind gut ausgearbeitet, manche Nebenfiguren bleiben hingegen etwas blass, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Protagonistin Grey ihnen einfach nicht so viel Aufmerksamkeit widmet wie ihrer eigenen Gedankenwelt und Kier.
Mein persönliches Highlight war das Magiesystem und die sich daraus ergebenden Folgen für Figurenkonstellationen und gesellschaftliche Ordnung. Dies ist einer der wenigen Romane, bei dem die Magie wirklich tief in das Worldbuilding eingegraben ist, ohne sie würde weder die Welt noch die Handlung funktionieren. Um das Verständnis des Lesers für die Welt zu bereichern, werden am Beginn jedes Kapitels kleine Auszüge aus Dokumenten wie Handbüchern oder historischen Briefen angeführt. Ich liebe so etwas eigentlich immer, hier passte die Auswahl der Ausschnitte jedoch auch stets bemerkenswert gut zum folgenden oder vorhergehenden Kapitel.
Die Handlung an sich ist spannend, manchmal etwas ruhiger, dann wieder kämpferisch-schnell. Ein paar Wendungen sind vorhersehbar, andere überraschend. Eine von ihnen gegen Ende fand ich allerdings etwas seltsam und aus der Luft gegriffen.
Alles in allem ein toller Fantasyroman, der Themen wie Verantwortung und Verlust gekonnt einbindet.

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  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2025

Gregs legendärer Geburtstag

Gregs Tagebuch 20 - Bock auf Party?
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Im 20. Band der witzigen Reihe steht passenderweise das Thema Geburtstag im Mittelpunkt. Wie so viele von uns grübelt Greg, was er sich an diesem besonderen Tag wünschen soll. Wen lädt man zu seiner Party ...

Im 20. Band der witzigen Reihe steht passenderweise das Thema Geburtstag im Mittelpunkt. Wie so viele von uns grübelt Greg, was er sich an diesem besonderen Tag wünschen soll. Wen lädt man zu seiner Party ein? Und was ist mit der Geburtstagstorte? Auf Greg-typische Weise werden viele ernste und weniger ernste Dinge angesprochen und in liebevollen Zeichnungen unterhaltsam dargestellt. Und natürlich läuft letztendlich nichts nach Plan und resultiert in einem herrlichen Chaos.
Wie alle Bände kann auch dieser theoretisch für sich alleine gelesen werden. Von Reihenermüdung ist hier beim Lesen nichts zu merken, tatsächlich fand ich diesen Band insgesamt witziger, überraschender und unterhaltsamer als manche anderen. Besonders gut hat mir gefallen, wie verschiedene kleine Anekdoten und Handlungspunkte, die im ganzen Roman verstreut sind, am Ende in Gregs einmaliger Party zusammenfinden. Das war wirklich ein erzählerischer Höhepunkt. Gregs erweiterte Verwandtschaft taucht auf, was bei diesen schrillen Charakteren immer wunderbar ist. Seine Brüder hingegen spielen in diesem Band eine eher kleine Rolle, was ich als Rodrick-Fan etwas schade fand. Dafür hatte Mrs. Heffley ein paar sehr unterhaltsame Momente.
Man findet sich als Erwachsener wie auch als Kind in verschiedenen Themen und Figuren wieder.
Alles in allem ein wundervoll kurzweiliger Roman für Groß und Klein. Ich freu mich schon auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Schöne Aufmachung, enttäuschender Inhalt

Das Lied der Tiefe
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Imogen ist das Mündel des Königs Nemea, der Sirenen in seinem Reich gnadenlos verfolgen lässt. Dumm nur, dass sie selbst eine Sirene ist und zudem den Kommandanten Evander heiraten soll. Als ihr Geheimnis ...

Imogen ist das Mündel des Königs Nemea, der Sirenen in seinem Reich gnadenlos verfolgen lässt. Dumm nur, dass sie selbst eine Sirene ist und zudem den Kommandanten Evander heiraten soll. Als ihr Geheimnis aufgedeckt wird, muss sie fliehen – doch der ihr dabei helfende König Theodor verfolgt auch seine eigenen Ziele…
Der Auftakt des Romans ist vielversprechend: er beginnt sofort in der Handlung, die Protagonistin ist in einer spannend-gefährlichen Situation und der Leser erhält erste Informationen bezüglich des Settings. Doch leider wird darauf nicht weiter aufgebaut, Charaktere bleiben flach und einseitig, handeln unsinnig und entgegen ihrer angeblichen Charakterzüge und die erzählte Welt selbst bleibt vage. Hier ist ein Pluspunkt, dass Imogen und Theo beide Mitte 20 sind. Schade, dass sie sich nicht so verhalten. Unter dem fehlenden Worldbuilding leidet die Spannung, Konflikte und ihre Konsequenzen sind unklar oder werden erst im Nachhinein erklärt, ein Gefühl der Bedrohung oder des Mitfiebern kam bei mir jedenfalls nicht auf. Stellenweise trugen schlechte oder verwirrend übersetzte Passage dazu bei, mich immer wieder aus der Handlung zu reißen. Dabei interessiert mich die Sirenen-Thematik sehr, und was wir von der Welt und insbesondere dem Magiesystem zu sehen bekommen, ist ungeheuer spannend. Aber leider wird der Fokus stattdessen auf Imogen und Theo gerückt, deren Romanze mich nicht überzeugen konnte. Die Handlung an sich schreitet rasch voran, doch wie gesagt, es wäre besser gewesen, stattdessen ein paar Mal innezuhalten und relevante Informationen zu vermitteln. So wie es ist, liest es sich sehr formularisch, als ob beim Schreiben eine Liste von Szenen abgehakt wurde. Zu diesem Eindruck trägt auch bei, dass Sachverhalte und handlungsrelevante Hintergründe nicht wirklich von der Protagonistin in Erfahrung gebracht werden, sondern Nebenfiguren es ihr ohne ersichtlichen Grund einfach so immer dann mitteilen, wenn Imogen das Wissen für die nächste Szene braucht.
Eben weil Beginn und Grundidee so interessant klangen, war das Lesen ein sehr enttäuschendes Erlebnis für mich. Ich wollte das Buch mögen. Aber es hat sich nie die Zeit genommen, seine Prämisse richtig auszugestalten. Selbst jetzt nach Beenden des Buches weiß und versteh ich so viele grundlegende Dinge nicht, die extrem wichtig gewesen wären, beispielsweise die Einbindung und Stellung von Sirenen in der Gesellschaft bzw. den verschiedenen Ländern. Wie ich mittlerweile erfahren habe, handelt es sich um eine Dilogie. Den nächsten Teil werde ich nicht lesen.
Alles in allem kann ich den Roman nur Lesern empfehlen, die etwas Rasches zum Lesen suchen ohne über den Inhalt nachzudenken.

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