Profilbild von _H_B_

_H_B_

Lesejury-Mitglied
offline

_H_B_ ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit _H_B_ über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2022

Spannende Neu-interpretation des Märchens um König Drosselbart

Spielmannsbraut
0

In einem für den Drachenmondverlag typisch wunderschön verziertem Buch wird hier die Geschichte des Königs Drosselbart und der hochmütigen Prinzessin neu erzählt. Handlungsgründe beider Charaktere werden ...

In einem für den Drachenmondverlag typisch wunderschön verziertem Buch wird hier die Geschichte des Königs Drosselbart und der hochmütigen Prinzessin neu erzählt. Handlungsgründe beider Charaktere werden verständlich und authentisch geschildert, besonders positiv überrascht hat mich, dass im Falle der sympathischen Protagonistin Mirelle Fehlverhalten begründet, aber eben nicht entschuldigt wird. Sowohl sie als auch ihr Bettler-Ehemann Joakim haben Ecken und Kanten, und diese treffen auf schlagfertig-unterhaltsame Art aufeinander. Neben diesen beiden überzeugen auch die anderen Figuren.
Neben dem angenehm zu lesenden Schreibstil sorgen stellenweise gut durchdachte Abweichungen vom Original-Märchen (gibt es überhaupt so etwas wie ein Original bei Märchen?) für zusätzliche Spannung,
Ich muss gestehen, ich habe angesichts des Covers/Klappentextes eine schöne Märchenadaption erwartet, aber die Liebe für Detail, die Witzigkeit der Dialoge, die Thematik des Umgangs mit der Vergangenheit – all das hat mich glatt umgehauen.
Alles in allem handelt es sich bei der Spielmannsbraut von Anne Danck um die beste Märchenadaption, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Unbedingte Empfehlung an alle Fans des Genres!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.06.2022

Gelungene Geschichte mit schleichendem Grauen

Hunger
0

Dieses Hörbuch nimmt uns mit auf eine Reise in das Bayern des 19. Jahrhunderts, wo die Welt nur auf den ersten Blick in Ordnung scheint. Denn obwohl sich rasch ein geständiger Täter des schockierenden ...

Dieses Hörbuch nimmt uns mit auf eine Reise in das Bayern des 19. Jahrhunderts, wo die Welt nur auf den ersten Blick in Ordnung scheint. Denn obwohl sich rasch ein geständiger Täter des schockierenden Mordes an der Müllerin Creszenzia Aytermoser findet, ist damit noch lange nicht alles geklärt…
Trotz ihrer Kürze ist die Geschichte komplex und hat Wiederhörwert. Charaktere werden auf einzigartige, bildliche Weise beschrieben und bleiben gut im Gedächtnis. Hierzu trägt nicht zuletzt die intelligent-humorvolle Wortwahl des Autors bei.
Stellenweise empfand ich die Sprechweise von Philipp Engelhardt zu dramatisiert, was nicht so recht zu dem schleichenden, unterschwelligen Aspekt des Grauens passte, doch das ist wohl Meinungssache.
Alles an allem möchte ich das Hörbuch an alle Freunde des klassischen Grauens und eloquenter Formulierungen empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2022

Die Belagerung dauert an

Wie man ein Imperium regiert und damit durchkommt
0

Absolut gelungene Fortsetzung: Die Handlung setzt 7 Jahre nach dem ersten Band (den ich minimal besser fand) an, alte Bekannte treten auf, aber der Fokus wendet sich neuen Figuren zu

Absolut gelungene Fortsetzung: Die Handlung setzt 7 Jahre nach dem ersten Band (den ich minimal besser fand) an, alte Bekannte treten auf, aber der Fokus wendet sich neuen Figuren zu

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2022

Historische Kurzgeschichten mit Momenten des Unheimlichen

Der Schatten aus der Tiefe
0

Der Schatten aus der Tiefe. Unheimliche Geschichten von Nathali Gutz ist eine Sammlung von Kurzgeschichten die zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielen. Als Protagonisten treten Personen aus der Textilherstellung ...

Der Schatten aus der Tiefe. Unheimliche Geschichten von Nathali Gutz ist eine Sammlung von Kurzgeschichten die zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielen. Als Protagonisten treten Personen aus der Textilherstellung auf, deren Existenz durch die rasant fortschreitende Industrielle Revolution bedroht wird. Sie zeichnen sich neben erfrischend positiven familiären und freundschaftlichen Beziehungen durch Sympathien für die Ludditen aus. Das Unheimliche begegnet ihnen, nicht auf schleichende Art, sondern direkt, plötzlich und unvermittelt, es bricht in ihre (mehr-oder-weniger) heile Alltagswelt ein.
Diese Phänomene bleiben für Figuren wie Leser unerklärt und laden somit zum eigenständigen Spekulieren ein.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, schlicht ohne größere Ausschmückungen, wodurch die über- bzw. unnatürlichen Aspekte stärker hervortreten. Die einzelnen Geschichten werden am Ende geschickt durch ein Schreiben, welches ich hier nicht vorwegnehmen möchte, miteinander verbunden bzw. zusammengefasst. Gleichzeitig wird an dieser Stelle eine mögliche Fortsetzung vorbereitet.
Alles in allem ist die Sammlung von Geschichten allen historisch Interessierten zu empfehlen, die nach ein paar Stunden leichter Unterhaltung suchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.05.2022

Mitreißende Regency Romance mit einer Vielzahl queerer Charaktere

Sonnenkönig, Pechrabe
0

Zurecht wird dieser Roman mit Bridgerton verglichen, denn er ist ebenso kurzweilig.
Die erste Begegnung von Edward Arden und Lord Frederick Melville steht unter keinem guten Stern, ebenso wenig die folgenden. ...

Zurecht wird dieser Roman mit Bridgerton verglichen, denn er ist ebenso kurzweilig.
Die erste Begegnung von Edward Arden und Lord Frederick Melville steht unter keinem guten Stern, ebenso wenig die folgenden. Dennoch ist da eine Anziehung, die dazu führt, dass die Beiden immer wieder aneinanderstoßen. Gleichzeitig verkomplizieren neben sozialen Differenzen und persönlicher Lasten Juwelenraube und eine versehentliche so-gut-wie-Verlobung die Lage.
Dem Autor gelingt es, eine wundervoll bildliche Atmosphäre zu schaffen, das historische Setting ist gut recherchiert, besonders die queere Community der Zeit, die so oft vergessen wird, kommt hier hervorragend zur Geltung. Denn damals wie heute fanden queere Personen einander, waren keine Einzelgänger sondern bildeten eine found family. Das scheint mir ein geeigneter Übergang zu den Charakteren zu sein:
Die Charaktere zeichnen sich durch ein hohes Maß an Individualität und Vielschichtigkeit aus, sie agieren und reagieren authentisch. Hier ist es bemerkenswert, wie viel Charakter und Erinnerungswürdigkeit selbst jene Nebencharakter haben, die so gut wie gar nicht in Erscheinung treten. Selten habe ich erlebt, dass sich solche Figuren in einem Roman so lebendig anfühlen, es scheint wirklich so, als ob sie abseits von dem, was wir Leser zu sehen bekommen, ein Eigenleben führen. Zweifelsohne sind die Charaktere mit all ihren persönlichen Stärken und Schwächen das Herz des Romans.
Aber auch die Handlung kommt nicht zu knapp, ohne die Schattenseiten der Zeit zu beschönigen werden Erfolge und Fehlschläge mit einer Romanze verwoben, die ihrerseits Auf und Abs erlebt ohne dabei kitschig zu wirken. Lediglich gegen Ende hatte ich den Eindruck, dass ein mehrere der Handlungsstränge um Nebenfiguren in der Luft hängen blieben (bspw. um Miss Ailesbury, die Forderungen von Freddys Vater, zudem werden die Juwelenraube gelöst, doch was für Konsequenzen dies für die Täter hat, bleibt offen. Generell war Diebstahl schließlich eines jener Vergehen, für das man gehängt/deportiert wurde…). Allerdings weiß ich nicht, ob eine Fortsetzung geplant ist/in Aussicht steht, das Ende ist allerdings so gehalten, dass es einen befriedigenden Abschluss bildet.
Alles in allem möchte ich diesen Roman allen empfehlen, die sich für einen Ausflug in die Demi-monde des Londons der 1810er interessieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere