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Veröffentlicht am 07.09.2025

die alten ???

Die Auferstehung
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Als langjähriger Fan der drei ??? war meine Neugier riesig, wie Andreas Eschbach die Kult-Detektive als Erwachsene weiterdenkt. Die Auferstehung beginnt mit einem faszinierenden Fall: Eine junge Frau, ...

Als langjähriger Fan der drei ??? war meine Neugier riesig, wie Andreas Eschbach die Kult-Detektive als Erwachsene weiterdenkt. Die Auferstehung beginnt mit einem faszinierenden Fall: Eine junge Frau, die vor Jahren im brasilianischen Regenwald verschwand, taucht plötzlich wieder auf. Auf unterschiedlichen Wegen geraten Justus, Peter und Bob in die Ermittlungen und – ganz wie früher – führt ihr detektivisches Gespür sie schließlich wieder zusammen. Dabei müssen sie sich nicht nur mit dem mysteriösen Verschwinden, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen.

Der Krimi ist spannend erzählt und hat mich sofort gepackt. Eschbach versteht es, die Atmosphäre der drei ??? einzufangen und gleichzeitig erwachsener, komplexer und düsterer zu gestalten. Besonders die Szenen, in denen die drei aufeinandertreffen, sind voller Nostalgie und ein echtes Highlight.

Etwas schwergetan habe ich mich allerdings mit den gezeichneten Werdegängen der Figuren. Vor allem Justus Jonas’ Entwicklung konnte ich nicht immer nachvollziehen – sie wirkte für mich an einigen Stellen unlogisch oder zu weit von dem entfernt, was ihn als Charakter für mich immer ausgezeichnet hat.

Trotzdem bleibt Die Auferstehung ein gelungenes Experiment: ein spannender Krimi, der den Mythos der drei ??? in eine neue Zeit überträgt und Fans wie Neueinsteiger fesseln kann. Von mir gibt es 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

interessante Geschichte

Botanik des Wahnsinns
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Botanik des Wahnsinns erzählt von einem Erzähler, der nach einer Zwangsräumung plötzlich vor dem Nichts steht: Alles Wertvolle seiner Mutter landet durch ein Missverständnis in der Müllverbrennungsanlage. ...

Botanik des Wahnsinns erzählt von einem Erzähler, der nach einer Zwangsräumung plötzlich vor dem Nichts steht: Alles Wertvolle seiner Mutter landet durch ein Missverständnis in der Müllverbrennungsanlage. Was bleibt, ist der „Abfall“ der eigenen Familiengeschichte – und die Frage, wie es so weit kommen konnte. In Rückblenden entfaltet sich ein Stammbaum des Wahnsinns: die bipolare Großmutter, der Großvater als Dauergast in der Psychiatrie, die alkoholkranke Mutter, der depressive Vater. Dazwischen der Erzähler selbst, der zwischen München, New York und Wien seinen Weg sucht – und schließlich als Psychologe in einer Klinik landet, wo er lernt, dass Menschen mehr sind als ihre Diagnosen.

Leon Englers Debüt ist zugleich Familiengeschichte, Schelmenroman und eine Reflexion über Normalität. Besonders berührt hat mich die Mischung aus Tragik und leiser Komik, mit der er von seiner Herkunft erzählt. Das Buch zeigt eindringlich, wie stark uns Familien prägen, und dass Versöhnung manchmal in kleinen Gesten liegt.

Allerdings muss ich gestehen, dass die Handlung für mich streckenweise etwas vor sich hin geplätschert ist. Manche Passagen wirkten zu lang, sodass die Spannung etwas verloren ging. Trotzdem hat mir die ruhige, kluge Erzählweise gefallen, und am Ende überwog für mich das Positive.

Fazit: Ein sensibles, nachdenkliches Debüt, das nicht immer Tempo macht, aber mit Wärme, Tiefgang und Empathie überzeugt. Von mir 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Elefanten

Das Geschenk
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Das Geschenk beginnt mit einer herrlich absurden, aber zugleich hochpolitischen Idee: Elefanten tauchen mitten in deutschen Großstädten auf – und es werden immer mehr. Schnell wird klar, dass sie kein ...

Das Geschenk beginnt mit einer herrlich absurden, aber zugleich hochpolitischen Idee: Elefanten tauchen mitten in deutschen Großstädten auf – und es werden immer mehr. Schnell wird klar, dass sie kein Zufall und schon gar keine Zootiere sind, sondern ein „Geschenk“ des Präsidenten von Botswana. Mit dieser spektakulären Aktion reagiert er auf das deutsche Einfuhrverbot von Jagdtrophäen, das den Menschen in seiner Heimat ihre Lebensgrundlage entzieht. Seine Botschaft ist deutlich: „Wenn ihr Europäer uns vorschreibt, wie wir zu leben haben, dann probiert es doch selbst.“

Gaea Schoeters verpackt diese brisanten Fragen nach globaler Verantwortung, Machtverhältnissen und kulturellen Unterschieden in eine originelle und pointierte Erzählung. Besonders die Idee mit den Elefanten fand ich großartig – so ungewöhnlich, dass man sofort ins Nachdenken kommt.

Allerdings empfand ich manche Passagen als etwas zu ausführlich, wodurch die Dynamik gelegentlich gebremst wurde. Trotzdem überwiegt der positive Eindruck: Die Mischung aus Witz, Schärfe und politischer Relevanz macht den Roman zu einem spannenden Lese- und Denkvergnügen.

Fazit: Ein originelles, kluges Buch, das seine Botschaft mit einem einzigartigen Bild transportiert – und dafür von mir 4 Sterne bekommt.

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Toll

Spät am Tag
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Spät am Tag erzählt die Geschichte von Johanne, einer jungen Schriftstellerin, die auf der Suche nach Ruhe ein Zimmer in einem abgelegenen weißen Haus mietet. Dort begegnet sie Mikael – und mit ihm nicht ...

Spät am Tag erzählt die Geschichte von Johanne, einer jungen Schriftstellerin, die auf der Suche nach Ruhe ein Zimmer in einem abgelegenen weißen Haus mietet. Dort begegnet sie Mikael – und mit ihm nicht nur einer Liebe, die ihr Leben über viele Jahre prägen wird, sondern auch seiner Ex-Frau, seiner Tochter und der kargen Landschaft, die bald zu ihrer Heimat wird. Als Johanne siebzehn Jahre später allein in diesem Haus zurückbleibt, blickt sie zurück: auf die Liebe, den Verlust und die leisen Verbindungen, die ihr Leben getragen haben.

Der Roman hat mich gut unterhalten – er ist stimmungsvoll, fein beobachtet und zeichnet Bilder, die lange nachhallen. Gleichzeitig plätschert die Handlung manchmal etwas dahin, fast so, als wolle sie die langsamen Jahreszeiten des Landes widerspiegeln. Das macht die Lektüre zwar atmosphärisch, erfordert aber auch Geduld.

Alles in allem ist es ein ruhiger, nachdenklicher Roman über Zeit, Beziehungen und die Orte, die uns prägen – kein lauter Pageturner, sondern eine Geschichte, die sich langsam entfaltet und im Nachklang ihre Stärke zeigen

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Toll

Aufsteiger
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Aufsteiger ist ein klug erzählter Roman über Macht, Ehrgeiz und den Preis, den man zahlt, wenn man alles einer Karriere opfert. Im Zentrum steht Felix Licht, der sein Leben lang auf den Chefredakteursposten ...

Aufsteiger ist ein klug erzählter Roman über Macht, Ehrgeiz und den Preis, den man zahlt, wenn man alles einer Karriere opfert. Im Zentrum steht Felix Licht, der sein Leben lang auf den Chefredakteursposten hingearbeitet hat – auf Kosten von Familie, Freundschaften und sich selbst. Doch im entscheidenden Moment wird er übergangen: Statt ihm bekommt Zoe Rauch den Job, jung, modern und genau die Frau, die ihn seit zwölf Jahren nicht loslässt.

Was folgt, ist ein Abstieg voller gekränkter Eitelkeiten, bröckelnder Lebenslügen und einer Medienwelt, die sich zwischen Fake News, Opportunismus und dem Ringen um moralische Überlegenheit selbst zerlegt. Besonders spannend fand ich, wie nah die Figuren an unserer Gegenwart gezeichnet sind: alte Seilschaften, die krampfhaft an Bedeutung festhalten, prallen auf eine neue Generation, die mit ganz anderen Ansprüchen auftritt.

Der Roman ist bissig, pointiert und zugleich sehr unterhaltsam. Er schafft es, gesellschaftliche Fragen in eine persönliche Geschichte zu verweben, ohne belehrend zu wirken. Nur manchmal hätte ich mir etwas weniger Überzeichnung gewünscht – aber gerade das macht die Lektüre auch so lebendig.

Insgesamt ein scharfzüngiges, intelligentes und zugleich packendes Buch, das zeigt, wie dünn der Lack von Macht und Selbstgewissheit sein kann

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