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Veröffentlicht am 26.05.2019

Sehr fesselnder, hochkomplexer und unterhaltsamer Roman

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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INHALT
Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord ...

INHALT
Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau ... - Die idyllischen Hamptons sind Schauplatz einer fatalen Intrige, die Joël Dicker mit einzigartigem Gespür für Tempo und erzählerische Raffinesse entfaltet.
(Quelle: Piper)
MEINE MEINUNG
Mit seinem bereits dritten Roman „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ hat der Franko-Schweizer Bestsellerautor Joël Dicker einen fesselnden, hochkomplexen Kriminal- und Gesellschaftsroman mit echten Page-Turner Qualitäten verfasst, der mich allerdings nicht völlig packen und überzeugen konnte.
Im Mittelpunkt des vielversprechend beginnenden Romans steht ein lang zurückliegender Kriminalfall um einen brutalen Vierfachmord, der 1994 in Orphea geschah, einem kleinen fiktiven Ostküstenort auf Long Island, und der 2014 vom Protagonisten Jesse Rosenberg wegen aufkommender, erheblicher Zweifel erneut aufgerollt wird. Ein mysteriöser Fall, bei dem nichts so ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint!
Ähnlich wie in seinem grandiosen Erstling "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" ist die Handlung äußerst verschachtelt angelegt und besteht aus unzähligen kleinen Puzzleteilen, die sukzessive preisgegeben werden, einem ständigen Wechsel zwischen unterschiedlichen Erzählperspektiven und verschiedenen Handlungssträngen in der Vergangenheit und Gegenwart, vielen unerwarteten Wendungen und zahllosen falschen Fährten. Es bereitet großes Vergnügen in den immer rätselhafter werdenden Fall einzutauchen, die sympathischen Ermittler bei ihren Nachforschungen zu begleiten, Mitzurätseln und den Hintergründen einer weiteren Mordserie auf die Spur zu kommen. Es ist bei der Vielzahl an Figuren, ihren sorgsam gehüteten Geheimnissen und immer neuen verdächtigen Details fast unmöglich, als Leser noch den Überblick zu behalten. So manche heiße Spur erweist sich als Irrweg und offensichtlich Verdächtiges als geschickt platzierte Finte, so dass man bis kurz vor der überraschenden Auflösung des vielschichtigen Falls, der Enthüllung des wahren Täters und seiner Hintergründe im Dunkeln bleibt.
Bei der Vielzahl von Charakteren ist es Dicker recht gut gelungen, seine Figuren interessant und mit einigen Ecken und Kanten auszuarbeiten. Es ist eine bunte Mischung an unterschiedlichsten Charakteren, wobei einige Nebenfiguren recht skurril gezeichnet sind. Zudem findet man im Anhang ein Personenverzeichnis zum besseren Überblick. Insbesondere seine Hauptfiguren – die Ermittler Rosenberg, Scott und die junge Kollegin Anna Karger, sind sehr vielschichtig ausgearbeitet und erhalten durch Rückblicke in ihre durch Schicksalsschläge belastete Vergangenheit an zusätzlicher Tiefe. Dennoch empfand ich im Verlauf der Handlung als recht farblos und unspektakulär und hatte Schwierigkeiten, einen Bezug zu ihnen aufzubauen.
Nach und nach lässt Dicker geschickt die vielen Fäden seiner zahllosen Handlungsstränge zusammenlaufen, deckt immer neue Intrigen und persönliche Verstrickungen auf und lässt uns schließlich in erschreckende Abgründe der menschlichen Psyche blicken. Leider gestaltete sich die fesselnde Suche nach der Wahrheit für mich bei Dickers angenehmen, unverwechselbaren aber oftmals auch ausufernden Erzählstil gerade im Mittelteil recht langatmig und zäh. Vieles entwickelte sich für meinen Geschmack zu klischeehaft und übertrieben. Insbesondere seine permanente Kritik am Literatur- und Theaterbetrieb, die wenig subtil in die Handlung eingearbeitet wurde, und die absolut überzeichnete und unglaubwürdige Figur des Ex-Polizeichefs und Möchtegern-Regisseurs waren mir zu viel des Guten, Zeitweise drohte die Geschichte in meinen Augen durch die slapstickhafte Inszenierung in eine Satire abzugleiten.
Dennoch ist es Dicker mit seiner komplexen Geschichte, seinem mitreißenden Erzählstil und fiesen Cliffhangern gelungen, mich zu fesseln, so dass ich den Roman trotz einiger Schwächen nicht mehr aus der Hand legen konnte, bis sich schließlich alle Puzzleteile zu einem schlüssigen Bild zusammengefügt hatten.
FAZIT
Trotz einiger Schwächen ein sehr fesselnder und unterhaltsamer Roman mit einer hochkomplexen Handlung und echten Page Turner-Qualitäten! Aber deutlich schwächer als die beiden Vorgängerromane!

Veröffentlicht am 26.05.2019

Interessantes Einwandererschicksal in New York

Eine eigene Zukunft
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INHALT
1936 holt der Vater die drei Töchter nach, aus der andalusischen Provinz mitten hinein in die Hauptstadt der Welt: New York. Hier sollen sie im Restaurant helfen. Zu Beginn ist New York eine einzige ...

INHALT
1936 holt der Vater die drei Töchter nach, aus der andalusischen Provinz mitten hinein in die Hauptstadt der Welt: New York. Hier sollen sie im Restaurant helfen. Zu Beginn ist New York eine einzige Überwältigung. Doch als der Vater bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, wird die Stadt für die Schwestern schnell zur Bedrohung, denn das Geld reicht kaum zum Überleben.
Wie sollen sie für sich und ihre lebensuntüchtige Mutter aufkommen?
Victoria, Mona und Luz verzagen nicht, die jungen Frauen haben eine Idee: Warum verwandeln wir das väterliche Restaurant nicht in einen eigenen Nachtklub, in einen Ort für die vielen spanischen Migranten, mit Gesang, Tanz und Unterhaltung?
Gemeinsam begeben sie sich auf ein verwegenes Abenteuer in den Häuserschluchten Manhattans. Sie begegnen der Liebe, verfallen der Leidenschaft für die Musik und kosten den süßen Geschmack der Unabhängigkeit zum allerersten Mal …
(Quelle: Insel Verlag)
MEINE MEINUNG
Mit ihrem neuesten historischen Roman „Eine eigene Zukunft“ hat die spanische Autorin María Dueñas ein bewegendes Familienepos verfasst über das Schicksal dreier Schwestern einer spanischen Einwandererfamilie in New York und ihren hart erkämpften Neubeginn in der Fremde in den späten 1930iger Jahren. Trotz hochinteressanter Thematik, stimmigen historischen Flairs und eines beeindruckenden Schreibstils konnte mich der Roman leider mit seinem Handlungsverlauf wenig überzeugen und ließ mich etwas enttäuscht zurück.
In vielen Episoden beschreibt Dueñas sehr eindringlich und anschaulich, wie die drei Schwestern Mona, Victoria und Luz nach dem tragischen Unfalltod des Familienoberhauptes Emilio Arenas gemeinsam mit ihrer recht lebensuntüchtigen Mutter völlig auf sich allein gestellt, der englischen Sprache nicht mächtig und nahezu mittellos versuchen, sich durchzuschlagen, in einem völlig fremden Land Fuß zu fassen und schließlich ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen.
Sehr realistisch und lebendig fängt die Autorin das unnachahmliche Flair der Weltstadt New York in den 1940ger Jahren ein, ein faszinierender Schmelztiegel der Kulturen und unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und gibt interessante Einblicke in die historischen Hintergründe. Im turbulenten Manhattan begegnet der Leser all den hoffnungsvollen Einwanderer aus allen Herren Länder, die sich und ihren Kindern den „American Dream“ ermöglichen wollen, von einem besseren, sorgenfreien Leben in Freiheit und Wohlstand träumen und schließlich in der ernüchternden Realität ankommen. Geschickt zeigt sie auch die die Spannungen zwischen den verschiedenen ethnischen Einwanderungsgruppen auf und zeichnet sehr anschaulich, die zahlreichen Schwierigkeiten und Herausforderungen nach, mit denen die Immigranten im Alltag zu kämpfen haben. Auch die entwurzelte Familie Arenas findet bei ihrem verzweifelten Überlebenskampf in der feindseligen Großstadtmetropole Rückhalt und Unterstützung in der spanischen Einwanderer-Gemeinschaft.
Die Protagonistinnen sind von Dueñas sehr differenziert und einfühlsam charakterisiert und die Persönlichkeiten der drei Arensa-Schwestern vielschichtig und lebendig ausgearbeitet. Mit der ältesten konfliktscheuen Victoria, über die anpackende, pragmatische Mona bis hin zur etwas naiven Luz, die vom Ruhm träumt und sich stets mit den falschen Männern einlässt, hat sie für die drei jungen Frauen sehr unterschiedliche, interessante Charaktere entworfen. Jede von ihnen durchlebt eine andere Entwicklung und hat so manche Enttäuschung und Rückschläge auf ihrem Lebensweg durchzustehen. Sehr fesselnd ist es ihr Schicksal mitzuverfolgen und schließlich mitzuerleben, wie diese Frauen ihren Alltag meistern, allmählich ihr neues Leben in Selbstständigkeit angehen und ihr Glück in der neuen Heimat finden, auch wenn ich mir manches Mal bei ihnen ein wenig mehr Kampfgeist, Mut und Tatkraft gewünscht hätte. Sehr schön ist es mitzuerleben, wie die Niederlagen und gemeinsam angepackten Hürden ihren Familienzusammenhalt stärken und sie zusammenschweißen.
Der Einstieg in das wendungsreiche und wechselvolle Familienepos ist dank des mitreißenden, atmosphärisch dichten und wortgewaltigen Schreibstils der Autorin sehr vielversprechend. Die vielen eingeflochtenen, abschweifenden Nebengeschichten und unzähligen Nebenfiguren wirken allerdings etwas verworren und überladen. Für meinen Geschmack machten sie den Handlungsverlauf recht unübersichtlich und ließen zeitweise deutliche Längen aufkommen.
FAZIT
Ein eindrucksvoller historischer Roman mit stimmigem historischen Flair und ein bewegendes Familienepos über das Schicksal dreier Schwestern einer spanischen Einwandererfamilie in New York, das mich allerdings nicht völlig überzeugen konnte.

Veröffentlicht am 26.05.2019

Beklemmende feministische Dystopie

Die Geschichte der schweigenden Frauen
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INHALT
Die moderne Metropole und Hauptstadt Südwestasiens Green City wirkt auf den ersten Blick wie ein Paradies. Doch der Schein trügt, denn das Verhältnis von Männern und Frauen ist aufgrund eines für ...

INHALT
Die moderne Metropole und Hauptstadt Südwestasiens Green City wirkt auf den ersten Blick wie ein Paradies. Doch der Schein trügt, denn das Verhältnis von Männern und Frauen ist aufgrund eines für Frauen tödlichen Virus ins Ungleichgewicht geraten. Um das Überleben der Gesellschaft zu sichern, sind die Bürgerinnen von Green City per Gesetz dazu verpflichtet, mindestens drei Gatten parallel zu haben, um möglichst effizient für Nachwuchs sorgen zu können. Wer sich weigert wird eliminiert.
Um der Zukunft als Gebärmaschine zu entgehen, flieht Sabine in die Panah - einen geheimen Zufluchtsort für Frauen, die sich gegen das System auflehnen. Nachts bieten die Rebellinnen aus dem Untergrund einen höchst illegalen Dienst feil, etwas, was in Green City von Grund auf unterdrückt wird - sie bieten Intimität ohne Sex.
(Quelle: Golkonda Verlag)
MEINE MEINUNG
In ihrem dystopischen Roman „Die Geschichte der schweigenden Frauen“ entwirft die pakistanische Autorin und Journalistin Bina Shah eine beklemmende Zukunftsvision, in der Frauen in der männerdominierten Gesellschaftshierarchie keine Rechte haben. Nach einer apokalyptischen Katastrophe ist das Geschlechterverhältnis in eine beängstigende Schieflage geraten und Frauen sind ein kostbares Gut. Zum Erhalt der menschlichen Spezies werden sie lediglich auf ihre reproduktive Funktion als gebährfähiger Körper und ihre Rolle als fürsorgliche in Haus und Heim Mutter reduziert.
Bina Shahs Roman liest sich als eine interessante, aufrüttelnde Parabel über gesellschaftliche Missstände und die Rolle der Frauen in repressiven muslimischen Ländern, in denen ihre Rechte als Bürger zweiter Klasse tagtäglich missachtet werden.
Die Autorin erzählt ihre Geschichte aus sich abwechselnden Blickwinkeln, so dass wir uns schrittweise ein immer umfassenderes Bild von den Zuständen in dieser fiktiven Diktatur in Südwestasien und den Schicksalen der Frauen machen können. Aufgrund einer krankheitsbedingten Reduzierung des Frauenanteils in der Bevölkerung in der nahen Vergangenheit hat sich die Situation der Frauen derart verschlechtert, dass sich eine Handvoll Rebellinnen der Kontrolle des totalitären Systems von Green City entzogen haben. Insbesondere die Einschränkung der körperlichen und sexuellen Selbstbestimmung der Frauen und die Vereinnahmung des weiblichen Körpers durch den totalitären Staat zum Nutzen der gesamten Gesellschaft sind erschreckend und stimmen angesichts der Parallelen zu aktuellen Begebenheiten nachdenklich.
Im Mittelpunkt des Romans steht die junge Protagonistin Sabine und ihr Schicksal. Um einer Zwangsverheiratung mit mehreren „Ehegatten“ oder einem vorschnellen Tod zu entgehen und ihre Freiheit zu bewahren, ist sie in die Panah, einem unterirdischen Refugium für Frauen, geflüchtet. Abgetaucht in die Illegalität müssen sie alle nun ein Leben im Verborgenen führen. Das Leid der Frauen im Widerstand gegen den Staat wird in unterschiedlichen Episoden sehr nachdrücklich thematisiert und so wird schnell deutlich, dass auch die Rebellinnen keineswegs ein freies, unbekümmertes Leben führen können. Sehr anschaulich und eindringlich führt uns die Autorin ihren eintönigen, trostlosen Alltag vor Augen - ein strikt geregeltes, diszipliniertes Leben, das darin besteht der Führungsriege dieser patriarchalen Welt mit ihrer seltsam verqueren Sexualmoral als besänftigende Dienerinnen tröstende Nähe zu spenden und als eine Art asexuelle Einschlafhilfe zu dienen. Aus ihrer lakonischen, nüchternen Sichtweise schildert Sabine ihre Erlebnisse im „emotionalen“ Schichtdienst mit einem ihrer zudringlichen Kunden und mit ihren Freundinnen im Panah, bis es schließlich zu einer sehr überraschenden Wendung kommt und die Ereignisse zu überschlagen beginnen.
Als Leser gewinnt man allmählich immer tiefere Einblicke in die Lebensrealitäten dieser Rebellinnen und die schockierenden Abhängigkeiten dieser Art von Widerstand. Letztlich ist ihr Leben ein beklemmendes, perspektivloses Dahinvegetieren, das ihnen aufgezwungen wird und das die meisten mit widerspruchsloser Lethargie akzeptieren.
Leider entwickeln die Charaktere im Laufe der Handlung kaum Eigeninitiative, um sich grundsätzlich gegen das totalitäre System aufzulehnen, der erhofften Widerstand im Großen zu leisten und die Zustände für alle Frauen zu verbessern. So fehlt zum Ende hin leider ein hoffnungsvoller Ausblick, denn alle „Rebellinnen“ scheinen bis zum traurigen Ende in ihrer passiven Rolle gefangen zu sein und als Ausweg bleibt ihnen nur der selbstbestimmte Tod oder die Flucht aus dem Land.
FAZIT
Eine aufwühlende, feministische Dystopie mit einer beklemmende Zukunftsvision, die nachdenklich stimmt.
Trotz einiger Schwächen eine lesenswerte, beklemmende Parabel über die Rolle der Frauen!

Veröffentlicht am 25.05.2019

Packender Auftakt einer neuen Krimireihe auf den Scilly Inseln

Nachts schweigt das Meer
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INHALT
Türkisblaues Meer, sattgelbe Ginsterbüsche, majestätische Klippen – doch die Idylle auf den Scilly-Inseln trügt …

Detective Inspector Ben Kitto wollte bei seiner Rückkehr auf die Scilly-Inseln ...

INHALT
Türkisblaues Meer, sattgelbe Ginsterbüsche, majestätische Klippen – doch die Idylle auf den Scilly-Inseln trügt …

Detective Inspector Ben Kitto wollte bei seiner Rückkehr auf die Scilly-Inseln vor Cornwall eigentlich nur eines: zur Ruhe kommen. Seinem Onkel beim Bootsbau helfen, sich vom Inselwind den Kopf freipusten und London hinter sich lassen. Soweit der Plan. Doch bereits bei der Ankunft auf seiner Heimatinsel Bryher wird die 16-jährige Laura Trescothick vermisst und kurz darauf ermordet aufgefunden. Ben meldet sich freiwillig, die Ermittlungen zu übernehmen, aber bald hat er mehr Verdächtige, als ihm lieb ist. Darunter auch Menschen, die er sein Leben lang kennt und die ihm viel bedeuten. Denn in der kleinen Inselgemeinschaft auf Bryher gibt es dunkle Geheimnisse. Und der Täter kann jederzeit erneut zuschlagen.
(Quelle: Fischer Verlag)
MEINE MEINUNG
Mit „Nachts schweigt das Meer“ ist der britischen Autorin Kate Penrose ein vielversprechender Auftakt ihrer neuen Krimireihe auf den vor der Küste von Cornwall gelegenen, idyllischen Scilly-Inseln gelungen, der mich mit einem packenden Fall für den charismatischen Ermittler DI Ben Kitto und einer tollen Atmosphäre sehr gut unterhalten hat. Angesiedelt ist die Handlung beim ersten Band auf Bryher, der kleinsten der bewohnten Scilly Inseln, die Fortsetzungen sollen dann jeweils auf einer anderen Insel spielen.
Sehr deutlich merkt man, dass Kate Penrose die Scilly-Inseln tatsächlich wie ihre Westentasche kennt und seit ihren Kindertagen fast jeden Sommer dort verbringt, denn es gelingt ihr hervorragend, die atemberaubenden Schauplätze und einzigartige Atmosphäre auf dieser kleinen Insel sehr authentisch und stimmungsvoll einzufangen. Zur besseren Orientierung ist sogar eine kleine Übersichtskarte von Bryher mit den wichtigsten Schauplätzen aus dem Roman beigefügt. Auf dem abgeschiedenen Naturparadies, das im Sommer von Touristen überlaufen ist, erwarten uns eine brandungsumtoste Küste mit gefährlichen Steilhängen und eine eingeschworene Gemeinschaft mit knapp 100 Insulanern, von denen so mancher ein dunkles Geheimnis zu wahren versucht. Mit ihrem angenehmen, mitreißenden Schreibstil und dem tollen Insel-Flair konnte mich die Autorin sehr rasch in ihre faszinierende Geschichte hineinziehen und fesseln. Die Handlung erleben wir aus der Perspektive der interessanten Hauptfigur DI Ben Kitto, den die Autorin sehr tiefgründig und lebendig gezeichnet hat. Er ist gerade mit seinem umtriebigen Wolfshund Shadow in seine Heimat zurückgekehrt, nachdem er eine Auszeit von seinem letzten, aufreibenden Job als Undercover Cop in London genommen hat, und hofft im Haus seiner Eltern zur Ruhe zu kommen. Als dann aber die 16jährige Laura spurlos verschwindet und kurz darauf ihre Leiche am Strand aufgefunden wird, beschließt er, sich für die Ermittlungen auf der Insel zur Verfügung zu stellen. Mit seinem Insiderwissen und den Kenntnissen über die Inselbewohner ist er der richtige Mann für die Untersuchungen vor Ort. Zur Unterstützung bekommt er noch einen jungen, unerfahrenen und übereifrigen Kollegen zur Seite gestellt und nach anfänglichen Schwierigkeiten raufen die beiden sich aber zu einem schlagkräftigen Team zusammen.
Auch die übrigen Nebenfiguren sind sehr ausdrucksvoll, lebensnah und vielschichtig ausgearbeitet. Während der Ermittlungen begegnen wir einer Vielzahl von unterschiedlichen Charakteren, von denen Ben viele schon seit seiner Kindheit kennt – so Bens schweigsamer Onkel und Bootsbauer Ray, die quirlige Hotelinhaberin Zoe, die eigentlich von einer Karriere als Sängerin träumt, Bens hilfsbereite Patentante Maggy oder der skrupellose Immobilienhai Jay. Für Ben ist es keine leichte Aufgabe gegen all die alten Bekannten zu ermitteln, aber schnell steht fest, dass einer der Inselbewohner der Mörder sein muss. Zudem wird er von seinem Vorgesetzten mächtig unter Druck gesetzt, damit er schnelle Ergebnisse präsentiert werden können und der Fall bald aufgeklärt werden kann. Seine Befragungen befördern so manche Intrige, Animositäten, Geheimnisse und persönliche Dramen zutage und enthüllen als mögliche Motive Geldgier, Eifersucht und einen regen Drogenschmuggel auf der Insel.
Die Autorin versteht es trotz des recht ruhigen Tempos hervorragend, Spannung aufkommen zu lassen, denn schon bald gibt es viele Verdächtige, zahlreiche Spuren und einige unerwartete Wendungen. In kursiv gedruckten Einschüben erhalten wir zudem einen völlig anderen Blick auf sehr fesselnde Verwicklungen und interessante Hintergründe der Ereignisse aus Sicht der Außenseiterin Rose, die Mutter eines mit dem Mordopfer befreundeten Jungen ist. Mit der Vielzahl an Tatmotiven und Verdächtigen ist der fesselnde, in klassischer Whodunnit-Manier verfasste Krimi ideal zum Mitermitteln und Spekulieren.
Nach der gelungenen und für mich wirklich überraschenden Auflösung des gut durchdachten und clever konstruierten Falls bin ich schon sehr gespannt auf den zweiten Band und einen neuen Kriminalfall für den sympathischen und interessanten Ermittler DI Ben Kitto auf den Scilly Inseln.
FAZIT
Ein packender Auftakt einer tollen neuen Krimireihe vor der spektakulären Kulisse der Scilly Inseln- ein fesselnder Fall mit spannenden Wendungen, tollem Insel-Flair und vielschichtigen Charakteren!

Veröffentlicht am 25.05.2019

Spannende Krimikost mit dem 2. Fall für die COLD CASE Ermittlerin Gina Angelucci

Unbarmherzig (Ein Gina-Angelucci-Krimi 2)
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INHALT
Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo, ist aus der Elternzeit in den Dienst zurückgekehrt. Ihr Ehemann und Kollege Tino Dühnfort betreut die kleine Tochter. Als in dem ...

INHALT
Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo, ist aus der Elternzeit in den Dienst zurückgekehrt. Ihr Ehemann und Kollege Tino Dühnfort betreut die kleine Tochter. Als in dem idyllischen Dorf Altbruck zwei Leichen gefunden werden, die mehrere Jahrzehnte verscharrt gewesen waren, übernimmt Gina die Ermittlungen. Die Identität der Toten nach so langer Zeit zu klären, erscheint zunächst als unlösbare Aufgabe. Dann wird klar, dass das weibliche Opfer aus dem Baltikum stammt. War sie eine Zwangsarbeiterin? Während Gina einen Mörder sucht, der vielleicht selbst nicht mehr am Leben ist, bemerken sie und Tino nicht, dass ihnen jemand ihr privates Glück missgönnt und es zerstören will.
(Quelle: Ullstein Verlag)
MEINE MEINUNG
Der spannende Krimi „Unbarmherzig“ von Inge Löhnig ist bereits der zweite Band ihrer Krimi-Reihe um die junge, sympathische Gina Angelucci, Spezialistin für ungeklärte Todesfälle bei der Münchner Kripo, die nach ihrer 2jährigen Elternzeit frisch in ihren Job zurückkehrt. Als in sich abgeschlossener Fall kann dieser Krimi aber auch ohne Vorkenntnisse aus dem Vorgängerband problemlos gelesen werden.
Auch der zweite Fall für Gina Angelucci hat es wieder in sich, denn der Fund der mysteriösen Knochenfunde auf dem Kiesabladeplatz wird schnell zum Politikum und die zu ihrer zu alter Form auflaufende Gina sieht sich bei ihren sorgfältigen und hartnäckigen Ermittlungen mit erheblichen Widerständen konfrontiert, denn so manchen möchte die Vergangenheit lieber ruhen lassen.
Für ihren neuesten, im Münchner Umland angesiedelten Kriminalroman hat die versierte deutsche Krimi-Autorin eine interessante Hintergrundgeschichte ersonnen, die sich mit einem dunklen Kapitel der deutschen Vergangenheit befasst. Die sehr gut recherchierten historischen Hintergründe um Zwangsarbeit während der NS-Herrschaft und dem Einsatz von „zwangsrekrutierten“ osteuropäischen Arbeitskräften in der deutschen Rüstungsindustrie hat Ilse Löhnig gekonnt in ihren fiktiven, sehr packenden Fall umgesetzt. Sehr nachdrücklich und authentisch beschreibt Löhnig neben den Zuständen in der damaligen Zeit auch die Situation der Zwangsarbeiter in der Munitionsfabrik, die Einstellung und das Verhalten der deutschen Zivilbevölkerung im idyllischen Ort Altbruck.
Dank des ruhigen, sehr angenehmen und abwechslungsreichen Erzählstils der Autorin findet man sehr schnell in die Handlung hinein, die auf zwei Zeitebenen angesiedelt ist und deren Erzählperspektiven zwischen der Gegenwart und den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs abwechseln. Sehr gelungen sind auch die beklemmenden Bezüge zur Gegenwart und die aufschlussreichen Einblicke in die aktuelle Haltung vieler Menschen zum begangenen Unrecht zur Nazi-Zeit und zur Vergangenheitsbewältigung.
Differenziert und lebensnah sind durchweg auch die Charaktere in diesem Krimi gezeichnet. Mit ihren Eigenheiten, gewissen Defiziten und Einblicken in ihre Gefühls- und Gedankenwelt wirken sie sehr authentisch und glaubwürdig. Auch die Nebenhandlung, in der wir Ginas kleines Familienglück mit ihrem Ehemann Kommissar Dühnfort und ihrer kleinen, behinderten Tochter Chiara sowie ihren privaten Sorgen und Nöte miterleben, fügt sich hervorragend in die Krimihandlung ein und sorgt für weitere spannungsvolle Momente. Sehr feinfühlig thematisiert die Autorin zudem die alltäglichen Anfeindung und Probleme von Menschen mit geistigen Behinderungen.
Durch die clevere, mitreißende Handlungsführung mit geschickt gesetzten Cliffhangern, Wechsel der Handlungsstränge, vielen falschen Fährten und unerwarteten Wendungen, gelingt es der Autorin, den Spannungsbogen kontinuierlich zu steigern. Immer tiefer taucht man in die Vergangenheit ab und verfolgt gespannt die sich zuspitzenden Ereignisse. Die überraschende Auflösung und Hintergründe des Falles sind in sich schlüssig und nachvollziehbar, und runden die gut konstruierte, wirklichkeitsnahe und authentische Geschichte ab.
FAZIT
Ein fesselnder Krimi – beklemmend, wirklichkeitsnah, clever konstruiert und angenehm zu lesen!