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Veröffentlicht am 09.01.2025

Fesselnde Zeitreise ins Berlin der 1930er Jahre

Fräulein Gold: Nacht über der Havel
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MEINE MEINUNG
Mit "Fräulein Gold - Nacht über der Havel" hat Anne Stern bereits den siebten Band ihrer beliebten historischen Hebammen-Reihe rund um die charismatische Protagonistin Hulda Gold vorgelegt.
Auch ...

MEINE MEINUNG
Mit "Fräulein Gold - Nacht über der Havel" hat Anne Stern bereits den siebten Band ihrer beliebten historischen Hebammen-Reihe rund um die charismatische Protagonistin Hulda Gold vorgelegt.
Auch wer die Reihe noch nicht kennt, kann problemlos mit diesem Band einsteigen, da Stern es versteht, relevante Hintergrundinformationen geschickt in den Plot einfließen zu lassen, so dass auch langjährige Fans nicht gelangweilt werden.
Die Stärke der historischen Saga liegt in der gelungenen Mischung aus sorgfältig recherchiertem zeitgeschichtlichem Setting, spannendem Kriminalfall und der fortlaufenden persönlichen Geschichte von Hulda, die immer mehr an Tiefe gewinnt. Geschickt werden zudem gesellschaftlich relevante Themen in die fiktive Handlung eingewoben. Anne Sterns Erzählstil ist äußerst lebendig und fesselnd, so dass man rasch in die Geschichte gezogen wird.
Die spannende Fortsetzung entführt uns erneut in das turbulente Berlin des Jahres 1930. Mit anschaulichen Beschreibungen zeichnet Stern ein authentisches Bild dieser ausgehenden Weimarer Republik und lässt diese bewegte Epochen lebendig werden. Gekonnt fängt sie die angespannte Atmosphäre in der Metropole ein, die geprägt ist von wirtschaftlicher Krise, sozialen und politischen Spannungen. Hautnah erleben wir das herausfordernde Alltagsleben der Menschen und erhalten aufschlussreiche Einblicke in die komplexen sozialen Dynamiken. Insbesondere die zunehmend schwierigen politischen Umstände, gesellschaftlichen Umwälzungen durch die erstarkenden Nationalsozialisten und komplexen historischen Zusammenhänge werden von Stern eindrucksvoll dargestellt.
Im Mittelpunkt steht natürlich wieder die beeindruckende Protagonistin Hulda Gold, die inzwischen als liebevolle Mutter einer wundervollen Tochter und erfahrene Hebamme die alltäglichen Herausforderungen zu meistern versucht. Halt und Unterstützung findet sie durch ihre alten Freunde aus ihrem Kiez und ihren neuen Lebenspartner. Stern versteht es hervorragend, ihre Charaktere vielschichtig und glaubhaft zu gestalten, sodass sie mit ihren Stärken und Schwächen sehr menschlich wirken. Besonders Hulda entwickelt sich im Laufe der Reihe charakterlich immer weiter. Trotz alle Widrigkeiten bleibt sie Berufung treu und setzt sich unermüdlich für die Bedürftigen und das Wohl von Frauen und Müttern ein. Aus der einst impulsiven jungen Frau ist eine starke, mitfühlende Persönlichkeit geworden, die sich nicht unterkriegen lässt. Ihre emotionale Tiefe macht sie zu einer beeindruckenden und sehr sympathischen Figur, mit der man sich hervorragend identifizieren kann.
Die Handlung dreht sich neben Huldas Privatleben diesmal um einen mysteriösen Tod eines jungen Studenten und Anführer einer Jugendgruppe. Als Hulda bei der Betreuung einer Schwangeren mitbekommt, dass deren jüngere Schwester den Toten gut kannte und zur fraglichen Tatzeit mit ihm bei einem ihrer nächtlichen Jugendtreffen an der Havel war, wird ihr untrüglicher Spürsinn geweckt und sie beginnt den Hintergründen auf die Spur zu kommen.
Bei den Nachforschungen kommt es auch zu einer Wiederbegegnung mit Karl North, ihrem ehemaligen Freund und Ex-Kommissar, der inzwischen als Privatdetektiv arbeitet und glücklich verheiratet ist. Seine Rückkehr in Huldas Leben bringt nicht nur emotionale Spannung, sondern sorgt auch für zusätzliche Dynamik.
ZUM HÖRBUCH
Die talentierte Schauspielerin und Hörbuchsprecherin Anna Thalbach ist eine hervorragende Wahl, die dieses gekürzte Hörbuch erneut äußerst eindrucksvoll interpretiert. Thalbachs Lesung ist lebendig und abwechslungsreich, wodurch das Kopfkino der Zuhörer mühelos angeregt wird. Mit ihrer facettenreichen Stimme erweckt sie die Charaktere gekonnt zum Leben und transportiert das typische Berliner Flair auf wunderbare Weise. Perfekt ist auch die selbstbewusste Hulda Gold, deren Charakter und Emotionen sie gefühlvoll und sehr überzeugend herausarbeitet. Erneut ein absolutes Hörbuch-Highlight!
FAZIT
Eine fesselnde Fortsetzung der historischen Saga um die charismatische Hebamme Hulda Gold. Die gelungene Mischung aus authentischen Charakteren, lebendigem Lokalkolorit und interessantem historischen Hintergrund sowie spannendem Kriminalfall sorgt für beste Unterhaltung!
Empfehlenswert für alle Fans historischer Romane sowie für diejenigen, die das Berliner Flair lieben!

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2025

Ein fesselnder viktorianischer Krimi

Der tote Antiquar von Limehouse
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MEINE MEINUNG

"Der tote Antiquar von Limehouse" von Ann Granger ist bereits der neunte Band der fesselnden historischer Krimireihe um Inspector Benjamin Ross von Scotland Yard und seine Frau Lizzie, die ...

MEINE MEINUNG

"Der tote Antiquar von Limehouse" von Ann Granger ist bereits der neunte Band der fesselnden historischer Krimireihe um Inspector Benjamin Ross von Scotland Yard und seine Frau Lizzie, die im viktorianischen England angesiedelt ist. Die Krimis können problemlos unabhängig voneinander gelesen werden, da jeder Fall in sich abgeschlossen ist.

Der aktuelle Kriminalfall für Inspector Ross entführt uns ins pulsierende London des Jahres 1871 und bietet faszinierende Einblicke in die viktorianische Ära.

Kurz nachdem Ross den schlitzohrigen Antiquar und gelegentlichen Polizeiinformanten Jacob Jacobus im zwielichtigen Viertel Limehouse zu sich häufenden Juwelendiebstählen befragt hat, wird dieser mit durchgeschnittener Kehle in seinem Haus aufgefunden. Als Ben auch noch beauftragt wird, den dreisten Diebstahl eines wertvollen Familienerbstücks aus dem Anwesen der einflussreichen Familie Roxby während eines abendlichen Diners zu untersuchen, kommt schon bald der Verdacht auf, dass zwischen beiden Fällen eine Verbindung bestehen könnte.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Lizzie und Benjamin, was einen umfassenden Bilck auf die Ermittlungen ermöglicht. So folgen wir einerseits Bens akribischen Ermittlungen und haben zudem Anteil an den interessanten Erkenntnissen, die Lizzy bei ihren diversen Gesprächen und dezenten Nachforschungen erhält. Durch ihren regelmäßigen Austausch bleiben wir kontinuierlich über den aktuellen Ermittlungsstand informiert und können selbst hervorragend miträtseln.

Grangers Stärke liegt weniger in spektakulären Kriminalfällen als in der authentischen Darstellung des historischen Kontexts und der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Mit ihrem atmosphärischen Schreibstil fängt die Autorin gekonnt die facettenreiche Stimmung jener Zeit ein und zeichnet ein lebendiges Bild Londons mit viel Lokalkolorit. Durch gut recherchierte Details und anschauliche Schilderungen des Londoner Straßenbilds, des Alltags und damaliger technischer Neuerungen können wir mühelos in die Vergangenheit eintauchen. Besonders eindrucksvoll präsentiert sie uns einen faszinierenden Mikrokosmos sozialer Missstände und Klassenunterschiede und beleuchtet dabei auch geschickt die komplexen Familiendynamiken und die Rolle der Frau in der englischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ein. Von den rigiden gesellschaftlichen Normen der Oberschicht bis zu den rauen Realitäten des Arbeiterlebens - jede Facette des viktorianischen Londons wird lebendig und greifbar dargestellt. Anschaulich führt Granger uns den Alltag in den wohlhabenden Vierteln der privilegierten Klasse sowie in den ärmeren Stadtteilen wie Limehouse vor Augen, wo die Bewohner sich den alltäglichen Härten und Herausforderungen im Kampf ums Überleben zu stellen haben. Zudem erhalten wir interessante und informative Einblicke in die Polizeiarbeit, die damals noch in den Anfängen steckte.

Granger hat ihre lebendigen Charaktere bis hin zu den verschiedenen Nebenfiguren äußerst vielschichtig und glaubwürdig angelegt. Von der dominanten, arroganten Witwe Mrs. Roxby über die patente Schankkellnerin Daisy bis hin zu Jacobus hysterischer Tochter - jeder Charakter trägt als potenzielle Verdächtige oder wichtige Hinweisgeber zur Lebendigkeit der Geschichte bei. Ein besonderes Highlight sind natürlich die sympathischen Protagonisten Ben und Elizabeth Ross, die wir mit ihren interessanten Persönlichkeiten und Hintergrundgeschichten im Laufe der Reihe immer besser kennenlernen. Spannend ist es, ihre liebevolle, von gegenseitigem Respekt und Unterstützung geprägte Beziehung mitzuerleben. Lizzies Neugier und Scharfsinn sowie ihr Hintergrundwissen als Tochter eines Polizeiarztes erweisen sich als wertvolle Ergänzung für Bens offizielle Polizeiermittlungen.

Auch wenn die parallelen Ermittlungen in beiden Fällen zunächst eher gemächlich voranschreiten, gewinnt die gut durchdachte Handlung durch einige unerwartete Wendungen immer mehr an Fahrt. Spannend ist es, gemeinsam mit den Protagonisten die enthüllten Puzzleteile nach und nach zusammenzusetzen und der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Die Handlung gipfelt schließlich in einem überraschenden Finale mit einer stimmigen Aufklärung der Hintergründe des Mordfalls und des gestohlenen Smaragd-Colliers und einem glaubhaften Ausgang.

FAZIT

Ein gelungener historischer Krimi mit einem authentischen und fesselnden Einblick in das viktorianische London.
Nicht nur Fans der Reihe lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 06.01.2025

Eine faszinierende Reise in die Welt der Tiefsee

Leuchten am Meeresgrund
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MEINE MEINUNG
Das Sachbuch "Leuchten am Meeresgrund. Aus dem Logbuch der ersten Tiefsee-Expedition" vom US-amerikanischen Schriftsteller, Journalist und Übersetzer Brad Fox widmet sich mit den bahnbrechenden ...

MEINE MEINUNG
Das Sachbuch "Leuchten am Meeresgrund. Aus dem Logbuch der ersten Tiefsee-Expedition" vom US-amerikanischen Schriftsteller, Journalist und Übersetzer Brad Fox widmet sich mit den bahnbrechenden Tiefsee-Expedition von William Beebe im Jahr 1930 einem faszinierenden Kapitel der Meeresforschung. Diese Pionierarbeit in den Tiefen der Ozeane läutete eine revolutionäre Epoche der bemannten Tiefseeforschung ein und markierte einen Wendepunkt in unserem Verständnis der marinen Welt, ähnlich wie der erste Schritt des Menschen auf dem Mond die Raumfahrt für immer veränderte.
In einer außergewöhnlichen Mischung aus Fakten-basierter Dokumentation und fiktiver literarischer Erzählung bringt uns Fox diese historischen Meilensteine, die der Wissenschaft völlig neue Horizonte eröffneten, nahe.
Im Mittelpunkt steht der renommierte amerikanische Wissenschaftler und Pionier William Beebe, und seine bemerkenswerten Tauchgänge vor der Atlantikinsel Nonsuch bei den Bermudainseln. In der eigens von Otis Barton entwickelten Tauchkugel „Bathysphäre“ gelang es ihm und seinem Team in bislang unerreichte Tiefen des Ozeans vorzudringen und dabei ein völlig unbekanntes Ökosystem zu erkunden.
Mit seinen lebendigen, eindrucksvollen Schilderungen Fox gelingt es in seinen vielversprechenden ersten Kapiteln hervorragend, uns nicht nur mit auf eine fesselnde und bizarre Reise in die atemberaubend fremde Welt der Tiefsee zu nehmen, sondern uns an seiner Pionierarbeit und spannenden wissenschaftlichen Entdeckungen teilhaben zu lassen. Gemeinsam mit ihm tauchen wir tief ein in den menschlichen Forscherdrang und erleben die Faszination für eine noch unerforschte Welt, die noch kein Mensch zuvor gesehen hatte.
Gekonnt fängt Fox die überwältigenden Sinneseindrücke ein, die Beebe bei seinen Tauchgängen Abstieg in die unbekannten Tiefen erlebte. Neben atemberaubenden Entdeckungen von nie zuvor gesehenen Kreaturen begegnet er den sich verändernden und kaum in Worte zu fassenden Farben der Dunkelheit, sich verändernden Lichtspielen in der Tiefe sowie den plötzlich auftretenden Biolumineszenen in der faszinierenden Unterwasserwelt mit Verwunderung und großer Ehrfurcht.
Während die anfänglichen Kapitel fesselnd sind, offenbart sich im weiteren Verlauf eine gewisse Inkonsistenz in der Erzählstruktur, die mein Leseerlebnis insgesamt merklich schmälerte. Durch die Aneinanderreihung recht kurzer Kapitel, die oft ohne erkennbare chronologische oder thematische Verbindung nebeneinanderstehen, erschwert es dem Leser, einem klaren roten Faden zu folgen.
Der Autor zeichnet nicht nur Beebes bahnbrechende Tiefseeexpeditionen nach, sondern bettet diese zugleich in einen breiteren Kontext ein. So verwebt er gekonnt nüchterne wissenschaftshistorische Betrachtungen mit fesselnden biographischen Einblicken in Beebes Leben und das seiner Weggefährten sowie bemerkenswerte Begegnungen mit prägenden Persönlichkeiten wie Charles Darwin oder Theodore Roosevelt. Auch beleuchtet er die damaligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die persönlichen Motivationen der Forscher.
Fox versteht es hervorragend, die aus verschiedenen Quellen akribisch recherchierten Fakten, Informationen aus den Expeditionstagebüchern und historischen Hintergründe ansprechend und spannend zu präsentieren. Ein besonderes Highlight sind die zahlreichen historischen Schwarz-Weiß-Fotografien, anschaulichen Illustrationen, die teilweise von Beebes wissenschaftlicher Assistentin und Geliebten Gloria Hollister angefertigt wurden, sowie die eindrucksvollen Farbzeichnungen, die von der Künstlerin Else Bostelmann auf Basis von Beebes Beschreibungen entstanden.

Trotz einiger Schwächen gewährt uns das Buch faszinierende Einblicke in die Entwicklung der Meeresbiologie und Tiefseeforschung. Auch die menschliche Seite der wissenschaftlichen Entdeckungen wird von Fox anschaulich und eindrucksvoll vermittelt. Insgesamt ist es Fox gelungen, William Beebe nicht nur als Wissenschaftler, sondern als komplexe Persönlichkeit zu porträtieren und seine außergewöhnliche Arbeit in den größeren gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Zusammenhang zu stellen.

Das Werk wird durch einen äußerst sorgfältig zusammengestellten Anhang komplettiert, der dem wissenschaftlich interessierten Leser eine Fülle zusätzlicher Informationen bietet. Hierin finden sich ausführliche Anmerkungen zum verwendeten Quellenmaterial, einer umfangreichen Bibliografie, die für weiterführende Recherchen genutzt werden kann sowie einem Bildnachweis. Bedauerlicherweise verzichtet der Autor auf ein Nachwort, das möglicherweise eine abschließende Reflexion und Erläuterungen zur thematischen Konzeption hätte bieten können.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Abgründe der Macht

Finsteres Herz
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MEINE MEINUNG
„Finsteres Herz" von Holger Karsten Schmidt ist der mit Spannung erwartete 2. Band der Krimi-Reihe rund um das außergewöhnliche Ermittlerduo Lona Mendt und Frank Elling von der Rostocker ...

MEINE MEINUNG
„Finsteres Herz" von Holger Karsten Schmidt ist der mit Spannung erwartete 2. Band der Krimi-Reihe rund um das außergewöhnliche Ermittlerduo Lona Mendt und Frank Elling von der Rostocker Kripo. Nach dem vielversprechenden Auftakt „Die Toten von Marnow“ spielt die fesselnde Fortsetzung erneut vor der malerischen Kulisse Mecklenburg-Vorpommerns und ist zum Ausklang des Jahres 2006 angesiedelt.
Der Krimi überzeugt nicht nur durch seinen packenden Fall, der brisante Themen wie Amtsmissbrauch, Korruption innerhalb der Polizeibehörde und Menschenhandel aufgreift. Insbesondere die temporeiche und sehr gelungene filmreife Umsetzung der vielschichtigen Handlung hält uns in Atem. Kein Wunder, zählt doch der mehrfache Grimme-Preisträger Schmidt zu den erfolgreichsten Drehbuchautoren Deutschlands, was er unter anderem bei der Verfilmung von "Die Toten von Marnow" als vierteilige Fernsehserie für NDR/ARD Degeto eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.
Schmidt gelingt es von Beginn an, mit seinem hochdramatischen Einstieg eine unheilvolle, beinahe greifbare Atmosphäre zu erzeugen und uns in die Geschichte zu ziehen. Sein lebendiger und bildhafter Schreibstil lässt die Schauplätze und Charaktere rasch Gestalt annehmen und erzeugt ein faszinierendes Kopfkino.
Geschickt hat der Autor einen cleveren Plot mit zwei parallelen, zeitversetzt laufenden Handlungssträngen geschaffen. So folgen wir einerseits den Ermittlungen von den Kommissaren Lona Mendt und Frank Elling zu einem grausamen Fund von vier Leichen in einem Waldstück und andererseits begleiten wir die zwei Wochen später anlaufenden Nachforschungen der Sonderermittler Maja Kaminski und Hagen Dudek. Sie sollen die Hintergründe eines schief gelaufenen Zeugenschutzeinsatz aufklären, in den ihre beiden Kollegen verwickelt waren. Im Mittelpunkt der dramatischen Geschehnisse steht das 12-jährige bulgarische Waisenmädchen Sarah, das nach dem Massaker im Safe House am Silvesterabend spurlos verschwindet. Gekonnt verwebt Schmidt die Handlungsstränge zu einem komplexen, sehr stimmigen Plot.
Die wendungsreiche Geschichte entwickelt sich zu einem faszinierenden Katz-und Maus-Spiel, bei dem die Suche nach der Wahrheit durch gelöschte Akten, einen mysteriösen Maulwurf in den eigenen Reihen und mächtige, skrupellose Gegner aus der organisierten Kriminalität erschwert wird. Der Autor versteht es hervorragend, mit unseren Erwartungen zu spielen und die Spannung durch unerwartete Wendungen bis zum fulminanten Showdown kontinuierlich zu steigern.
Die Charakterisierung der vielschichtigen Figuren ist tiefgründig und überzeugend. Besonders die vier Hauptermittler werden mit ihren persönlichen Hintergründen, Konflikten und verborgene Agenden äußerst stimmig dargestellt, wodurch sie sehr menschlich und nahbar wirken. Im Laufe ihrer Ermittlungsarbeit stoßen sie immer wieder an ihre moralischen Grenzen und verstricken sich in fragwürdige Handlungen. Diese Makel und Fehlentscheidungen machen sie authentisch und erlauben es uns, sich in ihr Innenleben hineinzuversetzen.
Der Roman bietet mit seiner komplexen, gut durchdachten Handlung nicht nur spannende Unterhaltung, sondern regt mit den angeschnittenen brisanten Themen auch zum Nachdenken über moralische Fragen sowie gesellschaftliche Missstände und Abgründe an.
FAZIT
Ein rundum überzeugender, fesselnder Krimi, der geschickt hochspannende Ermittlungsarbeit mit moralischen und gesellschaftlichen Fragestellungen verbindet. Ein lesenswerter Krimi, der unter die Haut geht und noch lange nachwirkt – ein Muss für alle Fans anspruchsvoller Krimis!

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Veröffentlicht am 20.12.2024

Bewegende Spurensuche -eine Chronik des Überlebens und der Hoffnung

Suche liebevollen Menschen
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MEINE MEINUNG
Das Buch "Suche liebevollen Menschen: Mein Vater, sieben Kinder und ihre Flucht vor dem Holocaust" von Julian Borger, dem Leiter des Außenpolitik-Ressorts der britischen Zeitung »The Guardian«, ...

MEINE MEINUNG
Das Buch "Suche liebevollen Menschen: Mein Vater, sieben Kinder und ihre Flucht vor dem Holocaust" von Julian Borger, dem Leiter des Außenpolitik-Ressorts der britischen Zeitung »The Guardian«, ist ein tiefgründiges und sorgfältig recherchiertes Werk, das die erschütternden Schicksale jüdischer Kinder aus Wien während des Holocausts beleuchtet.
Borger, der lange Zeit mit unbeantworteten Fragen zu seiner Familiengeschichte lebte, begibt sich nach dem erschütternden und unerwarteten Suizid seines Vaters Robert im Jahr 1983 auf eine bewegende Spurensuche. Diese führt ihn nicht nur zu den Wurzeln seiner Familie, sondern enthüllt auch bislang unbekannte und verborgene Familiengeheimnisse. Seine umfangreiche Recherche entwickelt sich zu einer emotionalen Reise in die Vergangenheit, bei der Borger Schicht um Schicht die komplexe Geschichte seiner Familie aufdeckt und bisher unerzählte Kapitel im Leben seines Vaters und seiner Verwandten offenbart.
Ausgangspunkt für Borgers Buch bildet eine zufällig entdeckte Anzeigenspalte im Manchester Guardian vom 3. August 1938, in der verzweifelte jüdische Eltern aus Wien um Aufnahme für ihre Kinder in englischen Familien baten. Darunter ist auch eine kurze Annonce, in der Borgers weitsichtiger Großvater Leo nach einer "liebevollen Person" für seinen Sohn Robert suchte. So beginnt Borgers auf Basis der Kleinanzeigen seine fesselnden Nachforschungen nicht nur zur Geschichte seines eigenen Vaters, sondern auch zu sechs weiteren jüdischen Kindern aus Wien, die durch ähnlich verzweifelte Anzeigen vor der Verfolgung durch die Nazi-Diktatur in Sicherheit gebracht und vor dem sicheren Tod bewahrt werden sollten.
Borger gelingt es hervorragend, die persönliche Lebensgeschichte seines Vaters Robert mit den bewegenden Einzelschicksalen der anderen Flüchtlingskinder zu verknüpfen und dabei zugleich aufschlussreiche historische Aspekte des Holocausts zu beleuchten. Durch die geschickte Verflechtung von individuellen Erlebnissen mit bedeutsamen historischen Ereignissen schafft der Autor ein vielschichtiges Bild der damaligen Zeit. Die einfühlsame Schilderung der Einzelschicksale ermöglicht es, sich emotional mit den Betroffenen zu identifizieren und deren erschütternde Erfahrungen nachzuvollziehen. Gleichzeitig vermittelt es Borger wertvolle historische Erkenntnisse, die über die ergreifenden persönlichen Schicksale hinausgehen und ein tieferes Verständnis für die Komplexität der Ereignisse schaffen.
Die besondere Stärke des Buches liegt in Borgers fundierter Recherche und seiner Fähigkeit, die emotionale Tiefe der geschilderten Erlebnisse zu vermitteln. Sein lebendiger, anschaulicher Schreibstil erleichtert den Zugang zu dem schwierigen und sehr aufwühlenden Thema. Vereinzelt lockern Schwarz-Weiß-Fotografien aus Familienarchiven den Text auf und verleihen den erzählten Geschichten eine zusätzliche Authentizität.
Der Autor hat nicht nur Familienarchive durchforstet, sondern es ist ihm auch nach den vielen Jahrzehnten noch gelungen, Informationen zu finden und Kontakte zu Nachkommen herzustellen, um die facettenreichen und authentischen Geschichten der anderen geretteten Kinder zu erzählen. Detailliert und eindrucksvoll zeichnet Borger die unterschiedlichen Wege nach, die diese Kinder einschlugen, beschreibt die näheren Umstände ihrer Flucht, ihre Widerstandsfähigkeit und den ungebrochenen Überlebenswillen bei ihrer Anpassung an das neue Leben in der Fremde.
Die persönlichen Geschichten, wie die von Georg Mandler oder den Brüdern Schwarz, sind besonders ergreifend. Die erschütternden Schilderungen von Diskriminierung und Verfolgung offenbaren die grausame Realität, der sich die jüdische Bevölkerung Wiens in der damaligen Zeit ausgesetzt sah.
Borger führt uns anschaulich die langfristigen Auswirkungen der traumatischen Flucht und des Verlusts der Familie auf die Identität und das psychische Wohlbefinden der Geretteten vor Augen. Viele Betroffenen wählten den Weg der Verdrängung, um weiterleben zu können, was die Aufarbeitung der Traumata erschwerte.
Gleichzeitig ergründet Borger die subtilen Mechanismen des transgenerationalen Traumas, dessen Auswirkungen über Generationen hinweg bis in die Gegenwart reichen. Einfühlsam zeigt er auf, wie unterschiedlich die Betroffenen mit ihren Erlebnissen umgegangen sind. Er beleuchtet eingehend zudem die emotionalen Narben, die die Erfahrungen bei den Überlebenden und ihren Nachkommen hinterlassen haben. Eindrücklich streicht er heraus, wie schwierig bei vielen die Balance zwischen dem Erinnern und dem Weiterleben ist und wie problematisch ein Verharren in traumatischen Erinnerungen und deren vollständiger Verdrängung ist. Geschickt thematisiert er auch die verpassten Gelegenheiten, mit den Überlebenden über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Für Borger selbst hat sich das Verfassen dieses Werkes zu einer vielschichtigen Erfahrung entwickelt, die weit über eine bloße Aufarbeitung der Vergangenheit hinausgeht und zu einer tiefgreifenden Reise des Verstehens seiner Familiengeschichte wurde. Dabei ist es ihm schließlich gelungen ein nuancierteres Bild seines Vaters zu erhalten, dessen Handlungen und Gefühlswelt besser zu verstehen. Diese Auseinandersetzung ermöglichte ihm ein tieferes Verständnis für die komplexen emotionalen Verflechtungen innerhalb seiner Familie und öffnete den Blick für die weitreichenden Folgen historischer Ereignisse auf persönlicher Ebene.
Somit ist Borgers Buch nicht nur eine bewegende Chronik des Überlebens, sondern auch eine lehrreiche Reflexion über die lebenslangen Auswirkungen von Trauma und Verlust auf die Überlebenden und ihre Familien. Zudem erinnert es eindringlich an die Kraft der Hoffnung und Menschlichkeit in Zeiten grauenvollen Leids und unvorstellbarer Grausamkeit.

FAZIT
Ein emotional berührendes, lehrreiches und historisch wertvolles Buch, das nur ein bewegendes Zeugnis persönlicher Schicksale ist, sondern auch eine eindringliche Mahnung an zukünftige Generationen aus der Geschichte zu lernen!
Ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur!

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