Toll recherchierte historische Fantasy!
Der VertrauteLuzia Cotado arbeitet als einfaches Küchenmädchen in einer Welt voller Prunk. Im „Goldenen Zeitalter“ Spaniens, das von Kolonisierung und der Inquisition geprägt ist, hat Luzia gelernt, unsichtbar zu sein: ...
Luzia Cotado arbeitet als einfaches Küchenmädchen in einer Welt voller Prunk. Im „Goldenen Zeitalter“ Spaniens, das von Kolonisierung und der Inquisition geprägt ist, hat Luzia gelernt, unsichtbar zu sein: gesenkter Kopf, Blick auf dem Boden, am Besten ist es, wenn man sie für unintelligent und „einfach“ hält, denn als Jüdin, die als „Converso“ zwangskonvertiert als Christin lebt, steht sie unter stetigem, antisemitisch motiviertem Generalverdacht. Als der König jedoch nach Magiebegabten sucht, um seine Vorherrschaft in der Welt zu festigen, nimmt Luzia die Chance auf ein besseres Leben war…
„Der Vertraute“ hat eine recht typische Struktur und Tropes für YA/NA-Fantasy: Es gibt einen Wettbewerb bis auf den Tod, eine junge Frau, die sich behaupten und zu sich selbst finden muss, und dann ist da noch der mysteriöse, unsterbliche Santangel, der einen hervorragenden Love-Interest abgibt… und trotzdem hat sich dieses Buch total originell angefühlt.
Luzia ist wieder eine dieser Figuren, denen ich unglaublich gerne folge. Nach und nach wird sie handlungsmächtig, aber nicht durch andere, sondern empowert sich aus sich selbst heraus. Sie leidet unter der gezwungenen Assimilation und der Unterdrückung ihrer Identität als Jüdin, entdeckt diese aber nach und nach wieder, zusammen mit ihren (magischen) Fähigkeiten.
Durch die Art, wie hier Magie gewirkt wird, wird klar, dass es sowas wie eine „Reinheit“ von Kultur (wie es die Gesellschaft im mittelalterlichen Spanien vor der Inquisition selbst zeigt) nicht gibt. Luzia nutzt für ihre Magie Refranes (Redewendungen) auf Ladino, eine romanische Sprache sephardischer Juden*Jüdinnen, die eigentlich die Essenz der Themen in „Der Vertraute“ präsentieren:
„Her refranes were Spanish and Hebrew and Turkish and Greek. They were none of those things. They changed depending on what part of the world the letter came from. They were words battered and blown to all corners oft he map, then returned to her, as the people who spoke them could never return.“
Die Kirsche auf der Sahne ist eine allwissende Erzählperspektive, die mich an spanische Klassiker und Familiensagas erinnert hat und eine unglaublich dichte, an vielen Stellen sinnliche Atmosphäre schafft, die mich in diese historische Periode transportiert hat. Wunderbar übersetzt von Alexandra Jordan und Sara Riffel!
“Language creates possibility. Sometimes by being used. Sometimes by being kept secret.”
Fazit: Ich war vorher eigentlich gar nicht so ein großer Bardugo-Fan und auch nicht wirklich in der Grischa-Welt drin (Ninth House war z.B. auch nicht mein Fall) – aber jetzt bin ich schon gespannt, was noch von ihr kommt.
Wenn ihr Bücher wie Babel von R.F. Kuang oder Meister der Dschinn von P. Djèlí Clark mochtet, ihr gerne historische Fantasy lest, kann ich euch „Der Vertraute“ nur unbedingt empfehlen. ❤