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Veröffentlicht am 08.06.2026

Lebenssinn

Die Mitternachtsreise
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Wilbur, der am Ende seines Lebens steht, blickt auf die wichtigsten Stationen seines Daseins zurück: auf Momente, Entscheidungen und Menschen, die ihn geprägt haben. Besonders spannend ist, dass er manche ...

Wilbur, der am Ende seines Lebens steht, blickt auf die wichtigsten Stationen seines Daseins zurück: auf Momente, Entscheidungen und Menschen, die ihn geprägt haben. Besonders spannend ist, dass er manche Zusammenhänge und Fehler offenbar erst jetzt wirklich erkennt. Kann er noch etwas wiedergutmachen? Wird er sich entscheiden, in die Vergangenheit einzugreifen und den Lauf der Dinge zu verändern?

In Matt Haigs Roman geht es um die Werte, die uns durchs Leben tragen – oder tragen sollten. Was zählt am Ende wirklich: Job, Karriere und Erfolg oder die Beziehungen zu den Menschen, die wir lieben? Eigentlich scheint die Antwort offensichtlich. Doch durch Umwege, falsche Entscheidungen und verdrängte Gefühle verlieren wir unsere Prioritäten manchmal aus den Augen. Die Folgen können schmerzhaft und tragisch sein. Genau vor diesen Gefühlen ist der Protagonist sein Leben lang geflohen.

„Die Mitternachtsreise“ war mein erstes Buch von Matt Haig. Ich mochte den warmherzigen Ton und die eingestreuten philosophischen Gedanken über das Leben. Die Geschichte ließ sich leicht verfolgen und blieb durchgehend interessant. Wirklich berührt hat sie mich jedoch nicht. Durch die vielen fantastischen Elemente – parallele Welten und die Möglichkeit, in die Vergangenheit einzugreifen – blieb ich emotional eher auf Distanz. Zudem klingen viele Passagen zwar wie schöne Lebensweisheiten, ohne dass sie mir tatsächlich neue Erkenntnisse vermittelt hätten. Auch die Figur Maggie konnte mich nicht vollständig überzeugen; sie wirkte auf mich zu abhängig und zu sehr auf Wilbur ausgerichtet.

Von der Atmosphäre und den behandelten Themen her erinnerte mich „Die Mitternachtsreise“ an die Bücher von John Strelecky. Wer sich für Sinnsuche, Lebensfragen und persönliche Entwicklung interessiert und noch nicht viele Bücher zu diesen Themen gelesen hat, findet hier sicherlich einen guten Einstieg. Für mich war es insgesamt eine nette Lektüre für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 16.05.2026

Zwischen Traditionen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung

Der Fährmann
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„Der Fährmann“ von Regina Denk spielt Anfang des 20. Jahrhunderts an der deutsch-österreichischen Grenze, am Ufer der Salzach, und erzählt die Geschichte von Elisabeth, Annemarie und Hannes. Schon als ...

„Der Fährmann“ von Regina Denk spielt Anfang des 20. Jahrhunderts an der deutsch-österreichischen Grenze, am Ufer der Salzach, und erzählt die Geschichte von Elisabeth, Annemarie und Hannes. Schon als Kinder verbindet die drei eine enge Freundschaft, doch je älter sie werden, desto stärker bestimmen Traditionen, gesellschaftliche Zwänge und die harte Lebensrealität ihren Weg.

Elisabeth wird gegen ihren Willen mit dem wohlhabenden, aber brutalen Jungbauern Josef verheiratet. Annemarie muss im Wirtshaus ihrer Eltern arbeiten, während Hannes – wie es die Tradition verlangt – als Fährmann ungebunden bleiben soll. Dennoch spielt er im Leben beider Frauen eine besondere Rolle.

Der Roman zeigt eindringlich, wie wenig Selbstbestimmung Frauen damals hatten und wie sehr Gewalt, Abhängigkeit und gesellschaftlicher Druck ganze Leben geprägt haben.

Regina Denk schafft es dabei, ihre Figuren unglaublich lebendig zu zeichnen – manche wachsen einem sofort ans Herz, andere lösen regelrecht Wut aus.

Der Roman ist atmosphärisch dicht, düster und stellenweise kaum auszuhalten, gerade weil vieles davon bis heute nachwirkt. Die Geschichte wühlt auf, schmerzt, schenkt durch die Entwicklung von Annemarie und Leni aber auch Hoffnung.

Mich hat das Buch von der ersten bis zu der letzten Seite gefesselt und die Geschichte tief beeindruckt

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wie man zur Betrügerin wird

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Das Buch war etwas anders als ich es mir vorgestellt habe. Es wurde ja von einem wahren Kriminalfall inspiriert, bei dem eine Wiener Buchhalterin über Jahre mehrere Millionen aus einem Luxushotel unterschlagen ...

Das Buch war etwas anders als ich es mir vorgestellt habe. Es wurde ja von einem wahren Kriminalfall inspiriert, bei dem eine Wiener Buchhalterin über Jahre mehrere Millionen aus einem Luxushotel unterschlagen hat.

Erwartet habe ich deshalb Intrigen und Spannung - bekommen habe ich eher das Porträt einer Frau, die ihren Betrug mit Lebensumständen rechtfertigt: kranke Mutter, alleinerziehend, der Wunsch nach einem besseren Leben fur ihr Kind. Angelika Moser ist trotzdem irgendwie eine coole Socke. Man mag sie, obwohl sie viel Unsinn macht.

Was mir an dem Buch gefiel, war der Wiener Schmäh, der lockere Schreibstil und die gesellschaftliche Kritik, die leise mitschwingt: wie stark Herkunft den Lebensweg beeinflusst.

Ich persönlich hätte mir weniger Umfang und mehr Fokus gewünscht, vor allem im Hinblick auf eine tiefere innere Entwicklung der Protagonistin.

Dennoch kann ich das Buch allen empfehlen, die Hotelgeschichten, viele Nebenschauplätze und einen unterhaltsamen Erzählstil mögen.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Sich und andere besser verstehen

Was dein Leben leichter macht
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„Was dein Leben leichter macht“ von Sina Haghiri ist ein Buch voller psychologischer Erkenntnisse. Es ist in 20 Kapiteln unterteilt, die jeweils unterschiedliche Aspekte beleuchten.

Wir erfahren viel ...

„Was dein Leben leichter macht“ von Sina Haghiri ist ein Buch voller psychologischer Erkenntnisse. Es ist in 20 Kapiteln unterteilt, die jeweils unterschiedliche Aspekte beleuchten.

Wir erfahren viel darüber, wie unsere Psyche funktioniert und wie wir durch das neu gewonnene Wissen unseren Alltag auf individueller Ebene, aber auch im Umgang mit anderen Mitmenschen erleichtern können. Themen wie „Zuspätkommen“, „Streiten“, „Schlafen“ und „Lügen“ werden ebenso behandelt wie aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Besonders interessant fand ich die Ausführungen zu „Wohlstandsmelancholie“ und „Religion für Atheisten“.

Die Kapitel sind gut strukturiert und kurz gehalten. Pro Thema benötigt man etwa 15-20 Minuten, sodass sich die Abschnitte auch gut in zeitlichen Abständen lesen lassen.

Der Schreibstil ist sehr nahbar und zugänglich. Zwar wird immer wieder auf Studien und wissenschaftliche Fakten verwiesen, doch dank anschaulicher Fallbeispiele bleibt alles sehr verständlich. Überrascht hat mich, dass das Buch kein typischer Ratgeber ist und keine konkreten To-Dos vermittelt. Vielmehr liegt der Fokus auf dem Verständnis komplexer Zusammenhänge, aus dem sich der Leser seinen eigenen Weg erschließen kann.

Ich empfehle das Buch allen, die sich selbst und andere besser verstehen möchten und ein kompaktes, praxisnahes Werk mit fundierten psychologischen Einsichten suchen.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein beeindruckendes Debüt!

Das schönste aller Leben
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„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras. Er hat mich sehr berührt und begeistert!

Aber zunächst kurz zum Inhalt:
Vio flieht als 6-jährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland ...

„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras. Er hat mich sehr berührt und begeistert!

Aber zunächst kurz zum Inhalt:
Vio flieht als 6-jährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland und tut ihr Leben lang alles um sich anzupassen, dazugehören und den Erwartungen ihrer Eltern und der Gesellschaft gerecht zu werden. Erst der tragische Unfall mit ihrer Tochter bringt zum Vorschein, welche Wunden aus ihrer Vergangenheit nicht geheilt wurden, welche Muster unbewusst durch die Erziehung und Sozialisation übernommen wurden. Vios Gedanken drehen sich nämlich ständig um die Frage nach dem Aussehen ihrer Tochter und ihrer Wahrnehmung durch Andere.
Parallel dazu lernen wir Theresia kennen, die im 18. Jahrhundert ein Leben voller Entbehrungen und Schicksalsschläge erleiden musste.
Beide Frauen entstammen der gleichen Ahnenreihe und sind durch die Themen Schönheit, Anpassung und den von der Gesellschaft ausgehenden Druck verbunden. Den historischen Kontext liefern auch die Kapitel aus der Perspektive der Benater Erde. Sie vermitteln dem Leser das Wissen um die „Banater Schwaben“ auf eine sehr zugängliche Art und Weise.

Das Buch ist unglaublich emotional und voller Schmerz. Es beschäftigt sich mit den Themen Identität, Herkunft, Mutterrolle, Schuldgefühle, Familiendynamiken und Migrationserfahrungen. Es zeigt sehr deutlich, wie man sich als Mutter überfordert fühlen kann, trotzt ungeheuerlicher Liebe für das Kind. Das Gefühl immer performen zu müssen, auch in der Mutterrolle, kann einem zum Verhängnis werden.

Auf den 240, zum Teil sehr intensiven Seiten sitzt jeder Satz, kein Wort ist überflüssig. Und zwischen den Zeilen schwingt ganz viel Gefühl mit. Betty Boras erzählt sehr dicht, teilweise provokativ und ungeschönt, welche Kämpfe Frauen seit Jahrhunderten in ihren Familien, in der Gesellschaft, aber auch mit sich selbst austragen müssen.

Mich hat diese Geschichte trotz ihrer Heftigkeit mit einem guten Gefühl hinterlassen. Es war auf jeden Fall lesenswert und ich staune immer noch, wie gut gelungen ein Debüt sein kann!

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