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Veröffentlicht am 04.10.2025

Spannender Krimi mit einem Stück Zeitgeschehen

Die Farbe des Schattens
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„Die Farbe des Schattens“ ist bereits der zweite Band rund um Hauptkommissar Arno Groth. Schon der Vorgänger „Das Schweigen des Wassers“ hatte mir sehr gut gefallen, daher war ich gespannt wie es nun weitergeht.
Auch ...

„Die Farbe des Schattens“ ist bereits der zweite Band rund um Hauptkommissar Arno Groth. Schon der Vorgänger „Das Schweigen des Wassers“ hatte mir sehr gut gefallen, daher war ich gespannt wie es nun weitergeht.
Auch dieser Fall ist wieder in der Zeit kurz nach der Wende angesiedelt. In Wechtershagen, einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern,wird der elfjährige Matti Beck von seinen Eltern zum Einkaufen geschickt und kehrt nicht mehr zurück. Die Suche bleibt zunächst erfolglos, bis Tage später seine Leiche gefunden wird. Eine Spur führt zu einem Serientäter, aber auch zu einem ungeklärten Fall aus den 80ern.

Susanne Tägder versteht es vorbildlich die Stimmung und Atmosphäre der früheren 90er einzufangen. Die Unterschiede zwischen Ost und West sind noch groß und täglich spürbar. Groth, der ursprünglich aus Wechtershagen stammt, aber die meiste Zeit seines Lebens im Westen verbrachte fungiert hier als Aufbauhelfer Ost.
Erzählt wird auf eine sehr ruhige Art und Weise mit dem Blick aufs Detail. Man kann daher gut in die Geschichte eintauchen, auch wenn man diesen Abschnitt deutscher Geschichte nicht miterlebt hat. Parallel dazu lernt man die Taxifahrerin Ina Paul kennen, die hier mit ihrem Sohn Benno einen Neuanfang wagt. Und natürlich fragt man sich, diese beiden Erzählstränge miteinander verwoben sind. Trotz seiner ruhigen Art ist die Handlung sehr spannend. Lediglich in der Mitte tritt der Fall etwas auf der Stelle.
Die Figuren sind fein säuberlich herausgearbeitet und besitzen ausreichend Tiefe. Groth hat noch immer nicht den Tod seiner Tochter überwunden und hadert oft mit sich selbst.
Hervorragend fand ich das Cover. Ein verlassenes Fahrrad irgendwo im nirgendwo in der Dämmerung. Aussagekräftiger geht es kaum.
Wer also einen unblutigen, aber dennoch spannenden Krimi, der einem sogar noch ein Stück Zeitgeschichte vermittelt lesen möchte, ist bei Susanne Tägder genau richtig.

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Der zweite Fall für das sympathische Ermittlerduo

Bittere Nacht
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An einem kalten Wintermorgen wird im Hamburger Alsterkanal die Leiche eines Mannes entdeckt. Den Fall übernehmen die beiden LKA-Kommissare Juha Kurhonen und Lucas „Lux“ Adisa. Anfänglich sieht es fast ...

An einem kalten Wintermorgen wird im Hamburger Alsterkanal die Leiche eines Mannes entdeckt. Den Fall übernehmen die beiden LKA-Kommissare Juha Kurhonen und Lucas „Lux“ Adisa. Anfänglich sieht es fast nach einem Selbstmord aus, doch dann zeigt ein Live-Stream, wie der Partner des Opfers in seiner Sauna gefesselt vergeblich um sein Leben kämpft. Die Ermittlungen führen zu einem Freundkreis erfolgreicher junger Menschen, die sich schon zu Studentenzeiten kannten.

Es ist nach „Das Dickicht“ bereits der zweite Fall für das sympathische Ermittler-Duo Juha und Lux. Diesen ersten Band hatte ich nicht gelesen, kam aber gut in die Geschichte rein. Lediglich bei den beiden Protagonisten hatte ich das Gefühl, dass mir etwas fehlte. Die meisten Informationen zu den beiden Kommissaren bekam ich nicht durch Beschreibungen, sondern ein Bild formte sich eher über das Interagieren mit den anderen Figuren. Vielleicht wäre es hier doch ganz ratsam gewesen den ersten Band zu lesen.
Der Fall selbst wird spannend erzählt. Der Schreibstil und der eingestreute Humor waren genau meins. Auch ist es dem Autoren-Duo gut gelungen die kalte und düstere Atmosphäre der Wintertage in Hamburg einzufangen. Es gibt während der Ermittlungen einige überraschende Wendungen und gerade zum Ende hin, nimmt das Buch noch einmal richtig Fahrt auf.
Zwischendurch nimmt man auch teil am Privatleben der beiden Protagonisten. Auf diese Weise werden sie dem Leser nähergebracht und man entdeckt das eine oder andere Problem, das man vielleicht schon selbst einmal erlebt hat.
Und so ist es auch das Privatleben der beiden, das die Neugier auf den nächsten Fall weckt. Natürlich will man unbedingt wissen will, wie es weitergehen wird. Hier bleibt einiges offen, der Fall hingegen ist selbstverständlich in sich geschlossen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Unvergleichlich spannend

Dunkle Sühne
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Schon seit vielen Jahren bin ich ein großer Fan von Karin Slaughter und kenne fast alle ihre Bücher. Nun also eine neue Reihe bei der die Kleinstadt North Falls im Mittelpunkt steht.
Während des großen ...

Schon seit vielen Jahren bin ich ein großer Fan von Karin Slaughter und kenne fast alle ihre Bücher. Nun also eine neue Reihe bei der die Kleinstadt North Falls im Mittelpunkt steht.
Während des großen Feuerwerks am 4. Juli verschwinden hier zwei junge Mädchen. Alles sieht nach einer Entführung aus. Deputy Emmy Clifton nimmt die Ermittlungen auf. Ein Fall, der ihr alles abverlangt, denn eines der Mädchen ist die Tochter ihrer besten Freundin. Doch je tiefer Emmy gräbt, desto mehr dunkle Geheimnisse fördert sie zu Tage.
Der Einstieg in die Handlung ist rasant. Kaum hat man mit dem Lesen begonnen, ist man schon mitten im Geschehen. Das Buch ist sehr fesselnd geschrieben, denn die Autorin versteht es auf eine unvergleichliche Weise Spannung auf höchstem Niveau zu erzeugen. Dabei kennt sie auch keine Tabu-Themen und fordert dem Leser einiges an Nervenstärke ab.
Mit an Emmys Seite ist ihr Vater Gerald, der auch gleichzeitig der Sheriff von North Falls ist. Emmy war mir von Beginn an sympathisch und überhaupt waren sämtliche Figuren fein säuberlich ausgearbeitet und besaßen genügend Tiefe. Nach dem ersten Drittel des Buches gibt es einen Cut und die Geschichte wird 12 Jahre später fortgesetzt. Dieser zweite Teil ist sogar noch spannender und heftiger als der erste. Es gibt hier einiges an Überraschungen und Wendungen.
Trotz der 560 Seiten ist Karin Slaughter wieder ein sehr fesselnder Pageturner gelungen. Ich freue mich schon jetzt auf weitere spannende Fälle aus North Falls.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Das Leben ist, wie es ist

Himmelerdenblau
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Theo Novak ist ein erfolgreicher Chirurg, der mit seiner Frau und zwei Kindern in einer Villa in Grunewald lebt. Doch mit der Entführung seiner 16jährigen Tochter Julie zerbricht das idyllische Leben der ...

Theo Novak ist ein erfolgreicher Chirurg, der mit seiner Frau und zwei Kindern in einer Villa in Grunewald lebt. Doch mit der Entführung seiner 16jährigen Tochter Julie zerbricht das idyllische Leben der Familie. Auch 20 Jahre später ist Julie noch nicht gefunden worden. Nur Theo, der mittlerweile mit einer fortschreitenden Demenz zu kämpfen hat, ist noch immer auf der Suche nach seiner Tochter.
Die Betreiber des Podcasts TwoCrime, Liv Keller und Phil Hendricks bringen den alten Fall erneut an die Öffentlichkeit. Damit gerät auch Daniel, der damalige Ex-Freund Julies unter Verdacht. Kann der Fall nun endlich geklärt werden?
Himmelerdenblau ist ein spannender Thriller, der nicht nur das Verschwinden Julies, sondern auch das Thema Demenz im Fokus hat. Erzählt wird die Handlung aus verschiedenen Perspektiven. Besonders beeindruckt hat mich hier Theo Sichtweise. In einem Moment noch klar, im nächsten in seiner eigenen Gedankenwelt verschwunden. Wenn Theo erzählt, so ergeben sich wirklich kreative Wortgefüge wie Koryglyphe und Parkgiraffe oder aber sein Text enthält jede Menge Rechtschreibfehler, Groß- und Kleinschreibung im wilden Mix.
Aus diesen vielen Perspektiven entwickelt sich sehr langsam ein Gesamtbild und viele Kapitel enden mit einem cliffhanger. Der Autorin gelingt es den Leser auf viele falsche Fährten zu locken. Doch am Ende davon gibt es meist eine überraschende Wende. Lediglich die Auflösung, die es wirklich erst ganz am Ende gibt, weist ein paar Unstimmigkeiten auf, aber wenn man es nicht genau hinterfragt, dann ist es in Ordnung.
Insgesamt ein eher ruhiger Thriller, aber dennoch spannend. Ein etwas höheres Tempo hätte ich besser gefunden, aber für das gesamte Konstrukt waren auch so manche Nebenhandlung notwendig. Empfehlenswert ist das Buch auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Meisterlich erzählt

Der dunkle Sommer
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Für nur einen Euro erwirbt die Architektin Tilda eine verfallene Villa in einem Geisterdorf auf Sardinien. Zu Beginn der 80er Jahre soll es hier zu einem Massaker gekommen sein, der Ort seitdem mit einem ...

Für nur einen Euro erwirbt die Architektin Tilda eine verfallene Villa in einem Geisterdorf auf Sardinien. Zu Beginn der 80er Jahre soll es hier zu einem Massaker gekommen sein, der Ort seitdem mit einem Fluch belastet. Doch ganz so verlassen scheint das Dorf doch nicht zu sein. Der alte Silvio gilt als der letzte Bewohner, hüllt sich über sein Wissen zur Geschichte des Dorfes jedoch in Schweigen. Tilda trifft zudem auf den Journalisten Enzo, der die Geschichte des Dorfes ergründen will.

Vera Buck ist wirklich eine begnadete Geschichtenerzählerin. Sie schafft es von Beginn an eine unglaublich dichte und fast schon unheimliche Atmosphäre zu schaffen, so dass man sich Seite an Seite mit den Protagonisten fühlt. Man spürt die Hitze Sardiniens, aber auch eine Spannung, die von Beginn an vorhanden ist.
Erzählt wird in kurzen Kapiteln abwechselnd aus der Sicht Tildas und des Journalisten Enzo. Aber es gibt noch einen weiteren Handlungsstrang, der zurück in das Jahr 1982 führt. Hier kommt die junge Franca zu Wort. Sie ist es auch, die uns den Geschehnissen, die zu dem Massaker führten Stück für Stück näherbringt. Hier kommen Dinge ans Licht, die man nicht für möglich gehalten hätte. Dazu gibt es noch einige Anmerkungen der Autorin. Ein Blick in das Nachwort lohnt sich hier auf jeden Fall.
Die Charaktere fand ich insgesamt sehr gut gezeichnet mit dem nötigen Tiefgang. Durch kleine Andeutungen spürt man sofort, dass hier nichts ist wie es scheint. Jeder trägt sein persönliches Geheimnis mit sich. Auch die Auflösung konnte mich überzeugen. Für mich war sie überraschend, denn hier ist es der Autorin gelungen mich bis zum Ende im Dunklen tappen zu lassen.
Insgesamt ein sehr spannender Thriller, der meisterlich erzählt wurde. Absolut zu empfehlen.

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