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Veröffentlicht am 12.09.2019

Unstrukturierter, unterhaltsamer Klassiker

Ein Mittsommernachtstraum / A Midsommer nights dreame
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Vorab muss ich gestehen, dass ich mich mit dem Buch weit weniger lange beschäftigt habe, als man sich damit beschäftigen kann. Wer die Texte tatsächlich interpretiert und nicht nur um des Lesens Willen ...

Vorab muss ich gestehen, dass ich mich mit dem Buch weit weniger lange beschäftigt habe, als man sich damit beschäftigen kann. Wer die Texte tatsächlich interpretiert und nicht nur um des Lesens Willen liest, für den mag das Buch weitaus gewinnbringender sein, als es für mich war. Denn mir ging es ausschließlich darum zu erfahren, über welche Geschichte Shakespeare schreibt.

Der "Mittsommernachtstraum" ist recht verwirrend aufgebaut. Es gibt vier verschiedene Parteien (die Elfen, die Verliebten, Theseus und Hippolyta und die Handwerker), deren Handlungsstränge miteinander verwoben sind.

Das Drama beginnt mit der Ankündigung der Hochzeit von Theseus und Hippolyta und der Beschwerde des Vaters von Hermia, dass diese nicht Demetrius heiraten mag, sondern Lysander. Da Hermia, falls sie sich dem Willen des Vaters nicht fügt, entweder ein zölibateres Leben führen muss oder sterben soll, möchte sie mit Lysander Athen verlassen. Sie erzählt ihrer Freundin Helena davon, die das jedoch an den enttäuschten Bräutigam Demetrius weiterträgt. Beide, Helena und Demetrius, folgen dem verliebten Paar in den Wald. Helena liebt Demetrius, doch er will von ihr nichts wissen. Zur gleichen Zeit bereiten sich die Handwerker darauf vor, das Stück Pyramus und Thisbe bei der Hochzeit des Herrscherpaars aufzuführen und begeben sich zum Proben in den gleichen Wald.

Der spannendste und unterhaltsamste Teil des Dramas ist sicherlich der Streich Oberons, durch den sich Demetrius und Lysander, die vorher beide Hermia verehrten, sich in Helena verlieben und von Hermia nichts mehr wissen wollen. Oberons eigentliches Ziel ist es, das irdische Kind seiner Frau, der Elfenkönigin Titania, in die Hände zu bekommen. So spielt er ihr den gleichen Streich, durch den sie sich kurzzeitig in einen der theaterspielenden Handwerker verliebt..

Das Stück endet schließlich damit, dass die vier Verliebten vom Herrscherpaar am Hochzeitstag im Wald entdeckt werden. Da sich aus den vieren nun jeweils zwei Paare gebildet haben (Lysander und Hermia sowie Demetrius und Helena) scheinen sich für Theseus alle Probleme gelöst zu haben. Während der Hochzeit führen die Handwerker ihr Stück auf. Am Ende segnen Oberon und Titania alle drei Paare.

Ich habe das Theaterstück in deutscher Sprache gelesen. Sprachlich ist es sehr komplex - auf englisch wäre es vermutlich noch komplexer, dennoch sollte jemand, der sich wirklich mit Shakespeare befassen wollte, es wohl eher auf Englisch lesen.
Die Storyline ist weniger stringent als es z.B. bei Romeo und Julia der Fall ist. Während es in den mittleren Akten viel zu lachen gibt, kann ich den roten Faden nicht bis zum Ende verfolgen. Hier könnte ich mir jedoch vorstellen, dass es gar keinen geben soll - denn genau wie ein Traum wirr sein mag, ist es auch das Ende des Stücks.

Veröffentlicht am 09.09.2019

Packende Autobiographie mit aufklärendem Charakter

Wüstenblume
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Im Roman "Wüstenblume" geht es um das Nomadenmädchen Waris Dirie, das vor seiner Verheiratung mit einem älteren Mann quer durch die somalische Wüste bis nach London flüchtet. Dort startet Waris eine Karriere ...

Im Roman "Wüstenblume" geht es um das Nomadenmädchen Waris Dirie, das vor seiner Verheiratung mit einem älteren Mann quer durch die somalische Wüste bis nach London flüchtet. Dort startet Waris eine Karriere als Supermodel und kämpft fortan gegen die weibliche Genitalverstümmelung, die sie selbst im Kindesalter erleiden musste.

Die Geschichte von Waris Dirie war mir bereits durch den gleichnamigen Film bekannt. Im Vergleich zum Film spiegelt das Buch Waris Geschichte, trotz gleicher Handlung und Botschaft, sehr viel realistischer und weniger kommerzialisiert wider. Während sie im Film eher schüchtern und zurückhaltend dargestellt wird, ist die originale Waris Dirie im Buch eine bewundernswerte und rebellische Kämpfernatur, die sich trotz aller Hindernisse um ein Weiterkommen im Leben bemüht. Da das Ende der Geschichte in der Regel bereits im Vorfeld bekannt ist (ich schätze, dass jeder, der die Autobiographie von Waris Dirie in die Hand nimmt, auch von ihrer späteren internationalen Modelkarriere weiß), ist der Weg zum Ziel der Faktor, der dieser Geschichte Spannung verleiht. Der Roman ist recht einfach geschrieben und lässt sich dadurch leicht und flüssig lesen.

Besonders packend - und gleichermaßen erschütternd, ist natürlich ihre Schilderung von der selbst erlebten Genitalverstümmelung. Diries Beschreibungen nahmen mich als Leser hier so mit, dass ich zeitweise nicht weiterlesen konnte und eine Pause einlegen musste. Es ist nahezu unvorstellbar, wie viele Mädchen, nicht nur in afrikanischen Ländern, diese Tortur noch immer täglich durchleiden müssen. Waris Diries Buch leistet hier einen erheblichen Beitrag zur Aufklärung. Auch aus diesem Grund kann ich "Wüstenblume" uneingeschränkt empfehlen.

Veröffentlicht am 24.04.2019

Spannender Roman mit interessanten Protagonistin, der zum Nachdenken über unsere Zukunft anregt!

Die Geschichte des Wassers
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Zusammenfassung:

„Die Geschichte des Wassers“ umfasst zwei Handlungsstränge. Im ersten Teil der Geschichte steht die norwegische Umweltaktivistin Signe im Mittelpunkt, die im Jahre 2017 mit beinahe 70 ...

Zusammenfassung:

„Die Geschichte des Wassers“ umfasst zwei Handlungsstränge. Im ersten Teil der Geschichte steht die norwegische Umweltaktivistin Signe im Mittelpunkt, die im Jahre 2017 mit beinahe 70 Jahren von Norwegen nach Frankreich segelt, um ihrer Jugendliebe Magnus, der einen großen Energiekonzern leitet, die Zerstörung der Gletscher in Norwegen vorzuwerfen. Der zweite Handlungsstrang spielt im südlichen Frankreich im Jahre 2041. Das Land ist von einer fünfjährigen Dürre geplagt und Menschen fliehen aus dem wasserarmen Süden in den Norden. Zu diesen Flüchtlingen zählt auch David mit seiner Tochter Lou. Die Geschichte schildert ihr Leben im Flüchtlingslager und die gesellschaftlichen und persönlichen Konsequenzen der Wasserknappheit.

Meinung:

Ebenso wie der Vorgängerroman ist auch die „Geschichte des Wassers“ flüssig geschrieben und lässt sich leicht, kurzweilig und schnell lesen. Die beiden Handlungsstränge bringen Varietät und Abwechslung in den Roman. Besser gelungen als im vorangegangenen Roman ist die Verknüpfung der Handlungsstränge. Die Sorgen Signes um den menschlichen Einfluss auf das natürliche Gleichgewicht spiegelt sich zu jeder Zeit im zweiten Handlungsstrang, Davids und Lous Geschichte, wider. Die stetigen Wechsel sorgen für Spannung, ohne dass der Roman dadurch unterbrochen oder abgehakt wirkt.
In „Die Geschichte des Wassers“ gefällt mir besonders die Protagonistin Signe ausgesprochen gut. Selten stehen in Romanen der Spiegel-Bestsellerliste ältere Protagonisten im Mittelpunkt. Besonders gut gelungen ist der Kontrast zwischen Signe und anderen Menschen ihrer Generation. Während für Signe der Umweltaktivismus immer im Mittelpunkt ihres Lebens stand, haben sich viele andere Menschen, die zu Beginn an ihrer Seite für den Erhalt der Flüsse und Gletscher in Norwegen kämpften, im Laufe der Jahre von diesem Leben abgewendet. Gut gelungen sind ebenfalls die stetigen Retrospektiven in Signes Jugend, die genau diesen Kontrast zwischen ihrer Entwicklung und der Entwicklung ihrer Mitmenschen ausgesprochen gut darstellen.
Wieder einmal spricht Maja Lunde ein Thema an, dass für uns in Zukunft von enormer Wichtigkeit sein wird. Das Jahr 2041 ist nur noch zwanzig Jahre von uns entfernt – die meisten werden es miterleben. In Anbetracht der stetig wärmer und trockener werdenden Sommer ist, ist das Szenario, das sie ausmalt, nicht unwahrscheinlich. Dadurch vermag auch dieses Buch sicherlich viele Leser/innen zum Nachdenken und zum sorgsamen Umgang mit der Ressource Wasser animieren. Dass die Folgen noch direkter, noch offensichtlicher, und noch gravierender sind als das Verschwinden der Bienen, wo zumindest noch durch menschliche Hand gegengesteuert werden konnte, gibt dem Roman eine noch
Im Gegensatz zum Vorgängerroman sind die Handlungsstränge in meinen Augen weit weniger vorhersehbar. Der Ausgang der Geschichte bleibt, insbesondere im zukünftigen Handlungsstrang im gesamten Romanverlauf offen. Jede Wendung der Geschichte, ob positiv oder negativ, wäre für mich denkbar gewesen. Auch hier wird ein komplexes, wissenschaftliches Thema so einfach und unterhaltsam wie möglich dargestellt. Dennoch, vielleicht weil die Folgen einer Wasserknappheit jedem intuitiv bewusst sind, ist keine weitere theoretische Fundierung nötig. Was Maja Lunde schreibt und illustriert reicht zum Verständnis des Romans, und zum grundlegenden Verständnis der Problematik aus.

Fazit:

„Die Geschichte des Wassers“ kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen. Es ist ein unterhaltsamer, kurzweiliger und spannender Roman, der zum Nachdenken anregt und uns bewusstmacht, dass das Gleichgewicht eines Wasserkreislaufs sensibel ist. Im Gegensatz zum Vorgängerroman sind die Protagonisten zudem interessanter und die Handlungsverläufe weniger vorhersehbar.

Veröffentlicht am 21.04.2019

Unterhaltsamer, aber vorhersehbarer Roman, der zum Nachdenken anregt!

Die Geschichte der Bienen
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Zusammenfassung:

„Die Geschichte der Bienen“ umfasst drei Handlungsstränge, die zunächst nur durch das übergreifende Thema „Bienen“ miteinander verbunden zu sein scheinen, die aber im Laufe des Romans ...

Zusammenfassung:

„Die Geschichte der Bienen“ umfasst drei Handlungsstränge, die zunächst nur durch das übergreifende Thema „Bienen“ miteinander verbunden zu sein scheinen, die aber im Laufe des Romans miteinander verwoben werden. Der älteste Handlungsstrang spielt im 19. Jahrhundert in England, wo William, Saatguthändler und bislang erfolgloser Forscher nach einer langen, depressiven Phase einen neuartigen und verbesserten Bienenkorb entwickeln möchte. In der Gegenwart spielt die Geschichte in den USA und schildert die Geschichte eines Imkers, der nicht nur vor der Herausforderung steht, seinen Sohn von der Übernahme des Hofs zu überzeugen, sondern dessen Existenzgrundlage durch das Bienensterben zunehmend bedroht wird. Der letzte Handlungsstrang spielt im Jahre 2097 in China, wo eine junge Arbeiterin Blüten händisch bestäubt, bis ihr Sohn einen mysteriösen Unfall erleidet.

Meinung:

Der Roman ist kurzweilig geschrieben und liest sich nicht nur flüssig, sondern auch leicht und sehr schnell. Ich habe ihn binnen weniger Tage auf der dreißigminütigen Fahrt zur Arbeit vollständig gelesen. Die drei unterschiedlichen Handlungsstränge bringen viel Varietät und Abwechslung in die Geschichte. Durch die ständigen Wechsel hält der Roman auch eine gewisse Spannung – denn immer, wenn ein Handlungsstrang wirklich interessant wird, bricht er ab und wird erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen.
Das Thema, das Maja Lunde in ihrem Roman anspricht ist von enormer Wichtigkeit. Der Roman vermag sicherlich viele Leser/innen zum Nachdenken anregen, wie wichtig Bienen für das Überleben des Menschen sind, und welches Chaos und welcher Rückschritt ihr Verschwinden mit sich bringen könnte. Dabei gibt die Autorin insbesondere im zeitlich letzten Handlungsstrang einen erschreckenden Ausblick, wie das Leben der Menschheit ohne Bienen aussehen könnte. Dass sie sich dabei noch auf eine Region bezieht, die laut Roman vergleichsweise glimpflich davonkommt, regt zusätzlich zum Nachdenken an. Ihr gelingt es ausgesprochen gut, dieses ernste Thema in drei packenden Geschichten unterzubringen. Gelegentlich hätte ich mir mehr fachlichen Hintergrund gelesen. Die Fundierung des Buches war mir an manchen Stellen zu seicht. Die Leichtigkeit, mit der der Roman zu lesen ist, basiert jedoch selbstverständlich auch darauf, dass die Komplexität des Themas so gering wie möglich gehalten wird.
Die Handlungsstränge sind größtenteils recht vorhersehbar. Lediglich der Ausgang der Handlung im 19. Jahrhundert (die Erfindung des Bienenstocks) vermochte mich zu überraschen. Nichtsdestotrotz gehen auch mit der Geschichte der USA, und in besonderem Maße auch mit Taos Schicksal in China viele Emotionen einher, sodass die hohe Vorhersehbarkeit für mich in Ordnung war. Die Charaktere haben bewegende Hintergründe. Besonders bewegt hat mich dabei die parabelförmige Entwicklung von William, der zwischen Depressionen wandelt. Auch Taos Schicksal ist überaus bewegend, dennoch ist die Idee der verzweifelten Mutter, die ihr Kind sucht, weniger originell (aber natürlich dennoch unglaublich mitnehmend und sicherlich ansprechend für viele Leser/innen), als die beiden anderen Geschichten.

Fazit:

„Die Geschichte der Bienen“ ist ein empfehlenswerter Roman, der zum Nachdenken über die Wichtigkeit der Bienen anregt. Auch wenn dem Roman die Komplexität und Tiefe fehlt, mit der dieses Thema behandelt werden sollte und die Handlung überwiegend vorhersehbar ist, bietet er ein unterhaltsames und leichtes Lesevergnügen.

Veröffentlicht am 21.04.2019

Kurzweiliger Roman, der die Sklaverei in den Südstaaten der USA realistisch abbildet und mit interessanten Charakteren punktet

Die Erfindung der Flügel
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Zusammenfassung:

„Die Erfindung der Flügel“ beschreibt die Geschichte von Sarah und Angelina Grimké, Töchter eines Plantagenbesitzers und Richters aus Charleston zu Beginn des 19. Jahrhunderts, auf ihrem ...

Zusammenfassung:

„Die Erfindung der Flügel“ beschreibt die Geschichte von Sarah und Angelina Grimké, Töchter eines Plantagenbesitzers und Richters aus Charleston zu Beginn des 19. Jahrhunderts, auf ihrem ungewöhnlichen und unkonventionellen Lebensweg und ihren Bemühungen, der Sklaverei in den Südstaaten ein Ende zu setzen. Gleichermaßen greift der Roman die Geschichte von Sarahs Kammerzofe Handful auf, und wie sie als Sklavin einer reichen Südstaaten-Familie lebt und behandelt wird. Während Sarah und Angelina Grimké reale Charaktere sind, ist Handfuls Geschichte Fiktion.

Meinung:

Anders als viele andere Romane, die in den Zeiten der Sklaverei in den Südstaaten spielen, greift „Die Erfindung der Flügel“ auch Perspektiven der versklavten afroamerikanischen Bevölkerung auf und schafft es dadurch, nicht zu romantisieren. Während in Erzählungen à la „Vom Winde verweht“ der Sklave als liebenswertes Familienmitglied, ähnlich einem Haustier, beschrieben wird, treten in dieser Geschichte Bestrafungen, das Gefühl der Gefangenschaft und das Elend der Sklaven in den Vordergrund. Damit gibt der Roman die Sklaverei deutlich realistischer wieder, als viele Romane, die in einer ähnlichen Zeit spielen.
Dass Sarah und Angelina Grimké historisch belegte Personen sind, während Handful größtenteils dem Gedankengut der Autorin entspringt, fällt beim Lesen nicht auf. Alle Charaktere sind außerordentlich fundiert und glaubwürdig dargestellt. Sarah ist insbesondere daher eine interessante Person, weil sie kontinuierlich gegen die gesellschaftlichen und politischen Konventionen ankämpft, ihre Ambitionen jedoch meist zerstört werden. Ihre Enttäuschung und Resignation werden insbesondere in den ersten Teilen des Buchs sehr glaubhaft und authentisch dargestellt. Die Autorin schafft keine typische Romanheldin, die trotz aller Barrieren alles erreichen kann, sondern eine Frau, die mit den Widernissen ihres Daseins zu ihrer Zeit kämpfen muss – und dabei auch verliert. Ebenso interessant sind die Charaktere auf der anderen Seite der Geschichte: Handful und ihre Mutter Charlotte. Insbesondere Charlotte kämpft auf ihre Weise gegen die Sklaverei und gibt ihr rebellisches Wesen an ihre Tochter Handful weiter.
Die Beziehung zwischen Sarah und Handful zeigt eine interessante Entwicklung. Geht man zu Beginn des Romanes davon aus, dass sich zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft entwickelt, so ist die Beziehung erstaunlich unstet. Je nach Lebenslage verändert sich die Beziehung zwischen den beiden, geprägt von den gesellschaftlichen Konventionen, unter denen Sarah agiert. Diese Wechsel, und die Ab- oder Zunahme der Intensität der Beziehung zwischen Handful und Sarah macht einen Großteil der Spannung im Roman aus.
Die Handlung des Romans ist wenig vorhersehbar und nimmt im Laufe der Geschichte einige interessante und überraschende Wendungen. Selbst im letzten Teil des Romans war ich mir als Leserin nicht im Klaren darüber, wo die Geschichte hinführen wird. So ist durchweg nicht absehbar, ob die Geschichte glücklich, traurig oder offen endet.
Bei den Ausführungen der Autorin kommen lediglich Emotionen kurz. Obwohl die Autorin traurige und bewegende Schicksale findet, liest sich der Roman sehr sachlich. An dieser Stelle merkt man deutlich, dass die Geschichte der Grimké-Schwestern auf der Recherche historischer Daten beruht. Der Roman vermochte mich auf emotionaler Ebene nicht richtig zu packen, sondern hat eher den Charakter eines unterhaltsamen und kurzweiligen Sachbuchs.
Der Schreibstil der Autorin liest sich gut und flüssig. Zeitweilens benutzt sie Worte, die im historischen, besonders auch im religiösen Kontext sehr stimmig, aber nicht unbedingt intuitiv zu verstehen sind. Dem historischen Charakter des Buchs wird sie dadurch jedoch gerecht.

Fazit:

Ein spannender Roman mit hochinteressanten Protagonisten und Nebencharakteren, der die Leidensgeschichte der Sklaverei in den Südstaaten weitaus realistischer schildert, als viele vorangegangene Romane und durch seine Unvorhersehbar punktet. Die Geschichte könnte lediglich emotional packender sein. Dennoch empfehle ich „Die Erfindung der Flügel“ unbedingt weiter.