Ein solides saisonales Kochbuch
Was kocht HannaIch kannte Hanna Reder noch nicht; umso gespannter war ich auf ihr erstes Kochbuch. Es geht um saisonales Kochen. Es finden sich unter den etwa 80 Rezepten zwar auch ein paar Rezepte mit Fisch und Fleisch, ...
Ich kannte Hanna Reder noch nicht; umso gespannter war ich auf ihr erstes Kochbuch. Es geht um saisonales Kochen. Es finden sich unter den etwa 80 Rezepten zwar auch ein paar Rezepte mit Fisch und Fleisch, aber Gemüse spielt klar die Hauptrolle. Als Vegetarierin, die immer gerne neue Rezepte entdeckt, waren die Erwartungen an dieses Buch hoch.
Es gibt wie üblich ein Vorwort, Hanna erläutert ihre Kochphilosophie ... dann folgen die Rezepte.
Man findet ein paar Rezepte für Pickles, Chutneys und dergleichen, Granola, Sirup, süße Saucen, auch süße Rezepte (etwa Rhabarber-Erdbeer-Crumble, Waldmeister-Panna-Cotta, no-bake-cheesecake mit Holunderbeerensaft, Schokomousse mit Macadamianüssen, italienischer Apfelkuchen, Windbeutel, Pekannuss-Karamell-Kuchen, Nougatmousse) ... den Schwerpunkt bilden natürlich die saisonalen Rezepte, die von Frühling bis Winter geordnet sind.
Im Frühling gibt es etwa Rezepte mit Spargel, Bärlauch, Rhabarber, Waldmeister, im Sommer mit Zucchini, Tomaten, Mais, im Herbst mit Pilzen, Kürbis, im Winter mit Grünkohl, Schwarzkohl, Rotkohl, Möhren, Rosenkohl ...
Das Buch ist sehr hochwertig aufgemacht, voller wunderschöner Fotos, was die Arbeit mit dem Buch zu einer wahren Freude macht.
Hanna Reder sieht ihre Rezepte nicht als starre Anleitungen, die streng befolgt werden müssen, sondern als Einladung zum Experimentieren. Genau das haben wir getan. Uns sprachen natürlich nicht alle Rezepte an, viele auch nur teilweise. Der Vorteil an Hannas Rezepten ist der, dass sie mitunter aus mehreren Komponenten/Teilen bestehen, die zusammengesetzt werden. So kann man sich den Teil rauspicken, der dem persönlichen Geschmack entspricht, wenn nicht das ganze Rezept dem persönlichen Geschmack entspricht und/oder wenn gerade nicht alle Zutaten Saison haben und verfügbar sind. So gibt es bspw. gerade keinen Rhabarber für das Porridge mit Rhabarber. -Wir haben einfach erst mal nur das Porridge getestet. Auch ist im Rezept eine Anleitung für Hafercrunch enthalten. Der passt etwa sehr gut in einen Naturjoghurt. Auch den haben wir also schon getestet; das komplette Rezept folgt dann, sobald es wieder Rhabarber gibt. Das Frühlingscurry trifft auch nicht ganz unseren Geschmack - enthält aber auch ein Rezept für Naan, das wir sofort getestet haben, als wir ein indisches Curry gekocht haben. Die Blätterteigschnecken füllt Hanna mit Pilzen - wir werden sie mit Maronen füllen, da wir diese lieben.
Doch nicht alle Rezepte konnten überzeugen. Von dem Naan waren wir bspw. enttäuscht - das machen wir schon lange und oft, und da gibt es in anderen Kochbüchern wirklich deutlich bessere Rezepte.
Die Zutaten und Anleitungen bei den Rezepten sind allesamt sehr übersichtlich und klar verständlich, so einfach und strukturiert wie möglich gehalten. Auch hierdurch macht die Arbeit mit diesem Buch Freude. Nährwertangaben pro Portion fehlen leider, das wäre ideal gewesen.
Mir gefällt es, dass Hanna Reder Gemüsesorten verwendet, die wir immer im Garten anbauen, diese aber nicht auf langweilige Art und Weise verwendet, sondern ganz neu zubereitet, sodass sich ganz neue Geschmackserlebnisse bieten. So werden die Radieschen bspw. gebacken. Auch werden Semmelknödel mal mit Haselnüssen verfeinert. Aber natürlich sind nicht alle Rezepte neu und eine Entdeckung - sowas wie Nudeln mit Kürbissauce und Räuchertofu, um ein Beispiel zu nennen, hat man eben gefühlt schon 1000x gesehen. -Allerdings ist es dennoch ein leckeres Herbstgericht und einer unserer Favoriten im Buch.
Weniger gut gefällt mir, dass für die Waldmeister-Panna-Cotta Gelatine verwendet und auch keine Alternative für Vegetarier aufgezeigt wird. Das wäre wünschenswert gewesen. Das gilt auch für den no-bake-cheesecake mit Holunderbeerensaft. Und: Nachdem sonst bei keinem Rezept mit Sahne und Co gegeizt wurde (ganz im Gegenteil ... ), ist mir auch nicht ganz klar, weshalb ausgerechnet die Schokomousse plötzlich vegan sein muss und mit Seidentofu zubereitet wird. -Hier werden wir das Rezept aber ebenso wie das für die Panna-Cotta einfach als Anregung verstehen und die mousse nach einem anderen Rezept zubereiten.
Abschließend lässt sich sagen, dass in diesem Kochbuch jeder Rezepte nach seinem Geschmack finden wird. Es ist offen gestanden nicht das beste saisonale Kochbuch, das ich bisher kennengelernt habe; ich liebe Gemüsekochbücher und habe schon viele. Was kocht Hanna ist kein absoluter Favorit und wird das vermutlich auch nicht werden. Dennoch finde ich das Buch nicht schlecht und werde es sicher auch immer wieder mal benutzen. Sirups und Saucen, Porridge mit Rhabarber, Waldmeister-Panna-Cotta, Tomatengalette, Blätterteigschnecken mit Maronen, Schokomousse, Apfelkuchen, Nougatmousse ... werden wir sicher ab und an wieder zubereiten.
Ich würde es denen empfehlen, die ein saisonales Kochbuch suchen, mehr Gemüse essen wollen oder sich schon vegetarisch ernähren, die bekannte Gemüsesorten mal auf andere Art und Weise zubereiten wollen und neue Geschmackserlebnisse haben wollen. Viele Rezepte sind auch für Menschen geeignet, die erst mit dem Kochen beginnen, sodass es auch ein gutes Kochbuch für den Einstieg ist.