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Veröffentlicht am 25.03.2019

Ist ein Spenderherz mehr als nur ein lebensverlängerndes Organ?

Dein fremdes Herz
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In „Dein fremdes Herz“ von Kati Seck geht es um Nela Harolds, eine junge Frau von 29 Jahren, deren Leben komplett aus den Fugen gerät, als Ellen, die Ehefrau ihres verstorbenen Vaters, welcher den Kontakt ...

In „Dein fremdes Herz“ von Kati Seck geht es um Nela Harolds, eine junge Frau von 29 Jahren, deren Leben komplett aus den Fugen gerät, als Ellen, die Ehefrau ihres verstorbenen Vaters, welcher den Kontakt zu ihr bereits in ihrer Kindheit abgebrochen hat, sie unvermittelt 15 Jahre nach dessen Tod per Post kontaktiert und dazu ermuntert, eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Dabei gewinnt Nela Erkenntnisse, an die sie nicht im Traum gedacht hätte, und die ordentlich an den bis dato so stabil und eingefahren wirkenden Grundfesten ihrer Existenz und ihre Lebensstils rütteln, denn es ist das Herz ihres Vaters, das nach seinem Tod gespendet wurde und ihr nun - 15 Jahre später - den Weg in die Zukunft weist.

Ich fand die Geschichte unterhaltsam, auch wenn ich Nelas Geschichte, also den Hauptstrang in der Gegenwart, recht vorhersehbar war. Der Stilwechsel zwischen der Briefform einerseits und der Textform aus Nelas Perspektive andererseits hat mir sehr gut gefallen. Die Briefe von Ellen im Tagebuchstil sind sehr emotional, dramatisch und tiefgründig. Sie haben die eher flache Geschichte sehr stark aufgewertet und die Balance wieder hergestellt.

Besonders hervorzuheben sind die Poesie, die vielen eingestreuten Wortspiele und geflügelten Worte, die man gerne im Kopf behält, und die das Buch wirklich zu etwas Besonderem machen.

In Kati Sechs Buch wurde ein sehr wichtiges Thema eingebettet in eine packende und emotional anrührende Geschichte. Das Thema Organspende zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Allerdings sollte man sich über das Buch, das ich eher als Denkanstoß empfinde, hinaus noch einmal eingehender informieren und mit dem Thema auseinandersetzen, um für sich selbst die richtige Entscheidung treffen zu können. So viel ist allerdings spätestens nach der Lektüre dieses Buches sicher: ein Organspendeausweis ist in jedem Fall empfehlenswert, wenn man möchte, dass im eigenen Sinne entschieden wird, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist.

Eine klare Leseempfehlung und ein großer Dank an die Lesejury, die mir das Buch im Rahmen einer autorenbegleiteten Leserunde zur Verfügung gestellt hat.

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Veröffentlicht am 30.01.2019

Wahrheit versus Überzeugungskraft - was ist stärker, was gerechter?

Anatomie eines Skandals
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„Anatomie eines Skandals“ von Sarah Vaughan ist der dritte auf deutsch übersetzte Roman der Autorin (sarahvaughanauthor.com). Er ist im Original auf Englisch unter dem Titel „Anatomy of a Skandal“ im Januar ...

„Anatomie eines Skandals“ von Sarah Vaughan ist der dritte auf deutsch übersetzte Roman der Autorin (sarahvaughanauthor.com). Er ist im Original auf Englisch unter dem Titel „Anatomy of a Skandal“ im Januar 2018 erschienen und wurde als Sunday Times Bestseller in 21 Sprachen übersetzt. Die Autorin hat als Politische Korrespondentin und Journalistin bei der TIMES und dem GUARDIAN gearbeitet, bevor sie begann, Romane zu schreiben. Das hier rezensierte Buch ist ihr Drittes und sie arbeitet an ihrem vierten Roman mit ähnlicher Thematik.

Es geht in dem Buch um den verheirateten charismatischen Staatssekretär und Familienvater James Whitehouse, der eine mehrmonatige Affäre mit seiner attraktiven Assistentin Olivia hat, die ihn der Vergewaltigung beschuldigt und anklagt. Die Anklage bringt alles ins Wanken, was bis dato stabil und unkaputtbar schien: die Ehe, die Familie, die politische Karriere, das Ansehen, die Kontakte. Stabilisiert es sich wieder durch einen Freispruch oder fällt alles in sich zusammen wie ein Kartenhaus durch eine Verurteilung? Die Geschworenen haben das Wort, aber haben sie auch das Schicksal in der Hand? Und was ist, wenn die Prozessanwältin der Anklage eigene Interessen verfolgt?

Es gibt in dem Buch mehr als nur einen Protagonisten, wobei bis auf die Prozessanwältin der Anklage in der Ich-Form alle Perspektiven in der dritten Person erzählt werden. Durch den Perspektivenwechsel hat man als Leser den Weitblick, dennoch stellt sich am Ende die Frage, wem man eigentlich glauben soll und wie man selbst entschieden hätte. Wahrheit und Lüge verschwimmen in der Realität und Loyalitätskonflikte verschleiern das Geschehen zusätzlich. Es gibt viele Geheimnisse, die unausgesprochen im Raum umherschwirren - als Leser erfährt man sie nach und nach bruchstückhaft, aber die Betroffenen kennen sie zum Teil nicht, ahnen nur im besten Fall - reicht das für ein Urteil?

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich habe mich durchweg gut unterhalten gefühlt. Das Cover finde ich sehr passend. Der Schreibstil ist flüssig und die Kapitellänge mit meist 10-15 Seiten angenehm. Sprachlich ist das Ganze im Mittelfeld einzusortieren.
Auch die Zeitsprünge fand ich in Ordnung, wobei ich manchmal genauer hinschauen musste beim Datum, um das Geschehen chronologisch einordnen zu können.
Das Geschehen in der Gegenwart war für mich plausibel und authentisch. Die Rückblenden in die Vergangenheit (25 Jahre zurück ins Jahr 1993) hingegen haben mich allerdings nur bedingt bereichert, denn für den Gerichtsprozess in der Gegenwart hatten sie keine echte Relevanz, wohl aber für gewisse Motive und Gedanken zum Gesamtverständnis, von daher war es okay, wenn auch teilweise verwirrend. Letztlich wird recht tiefgründig beleuchtet, was nur Fassade ist. Diese Offenlegung ist erschütternd, allerdings auch nicht wirklich so skandalös, wie ich erwartet hatte. Gerechtigkeit ist nicht immer das, was vor Gericht verhandelt wird - da zählt Überzeugungskraft deutlich mehr - und nicht jeder, der Unrecht tut, wird so bestraft, dass die Leidtragenden entschädigt werden. Das ist jedoch für mich alles nichts Neues!

Ich fand den Einblick in den Alltag beim britischen Gericht sowie hinter die Kulissen der Politik wirklich interessant und kann das Buch zur Unterhaltung empfehlen. Da jedoch aufgrund der Rückblenden viele Fragen offen geblieben bzw. erst entstanden sind, die man als Leser ungern selbst rein spekulativ beantwortet, muss ich einen Stern abziehen.

Vielen Dank an die Lesejury, die mir ein Vorab-Manuskript zur Verfügung gestellt hat.

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Veröffentlicht am 28.11.2018

Chaos durch zu viel Brisanz

Deine letzte Stunde
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In „Die letzte Stunde“ des spanischen Autors Carlos Montero geht es um Raquel, eine junge Aushilfslehrerin Anfang 30, die für 7 Monate an einer Schule in einem heruntergekommenen spanischen Viertel einen ...

In „Die letzte Stunde“ des spanischen Autors Carlos Montero geht es um Raquel, eine junge Aushilfslehrerin Anfang 30, die für 7 Monate an einer Schule in einem heruntergekommenen spanischen Viertel einen Literaturkurs einer 12. Klasse übernehmen soll, da die Vorgängerin Elvira Ferreiro (kurz Viruca) tot aufgefunden wurde und der erste Vertretungslehrer nach kurzer Zeit wegen Depressionen gekündigt hat. Mit diesen Informationen geht Raquel an die Schule und findet sich einem Kurs von Schülern gegenüber, in dem drei ziemlich aus der Reihe tanzen und sie auf’s Übelste provozieren und erpressen. Sie ahnt, dass hinter dem Tod von Viruca vielleicht doch mehr steckt als allgemein angenommen. Da sie selbst privat auf prekäre Art bedroht wird, will sie ohne die Polizei auf eigene Faust dahinter kommen und gerät so immer tiefer in das, was wirklich hinter dem Geschehen steckte und bei weitem noch nicht zu Ende ist.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und der Spannungsbogen überzeugend. Man liest das Buch zu Ende, weil man wissen will, was nun hinter dem Tod der Lehrerin steckt und wer hinter Raquel her ist. Bis zuletzt halten sich die Verdachtsmomente die Waage.

So weit so gut. Wenn man allerdings das Buch am Ende zuschlägt, steht man leider ziemlich geplättet und ratlos da. Man wurde letztlich von unzähligen Themen, die für sich gesehen durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung verdient gehabt hätten, regelrecht erschlagen. Alkohol, Drogen, Prostitution, Mobbing, Betrug, Fremdgehen, Verrat, echter und versuchter Mord und Totschlag an Mensch und Tier, Vertrauensmissbrauch und Internet-Hacking sind die, die mir ad hoc einfallen, aber es gibt sicherlich noch mehr. Vor allem das Verhalten von Raquel ihren Schülern gegenüber stößt wohl jedem pädagogisch auch nur ansatzweise fähigen Menschen auf und nicht nur Fachleuten.

Je mehr man über den Inhalt des Buches nachdenkt, diskutiert und sich austauscht, desto mehr Ungereimtheiten treten zutage, so dass am Ende ein recht unbefriedigendes Gefühl übrig bleibt, das man während des Lesens so in der Form gar nicht hatte!

Vielleicht liegt es mitunter daran, dass der Autor für Drehbücher bekannt ist. Beim Film schießt man ja gerne mal über das Ziel hinaus und es kann gar nicht genug Brisanz, Action und Themenvielfalt geben.

Das Buch hatte thematisch sehr viel Potential, das aber leider nicht genutzt wurde, sondern statt dessen in zu viele Rand-Themen versprengt wurde. Am Ende bleibt nur ein Bild des vollendeten Chaos übrig, und man weiß gar nicht, worum es in dem Buch eigentlich ging.


Alles in allem kann ich aus den oben genannten Gründen nur 2,5 Sterne geben.

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Veröffentlicht am 24.10.2018

Grenzenloses Verwirrspiel

Das falsche Kind
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„Das falsche Kind“ ist der Debütroman von Susi Fox (https://www.susifox.com.au), einer australischen Autorin und praktizierenden Ärztin für Allgemeinmedizin.

Ich habe das Buch als Manuskript im Rahmen ...

„Das falsche Kind“ ist der Debütroman von Susi Fox (https://www.susifox.com.au), einer australischen Autorin und praktizierenden Ärztin für Allgemeinmedizin.

Ich habe das Buch als Manuskript im Rahmen einer Leserunde bei der Lesejury von Bastei Lübbe zur Verfügung gestellt bekommen - vielen Dank dafür.

Es geht in der Geschichte um Sasha, eine junge verheiratete Pathologin, die nach zwei Fehlgeburten ziemlich unverhofft erneut schwanger wird, jedoch dann in der 33. SSW eine Frühgeburt erleidet. Als sie nach dem Notkaiserschnitt wieder zu sich kommt, ist sie verwirrt, als man sie auf die Säuglings-Intensivstation zu ihrem Baby im Brutkasten bringt. Sie erkennt sofort, dass dieses Kind, das man ihren Sohn nennt, nicht ihr eigenes ist, doch niemand glaubt ihr, am wenigsten ihr eigener Mann. Statt ihrem Wunsch nachzukommen und das Ganze zu klären, wird Sasha direkt in die Psychiatrie eingewiesen. Aber sie gibt nicht auf! Was steckt dahinter? Wer ist im Recht?

Das Cover ist recht düster und passt meines Erachtens sehr gut zum Inhalt des Klappentextes sowie zur Leseprobe. Der Schreibstil ist flüssig und ich wurde sofort von der Idee der Geschichte gefesselt und wollte wissen, was nun tatsächlich hinter Sasha Erkenntnis steckt. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht. Die Geschichte entwickelte sich zu einem einzigen Verwirrspiel und meine Fragen wurden erst im dritten Leseabschnitt geklärt, aber nicht besonders zufriedenstellend und nur wenig glaubwürdig beantwortet. Durch das Splitting der Handlung in zwei Perspektiven (die von Sasha und von Mark) hat man als Leser zwar ein umfassenderes Bild der aktuellen Gesamtsituation sowie der Vergangenheit der beiden bekommen, allerdings nicht unbedingt ein schlüssigeres, nicht zuletzt weil beide Charaktere nicht so klar gezeichnet wurden, wie ich mir das gewünscht hätte. Vertrauen konnte ich zu keinem aufbauen, so dass ich bis zuletzt eher ein recht distanzierter (und skeptischer) Zuschauer war.

Ein Thriller ist das Buch jedenfalls nicht, soviel steht fest. Mir fehlte definitiv die Spannung, von Nervenkitzel wollen wir schon mal gar nicht reden. Am Ende war es mir fast schon egal, wie die Auflösung aussah, weil alles so dermaßen schräg war. Und das Ende setzte dem Ganzen dann noch die Krone auf. Ich habe selten ein so unglaubwürdiges Buch gelesen.

Man hätte aus der Thematik deutlich mehr rausholen können, schon alleine indem man die Charaktere klarer definiert und voneinander abgegrenzt hätte. So war es ein einziges Wischiwaschi und alle waren gut und böse zugleich.

Ich kann das Buch daher leider nicht empfehlen und gebe nur zwei Sterne.

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Veröffentlicht am 09.07.2018

Unterhaltsame Romance-Story mit Situationskomik

Between us
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„Between Us“ ist der erste Band der Burnham-College-Reihe von Julianna Keys.

Es geht um Nora Kincaid, die nun ihr zweites Jahr am Burnham College antritt und viele gute Vorsätze hat, nachdem das erste ...

„Between Us“ ist der erste Band der Burnham-College-Reihe von Julianna Keys.

Es geht um Nora Kincaid, die nun ihr zweites Jahr am Burnham College antritt und viele gute Vorsätze hat, nachdem das erste Jahr reichlich schiefgelaufen ist.
Nora ist zierlich und hat eine große Oberweite – sie ist also seit der Pubertät ein Blickfang für das andere Geschlecht. Da sie aber vom Wesen her nicht der Betthäschen-Typ ist, hat sie sich quasi als graue Maus in übergroßen Klamotten ziemlich unscheinbar durch die Schulzeit manövriert und stand in den Ruf, „Nora, die Schlaftablette“ zu sein. Damit sollte am College nun Schluss sein, und als sie sich mit ihrer Nebenjob-Kollegin Marcela anfreundet, gibt sie Gas. Aber so richtig und weit über das Ziel hinaus. Spaß hatte sie nicht zu knapp, aber das Ende vom Lied waren dann leider auch zwei Verhaftungen, drei nicht bestandene Kurse und die Kürzung ihres Stipendiums. Nun im zweiten Jahr will sie wieder zurückrudern, aber das ist leider gar nicht so einfach wie gedacht, denn sie zieht genau zu dem Typen in die WG, mit dem sie auf einer der vielen Partys einen One-Night-Stand hatte, an den dieser sich aber im Gegensatz zu ihr nicht mehr erinnert – und dann ist da auch noch dessen bester Freund, der sich für sie interessiert…

Das Cover ist nicht sehr auffällig. Es reiht sich mit dem romantischen Schwarz-Weiß-Foto und dem überdimensionierten rosafarbenen Titel in verschnörkelter Schrift eigentlich nahtlos in die Masse der Young-Romance-Bücher ein.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und die Story hat Tempo, vor allem im letzten Drittel. Es gibt immer wieder neue Konflikte, die jedoch auch gleich wieder gelöst werden. Dabei geht leider der Spannungsbogen verloren. Aber der Unterhaltung tut dies meines Erachtens keinen Abbruch.

Die Story hat keinen Tiefgang, aber den erwarte ich in diesem Genre auch nicht. Hier und da neigt die Autorin zu diversen Übertreibungen, aber auch darüber konnte ich hinwegsehen.

Was mich allerdings gestört hat, war eine medizinische Sache. Es geht etwa in der Mitte des Buches um eine Geschlechtskrankheit (Gonorhoe/Tripper), die auf der einen Seite von der Symptomatik nicht korrekt bzw. gar nicht beschrieben wurde und auf der anderen Seite hinsichtlich der Länge der Inkubationszeit falsch wiedergegeben wurde, was die ganze Szenerie drum herum ad absurdum geführt hat. So etwas mag ich nicht.

Alles in allem vergebe ich daher nur drei, statt der sonst verdienten vier Sterne.

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