Profilbild von cho-ice

cho-ice

Lesejury Profi
offline

cho-ice ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit cho-ice über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2025

Leicht verständlich, kompakt, kurzweilig geschrieben - ein sehr guter Ratgeber (für gläubige Menschen) zur Stress-Prävention

Jesus aber schlief.
0

„Jesus aber schlief“ von Jonathan Gutmann bietet eine gute Einführung in biblische, allgemeingültige und nachhaltige Strategien gegen Stress. Es ist ein tolles Buch zur Stress-Prävention, jedoch meinem ...

„Jesus aber schlief“ von Jonathan Gutmann bietet eine gute Einführung in biblische, allgemeingültige und nachhaltige Strategien gegen Stress. Es ist ein tolles Buch zur Stress-Prävention, jedoch meinem Empfinden nach nicht so gut für Menschen geeignet, die bereits im Burn-out oder in einer Depression stecken, oder sich schon in Therapie befinden.

Der Autor ist Fachpfleger für Psychiatrische Pflege, außerdem berät er als Stressbewältigungstrainer. Toll fand ich die schlicht gehaltene Sprache. Hier muss keiner Angst haben, die Fachwörter nicht zu verstehen, denn erstens gibt es sehr wenig davon und wenn sie vorkommen, werden sie allgemein verständlich erklärt.

Mit gerade mal 180 Seiten ist dieser Ratgeber vergleichsweise schlank. Die ersten 50 Seiten sind eine kurzweilig geschriebene Einführung in die Themen Stress, Burn-out und Resilienz. Die restlichen 130 Seiten sind praktische Tipps für Routinen, Lebenseinstellungen, Entlastungs- und Entspannungsmethoden. Während ich durch die ersten 50 Seiten nur so geflogen bin, musste ich beim Lesen der Tipps das Tempo rausnehmen. Es sind einfach sehr viele Tipps in sehr kompakter Form. Vieles kennt man, manches ist möglicherweise neu, vieles eine gute Erinnerung. Menschen, die akut im Burn-out oder einer Depression stecken, könnten sich davon leicht überfordert fühlen – daher der einschränkende Hinweis oben.

„Jesus aber schlief“ ist auch ein guter Fundus für Berater und Coaches, die ihren Ratsuchenden praktische Tipps an die Hand geben möchten. Für Menschen, die bereits in Therapie sind, ist das Buch eher nicht zu empfehlen, da es hier um Basics geht, und nicht so sehr in die Tiefe gegangen wird. Was mich etwas irritiert hat: Auf den Titel wird nicht wirklich Bezug genommen – und man kann ihn so oder so verstehen.

Insgesamt dieses Buch aber ein sehr gut und leicht verständlich geschriebener Ratgeber. Ich empfehle ihn in erster Linie für Christen, die selbst aktiv Stress vorbeugen möchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 28.09.2025

Tolles Journal für Kinder und Erwachsene für einen besseren Umgang mit Gefühlen

Little Hearts - Big Feelings - Mein Gefühle-Journal
0

Ein „Gefühle-Journal“ in poppiger Aufmachung, mit knallbunten Gefühl-Charakteren und einem „Zauberstift, der Sorgen verschwinden lässt“ – ob das wohl funktioniert, fragte ich mich. Die Altersempfehlung ...

Ein „Gefühle-Journal“ in poppiger Aufmachung, mit knallbunten Gefühl-Charakteren und einem „Zauberstift, der Sorgen verschwinden lässt“ – ob das wohl funktioniert, fragte ich mich. Die Altersempfehlung liegt bei 8 Jahren. Ich habe das Journal aber als Erwachsene getestet, um zu sehen, ob es auch eine Hilfe für Menschen ab 18 Jahren sein kann, die Schwierigkeiten damit haben, ihre Gefühle wahrzunehmen und auf gute Weise mit ihnen umzugehen.

Die Kurzform: Das 120 Seiten starke Buch hat mich überzeugt – und der Zauberstift funktioniert wirklich!

Die Langform:

Die 6 Hauptgefühle „Freude“, „Liebe“, „Kummer“, „Wut“, „Angst“ und „Überraschung“ werden alle auf kreative und sehr süße Weise vorgestellt. In den jeweiligen „Ländern“ werden die einzelnen Gefühle herrlich auf die Spitze getrieben – das macht Kindern wie auch Erwachsenen Spaß (oder entlockt zumindest ein Schmunzeln). Es gibt viele Möglichkeiten, für sich zu reflektieren, wie man zu den einzelnen Gefühlen steht, und auch ihre starken Seiten werden hervorgehoben.

Den Zauberstift habe ich zum ersten Mal auf einer „Wut“-Seite getestet und dabei so richtig Wut rausgelassen. Tatsächlich blieb nichts zurück, trotz sehr festem Aufdrücken. Das hat mich wirklich überzeugt und ich habe ihn auch noch an anderer Stelle getestet. Eine sehr schöne Idee!

Richtig toll sind die „Gefühls-Checks“: Auf einer Doppelseite kann man seine Woche reflektieren. Dabei wechselt die Gestaltung der Seiten insgesamt 6x, sodass wirklich sehr viel Abwechslung dabei ist und man sich dabei nicht langweilt. Es gibt auch eine „Mood“-Monatsseite, auf der man die einzelnen Tage mit dem Hauptgefühl ausmalen kann, doch sie taucht erst nach den ersten vier Wochen auf. Ich persönlich hätte sie nach vorn gesetzt, aber man kann natürlich auch erst im zweiten Monat damit starten. Insgesamt ist Platz für 25 Wochen, also ein knappes halbes Jahr. Genug Zeit, damit es zur guten Routine werden kann.

Kinder, die erst 8 oder 9 sind, könnten ggf. noch etwas Problem damit haben, die Textseiten zu lesen, da die Schrift recht klein ist. Aber man kann es sicher gut mit seinem Kind zusammen lesen und es macht auch noch 10- bis 12-Jährigen Spaß. Auch für Erwachsene kann ich das Buch sehr empfehlen – zumindest, wenn man sich nicht an der knallbunten Ausführung stört.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.08.2025

Ein einfühlsames Bilderbuch für Familien von still geborenen oder früh verstorbenen Kindern und Menschen, die sie begleiten

Wo ist Tim jetzt?
0

Dieses Bilderbuch „für Familien in Zeiten der Trauer“ ist etwas Besonderes. Sehr einfühlsam und wunderschön bebildert erzählt es die Geschichte von Sam und Tim.

In Sams Familie herrscht große Freude: ...

Dieses Bilderbuch „für Familien in Zeiten der Trauer“ ist etwas Besonderes. Sehr einfühlsam und wunderschön bebildert erzählt es die Geschichte von Sam und Tim.

In Sams Familie herrscht große Freude: Seine Eltern bekommen ein Baby. Es soll ein Junge werden und Tim heißen. Sam stellt sich vor, wie viel Spaß er mit seinem kleinen Bruder haben wird. Doch dann passiert etwas – die Ärzte stellen fest, dass Tim sehr krank ist und nicht lange leben wird. Kurz nach seiner Geburt stirbt Sams kleiner Bruder. Und Sam fragt sich: Wo ist Tim jetzt?

Er hört, dass Sam nun bei Gott im Himmel ist und fragt sich, wie es ist dort zu sein. Er stellt sich vor, wie sein kleiner Bruder dort Fahrrad fährt, mit Jesus ein Buch liest, mit Tieren spielt, in Pfützen hüpft, auf Bäume klettert, … Manchmal ist er traurig, weil er wünschte, sein kleiner Bruder wäre bei ihm. Doch er spürt: Gott ist nicht nur im Himmel, sondern auch bei ihm.

„Wo ist Tim jetzt?“ ist wirklich nicht nur ein Kinderbuch, sondern ein Familienbuch. Es schenkt Trost mitten in der Trauer um ein still geborenes oder sehr früh verstorbenes Kind – und zwar nicht nur den Geschwistern, sondern auch Eltern, Großeltern, Freunden, weiteren Angehörigen … Es kann eine wunderbare Hilfe sein, um miteinander ins Gespräch zu kommen und enthält neben einem kurzen Nachwort für Eltern ein Foto der Familie, die für die Geschichte von Sam und Tim Pate stand.

Das Einzige, was mich etwas irritiert hat, war, dass die Frage aus dem Titel „Wo ist Tim jetzt?“ immer wieder mal im Buch auftaucht und für mich nicht immer ein klarer Zusammenhang erkennbar war. Darauf hätte man für die deutsche Ausgabe auch verzichten können. Aber da es ein Vorlesebuch ist, fällt dies nicht ins Gewicht – man kann die Frage ja einfach weglassen.

Fazit: Ich empfehle dieses hochwertige Bilderbuch wärmstens, auch für alle, die trauernde Familien und Kinder begleiten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.08.2025

Sehr gutes (Jugend-)Buch für Erebos-Fans

Erebos 3
0

Schick sieht er aus – der dritte Band der Erebos-Reihe in der Farbschnitt-Edition, keine Frage. Doch hält das Äußere, was es verspricht? Meinem Eindruck nach: größtenteils ja.

Wer „Erebos“ noch nicht ...

Schick sieht er aus – der dritte Band der Erebos-Reihe in der Farbschnitt-Edition, keine Frage. Doch hält das Äußere, was es verspricht? Meinem Eindruck nach: größtenteils ja.

Wer „Erebos“ noch nicht kennt, sollte nicht mit diesem Buch starten. Man braucht etwas Vorwissen, weil nicht mehr alles erklärt wird, was das Spiel „Erebos“ ausmacht, das in allen Büchern die unbestreitbare Hauptrolle spielt. Obwohl Band 1 bereits 2010 erschienen ist, habe ich ihn erst vor ca. zwei Jahren gelesen, Band 2 übersprungen und nun direkt bei Band 3 weitergelesen. Mein Fazit: kein Problem. Die Handlung ist in sich abgeschlossen, man erfährt ein wenig davon, was in Band 2 passiert ist, aber letztlich ist es für Band 3 nicht so relevant.

Keine Frage: „Erebos 3“ ist spannend, sehr gut geschrieben und ein wirklich, wirklich gutes Jugendbuch. Man leidet, hofft, bangt und rätstelt mit der menschlichen Hauptfigur Nick Dunmore mit und das Finale verdient seinen Namen. Ein Stück kluge Gesellschaftskritik schwingt auch mit, aber nur am Rande. Mir hat außerdem gefallen, dass in diesem Jugendbuch Sex oder sexuelle Orientierung mal keine Rolle spielen – meiner Meinung nach braucht man keine spicy Szenen oder eine queere Nebenfigur, um ein gutes Buch zu schreiben.

Ursula Poznanski ist zurecht Bestsellerautorin und hat mit „Erebos 1“ einen modernen Jugendklassiker geschaffen. Doch was „Erebos 3“ in meinen Augen fehlt, ist der Wow-Effekt, das Neue, Bahnbrechende von Teil 1. Das neue Buch einer Autorin muss sich auch immer mit dem messen, was sie vorher geschrieben hat. Deshalb ist „Erebos 3“ meinem Empfinden nach letztlich ein sehr gutes Jugendbuch, das sich würdig in die Reihe einfügt, aber nicht mehr als ein Buch für Erebos-Fans.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.08.2025

Lohnt sich - viel mehr als Zahlen und Statistiken!

Wie Deutschland tickt
0

Was kommt dabei heraus, wenn der Leiter eines renommierten Meinungsforschungsinsituts darüber schreibt „Wie Deutschland tickt“? Meinem Eindruck nach ein Buch, das viel mehr enthält als nur Zahlen und Statistiken, ...

Was kommt dabei heraus, wenn der Leiter eines renommierten Meinungsforschungsinsituts darüber schreibt „Wie Deutschland tickt“? Meinem Eindruck nach ein Buch, das viel mehr enthält als nur Zahlen und Statistiken, und sich wirklich zu lesen lohnt.

„Wie Deutschland tickt“ ist gegliedert in 3 Teile: Meinungsforschung, Meinungsbildung und Meinungsfreiheit. Eingerahmt wird dieser Hauptteil von einem Vorwort und einem Nachwort bzw. Plädoyer mit dem Titel „Mehr Mut zum Meinungsstreit“. Das Cover ist ein echter Hingucker – ein kräftiges Gelb, mit einem ausgestanzten Deutschland auf dem Titel und auf der Seite dahinter eine weiße Uhr auf schwarzem Grund. Catchy, genauso, wie es sein muss.

Darüber hinaus enthält das Buch viele bunte Grafiken, die die vielen Zahlen und Gegenüberstellungen verdeutlichen und den Text auflockern. Das ist auch wirklich nötig, denn das Kapitel 1.4 „Wie die Deutschen ticken“ erstreckt sich über mehr als 130 Seiten und ist bisweilen etwas trocken, obwohl darauf geachtet wurde, abwechslungsreiche Formulierungen zu verwenden. Doch es lohnt sich, durchzuhalten, denn die Einordnung der Zahlen ist das eigentlich Spannende. Mir hat sehr gut gefallen, wie viele Entwicklungen und Prägungen der deutschen Gesellschaft geschichtlich eingeordnet werden, ohne dabei in eine Bewertung zu gehen.

Überhaupt: Seine eigene Meinung bringt Hermann Binkert meinem Empfinden nach sehr dosiert in das Buch ein, bekennt sich dabei aber klar zu seinem christlichen Glauben und einem eher konservativen Profil. „Nach meiner festen Überzeugung ist Meinungsbildung noch wichtiger als Meinungsforschung“, sagt der Autor an einer Stelle, und das nimmt man ihm nach dem Lesen dieses Buches ab. Sehr gut gefallen hat mir, wie Binkert den Bereich „Wissenschaft“ und „die Kirchen“ für die Meinungsbildung einordnet. Und auch sein Plädoyer am Ende des Buches empfand ich als sehr wertvoll, denn er macht zum einen Mut zur eigenen Meinung und gleichzeitig auch zum Kontakt mit Andersdenkenden.

Mir wurde durch „Wie Deutschland tickt“ die Wichtigkeit und der Wert von Umfragen unter den Wahlberechtigten neu deutlich und bewusst. Es ist ein Buch für politisch interessierte Menschen, für politisch Aktive und auch für Entscheidungsträger im Allgemeinen. Ich wünsche ihm weite Verbreitung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil