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Veröffentlicht am 30.01.2021

Da steppt der Bär, dort blökt das Schaf

Die Fotografin - Die Welt von morgen
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Nach dem Tod von Onkel Josef verlässt Fotografin Mimi die Schwäbische Alb und zieht wieder durch die Lande. Allerdings wird es immer schwieriger, Gastanstellungen zu finden, die Verbreitung von handlichen ...

Nach dem Tod von Onkel Josef verlässt Fotografin Mimi die Schwäbische Alb und zieht wieder durch die Lande. Allerdings wird es immer schwieriger, Gastanstellungen zu finden, die Verbreitung von handlichen Fotoapparaten für „jedermann“ tut ihr Übriges. So suchen Mimi Reventlow und ihr Begleiter Anton Schaufler vom Gasthof Ochsen neue Betätigungsfelder. Sie überlegen, unter Umständen in Berlin ansässig zu werden, denn „da steppt der Bär“, andererseits hat die karge, aber idyllische Alb mit ihrer ganz besonderen Landschaft und den blökenden Schafherden ihren Reiz auch noch nicht ganz verloren.

Nahtlos schließt dieser Teil an die vorangehenden an. Wer Mimi bereits kennt, wird erfreut sein über ein „Wiedersehen“ mit ihr und anderen Bekannten von früher. Neben kurzen Erinnerungen an gestern gilt es diesmal, die Welt von morgen mitzugestalten, Verantwortung zu übernehmen und zukunftsträchtige Pläne zu schmieden.

Wie immer bei Petra Durst-Benning taucht man sofort ein in gewohnt angenehmen Lesefluss und versinkt in bildreichen und wortgewandten Beschreibungen von Landschaft, Mensch und Tier. Genaue Recherchen der Autorin verschaffen dem Leser ein unmittelbares Erleben der Welt um 1912: Fahrräder setzen sich durch, das anstrengende Reisen per Kutsche oder Bahn wird langsam ergänzt durch das bequeme Automobil, Frauen beginnen, ihre Rechte einzufordern. Diese und andere Themen werden geschickt eingebettet in die ganz persönliche Geschichte von Mimi und Anton. Die unverwechselbare Mischung aus spannenden Informationen und einer faszinierenden Kombination mit interessanten Romanfiguren macht auch diesen Band wieder zu einem phantastischen Leseerlebnis.

Sowohl die Fotografin selbst wie auch ihre Begleiter laufen unterschiedliche Entwicklungen durch und lassen die Neugier wachsen, wie es nun weitergeht. Die angerissenen Szenen am Ende deuten eine aufregende und vielversprechende Fortsetzung an. Auch wenn die Bücher rund um Mimi Reventlow einzeln gelesen werden könnten, so empfehle ich doch die ganze Reihe als Gesamtwerk.

Die Welt von morgen – ein weiteres Buch von Petra Durst-Benning, das ich sehr, sehr gerne gelesen habe!

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Veröffentlicht am 26.01.2021

Klimakinder

CO2 - Welt ohne Morgen
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Zwölf Kinder aus zwölf verschiedenen Nationen nehmen an einem Klimacamp in Australien teil. Aber rasch läuft etwas schief – sie werden entführt. Als Lösegeld werden nahezu unmögliche Klimaziele und sofortige ...

Zwölf Kinder aus zwölf verschiedenen Nationen nehmen an einem Klimacamp in Australien teil. Aber rasch läuft etwas schief – sie werden entführt. Als Lösegeld werden nahezu unmögliche Klimaziele und sofortige Maßnahmen erwartet. Jede Woche ist eine Nation gefordert, bei Nichteinhaltung stirbt das von dort stammende Kind. Ein Wettlauf beginnt: sind die Forderungen angemessen, ist es Erpressung, darf man Kinder opfern?

Das Thema ist brisant und spannend, Tom Roth schreibt vom fortschreitenden Klimawandel, der nun durch ein Verbrechen an unschuldigen Kindern in die täglichen Schlagzeilen rückt. Flott im Stil, übersichtlich bei Kapitelüberschriften und Zeitangaben präsentiert sich dieses Buch vom Titelbild bis zum Rückentext als stimmiges Ganzes.

Es geht um CO2, rauchende Schlote und entsprechende Zertifikate. Dass für eine Kinderkonferenz die Teilnehmer um den Erdball fliegen und dort am Riff spazieren gehen, sowie besorgte Angehörige quer durch die Welt reisen, passt da allerdings nicht mehr so optimal und glaubwürdig ins Konzept. Während man in Italien nicht einmal für nur einen einzigen Tag einen Flugstopp erwirken kann, befindet sich der besorgte Onkel viel zu oft über den Wolken. Neben einigen anderen weniger realistischen Episoden ist das Buch aber spannend geschrieben. Viele unterschiedliche Personen, Sichtweisen und Schauplätze bringen Abwechslung und lassen den Leser rasch durch die Seiten preschen. Die Sorge um Hannah und ihre Mitstreiter steigt von Tag zu Tag, bis das Ultimatum abläuft.

Gutes Konzept, durchschnittlich umgesetzt, drei Sterne.

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Veröffentlicht am 17.01.2021

Eis und Blut

18 Grad unter null
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Das Titelbild so schlicht wie schön. Der Klappentext knapp und bündig. Die Vorankündigung im Freundeskreis verheißungsvoll. Der Kauf - ein Volltreffer!

Die Patchworkfamilie der zwölfjährigen Claudia scheint ...

Das Titelbild so schlicht wie schön. Der Klappentext knapp und bündig. Die Vorankündigung im Freundeskreis verheißungsvoll. Der Kauf - ein Volltreffer!

Die Patchworkfamilie der zwölfjährigen Claudia scheint perfekt. Zusammen mit Vater, Mutter, und derem Lebensgefährten genießt das Mädchen den ausklingenden Abend. Doch wenige Stunden nach dem Genuss von Vanilleeis mit Kirschsauce ist sie tot. Schnell geraten alle Anwesenden unter Verdacht, ein Motiv lässt sich für jeden von ihnen konstruieren. Doch die Wahrheit lässt sich sechsunddreißig Jahre lang Zeit…

Nika Lubitsch erzählt in kurzen einfachen Sätzen, auf den ersten Blick fast ein bisschen zu einfach. Der Schreibstil ist erstmals gewöhnungsbedürftig, andererseits liegt es vielleicht genau daran, dass die Geschichte flott dahin fließt und Spannung bietet von Anfang bis zum raffiniert geplanten Ende. Die Figuren sind rasch aufgelistet, ausreichend charakterisiert und so angelegt, dass sich für jeden Einzelnen ein Verdachtsmoment finden lässt. Hinter allen Wendungen und geschickt eingefädelten Schachzügen verbirgt sich bis zum Schluss ein perfider Plan, der sogar eine gebildete Figur im Roman vor den Kopf stößt und dem Leser ein Schmunzeln entlockt.

Die Kürze des Buches passt perfekt zur genialen Handlung, keine unnützen Ausschweifungen, keine langweiligen Details am Rande, um ein paar zusätzliche Seiten zu produzieren. Nika Lubitsch schreibt auf den Punkt und schafft mit „18 Grad unter Null“ gewitzte Unterhaltung, die man nur weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 17.01.2021

Heißes Klima - kalte Menschen

2,5 Grad - Morgen stirbt die Welt
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In der Antarktis bricht ein riesiger Gletscher ab, mit ihm versinkt die deutsche Forschungsstation Neumeyer III samt dem Glaziologen Jakob Richter. Eine unvermeidbare Katastrophe? Vor seinem Tod kann Richter ...

In der Antarktis bricht ein riesiger Gletscher ab, mit ihm versinkt die deutsche Forschungsstation Neumeyer III samt dem Glaziologen Jakob Richter. Eine unvermeidbare Katastrophe? Vor seinem Tod kann Richter noch Daten an seine Verlobte Leela senden, mit denen sie gegen Konzerne und mächtige Regierungen vorgehen soll. Doch schneller als sie ahnt, gerät sie ins Blickfeld ihrer Gegner und in Todesgefahr. Ein ungleicher Kampf, ein Wettlauf um die Klimarettung, ein einzig erkennbarer Ausweg bahnen sich an.

Vor einem sehr real anmutenden Hintergrund spielt Noah Richters Katastrophenszenario, nie dagewesenes Hochwasser, anhaltende Hitze, grausame Stürme, immer größer werdende Flächen der Erde werden unbewohnbar, Menschen begeben sich auf die Flucht, gekämpft wird um die letzte Ernte.

Die Hauptgeschichte dreht sich um Leela und ihren Willen, die Welt zu retten, den Großkonzernen die Stirn zu bieten. Jakob sendet ihr noch in seinem letzten Mail Kontakte, die ihr helfen sollen. Darum herum wechseln einander andere Handlungsstränge ab und lenken die Sicht auf unterschiedlichste Problemfelder, die die Menschen in dieser herausfordernden Zeit beschäftigen. Die wechselnden Perspektiven sind natürlich interessant und bergen Spannung, allerdings führen die Inhalte teilweise sehr weit vom ursprünglichen Thema weg und ufern zu sehr aus. Auch der flotte Erzählstil vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass einiges Überflüssige in die Geschichte verpackt ist und zuweilen langatmig werden lässt. Das Ende ist dafür eine sehr konsequente Sache, die kontrovers diskutiert werden kann, aber optimal zur vorangegangenen Handlung passt.

Alles in allem ein spannendes Thema, bei dem sich dieser Roman aber nur einreiht in einen von vielen.

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Veröffentlicht am 06.01.2021

Der Duft von früher

Zeit der Pfirsichblüte
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Ein Mädelsurlaub führt Anna und Carina ins frühlingshafte Barcelona. Allerdings erwarten sie hier nicht nur entspannende Tage inmitten von mediterranem Lebensgefühl und fruchtig duftenden Pfirsichblüten. ...

Ein Mädelsurlaub führt Anna und Carina ins frühlingshafte Barcelona. Allerdings erwarten sie hier nicht nur entspannende Tage inmitten von mediterranem Lebensgefühl und fruchtig duftenden Pfirsichblüten. In Annas Beziehung kriselt es und Erinnerungen an ein Studienjahr vor zwanzig Jahren genau hier in der Hauptstadt der spanischen Region Katalonien werden wach. Sie findet Pablo wieder, der ihr helfen will, einem alten Geheimnis auf die Spur zu kommen, allerdings ist sich Anna unsicher, wie weit sie ihm vertrauen kann.

Ein Wechsel von schmerzhaften Gedanken und heiterer Urlaubsstimmung, Beziehungsproblemen und locker-leichtem Urlaubsflirt durchzieht diesen zauberhaften Roman. Rasch findet man sich in gemütlichen Strandbars wieder, entdeckt mit Anna und Carina die belebte La Rambla und genießt verführerische Tapas und aromatischen Rotwein.

Anja Saskia Beyers Schreibstil liest sich flott, ist aber leider manchmal etwas zu oberflächlich, bringt nicht immer die gewünschte Atmosphäre und Stimmung so zum Ausdruck, wie es vielleicht möglich wäre. Während ich mich problemlos an die vielen schönen Plätze in und rund um Barcelona denken kann, so fällt es mir mitunter schwer, Annas Gefühle nachzuvollziehen. Für mich fehlen hier leider tiefgreifende Emotionen bei diesem so unglaublichen Thema, das auf realen Vorkommnissen beruht und daher umso mehr berührt.

Dennoch ist die Geschichte grundsätzlich gut durchdacht. Die Schauplätze München und Barcelona variieren ebenso wie die Handlung heute und zwanzig Jahre früher. Dadurch wird nicht zu viel verraten und ein gewisses Maß an Spannung bleibt aufrecht, wenngleich auch künftige Wendungen recht vorhersehbar sind. Hervorzuheben ist jedenfalls, dass ein hoch ernstes Thema wunderbar verpackt ist in eine romantische Rahmenhandlung, dass ohne Vorwürfe und Groll vorsichtig an alten Wunden gerührt wird und eine harmonische Kulisse den Roman dominiert.

Zeit der Pfirsichblüte fügt sich wunderbar ein in Beyers Buchreisen nach Italien, Mallorca und Portugal und lässt Lust auf ferne Länder und malerische Plätze aufkommen.

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