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Veröffentlicht am 16.07.2025

Nanny

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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Sloane Caraway ist eine unscheinbare Mittdreißigerin und seit Kindheit allein. Um das Interesse ihrer Mitmenschen zu wecken, beginnt sie früh, kleinere und größere Lügen zu erzählen. Ihre Mittagspause ...

Sloane Caraway ist eine unscheinbare Mittdreißigerin und seit Kindheit allein. Um das Interesse ihrer Mitmenschen zu wecken, beginnt sie früh, kleinere und größere Lügen zu erzählen. Ihre Mittagspause verbringt die Nageltechnikerin aus einem kleinen Beautysalon gerne in einem nahe gelegenen Park, wo sie eines Tages ein kleines Mädchen verarztet und sich als Krankenschwester ausgibt. Alsbald freundet sie sich mit der Familie an und wird als Nanny für die knapp fünfjährige Harper engagiert. Mit der Mutter, Violet, verbinden Sloane etliche Gemeinsamkeiten, weshalb die beiden Frauen gerne auch ihre Freizeit zusammen verbringen. Wird Violet durch das häufige Beisammensein nun Sloanes Lügengeflecht entwirren? Oder ist Sloane am Ende gar nicht die Einzige, die etwas zu verbergen hat?

Aus Sloanes Sicht beginnt diese überaus spannende Geschichte, sie erzählt schlicht aus ihrem Leben und weckt mit ihrer naiven Darstellung, verknüpft mit der Spielplatzepisode, sofort das Interesse des Lesers. Wenige Figuren, Sloane und Familie Lockhart – Vater Jay, Mutter Violet und Töchterchen Harper – spielen die bestens vorstellbaren Hauptrollen, aber auch die weiteren Personen sind gut gezeichnet und bereichern das Geschehen. Durch den besonders flüssigen Schreibstil Sophie Stavas geht die Handlung flott dahin, reiht sich ein Kapitel rasch ans nächste, möchte man immer wieder einfach noch ein Stück und noch ein Stück weiterlesen. In der Mitte des Buches wechselt plötzlich der Blickwinkel auf den Verlauf der Dinge und verblüfft den Leser mit überraschenden Be- und Erkenntnissen. Raffiniert erdachte Details kommen ans Licht und von langer Hand geplante Vorhaben werden alsbald umgesetzt, durch die geschickte Schilderung der Autorin bleibt der Spannungsbogen stets hoch und sorgt für Verwunderung, was hier alles möglich ist. Auch wenn nicht immer alles zu hundert Prozent realistisch erscheint und besonders am Ende auf Block Island ein wenig Glück und Zufall mithelfen, so ist die Story doch ungemein unterhaltsam und somit absolut lesenswert.

Ein großartiges Buch mit vielen Überraschungen, das ich mit großem Spaß daran gelesen habe und ebenso gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 15.07.2025

Reise durch Schweden

Im Land der Mitternachtssonne
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Der bekannte dänische Schriftsteller und Dichter Hans Christian Andersen (1805 – 1875) bereist gerne ferne Länder, neben Deutschland, Schweiz, England oder Italien auch mehrmals das benachbarte Schweden. ...

Der bekannte dänische Schriftsteller und Dichter Hans Christian Andersen (1805 – 1875) bereist gerne ferne Länder, neben Deutschland, Schweiz, England oder Italien auch mehrmals das benachbarte Schweden. Was er dort erlebt, wird in diesem schmucken Büchlein bildhaft dargestellt.

Abwechslungsreich und informativ geht es zu markanten Schauplätzen. Wir lassen uns vom Frühlingswind antreiben und steigen in ein Dampfschiff, reisen alsdann mit einer Pferdekutsche weiter und gehen streckenweise auch einmal zu Fuß. Birkenwälder und weite Felder erfreuen unser Auge, Diskussionen über vergangene schwedisch-dänische Kämpfe und darauffolgenden Waffenstillstand, Geschichten über Trolle und Berggeister dringen an unser Ohr, zukunftsträchtige Technologien wecken Andersens Neugierde, lassen ihn Hammerschmieden und Bergwerke ebenso besichtigen wie eine schwindelerregende Fahrt mit einem Korb an einer eisernen Kette ausprobieren. Die Gastfreundschaft in Schweden ist herausragend, fast überall stößt man auf auskunftsfreudige Menschen und so lernt der Reisende viel Historisches und Sagenhaftes kennen, das später verwoben werden kann zu eigenen Texten und Märchen.

Mit poesiebehafteten Eindrücken und beschwingten Formulierungen wird der Leser mitgenommen auf ein spannendes Abenteuer im 19. Jahrhundert und lernt auf diese Weise nicht nur Schweden sondern auch den bekanntesten Dichter Dänemarks näher kennen. Ein schöner Blickwinkel auf fremde Gegenden und entsprechende Kulturen. Lesenswert.


Veröffentlicht am 14.07.2025

Heilsame Schärenwelt

Sommer auf Kanelholmen
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Cornelia wächst in Stockholm alles über den Kopf, sie hat keine wahren Freunde, die Kollegen tuscheln hinter ihrem Rücken und die familiäre Situation, in der sie aufgewachsen ist, kann sie sowieso nicht ...

Cornelia wächst in Stockholm alles über den Kopf, sie hat keine wahren Freunde, die Kollegen tuscheln hinter ihrem Rücken und die familiäre Situation, in der sie aufgewachsen ist, kann sie sowieso nicht aufarbeiten und akzeptieren. Also packt sie kurzerhand ihren Koffer und nimmt eine Auszeit, wohin sie die Fähre bringt, nämlich auf die idyllische Insel Kanelholmen.

Während Cornelia einfach nur Ruhe sucht, wird sie von den Schärenbewohnern überaus freundlich aufgenommen und sogleich in turbulente Geschehnisse verwickelt. Da gibt es ein kleines Hundeheim mit einem niedlichen Neuzugang, eine zugemüllte Dachwohnung von einem vermissten Kanelholmer, eine ausgeflippte verständnisvolle Freundin und nicht zuletzt Versöhnungen und Herzklopfen. Alles in allem passende Zutaten für einen entspannten Sommerabend und gemütliche Lesestunden, allerdings packt Yvonne Ehn fast zu viele Themenbereiche ins Geschehen hinein, sodass die Handlung eher überfrachtet wirkt, anstatt ein oder zwei Problemfelder tiefgründiger zu behandeln. Insbesondere die Geschichte um den verschwundenen Jugendfreund wirkt auf mich (zu) gekünstelt als dass sie einen besonderen Mehrwert liefert. Nichtsdestotrotz lernen wir sympathische und einfühlsame Menschen kennen, dürfen miterleben, wie sich Cornelia langsam erholt, sich von Zwängen befreit und verzeihen kann. Die Schärenwelt mit ihrer ganz besonderen Landschaft heilt und gibt Mut. Etliche Fragen werden beantwortet, anderes ist noch offen, vielleicht werden diese in einer Fortsetzung behandelt?

Ein behaglicher Ausflug in die schwedische Schärenwelt, der schnell viele Probleme löst und dadurch nicht ganz glaubwürdig daherkommt, aber doch eine unterhaltsame Lesezeit bereithält.


Veröffentlicht am 13.07.2025

Der Wald

Der Trailer
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Lisa will ihren Belgientrip mit einer Besonderheit abschließen, mit einer Wanderung im Hohen Venn. Dazu mietet sie übers Wochenende einen Trailer am nahen Campingplatz Donkerbloem, von dem sie aber nie ...

Lisa will ihren Belgientrip mit einer Besonderheit abschließen, mit einer Wanderung im Hohen Venn. Dazu mietet sie übers Wochenende einen Trailer am nahen Campingplatz Donkerbloem, von dem sie aber nie zurückkehrt – oder kehrt sie nie zurück vom Hohen Venn?

Mystisch und dunkel ist es im Wald, der Wind neigt Baumkronen, bringt Blätter zum Rauschen und bewahrt jedes Geheimnis für die Ewigkeit. Wenn Bäume erzählen könnten, … - aber das tun sie nicht, und so forscht eine suspendierte Kommissarin vierzehn Jahre später nach, was sich an besagtem Wochenende im Jahre 2011 in Donkerbloem zugetragen haben könnte. Ein Podcast, ein verruchter Barbesitzer aus Köln und andere Gestalten, die nicht unbedingt sympathisch zu nennen sind, begegnen dem Leser hier und wecken trotz aller Abneigung, ihnen im realen Leben über den Weg zu laufen, die Neugierde, mehr über sie und die Vorgänge rund um den Campingplatz zu erfahren. Und das zahlt sich mehr als nur aus, der Trailer birgt fesselnde Szenen, durchaus an einigen Stellen brutal, großartige Figuren und Überraschungen, die einen sprachlos staunen lassen. Mit einnehmenden Worten und wechselnden Perspektiven geht es flott dahin in Belgien und Deutschland, scheint alles klar und doch so falsch, dass man kleben bleibt an den Seiten, bis das letzte Kapitel zu Ende ist. Spannung pur rahmt Themen ein, die alltäglich sind, Opfer und Täter handeln unlogisch und doch psychologisch erklärbar, auch Unanständige kann man im Kern mögen, weil nichts nur schwarz oder weiß ist.

Wenn man Thriller liebt, muss man den „Trailer“ gelesen haben, einziger Wermutstropfen – der Folgeband erscheint erst Anfang 2026.

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Veröffentlicht am 12.07.2025

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Sein Wort auf den Lippen
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Schweiz, 1897: Charlotte wächst behütet auf, dennoch fühlt sie sich stets weniger geliebt als ihre Schwester Agathe, insbesondere von ihrer Mutter. Zuflucht sucht sie in der Musik, ein Geheimnis um ihre ...

Schweiz, 1897: Charlotte wächst behütet auf, dennoch fühlt sie sich stets weniger geliebt als ihre Schwester Agathe, insbesondere von ihrer Mutter. Zuflucht sucht sie in der Musik, ein Geheimnis um ihre Familie erfährt sie zufällig. Entsetzt flüchtet Charlotte sich zu ihrem Patenonkel in Bern, den sie überhaupt noch nie gesehen hat, der ihr aber helfen soll, sich selbst zu finden. Dabei trifft sie auf zwei recht unterschiedliche Glaubensgemeinschaften und nicht zuletzt auf die Stimme ihres Herzens.

Liebevoll im Detail erzählt Claudia Dahinden Charlottes Geschichte, welche anfangs geprägt ist von Selbstzweifeln und Mutlosigkeit. Das ändert sich sehr schnell, als die Zwanzigjährige in Bern auf Aimée trifft und in die örtliche Kirchengemeinde eingeführt wird. Gemeinsames Klavierspiel und Gesang, vermischt mit Bibelrunden und regen Diskussionen ziehen Charlotte in ihren Bann und lassen sie den Weg zu Gott finden. Gleichzeitig lernt sie die Heilsarmee kennen, wo auch Frauen das Wort des Herrn verkünden dürfen, im Gegensatz zur Gemeinde rund um Pater Elias Weber. Es geht also einerseits um Charlottes ganz persönliches Schicksal, andererseits um allgemeine Themen wie Gleichwertigkeit und Würde aller Menschen, unabhängig, ob Mann oder Frau. Geschickt verknüpft die Autorin diese Ebenen zu einem stimmigen Roman, der überdies reale historische Personen zu Wort kommen lässt. Eher ruhig fließt die Handlung dahin, größere emotionale Wogen bleiben aus, dennoch werden vielerlei Denkanstöße geliefert, die zum Innehalten motivieren. Vielleicht meldet sich dann auch wieder eine leise Stimme, die ermutigt, dem Herzen zu folgen statt den Erwartungen anderer Menschen [kindle, Pos. 3902].

Im Mittelpunkt dieses Romans steht eine mutige Frau, die man gerne dabei begleitet, sich selbst und ihren ganz persönlichen Lebensweg zu finden. 4 Sterne.