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Veröffentlicht am 01.04.2025

Einsamer Wolf

Narbensommer #Thriller
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Kurz nach der Abifeier wird die Leiche von Michelle bestialisch zugerichtet am Waldrand aufgefunden. Zwanzig Jahre später ereignen sich brutale Prostituiertenmorde in Frankfurt, zudem stehen die albanische ...

Kurz nach der Abifeier wird die Leiche von Michelle bestialisch zugerichtet am Waldrand aufgefunden. Zwanzig Jahre später ereignen sich brutale Prostituiertenmorde in Frankfurt, zudem stehen die albanische Mafia und die Rockergruppierung Wölfe in Konkurrenz. Auf Marc Davids und Zoé Martins warten einige Herausforderungen.

Der Einstieg mit der feucht-fröhlichen Party ist gelungen, die Gedanken eines Unbekannten ebenso, dann geht es allerdings in komplizierte Verstrickungen zwischen Albanern und Wölfen, welche einem Geduld abverlangen beim Lesen. Auch die Deutlichkeit der Tatortbeschreibungen voller grausamer Details müssen einmal verdaut werden, passen aber zum Genre Thriller und zur Handlung rund um einen einsamen Wolf, der immer wieder zu Wort kommt. Was auf den ersten Blick unvereinbar scheint, bringt Chris Dominik in einen schlüssigen Zusammenhang, die zweite Hälfte des Buches präsentiert sich dann auch übersichtlicher als die anfangs unnötig scheinenden Diskussionen zwischen zwei Ermittlungsleitern. Gekonnt fügt der Autor die einzelnen Puzzlesteinchen zusammen und bringt die fesselnden Kapitel zu einem überzeugenden Ende.

Bestialisch im Detail, bedrohlich im Mafiamilieu, großartig in der Ausführung – Narbensommer, ein Thriller für Hartgesottene.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Marokko

The Surf House
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Bea trifft eine folgenschwere Entscheidung, als sie Hals über Kopf ihren einträglichen Job als Model hinschmeißt und kurz darauf in den Tiefen der Medina Marrakeschs überfallen wird. Ohne Pass und Geld ...

Bea trifft eine folgenschwere Entscheidung, als sie Hals über Kopf ihren einträglichen Job als Model hinschmeißt und kurz darauf in den Tiefen der Medina Marrakeschs überfallen wird. Ohne Pass und Geld fährt sie mit Marnie mit an den Strand, wo die freundliche Frau eine kleine Unterkunft, das Surf House, betreibt. Was als kurze Auszeit in der Idylle beginnt, endet in einem Alptraum, als ein anderer Urlauber tot am Strand liegt.

Lucy Clarke zeichnet auf den ersten Seiten ein Urlaubsparadies schlechthin, pures und unbeschwertes Glück – ein Haufen Freunde, Wellen und Sonnenschein (kindle, Pos. 36), bevor sie Beas Probleme mit dem Modeljob näher beleuchtet. Sofort fühlt man sich als Leser mitten im Geschehen, spürt schillernde Farben und Hochgefühl einerseits, graue Tristesse und Aussichtslosigkeit andererseits. Durch den bildhaften Erzählstil bauen sich aufregende Bilder vor meinem geistigen Auge auf und ich fühle mich, als ob ich selbst am Strand sitzen und über die heranbrausenden Wellen blicken würde. Ich schmecke das Salz in der Luft und fühle mit Bea, die den Spiegel mit einem Tuch verhängt, um nicht in die eigenen leeren Augen schauen zu müssen, die nicht weiß, was sie von ihrem Leben erwartet, was sie wirklich will. Während sie sich darüber klar werden möchte und Marnie im Surf House hilft, passieren unerwartete Dinge.

Fesselnd liest sich dieser Thriller und hält so manche Überraschung bereit, welche nicht nur einige Figuren im Buch, sondern auch den Leser in Staunen versetzt. Lucy Clarke beschwört eine ganz besondere Stimmung im Fischerdorf Mallah herauf, vermischt geschickt Wahrheit und Lüge und führt damit alle hinters Licht. Wer packende Lesestunden sucht, sollte sich The Surf House nicht entgehen lassen.

Veröffentlicht am 27.03.2025

Fria Nordström

Der Mann aus der Flut
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Fria Nordström hat gute Gründe, vom LKA Hamburg in die neue Polizeiwache Sylt Nord zu wechseln, wo sie gleich in der Nähe in einem geerbten alten Reetdachhaus wohnt. Während der einheimische Kommissar ...

Fria Nordström hat gute Gründe, vom LKA Hamburg in die neue Polizeiwache Sylt Nord zu wechseln, wo sie gleich in der Nähe in einem geerbten alten Reetdachhaus wohnt. Während der einheimische Kommissar von ruhigen Zeiten spricht, kommt die Meldung über einen Selbstmörder herein. Allerdings ist er fest davon überzeugt, dass Tammo Mattes sich niemals selbst erhängt hätte. Kaum angekommen, muss Fria also schon in einem möglichen Mordfall ermitteln.

Martin Krügers spezieller Schreibstil fesselt den Leser von Anfang an, die unheimlichen Vorgänge auf der Insel tun ihr Übriges, um dem Krimi sein besonderes Flair zu verleihen. Da geht es einerseits um den alten Seemann Mattes, der gerne als verrückt bezeichnet worden ist, andererseits um einen gestrandeten Unbekannten, der sich an nichts erinnern kann. Und wer ist der exzentrische Mann mit dem silbergrauen Haar, der stets seien Willen durchsetzt? Spannende Kapitel reihen sich aneinander und geben mehr Rätsel auf als sie enthüllen. Die später hinzukommenden Szenen aus Tätersicht hingegen lüften schnell ein Geheimnis. Wer mir leider die ganze Zeit über recht fremd geblieben ist, ist die Hauptfigur Fria Nordström. Zu ihrer Person wird vieles angedeutet aber wenig wirklich detailliert erzählt, vielleicht lichten sich die Nebel im folgenden Band?

Fria auf Sylt – die Kommissarin und Hündin Fee besitzen den richtigen Spürsinn, offene Fragen zum Fremden werden hoffentlich in einer Fortsetzung geklärt. Mir hat dieser ungewöhnliche Kriminalroman gut gefallen und meine Neugierde für mehr von Fria Nordström ist geweckt.

Veröffentlicht am 27.03.2025

Münsteraner Gesellschaft

Kreuzbube
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Kriminalhauptkommissar Friedrich von Coes tritt nach einem tödlichen Schuss und einer darauf folgenden mehrmonatiger Pause nun am zweiten April wieder den Ermittlungsdienst in der Ersten Kriminalinspektion ...

Kriminalhauptkommissar Friedrich von Coes tritt nach einem tödlichen Schuss und einer darauf folgenden mehrmonatiger Pause nun am zweiten April wieder den Ermittlungsdienst in der Ersten Kriminalinspektion der Polizei Münster an. Während er noch einen ruhigen ersten Tag verbringt - abgesehen davon, dass man ihm und Kollegen Dirk Grimm eine Azubine, Hannah Wolkenstein, aufs Aug drückt - läutet am nächsten Tag schon Frühmorgens das Telefon und holt von Coes zu einer Leiche in der Brauerei Blankenburg.

Sehr ruhig lässt sich dieser Kriminalroman an und strahlt damit eine angenehme Gelassenheit aus, die den tatsächlichen Fall nur noch mehr unterstreicht. Ein angesehener Brauereibetrieb, Seilschaften innerhalb der „gehobenen Münsteraner Gesellschaft“ und gut gehütete Familiengeheimnisse bilden eine solide Basis für spannende Ermittlungsarbeiten. Dazwischen lernen wir von Coes auch von seiner privaten Seite kennen, wodurch sein Wesen noch besser verständlich wird, mit seiner Tochter Anne bildet der Witwer ein sympathisches Gespann. Aber auch Dirk Grimm und Bernd Brockmann kann man sich bald gut vorstellen, sodass das Tüfteln rund um den Toten im Kessel abwechslungsreiche Unterhaltung bietet. Trockener Humor trifft auf Schlagfertigkeit, das eingespielte Team leistet trotz – oder gerade durch – die Neue hervorragende Arbeit, die einzelnen Tage vom 2. bis zum 10. April verfliegen im Nu. Auch wenn noch ein wenig Distanz zu verspüren ist bei den Münsteranern, so bin ich doch neugierig darauf, wie es hier weitergeht.

Ein logisch durchdachter Kriminalfall, der mit einer bewundernswerten Ruhe zu aller Zufriedenheit gelöst wird.

Veröffentlicht am 24.03.2025

Carla Seidel auf Jagd

Der Wolf im dunklen Wald
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Im Wendland findet ein Wiedersehen einstiger Schulkollegen und Freunde statt mit anschließender Jagd im Dragahner Forst. Carla Seidel, welche Bereitschaftsdienst tut in der Polizeistation Dannenberg, wird ...

Im Wendland findet ein Wiedersehen einstiger Schulkollegen und Freunde statt mit anschließender Jagd im Dragahner Forst. Carla Seidel, welche Bereitschaftsdienst tut in der Polizeistation Dannenberg, wird alsbald zu einem Leichenfund gerufen. Der tote Jäger weist mehrere heftig ausgeführte Messerstiche auf, weshalb die Kommissarin auf einen sehr emotionalen Täter schließt. Wenig später gibt es einen ähnlichen Mordfall – eine Serie? Carla zweifelt an dieser Theorie.

Auch beim zweiten Fall für Carla Seidel im niedersächsischen Wendland geht es sofort zur Sache, Wesentliches vom ersten Teil fließt aber kurz zur Erklärung ein, sodass auch Neueinsteiger in die Serie gut mitgenommen werden. Die Vergangenheit spielt eine nicht unwesentliche Rolle für das Handeln der Kommissarin mit ihrem Gefühl für die richtige Richtung und die Hypersensibilität von Tochter Lana ist ebenfalls wieder Thema. Die Jagdgesellschaft stellt Autorin Sia Piontek bildhaft dar, die düstere Atmosphäre im Wald, das öde Wendland mit seiner Ruhe, die einerseits Einsamkeit, andererseits aber auch Frieden ausstrahlt, passt ausgesprochen gut als Kulisse. Sämtliche Charaktere sind lebendig herausgearbeitet, so manches gesellschaftliche Problem (Gewaltbeziehung, emotionale Abhängigkeit, Alleinerzieher,…) wird durch die Figuren im Krimi widergespiegelt. So entsteht eine schöne Mischung aus Ermittlungsarbeit mit so mancher Überraschung und Konflikten im privaten Bereich. Der Spannungszustand Carlas zeigt sich zudem innerhalt des Teams, denn mitnichten sind hier alle einer Meinung. Jäger und Gejagte, Täter und Opfer verschwimmen mitunter, bis die richtige Lösung gefunden ist. Man darf mitfiebern und miträtseln bei fesselnden Lesestunden.

Eine gelungene Fortsetzung der Carla-Seidel-Krimi-Reihe, welche mir bislang ausgesprochen gut gefällt: die Figuren sind authentisch, die Handlung stimmig, der Spannungsbogen konstant. Beim nächsten Fall bin ich gerne wieder an Carlas Seite.