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Veröffentlicht am 16.03.2025

Familienunternehmen

Der Schmuckpalast – Camille und der Glanz von Gold
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1873 – 1893: In Paris ist das Juwelierunternehmen Cartier bekannt, aber nicht an der Spitze, als Alfred den Chefsessel von seinem Vater Louis-François übernimmt. Auch seine Schwester Camille wirkt tatkräftig ...

1873 – 1893: In Paris ist das Juwelierunternehmen Cartier bekannt, aber nicht an der Spitze, als Alfred den Chefsessel von seinem Vater Louis-François übernimmt. Auch seine Schwester Camille wirkt tatkräftig mit im Betrieb mit ihren brillanten Einfällen und feinen Zeichnungen, welche dann von den geschickten Goldschmieden in wertvollen Schmuck verwandelt werden. Aber niemand ist nur von Glück gesegnet, persönliche und wirtschaftliche Rückschläge stellen die einzelnen Familienmitglieder immer wieder vor große Herausforderungen.

Nach eingehender Recherche zeichnet Eva-Maria Bast die Entwicklung des bekannten Unternehmens Cartier nach und legt den Fokus auf wahre Begebenheiten, welche sie geschickt mit fiktiven Elementen verknüpft. So müssen erschütternde Todesfälle in der engsten Familie ebenso verarbeitet werden wie die Krankheit von Alice, Alfreds Ehefrau, oder eine unregelmäßige Buchhaltung. Der Zusammenhalt untereinander ist aber groß und fängt so manche Bürde auf, sodass auch die nächste Generation mit dem ältesten Sohn Lous-Joseph an der Spitze, das Geschäft fortführen kann.

Viele zeitgeschichtliche Details fließen in das Geschehen ein, so die Forderung nach Gleichberechtigung der Frauen oder die Debatte um die Pariser Weltausstellung mit dem Eiffelturm. Die Kooperationen mit dem Kaufhaus Worth oder dem Uhrmacher Baudet sind interessant und zeigen, dass es oft zielführend ist, zusammenzuarbeiten, auch wenn das Kompromisse verlangt.

Ein schöner Roman mit realistischem Hintergrund, ich werde auch den dritten Teil der Juwelier-Saga lesen.

Veröffentlicht am 15.03.2025

Üüs hüs

Der Duft von Kuchen und Meer
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Oma Undine eröffnet ihrer Enkelin Maren, dass sie ein Haus auf Amrum besitzt und die aktuelle Bewohnerin ausziehen wird. Maren soll auf die Nordseeinsel reisen und entscheiden, ob sie das Haus verkaufen ...

Oma Undine eröffnet ihrer Enkelin Maren, dass sie ein Haus auf Amrum besitzt und die aktuelle Bewohnerin ausziehen wird. Maren soll auf die Nordseeinsel reisen und entscheiden, ob sie das Haus verkaufen oder vermieten möchte. Gemeinsam mit Tochter Leni bricht die junge Witwe auf und lernt ihre Verwandtschaft kennen, von der sie bisher nichts gewusst hat. Viele Ähnlichkeiten, insbesondere die Liebe zum Backen, verbindet Maren und Leni mit ihren Vorfahren.

Überwiegend spielt die Geschichte im Heute, ab und zu schwenken wir auf eine vergangene Zeitebene, mitunter gibt es auch während der aktuellen Handlung Erinnerungen an frühere Generationen. So lernen nicht nur Maren und Leni, sondern auch die Leser eine große Familie zwischen Kassel und Amrum kennen. Mit viel Liebe zum Detail wird die raue Schönheit Amrums beschrieben, finden wir freundliche Menschen, die über Fauna und Flora Bescheid wissen, aber auch eher verstockte sture Insulaner, die eine Menge Vorbehalte gegen Leute vom Festland hegen. Wie ein Wirbelwind erobern Maren und Leni die neue Umgebung, interessieren sich für die hiesige Kultur, ja lernen sogar schnell die wichtigsten Ausdrücke aus Öömrang, der eigenen friesischen Sprache hier. Nicht zuletzt dadurch erhält dieser zauberhafte Roman seine Authentizität und Lebendigkeit. In kurzer Zeit reifen gewagte Ideen zu möglichen Perspektiven heran, am Ende darf der Leser entscheiden, was aus jenen Handlungsfäden entsteht, die nur angedeutet sind. Ich finde das schön, es muss nicht jeder Gedanke zu Ende geführt werden, es darf ruhig Platz für Phantasie bleiben – oder eine Fortsetzung der Geschichte.

Fazit: ein schöner Roman mit passendem Amrum-Flair.

Veröffentlicht am 13.03.2025

Schwarzer Tod

Das Pestkind
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Gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1648) wird Rosenheim von der Pest heimgesucht. Marianne entwischt als Einzige in ihrer Familie dem Schwarzen Tod und wächst fortan bei der Brauerei- und Wirtshausbesitzerin ...

Gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1648) wird Rosenheim von der Pest heimgesucht. Marianne entwischt als Einzige in ihrer Familie dem Schwarzen Tod und wächst fortan bei der Brauerei- und Wirtshausbesitzerin Hedwig Thaler heran, die sie aber eher wie eine Dienstmagd und nicht wie eine Ziehtochter behandelt. Das arme Mädchen wird auch von den Nachbarn geschnitten und als unheilbringendes „Pestkind“ beschimpft. Lediglich der Abt Pater Franz und ihr „einfältiger“ Stiefbruder Anderl begegnen Marianne vorurteilsfrei und liebevoll. Als Hedwig erschlagen aufgefunden wird, steht schnell der Mörder fest, aber ob die Zeugen tatsächlich die Wahrheit sagen? Eine aufwühlende Zeit steht Marianne bevor.

Lebendig schildert Nicole Steyer die Stadt Rosenheim in den Jahren von Pest und Dreißigjährigem Krieg, von Not und Verachtung. In den drei großen Abschnitten spielt die Handlung aber nicht nur in Rosenheim, sondern auch im Tross des feindlichen Schweden-Generales, wo es ebenfalls hoch hergeht. Eine Reihe an schweren Schicksalsschlägen muss Marianne verkraften, verliert sie doch im Laufe der Geschichte mehrere Menschen, die ihr lieb und teuer sind. Grausame Szenen aus dem Krieg verdüstern die Stimmung ebenfalls, aber Marianne kämpft für das, was sie einst versprochen hat.

Fesselnd und spannend fliegen die vielen Seiten nur so dahin, langweilig wird es jedenfalls nicht. Und als gäbe es nicht schon genug Überraschungen, so muss man auch am Ende noch einmal den Atem anhalten und einen Rückschlag einstecken.

Ein wunderbar zu lesendes Buch, das eine schreckliche Zeit widerspiegelt und eine mutige junge Frau in den Mittelpunkt rückt. Mir hat Nicole Steyer damit aufregende Lesestunden beschert, ich empfehle „Das Pestkind“ sehr gerne weiter.


Veröffentlicht am 12.03.2025

Kleines Klassentreffen

Haus Waldesruh
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In einem abgeschieden gelegenen Jagdhäuschen in der Steiermark treffen einander vier Schulfreunde wieder. Fünfzehn Jahre sind seit der Matura vergangen, Marco, Anna, Ferdinand und Lea erinnern sich an ...

In einem abgeschieden gelegenen Jagdhäuschen in der Steiermark treffen einander vier Schulfreunde wieder. Fünfzehn Jahre sind seit der Matura vergangen, Marco, Anna, Ferdinand und Lea erinnern sich an Max, der sich damals das Leben genommen hat. Frank, eine zufällige Zugbekanntschaft, stößt ebenfalls zur Runde. Nach gemeinsamen Gedanken und aufkeimenden Konflikten aufgrund recht unterschiedlicher Weltanschauungen eskaliert die Situation mit einem weiteren Gast.

Sehr ruhig fließt Krems‘ Erzählung dahin. Wer aufmerksam liest, erkennt allerlei Diskussionsstoff in diesem zarten Büchlein mit dem düsteren Titelbild. Auch über die bewegende Geschichte legt sich ein Nebel aus unangenehmer Vergangenheit und sehr verschiedenen Lebenswegen der kleinen Gruppe, die an diesem speziellen Klassentreffen teilnimmt. Die gesamte Handlung gliedert sich in drei Abschnitte, wobei sich jeweils Änderungen im inhaltlichen Schwerpunkt ergeben. Was als harmloses Treffen beginnt, spitzt sich im Laufe der Stunden zu, interessante Details aus früheren Jahren tragen nach und nach die nötigen Puzzlesteinchen zusammen, welche die Einladung ins Steirische erklären.

Mit einem genauen Blick fürs Detail zeichnet David Krems seine Charaktere, die angespannte Atmosphäre im Jagdhaus am Waldesrand ist deutlich spürbar. Ich rieche den Zigarettenrauch am offenen Fenster, während ich den fallenden Schneeflocken zusehe, lausche Karel Gotts „Fang das Licht“ und werde immer stummer ob der Erlebnisse, welche die vier Freunde schon so lange belasten. Auch wenn vielleicht mehr Dramatik möglich gewesen wäre, so passt die nüchterne Sachlichkeit der Betrachtungen doch sehr gut hierher, insbesondere zum Ende, das mich - im positiven Sinne - überrascht hat.

Ein sehr spezieller Roman, bei dem man über weite Strecken nicht recht weiß, wohin der Weg führen wird, der aber eine ganze Reihe an Themen zum Nachdenken aufwirft. Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 10.03.2025

Ohlsen Ohlsen

Die Brandung – Moorengel
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Am Thorsberger Moor wird ein einzelner menschlicher Finger gefunden und der Museumsleiterin Fria Svensson zugespielt, die ihre Expertise und den Fall an Hauptkommissar Ohlsen Ohlsen abgibt. Gleichzeitig ...

Am Thorsberger Moor wird ein einzelner menschlicher Finger gefunden und der Museumsleiterin Fria Svensson zugespielt, die ihre Expertise und den Fall an Hauptkommissar Ohlsen Ohlsen abgibt. Gleichzeitig verschwinden ein siebenjähriges Mädchen und mehrere Zuchtkätzchen.

In rasanter Abfolge wechseln Szenen, Schauplätze, Handlungsstränge, oftmals derart, dass man gar nicht weiß, um welche Figur es sich auf der aktuellen Seite handelt, schon spielt auf der nächsten jemand anderes die wichtigste Rolle. So dauert es eine gewisse Zeit, bis man sich zurechtfindet im deutsch-dänischen Grenzgebiet, in dem eine Leiche gefunden wird und ein Kind verschwunden ist. Die persönliche Betroffenheit über den Vermisstenfall spürt man sowohl bei Ohlsen als auch bei Fria, aber dieser muss zwischenzeitlich auf Eis gelegt werden, der Moorleiche wird Vorrang eingeräumt. Interessante Details kommen aufs Tapet, neue Charaktere werden eingeführt, wer ist wichtig fürs Geschehen, wer soll ablenken und in die Irre führen? Die Ermittler sind gefragt, der Leser darf sich ebenfalls den Kopf zerbrechen. Zwischen Fingergliedern, Leichen aus dem See, Katzen und einer vernachlässigten, verschollenen Schülerin wird man förmlich hin- und hergerissen.

Den Leser erwarten spannende Stunden, das Ende wird nicht jedem gefallen, für mich ist es aber stimmig, genau so, wie es Karen Kliewe niederschreibt. Leseempfehlung für scharfsinnige Köpfe.