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Veröffentlicht am 30.12.2024

Vertrauen

Pleasure and Pain - Fessle mein Herz
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Violet Santos schreibt als Journalistin für ein Magazin, das jedoch immer mehr an Lesern verliert. Damit die Druckausgabe nicht gänzlich geopfert werden muss, soll sich Violet im örtlichen BDSM-Club Plaisure ...

Violet Santos schreibt als Journalistin für ein Magazin, das jedoch immer mehr an Lesern verliert. Damit die Druckausgabe nicht gänzlich geopfert werden muss, soll sich Violet im örtlichen BDSM-Club Plaisure and Pain einschleusen und eine Enthüllungsstory vorbereiten. Dabei rechnet sie nicht damit, dort ihrem ehemaligen Liebhaber gegenüberzustehen, der mittlerweile Miteigentümer des Clubs ist. Wie weit wird Violet gehen, um ihren Arbeitsplatz abzusichern? Gibt es noch Vertrauen zwischen ihr und Elijah?

Spannend ist die Rahmenhandlung, welche die Episoden im Club umgibt und Violet in einen Gewissenskonflikt treibt. Dieser wird von Liz Rosen gut dargestellt und vor allem blendend aufgelöst. Dazwischen erhält der Leser Einblicke in das Geschehen im BDSM-Club, wo es sehr familiär zugeht und die Mitglieder geschützt sind vor Allgemeinplätzen und Vorurteilen. Toleranz und Vertrauen bilden die Basis für die Vorlieben, die hier gelebt werden, was die Autorin auch immer wieder betont. Ob die Schilderungen authentisch und realistisch sind, mag ich nicht zu beurteilen, vielleicht gibt es zu viele Wiederholungen, jedenfalls fügen sie sich passend ins Geschehen, welches abwechselnd aus Violets und Elijahs Sicht präsentiert wird.

Eine etwas andere Geschichte mit einer sehr klaren Charakterentwicklung, durchaus interessant.

Veröffentlicht am 30.12.2024

Mistel und Zweig

Weihnachtswunder im Hotel Mistelzweig
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Ruth Mistel führt ein kleines familiäres Hotel in Rothenburg, ihre Enkelin Amelie Zweig arbeitet als Angestellte in einem Münchner Nobelhaus. Nach einer unangenehmen Überraschung kehrt sie in ihr Heimatstädtchen ...

Ruth Mistel führt ein kleines familiäres Hotel in Rothenburg, ihre Enkelin Amelie Zweig arbeitet als Angestellte in einem Münchner Nobelhaus. Nach einer unangenehmen Überraschung kehrt sie in ihr Heimatstädtchen zurück und muss feststellen, dass die Oma hoch verschuldet ist. Wenn nicht rasch neue Gäste kommen, muss das Familienhotel schließen. Als Ruth eine Buchung auf den Namen Georg Scott entdeckt, wird sie stutzig – ist das etwa der Georg aus ihrer Jugendzeit?

Romantische Szenen und liebevoll charakterisierte Figuren begegnen dem Leser in dieser zauberhaften Weihnachtsgeschichte, die uns ins Hotelgewerbe und auf allerlei Christkindlmärkte entführt. Auch wenn sich ein paar kleine Unstimmigkeiten ins Geschehen geschlichen haben, darf man sich erfreuen an der schneeglitzernden Winterzeit und an herzerwärmenden Bildern, die Vorfreude auf die Festtage aufkommen lassen. Wolkensteins Schreibstil fließt angenehm dahin und kreiert genau den richtigen Mix aus alten Erinnerungen, aktuellen Schwierigkeiten und einer gelungenen Auflösung bis hin zum Weihnachtsfest. So kann man sich ruhig zurücklehnen und genießen.

Ein Roman, der größtenteils hält, was er verspricht und für unterhaltsame Stunden sorgt. Leseempfehlung, wenn man unkomplizierte Zeit zum Abschalten sucht.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Unbeirrt

Das zweite Kind
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Ein nackter Zehnjähriger wird verstört am Straßenrand aufgegriffen, nur knapp konnte er seinem Entführer entkommen. Ein weiterer Bub, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, wird noch vermisst. Valentina ...

Ein nackter Zehnjähriger wird verstört am Straßenrand aufgegriffen, nur knapp konnte er seinem Entführer entkommen. Ein weiterer Bub, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, wird noch vermisst. Valentina Medici vom SCO (Zentraler Operationsdienst der Staatspolizei) soll den Fall rasch klären und zu einem Abschluss bringen, aber das ist gar nicht so einfach, denn sie findet irgendwann Spuren zu Cold Cases, denen sie trotz gegenteiliger Anweisungen unbeirrt folgt.

Spannend beginnt dieser Thriller, der seine Leser mit den zwillingsgleichen verschwundenen Buben rasch in seinen Bann zieht. Dann schließen sich jedoch langwierige Ermittlungen an, die zwar überaus authentisch dargestellt werden – schließlich kann der Autor auf jahrzehntelange eigene Erfahrung zurückgreifen – den Sog hingegen immer wieder schwinden lassen. In der Mitte des Buches scheint alles geklärt zu sein, die Sachlage wird von Valentina jedoch neu eingeschätzt, um den Fall abermals aufzurollen. Auch diese Richtung ist grundsätzlich interessant und bietet einen brisanten Hintergrund, der Weg zur Aufklärung gestaltet sich allerdings steinig und langwierig. Viele Figuren sorgen für Überraschungen und zeigen, wie anspruchsvoll die Tätigkeit der Kommissare ist, für den Leser ist das mitunter verwirrend und langatmig. Auch die Hauptpersonen selbst sind zwar mit Ecken und Kanten ausgestattet, ein lebendiges Profil, das einem dauerhaft im Gedächtnis bleibt, zeigen sie aber eher nicht. Dennoch kreiert De Franchi einen ganz speziellen Fall, der logisch aufgebaut ist und schlussendlich ein passendes Ergebnis präsentiert.

Das zweite Kind entwickelt sich in eine ganz andere Richtung als von mir ursprünglich erwartet, aufwendige Ermittlungen verlangen auch vom Leser Ausdauer und Geduld, wobei die geschilderten Motive und Handlungen durchaus spannend sind. Somit eine Empfehlung für Krimi/Thriller-Freunde, die sich auch von knapp 700 Seiten nicht abschrecken lassen.

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Veröffentlicht am 26.12.2024

Neue Heimat

Die Sehnsucht, die bleibt
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Auch im Jahre 1953 sind in Wien noch viele Kinder unterernährt und kränklich, weshalb die Caritas die schwächsten unter ihnen für einige Monate in die Schweiz oder nach Portugal zur Erholung verschickt. ...

Auch im Jahre 1953 sind in Wien noch viele Kinder unterernährt und kränklich, weshalb die Caritas die schwächsten unter ihnen für einige Monate in die Schweiz oder nach Portugal zur Erholung verschickt. Reni stammt aus einer ärmlichen Familie, in der es kaum Platz gibt für Geborgenheit, aber in Lissabon findet sie Liebe und Vertrauen bei den reichen Figueiros. Hier scheint es an nichts zu mangeln, Kleidung, Essen, Bildung und Herzenswärme erfährt die kleine blonde Reni hier und sieht in der fremden Stadt bald eine neue Heimat. Durch Schwierigkeiten in der eigenen Familie wird Reni hin- und hergerissen zwischen Wien und Lissabon, das eigene Glück rückt immer weiter in die Ferne.

Verena, von allen nur liebevoll Reni genannt, muss früh erwachsen werden und blüht erst in der Fremde so richtig auf. Durch ihre rasche Auffassungsgabe lernt sie schnell die Landessprache und fügt sich ins gewohnte Leben der Portugiesen ein, nur die politischen Hintergründe des Salazar-Regimes und die deutlichen Standesunterschiede übersteigen noch das Fassungsvermögen des Schulkindes. Mit dieser sympathischen Romanfigur darf der Leser nun eintauchen in die beiden ganz unterschiedlichen Welten Wiens und Lissabons und die Zeit ab 1953 ganz nah miterleben. Viele Schicksalsschläge sind zu ertragen, ein wenig politischer Hintergrund erörtert die damalige Lage und fördert beim Leser das Verständnis für die handelnden Personen. Reni selbst wirkt manchmal etwas überzeichnet oder es werden ihr Worte in den Mund gelegt, die für mich nicht ganz passend waren, dennoch hat mich ihr Weg sehr berührt und ihre Art, gleich einem Stehaufmännchen, nicht unterzugehen, findet am Ende doch noch einen würdigen und schönen Abschluss.

Ohne jeglichen Kitsch oder Gefühlsduselei erleben wir in dieser Geschichte ein kleines Mädchen, das sich im Laufe der Zeit zu einer willensstarken Frau entwickelt und erst in der Fremde auch wirklich zu sich selbst findet. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 23.12.2024

6. Juni

Für immer
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Der 6. Juni ist ein Tag wie jeder andere, Menschen gehen in die Arbeit, Menschen trinken Kaffee, Menschen sterben, Menschen werden geboren. Das Leben nimmt seinen regelmäßigen Lauf, bis plötzlich kein ...

Der 6. Juni ist ein Tag wie jeder andere, Menschen gehen in die Arbeit, Menschen trinken Kaffee, Menschen sterben, Menschen werden geboren. Das Leben nimmt seinen regelmäßigen Lauf, bis plötzlich kein Mensch sich mehr verändert, niemand entwickelt sich, niemand altert, niemand stirbt, selbst Ungeborene wachsen nicht mehr heran im Mutterleib. Während das Auf und Ab in der Natur voranschreitet, scheint für den Menschen das ewige Leben angebrochen zu sein.

Lose aneinandergereihte Episoden unterschiedlichster Charaktere präsentiert Maja Lunde in ihrem neuen Roman über die Zeit und die Endlichkeit des menschlichen Individuums. In ihrer sachlichen Erzählweise zeigt sie dem Leser Bilder, die sie mit der Kamera geknipst haben könnte, Bilder des Stillstands, Bilder der Freude über geschenkte Zeit, Bilder über das Staunen um das Unerklärliche. Obwohl die Personen dem Leser nicht allzu nahe kommen, lösen sie dennoch Gefühle und Reaktionen aus, denn das Geschehen ist absolut außergewöhnlich und dadurch natürlich nachdenklich stimmend. Wie würde man selbst mit dieser oder einer ähnlichen Situation umgehen, wie darauf reagieren, dass auch vonseiten der Wissenschaft keine schlüssige Erklärung bekanntgegeben wird, keine Einschätzung erfolgt, wodurch dieser Stillstand am menschlichen Lebewesen ausgelöst worden ist oder wieder beendet werden könnte. Leider bleibt auch die Autorin selbst eine Information dazu schuldig, lediglich das Gedankenexperiment, „was wäre, wenn“ bekommt Raum auf diesen 230 Seiten.

Ein interessantes Spiel mit Überlegungen zu unserem irdischen Dasein, das mir gut gefallen hat und welches ich daher gerne weiterempfehle, wenngleich der Leser selbst einige Leerstellen füllen muss.

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