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Veröffentlicht am 23.04.2026

Wo das Leben einfach schmeckt

Sommerwind in der Toskana
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Als einzige Nachfahrin erbt Laura das Haus ihres Onkels in der Toskana. Obwohl sie es ganz schnell verkaufen und rasch wieder nach Frankfurt zurückkehren will, hält sie irgendetwas länger als geplant im ...

Als einzige Nachfahrin erbt Laura das Haus ihres Onkels in der Toskana. Obwohl sie es ganz schnell verkaufen und rasch wieder nach Frankfurt zurückkehren will, hält sie irgendetwas länger als geplant im schönen Süden.

Lebendig und voller bunter Bilder erzählt Karin Seemayer aus den Blickwinkeln von Laura und Luca, schildert die beeindruckende Landschaft der Toskana in leuchtenden Farben und bringt in Nonna Marias Küche die köstlichsten Speisen auf den Tisch. Wer bekommt kein Fernweh, wenn nussiges Olivenöl auf frisches Brot trifft, wenn saftige Marillen und satter Wein um die Wette strahlen? Wo das Leben einfach schmeckt, da findet Laura spannende Aufgaben, denen sie sich gerne widmet und wie von selbst ihre Werteskala neu ordnet. Der verschmitzt lächelnde Luca, den sie schon aus Sommerurlauben in Kindertagen kennt, lässt die junge Deutsche ebenfalls nicht kalt.

Ruhig und einfühlsam kommen die übersichtlich kurz gehaltenen Kapitel daher, bringen ohne großes Aufhebens Änderungen und Neuerungen mit und üben genau dadurch einen ungeahnten Sog beim Lesen aus. Naturverbundenheit und Familiensinn sind spürbar echt, die Figuren realistisch und glaubwürdig. Egal, ob man die Toskana bereits kennt oder nicht, spätestens nach dieser virtuellen Reise möchte man tatsächlich in die Ferne schweifen.

Ein stimmungsvoller Roman, der durch Ruhe und Geradlinigkeit überzeugt. Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2026

Zwischen Gletscher und Fortschritt

Tal der Schwalben
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Alesch stammt aus einem abgelegenen Schweizer Bergdorf, wo Natur und Bodenständigkeit vorherrschen. Während er studiert und einen leitenden Posten am Institut für angewandte Fusionsenergie übernimmt, sind ...

Alesch stammt aus einem abgelegenen Schweizer Bergdorf, wo Natur und Bodenständigkeit vorherrschen. Während er studiert und einen leitenden Posten am Institut für angewandte Fusionsenergie übernimmt, sind die Städte in der Schweiz zu einer Metroplitane zusammengewachsen und die Alpenregion soll immer mehr gesperrt und für die Energieversorgung herangezogen werden. Für eine wissenschaftliche Arbeit kehrt Alesch in seine Heimat zurück und muss sich wundern über seltsame Wetterphänomene, er ist hin- und hergerissen zwischen der rauen, sich stark verändernden Gletscherwelt und seiner Forschung, welche viele Energieprobleme lösen könnte.

In drei große Abschnitte gegliedert, begleiten wir Alesch durch diese recht nüchtern dargestellte Geschichte, die möglicherweise genau deshalb die Problematik von Naturschutz und Energiegewinnung unterstreicht. Die wenigen, das Geschehen beherrschenden Figuren sind für mich ziemlich unnahbar, sodass es schwer ist, in deren Gefühls- und Gedankenwelt einzudringen. Dennoch wird das Dilemma eindringlich dargestellt: Klimaflüchtlinge und zwangsweise Umgesiedelte drängen sich in den neuen Städten, große Konzerne übernehmen das Kommando und wecken Illusionen, die möglicherweise nie wahr werden können. Die dystopischen Szenen werden allerdings abgelöst von Bildern aus Pradetta, dem Ort, aus dem Alesch stammt und wo man sich zur Wehr setzt gegen die Evakuierung.

Mit ihrer distanzierten Betrachtung gelingt es der Autorin, wertungsfrei zu erzählen und den Leser mitzunehmen in eine Zukunft, die wir vielleicht doch intensiver und engagierter mitgestalten wollen und sollen. Was romanhaft klingt, kann schneller zur Realität werden als wir uns vorstellen können. Das Tal der Schwalben bietet jedenfalls interessante Ausblicke.

Veröffentlicht am 21.04.2026

Die Uhr tickt

Noch fünf Tage
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Lis Castrop wacht im Krankenhaus auf, sie ist vergiftet worden. Die Familie, für welche sie als Spitzenköchin fürs Silvestermahl engagiert war, ist bereits tot. Ist sie selbst die Mörderin und will ihre ...

Lis Castrop wacht im Krankenhaus auf, sie ist vergiftet worden. Die Familie, für welche sie als Spitzenköchin fürs Silvestermahl engagiert war, ist bereits tot. Ist sie selbst die Mörderin und will ihre Spuren verwischen – oder ebenfalls ein Opfer? Das gilt es, herauszufinden. Aber die Uhr tickt immer lauter. Innerhalb von fünf Tagen wird auch sie ihr Leben aushauchen.

Lis‘ Blickwinkel ist jener, den auch die Leser einnehmen. So wird ein eher einseitiges Bild gezeichnet, das durch die persönliche Note besticht. Die Kapitel sind knapp gehalten, um den wenige Tage umfassenden zeitlichen Rahmen gut widerzuspiegeln. Auch Spannung sollte dadurch wohl implementiert werden, das gelingt jedoch nur bedingt. Immer wieder schweifen Lis‘ Gedanken ab in die Vergangenheit, um zu rekapitulieren, welche Täter und welche Motive eine Rolle spielen könnten, allerdings verliert sich die Handlung dadurch stets in Nebensächlichkeiten und ablenkende Details. So nützen auch die oft eingeblendete aktuelle Uhrzeit und das Herunterrechnen der verbleibenden Stunden nicht unbedingt, um den Funken eines Thrillers auf den Leser überspringen zu lassen. Das Ende hingegen ist überzeugend aufgelöst und kann noch etwas von diesem eher emotionsfreien Spiel retten.

Eine interessante Idee, die aber für einen Thriller mehr Dramatik oder Gänsehautmomente bräuchte.


Veröffentlicht am 20.04.2026

Im Miethaus

Stunden wie Tage
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In einem Berliner Miethaus wohnt und arbeitet Martha E. Sie ist die gestrenge, aber gute Seele für vier Stiegen und hält auf sparsame und wirkungsvolle Weise Ordnung. Als die Nationalsozialisten erstarken ...

In einem Berliner Miethaus wohnt und arbeitet Martha E. Sie ist die gestrenge, aber gute Seele für vier Stiegen und hält auf sparsame und wirkungsvolle Weise Ordnung. Als die Nationalsozialisten erstarken und der jüdische Hausbesitzer flüchtet, übernimmt Martha E. die Verantwortung für das Haus und kümmert sich um die zurückbleibende Tochter Liane.

Nüchtern im Schreibstil und dennoch berührend, so begegnet man dieser Geschichte, welche zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht. Wir begleiten Martha über mehrere Jahrzehnte, lernen sie in unterschiedlichen Situationen kennen. Die nach außen hin oft hart und forsch wirkende Frau hat jedoch ein weiches Herz, weshalb sie sich auch während der Kriegsjahre um ihre Nachbarn kümmert. Mit leisen Tönen wird die schreckliche Zeit geschildert, wenige Figuren stehen im Mittelpunkt und stellvertretend für viele ähnliche Schicksale. Die Zeit nimmt ihren Lauf, der Krieg ist zu Ende und Martha ist immer noch auf ihrem Hausbesorgerposten, selbst in der Rente streift sie armselig und unauffällig durch die Gassen. Was sie in all den Jahren gesehen und erkannt hat, bleibt lange ein Geheimnis.

Knapp an Seiten und dennoch mit so vielen Details erzählt Shelly Kupferberg nach eingehender Recherche aus einer düsteren Zeit, schildert das Leben von Menschen, die wie du und ich gewesen und plötzlich mit unfassbarem Leid konfrontiert worden sind. Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 20.04.2026

Leiche in Schokolade

Die dunkle Seite der Schokolade
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Als studierte Chemikerin und Juristin findet Serafine Montalin einen Platz als interne Ermittlerin im Schokoladeunternehmen CacaoBest. Dafür hat sie ganz persönliche Beweggründe, denn ihr Vater ist etliche ...

Als studierte Chemikerin und Juristin findet Serafine Montalin einen Platz als interne Ermittlerin im Schokoladeunternehmen CacaoBest. Dafür hat sie ganz persönliche Beweggründe, denn ihr Vater ist etliche Jahre zuvor in genau dieser Firma zu Tode gekommen, weshalb sie eigene Nachforschungen anstellen möchte. Im Strudel der Ereignisse gerät Serafine nun selbst zur Zielscheibe.

Detaillierte Beschreibungen zur Herstellung feinsten Kakaos und zartester Pralinen, vermischt mit einem alten Todesfall, das sind die köstlichen Zutaten für diesen atmosphärischen Schweizer Kriminalroman. Eine selbstbewusste und durchsetzungsstarke Hauptperson, Serafine, versucht auf gewitzte Art und Weise ihr Vorhaben umzusetzen, wobei ihr Autorin Dina Casparis noch einige weitere Themen mit auf den Weg gibt. So kommen noch die Unterdrückung Einheimischer während der Kolonialzeit in Afrika, Rassismusprobleme und verstrickte Familienstammbäume ins Spiel, wodurch man als Leser schnell einmal den roten Faden verlieren kann. Weniger ist mehr, hätte da aus meiner persönlichen Sicht besser gepasst. Andererseits sind die komplizierten Puzzlestücke gut miteinander verwoben, was für die Autorin spricht und sämtliche Einzelheiten bestens recherchiert, sowie im Nachwort nochmals übersichtlich zusammengefasst. Der flüssige Schreibstil schließlich vermittelt ein angenehmes Lesegefühl.

Eine spannende Familiengeschichte mit einigen Krimiszenen und vielen verführerischen Düften feinster Schweizer Confiserie – anders als erwartet, aber durchaus interessant.