Zwischen den Welten
Der Fährmann1900: Zwischen Österreich und Deutschland bewegt sich Fährmann Hannes ständig hin und her, bringt seine Fahrgäste sicher über die Salzach von einem Land ins andere. Seit seiner Kindheit ist er befreundet ...
1900: Zwischen Österreich und Deutschland bewegt sich Fährmann Hannes ständig hin und her, bringt seine Fahrgäste sicher über die Salzach von einem Land ins andere. Seit seiner Kindheit ist er befreundet mit Elisabeth und Annemarie, heiraten darf er aber keine von beiden, ist einem Fährmann doch eine eigene Familie verboten. Elisabeth wird nach elterlichem Rat Josef Steiner versprochen, jedoch hat auch Annemarie ein Auge auf den jungen Bauern geworfen.
Mit einem kursiv gedruckten Abschnitt beginnt das Buch und mit ihm der Weg zwischen die Welten, zwischen Wasser und Land, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Gut und Böse. Fast poetisch fühlt sich die Beschreibung der tanzenden Flussläufe an, droht ein Unglück die Fluten zu besudeln. Weitere ähnliche Einschübe untermalen den nun folgenden Roman selbst, der sich ebenfalls auszeichnet durch sprachliches Geschick und einen erzählerischen Ton, welcher mit seinen mundartlichen Ausdrücken gut ins ländliche Milieu der Zeit rund um den Ersten Weltkrieg passt. Eine durchgehend düstere Atmosphäre begleitet die Jahre im beginnenden 20. Jahrhundert, spiegelt die patriarchalischen Strukturen gekonnt wider und lässt die Frauen zu den eigentlichen Helden der Geschichte werden. Für den Leser ist es mitunter schwer zu ertragen, wenn von (häuslicher) Gewalt die Rede ist, aber so lebensfern dürften die Geschehnisse leider nicht sein. Durch die detaillierten Beschreibungen gelingt das Eintauchen in die fremde Welt besonders gut, werden die Figuren plastisch und ihre Art zu handeln stets nachvollziehbar. Die eng miteinander verknüpften Schicksale spitzen sich im Laufe der Zeit in ihrer Dramatik zu, das Ende gleicht einem Paukenschlag.
Sprachlich großartig, inhaltlich bedrückend – wer sich von ernsthaften Themen nicht abschrecken lässt, wird vom Fährmann begeistert sein.