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Veröffentlicht am 16.03.2024

Falsches Spiel

Der Wald
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Mira Bunting gehört einer Gruppe von Umweltaktivisten an, welche Pflanzen auf öffentlichem Grund aussät und erntet, aber durchaus auch auf ungenutzten privaten Flächen - die Ernte ist für gute Zwecke vorgesehen. ...

Mira Bunting gehört einer Gruppe von Umweltaktivisten an, welche Pflanzen auf öffentlichem Grund aussät und erntet, aber durchaus auch auf ungenutzten privaten Flächen - die Ernte ist für gute Zwecke vorgesehen. In völligem Gegensatz zu diesen Idealisten steht Robert Lemoine, ein Milliardär, der ein wertvolles Grundstück in einem Erdbebengebiet erwerben möchte. Ob seiner lauteren Beweggründe dürfen Zweifel bestehen. Und genau dieses Grundstück hat Mira kürzlich als großartige Anbaufläche auserkoren. Was wird passieren, wenn Mira und Lemoine aufeinandertreffen?

Ein phantastisches, sehr dynamisches Titelbild in Schwarz-Weiß lässt, ebenso wie der Klappentext, auf eine spannende Geschichte hoffen. Auch die Leseprobe wirkt überzeugend auf mich – der Schreibstil ist gekennzeichnet von strukturierten, teils recht langen Sätzen, welche das Geschehen gut widerspiegeln. Leider kommt es dann über weite Strecken zu langatmigen Szenen, es dauert (zu) sehr, bis Spannung aufkommt und die Handlung mich als Leser endlich abholt. Trotz der vielen Seiten, welche den einzelnen Personen gewidmet werden, bleiben diese eher oberflächlich und austauschbar, berühren konnte mich keine von ihnen, was ich doch recht schade finde. So ist das Lesen trotz der überaus interessanten Themenkonstellation bis zum letzten Drittel hin eher mühsam und beschwerlich, Umweltschutz, Prepper, Hacken von Handys oder Überwachung per Drohne hätten möglicherweise mehr hergeben können.

Der Wald, Birnam Wood, ein Buch, das mich auf der Stelle angelacht hat, letztendlich aber nicht meine Erwartungen getroffen hat. Aufgrund der vielen sehr positiven Rezensionen empfehle ich aber durchaus, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Grundthema ist in dieser Art und Weise nicht bereits in zahllosen anderen Büchern vertreten und der Schreibstil spricht für sich.

Veröffentlicht am 14.03.2024

Wurzeln im Süden

Nostalgia Siciliana
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Titas Vater Gianni stammt aus Sizilien, ist aber in jungen Jahren als Gastarbeiter nach Berlin gezogen, um dort sein Glück zu versuchen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Carla eröffnet er italienische Restaurants ...

Titas Vater Gianni stammt aus Sizilien, ist aber in jungen Jahren als Gastarbeiter nach Berlin gezogen, um dort sein Glück zu versuchen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Carla eröffnet er italienische Restaurants im kalten Norden und bringt Tiefkühlpizza über die Firma Oetker in Umlauf. Während er mit seiner Familie anfangs noch jeden Sommer sein Heimatdorf in Sizilien besucht, hört man mit dieser Tradition nach seinem frühen Tod auf, zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an diese Tage. 26 Jahre später verstirbt Titas Onkel, auf einen Anruf des Notars hin besteigt sie nach langer Zeit wieder das Flugzeug und trifft auf ihre familiären Wurzeln im Süden.

Bitter und süß, so sagt man, sei Sizilien, und genau das vermag Patrizia Di Stefano in diesem Roman zu vermitteln. Ein Hauch von Melancholie und Wehmut schwingt stets zwischen den Zeilen mit, wenn man als Leser quer durch die Zeiten springt. Einerseits begleiten wir Tita nach dem Tod ihres Onkels nach Sizilien und atmen den frischen Duft vielerlei Zitronensorten ein, genießen das träge dahinplätschernde Leben im sizilianischen Sommer mit seiner typischen Gastfreundschaft, andererseits reisen wir immer wieder in die Vergangenheit und erleben, was Gianni nach Deutschland geführt hat und wie er sich dort langsam ein neues Leben aufgebaut hat.

Interessante Einblicke gewährt die Autorin in ein Stück ihrer persönlichen Familiengeschichte, welche sich in weiten Zügen so zugetragen hat. Einem Rösselsprung gleich, hüpft man hin und her zwischen Berlin und Sizilien, springt von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Die Atmosphäre in Sizilien, und ebenso in Berlin, ist jeweils gut spürbar dargestellt, trotz mancher Länge bietet dieses Buch unterhaltsame Lesestunden.

Veröffentlicht am 12.03.2024

Lied und Leid

Annas Lied
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Familie Koppelman ist von Polen nach Dänemark gezogen, die vier Söhne haben sich entgegen der jüdischen Tradition ihre Ehefrauen in der neuen Heimat selbst ausgesucht, lediglich Hannah, die jüngste im ...

Familie Koppelman ist von Polen nach Dänemark gezogen, die vier Söhne haben sich entgegen der jüdischen Tradition ihre Ehefrauen in der neuen Heimat selbst ausgesucht, lediglich Hannah, die jüngste im Hause, wird an eine gute Partie in Paris verheiratet, obwohl ihre große Liebe Aksel gilt. Wie wird es ihr nach einer glücklichen Kindheit in Kopenhagen und der Flucht nach Schweden in der Stadt der Liebe ergehen? Wird sie ihr Glück finden?

Beschwingt fädelt Schneidermeister Vater Koppelman den Zwirn in die Nadel, mit strengem Regiment führt die Mutter den Haushalt, talentiert musizieren die Kinder, das Leben scheint einen guten Verlauf zu nehmen. Aber dann, während der 1930er-Jahre, hält die Gesinnung der Nationalsozialisten auch in Dänemark Einzug, jüdische Bürger werden immer mehr in die Enge getrieben. Melancholisch und wehmütig klingen Koppels Worte, als er über das Leben seiner Tante Hannah schreibt, traurig und doch stets hoffnungsvoll nimmt sie ihr Schicksal an, wie es eben gerade daherkommt. Realität und Traum verschwimmen manchmal, genau so, wie Hannah es sich gewünscht hat, dass ihre Geschichte weitererzählt wird. Eine starke Frau, der im Laufe ihres langen Lebens immens viel abverlangt wird, eine Frau, die immer wieder ihre Zuflucht in der Musik sucht. Das Klavier ist ihr Halt, ihr Trost, mit den Melodien, die sie den weißen und schwarzen Tasten entlockt, kann sie sich auch in schwierigen Zeiten aufrichten und nach vorne blicken. Viel Leid ist ihr auferlegt, im Lied kann sie es ertragen.

Gut skizzierte Figuren, manche klarer, manche mehr verschwommen, ein Bogen über viele Jahrzehnte mit einigen Längen trotz der geschickten Raffung gegen Ende des Buches, lassen den Leser eintauchen in ein Leben voller Liebe, der Liebe Hannahs zu ihren Kindern und zum Mann ihrer Träume.

Gefühlvoll und empathisch erzählt Benjamin Koppel Dinge, die nicht vergessen werden sollten, Krieg, Judentum, Traditionen und Ansehen der Familie, Liebe und Sehnsucht – so viele Nuancen des Lebens schwingen zwischen den Zeilen wie ein leises Lied, das noch lange weiterklingen wird.

Veröffentlicht am 11.03.2024

Alte Knochen

Lügendorf
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Am Bachufer in ihrer Mühlviertler Heimatgemeinde geht Diana spazieren, als ein paar Kinder aufgeregt einen sonderbaren Fund vermelden: tatsächlich sind hier die alten Knochen eines menschlichen Skelettes ...

Am Bachufer in ihrer Mühlviertler Heimatgemeinde geht Diana spazieren, als ein paar Kinder aufgeregt einen sonderbaren Fund vermelden: tatsächlich sind hier die alten Knochen eines menschlichen Skelettes durch den Regen freigespült worden. Es handelt sich um die Überreste der vor vierzehn Jahren verschwundenen Stefanie, welche von daheim weglaufen wollte. Nun fühlt die Polizei allen damaligen Mitgliedern der Jugendclique sehr genau auf den Zahn, zunehmend geraten Diana und ihre beste Freundin Nora unter Verdacht.

Kurzweilig geht es zu in diesem dritten Teil der Serie „Diana Heller“, wer – so wie ich – erst jetzt neu einsteigt, hat vielleicht da und dort etwas aus Dianas Privatleben verpasst, für die aktuellen Mordermittlungen allerdings wird genug aus der Vergangenheit wiederholt, sodass man sich schnell sehr gut zurechtfindet. Einige Dialoge im Dialekt und Grias di als Gruß bringen Lokalkolorit ins Geschehen, Mühlviertler Spezialitäten am Tisch sorgen für die passende kulinarische Note. Daneben gibt es allerhand Verdächtige, die etwas mit dem Tod von Steffi zu tun haben könnten, mysteriöse Ereignisse in Dianas altem Bauernhaus sorgen für eine entsprechende gruselige Atmosphäre. Wirklich arg zum Fürchten wird es aber dann zum Glück doch nicht, auch wenn gegen Ende zu einige Szenen den Leser den Atem anhalten lassen. Erwähnenswert ist auch eine schwarz-weiße Katze namens Hedwig, welche Diana in einsamen Stunden Gesellschaft leistet und für allerlei Vermutungen Anlass gibt. So entsteht aus verschiedensten Puzzleteilen ein gelungenes Ganzes, am Ende bleiben auch im logisch aufgebauten Kriminallfall keinerlei Fragen offen.

Eva Reichls beschwingter Schreibstil entführt den Leser für spannende Stunden ins schöne Oberösterreich, die Ermittlungen aus Dianas Sicht zu verfolgen, hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn die Reihenfolge nicht korrekt ist, so bin ich nun doch auch neugierig, was zuvor geschehen ist. Lügendorf kann ich schon einmal weiterempfehlen!

Veröffentlicht am 09.03.2024

Marmor

Steinerne Schuld
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Unter recht gefährlichen Arbeitsbedingungen wird im toskanischen Carrara der begehrte reinweiße, glänzende Marmor abgebaut. Als ein erfahrener LKW-Lenker von der Piste abkommt und von den schweren Gesteinsplatten ...

Unter recht gefährlichen Arbeitsbedingungen wird im toskanischen Carrara der begehrte reinweiße, glänzende Marmor abgebaut. Als ein erfahrener LKW-Lenker von der Piste abkommt und von den schweren Gesteinsplatten zerquetscht wird, denkt Commissario Luca sofort an ein Attentat und nicht an einen Unfall. Der Tote ist Mauro Sant‘Angelo, seine Tochter Emilia die beste Freundin von Lucas Tochter Emma. Könnte es Mauro zum Verhängnis geworden sein, dass er vehement für mehr Sicherheit und bessere Bezahlung eingetreten ist?

Wunderschöne Landschaftsbeschreibungen, köstlicher Wein und duftende Ribollita (toskanische Bauernsuppe) oder Caponata (Gemüsegericht) aus reichlich Auberginen, Tomaten, Sellerie und Kapern zaubern wie gewohnt das typische Flair zwischen die Seiten dieses herrlichen Regionalkrimis. Schnell ist man als Leser in bester Urlaubsstimmung und rätselt obendrein mit in einem interessanten Ermittlungsfall, der auch die spröde Vice-Questora aus Florenz wieder einmal ins idyllische Dörfchen Montegiardino lockt. Einige bekannte Figuren und drei Esel trifft man als treuer Begleiter von Commissario Luca abermals im dritten Band – die Reihenfolge der Serie einzuhalten lohnt sich also jedenfalls! So kann man wunderbar die persönliche Entwicklung der Hauptfiguren beobachten und bei überaus interessanten Verbrechen dem charmanten Polizisten über die Schulter schauen.

Ein sehr angenehmer Schreibstil, Einblicke ins Marmorgeschäft und die einzigartige landestypische Atmosphäre lassen die Krimireihe rund um Commissario Luca auch diesmal zum reinsten Lesevergnügen werden. Die Kürze der Bücher erlaubt es zumeist, konzentriert und ohne größere Unterbrechungen zu lesen, kurzweilig fließt die spannende Handlung dahin und bietet einige überraschende Wendungen. Ich empfehle diese wunderbare Krimireihe gerne uneingeschränkt weiter und schwelge dabei in eigenen Urlaubserinnerungen an das Städtchen Carrara.

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