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Veröffentlicht am 15.05.2022

Ein Dor wie ein Anker

Ancora
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Gemeinsam mit ihren Freunden Aurel und Jannis verbringt Romy ihre Sommerferien im abgeschiedenen Dorf Ancora. Ohne Handy, dafür mit Arbeit am Feld und den ganzen Tag in der freien Natur möchte sie Inspirationen ...

Gemeinsam mit ihren Freunden Aurel und Jannis verbringt Romy ihre Sommerferien im abgeschiedenen Dorf Ancora. Ohne Handy, dafür mit Arbeit am Feld und den ganzen Tag in der freien Natur möchte sie Inspirationen für ihren Gedichtband einfangen. Doch ist mitten in den Wäldern nicht alles ganz so friedlich und gemeinschaftlich, wie es anfangs den Anschein hat.

Mit einem fesselnden Prolog und einem Ankommen in Ancora, welches die Neugierde des Lesers anfacht, beginnt dieser Mystery-Thriller. Schon bald ereignen sich an diesem Ort der Ruhe und Einkehr unerklärliche Dinge, welchen man als Leser gerne gemeinsam mit den drei jungen Freunden auf den Grund gehen möchte. Leider bleiben aber sowohl die Städter in ihren Ferien als auch die Dorfbewohner sehr vage in ihrer Charakteristik. Ihre Gedanken und Gefühle sind nicht greifbar und damit auch nicht immer nachvollziehbar.

Trotz guter Ideen und sehr spezieller Atmosphäre kommt beim Lesen kaum Spannung auf, zu sprunghaft und wechselnd laufen die Ereignisse ab. Einzelne Tage, in denen vielleicht Beziehungen aufgebaut werden, Abneigungen sich verfestigen, fehlen komplett, sodass nie ein stimmiges Gesamtbild entsteht. So wird aus dem anfänglichen Sog der Geschichte bald ein langatmiges Aneinanderreihen von einzelnen Szenen, die für mich immer wirrer werden und mich immer weniger ansprechen. Auch die Auflösung am Ende kann mich nicht überzeugen.

Die Vorstellung, dass ein Gedicht Einfluss nimmt auf Romys Leben, ist überaus reizvoll, die mystischen Momente im Geschehen passen da wunderbar dazu, aber in Summe verliert sich die spannende und anfangs recht einnehmende Stimmung zusehends, bis am Ende fast nur noch Ratlosigkeit übrig bleibt.



Titel Ancora

Autor Colin Hadler

ISBN 978-3-522-50720-2

Sprache Deutsch

Ausgabe Fester Einband, 352 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook und Hörbuch

Erscheinungsdatum 24. Februar 2022

Verlag Planet!

Veröffentlicht am 09.05.2022

Weichenstellung für die Zukunft

In den Wäldern der Biber
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Alinas Leben steht auf dem Kopf – ein heftiger Streit mit dem Lebensgefährten und ein entschlossener Kündigungsanruf in der Firma – und schon weiß sie nicht mehr, wohin mit ihrem Koffer und ihrer eigenen ...

Alinas Leben steht auf dem Kopf – ein heftiger Streit mit dem Lebensgefährten und ein entschlossener Kündigungsanruf in der Firma – und schon weiß sie nicht mehr, wohin mit ihrem Koffer und ihrer eigenen Wenigkeit. Ohne konkreten Plan steigt sie also in den Bus und fährt Richtung Spechthausen, ein kleines Dorf, in welchem ihr Großvater wohnt. Allerdings hatte sie zu ihm jahrelang gar keinen Kontakt mehr.

Ganz gewiss ist dies kein Roman nach dem gewöhnlichen Strickmuster, wie man sein Leben verändert. Allerdings kommt man als Leser auch kaum in den Genuss, tatsächlich in den Wäldern der Biber Neues zu entdecken, was ich sehr schade finde. Der Titel findet sich in der Geschichte leider viel zu wenig wieder.

Nett und flüssig erzählt Franziska Fischer von Alina, sehr gerne möchte man mit ihr in dem idyllisch anmutenden Dorf ankommen und zur Ruhe finden, die Vergangenheit reflektieren und Weichen für die Zukunft stellen. Was dann tatsächlich passiert, ist jedoch immer wieder unrealistisch, ja fast übergriffig zu nennen. Wie kann eine junge Frau nach etlichen Jahren ohne Besuch beim Großvater, ja ohne ein einziges Telefonat in all der Zeit, plötzlich in der Türe stehen und schon wenige Tage darauf mit Plänen zur Hausrenovierung und Verschönerung der Zimmer daherkommen? Die rahmenartige Geschichte mit den freundlichen Nachbarn, die sich als Spielgefährten aus Kindertagen herausstellen, ist ebenfalls eine nette Alltagserzählung, leider aber auch nicht mehr. Und schließlich dürfen Gefühle einer neuen, verletzlichen Verliebtheit nicht fehlen.

Gefällige und ansprechende Ideen mit einem angenehmen Schreibstil verbunden sind aber dann doch nicht genug für einen bewegenden Roman, bei dem man sich als Leser in die Figuren hineinfühlen oder gar ihre Gedanken nachvollziehen kann. Enttäuschung über die nur am Rande erwähnten Biber macht sich im Laufe der Kapitel breit, die Hühnerschar im Garten kann dafür keinen Ausgleich schaffen. Schade, dass ein gutes zugrunde liegendes Konzept nicht mehr hervorzubringen vermag.



Titel In den Wäldern der Biber

Autor Franziska Fischer

ISBN 978-3-8321-6592-5

Sprache Deutsch

Ausgabe Fester Einband, 320 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook und Hörbuch

Erscheinungsdatum 17. Mai 2022

Verlag DuMont Buchverlag

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.05.2022

Rückblick, um vorwärts zu kommen

Ein Flüstern zum Abschied
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Modeexpertin Gina ruft ihre Schwester und Palliativpflegerin Zara an, um der 98jährigen Großmutter in den letzten Tagen beizustehen. Diese will ganz dringend den Dachboden entrümpeln und ihren Enkelinnen ...

Modeexpertin Gina ruft ihre Schwester und Palliativpflegerin Zara an, um der 98jährigen Großmutter in den letzten Tagen beizustehen. Diese will ganz dringend den Dachboden entrümpeln und ihren Enkelinnen endlich von der Vergangenheit erzählen. Aber nicht nur Nonna hütet ein Geheimnis...

Die Geschichte der Großmutter reicht zurück bis ins Rom der 1940er Jahre, in die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Autorin Taylor erzählt in zwei abwechselnden Zeitsträngen, sodass man viel über die Geschehnisse in Italien erfährt, während Gina und Zara in Amerika den Launen ihrer betagten Nonna ausgesetzt sind. Vom Schreibstil her flüssig zu lesen, kann man sich die beiden Weggefährtinnen Mia und Isabella in Rom ebenso gut vorstellen wie Gina, Zara und ihre Großmutter in der heutigen Zeit.

Die Idee hinter diesem Roman gefällt mir gut, allerdings ist die Umsetzung nicht ganz so optimal ausgefallen. Es fehlt in beiden Handlungssträngen an Spannung, alle Szenen laufen mit einer gewissen Distanz ab, ich vermisse beim Lesen die vielfältigen Gefühle im Krieg. Es gibt keine Gänsehaut, wenn der Bombenalarm schrillt, es gibt kein Loch im Bauch, wenn tagelang kaum Essen zu bekommen ist, selbst schrecklich zugerichtete Leichen werden ähnlich einem nüchternen Bericht abgehandelt. Ähnlich laufen die Episoden jenseits des großen Teiches ab, viele Szenen könnten witzig oder komisch sein, enden dann aber doch wieder mit einer gewissen Abstandshaltung, als ob jegliche Nähe vermieden werden soll – eine Zuflucht ins innere Ich als Schutz? Eine Erzählung, welche so warmherzig und emotional sein könnte, verliert dadurch leider sehr an berührender Stimmung und geht bis auf wenige Ausnahmen kaum über Beschreibungen von Tatsachen hinaus.

Fazit: ein Roman, der inhaltlich gut gelungen ist und interessante Rückblicke mit der Gegenwart verknüpft, aber an Nähe zum Geschehen einiges offen lässt. Somit leider nur drei Sterne.



Titel Ein Flüstern zum Abschied

Autor Mary Ellen Taylor

ISBN 978-2-496-71065-6

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 416 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 10. Mai 2022

Verlag Tinte & Feder

Originaltitel The Words We Whisper

Übersetzer Tanja Lampa

Veröffentlicht am 28.04.2022

Traumhafte Toskana

Flüssiges Gold
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Nach wenigen Jahren in Venedig kehrt Commissario Luca wieder in sein Heimatstädtchen Montegiardino zurück. Hier kennt jeder jeden, bei Falschparkern drückt Luca gerne ein Auge zu, am Markt legt man ihm ...

Nach wenigen Jahren in Venedig kehrt Commissario Luca wieder in sein Heimatstädtchen Montegiardino zurück. Hier kennt jeder jeden, bei Falschparkern drückt Luca gerne ein Auge zu, am Markt legt man ihm liebenswerterweise die frischen Steinpilze zurück und in Fabios Bar gibt es nicht nur den perfekten Espresso, sondern auch den neuesten Klatsch und Tratsch. Alles scheint ein wahres Idyll zu sein, die letzte „wichtige“ Amtshandlung Lucas war, die vier fehlenden Buchstaben des Ortsschildes nachzubestellen, weil sich jemand den Streich erlaubt hatte, aus MONTEGIARDINO MONTE DINO zu kreieren. Und dann fällt plötzlich – am helllichten Tage – ein Schuss, und Olivenbäuerin Fabrizia aus dem Sessel auf Fabios Bar-Terrasse.

Mit heiteren und gemütlichen Bildern aus dem ruhigen Dorfleben beginnt dieser Bella-Italia-Krimi und zieht den Leser mit seinen sympathischen Einwohnern sofort in seinen Bann. Insbesondere Luca und seine Tochter Emma sind auf den ersten Blick wie Freunde, mit denen man gerne einen Tag verbringen möchte mit Esel füttern, im Citroen Mehari ins Dorf rattern und bei Fabio die legendären Spaghetti alla bottarga genießen. Kaum zu glauben, dass hier plötzlich ein Mordanschlag verübt wird, und Luca nur vermeintlich alles über seine Mitmenschen weiß.

Spannend und humorvoll zugleich wird mit Hilfe einer Vice-Questora aus Florenz ermittelt, die Geschichte rund um das beste Olivenöl und die Kriminalhandlung ergänzen einander perfekt und der flüssige, unterhaltsame Schreibstil tut sein Übriges. Wundervoll ausgearbeitete Charaktere runden das Bild ab und lassen einen beim Lesen vollends abtauchen in die Abgeschiedenheit des Städtchens.

Das Krimi-Debut von Paolo Riva ist meiner Meinung nach überaus gelungen und ruft nach einer Fortsetzung, schon allein aus dem Grund, um zu erfahren, ob und wie Luca sich bezüglich des Abendessens entscheidet …



Titel Flüssiges Gold

Autor Paolo Riva

ISBN 978-3-455-01329-0

Sprache Deutsch

Ausgabe Taschenbuch, 304 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook und Hörbuch

Erscheinungsdatum 2. März 2022

Verlag Hoffmann und Campe

Reihe Ein Bella-Italia-Krimi

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2022

Am Strand

Stürmisches Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 8)
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Ein malerisches Sommer, die Zikaden zirpen, die Nächte sind lau, um die Sommersaison optimal zu nutzen, findet heuer auch noch eine Surfmeisterschaft statt in Le Lavandou. Umso schlimmer, als ein Kioskbesitzer ...

Ein malerisches Sommer, die Zikaden zirpen, die Nächte sind lau, um die Sommersaison optimal zu nutzen, findet heuer auch noch eine Surfmeisterschaft statt in Le Lavandou. Umso schlimmer, als ein Kioskbesitzer frühmorgens zwei Leichen am Strand findet. Wieder einmal stehen Capitaine Morell und ihr Lebensgefährte, der Rechtsmediziner Leon Ritter, vor einem grausigen Fall, der diesmal aufgrund des florierenden Tourismus umso schneller aufgeklärt werden muss.

Bereits Teil 8 der südfranzösischen Krimireihe und immer noch spannend und mörderisch gut. Remy Eyssen versteht es, seine Leser zu fesseln mittels eines flüssigen Schreibstils und einer perfekten Verquickung von bezaubernder Landschaft, lebendigen Figuren und packenden Mordfällen. Wer Morell und Ritter kennt, begleitet ihre private Geschichte, wer neu einsteigt, findet sich aber ebenso gut zurecht. Schließlich sind alle Episoden in sich abgeschlossen. Insbesondere diese beiden, aber auch alle anderen Personen werden so typisch und detailliert präsentiert, dass es ein wahres Vergnügen ist, den Dorfbewohnern beim Boulespiel zuzusehen oder ihre Gedanken zum Mordfall mitzuverfolgen. Ebenso interessant ist es, wie Chefpathologe Leon und sein Assistent Olivier mit den Leichen umgehen, nämlich so, wie mit allen lebendigen Patienten auf den anderen Stationen: respektvoll und auf kleinste Details bedacht, schließlich kann jeder von ihnen eine Geschichte erzählen.

Schnell ist man als Leser abgetaucht ins idyllische Südfrankreich, findet sich bei einem Gläschen Rosé im Café Chez Miou wieder oder auf Leons geerbtem Weingut Le Lézard. Dazwischen könnte man sich noch einen Sonnenbrand am Strand abholen, wenn – ja wenn da nicht diese grausam zugerichteten Leichen wären …

Fabelhafte Mörderjagd in Le Lavandou, die man sich nicht entgehen lassen sollte!



Titel Stürmisches Lavandou

Autor Remy Eyssen

ISBN 978-3-86493-203-8

Sprache Deutsch

Ausgabe Taschenbuch, 528 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 28. April 2022

Verlag Ullstein Taschenbuch

Reihe Ein-Leon-Ritter-Krimi, Band 8

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere