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Veröffentlicht am 23.07.2025

Zwischen Schatten und Hoffnung

Maggie Blue - Das Geheimnis der weißen Krähe
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Das Geheimnis der weißen Krähe, der zweite Band um Maggie Blue, entführt seine Leser erneut in eine dunkle und zugleich faszinierende Welt, in der Mut, Einsamkeit und Magie dicht beieinanderliegen.

Die ...

Das Geheimnis der weißen Krähe, der zweite Band um Maggie Blue, entführt seine Leser erneut in eine dunkle und zugleich faszinierende Welt, in der Mut, Einsamkeit und Magie dicht beieinanderliegen.

Die Geschichte überzeugt durch ihre dichte Atmosphäre und einer Protagonistin, die mit inneren und äußeren Kämpfen wächst. Die weiße Krähe bringt neue Geheimnisse mit sich, und die Ereignisse spitzen sich zu; auf leisen Sohlen, aber mit großer Wirkung. Der Schreibstil bleibt außergewöhnlich bildhaft und poetisch, ohne zu überfordern, und die Charaktere sind ebenso eigenwillig wie liebenswert. Besonders Maggies Entwicklung kann dabei berühren, sie ist verletzlich und stark zugleich, auf der Suche nach ihrem Platz zwischen Licht und Dunkel. Der Ton des Buches ist ernster geworden, fast melancholisch, und dennoch voller Hoffnung.

Eine Fortsetzung, die tiefer geht, Emotionen weckt und neugierig auf den nächsten Band macht. Wer sich einmal auf Maggies Welt eingelassen hat, möchte sie so schnell nicht wieder verlassen.

Veröffentlicht am 22.07.2025

Ein weiterer intensiver Schritt in einer komplexen Welt

Thousand Autumns. Buch 3
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Im dritten Band der Thousand Autumns spitzt sich alles weiter zu. Die Beziehung zwischen Shen Qiao und Yan Wushi steht am Abgrund - und gleichzeitig fühlt sie sich so greifbar und tief an wie nie zuvor. ...

Im dritten Band der Thousand Autumns spitzt sich alles weiter zu. Die Beziehung zwischen Shen Qiao und Yan Wushi steht am Abgrund - und gleichzeitig fühlt sie sich so greifbar und tief an wie nie zuvor. Trotz all der Verletzungen, Lügen und Einsamkeit wächst etwas zwischen ihnen, das sich nicht mehr wegreden lässt. Kein großes Liebesbekenntnis, keine dramatischen Szenen, stattdessen Blicke, Andeutungen, kleine Gesten, die mehr bedeuten als tausend Worte.

Der Ton des dritten Bandes ist dunkler, ernster. Alte Feinde werden gefährlicher, neue politische Ränkespiele ziehen auf. Shen Qiao bleibt ruhig und entschlossen, doch die Veränderungen, die er durchmacht, sind spürbar. Diese stille Stärke berührt gerade durch ihre Zurückhaltung. Yan Wushi offenbart sich von einer verletzlichen, dennoch scharfzüngigen Seite. Die komplizierte Verbindung zwischen den beiden macht die Geschichte besonders faszinierend. Was das Lesen manchmal herausfordernd macht, ist zugleich Teil des Reizes: daoistische Philosophie, fremde Begriffe und eine vielschichtige Welt, die nicht sofort durchschaubar ist. Wer sich wieder darauf einlässt, wird erneut mit einer vielschichtigen Geschichte belohnt. Der Roman bietet wieder Einblicke in die tiefgründige Intrigen und das komplexe World-Building, das die Saga so besonders macht.

Thousand Autumns präsentiert sich auch im dritten Band als fesselnde Mischung aus historischer Fantasy, politischem Intrigenspiel und tiefgehender Charakterentwicklung, der erneut neugierig auf die Fortsetzung macht.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Zwischen Sonnenblumen und Selbstfindung

Allow a Sunflower to Bloom
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Allow a Sunflower to Bloom erzählt eine Geschichte, die sich still entfaltet und dabei tief berühren kann. Emmee, die eigentlich in Frankreich Kunst studieren wollte, landet stattdessen in einer chaotischen ...

Allow a Sunflower to Bloom erzählt eine Geschichte, die sich still entfaltet und dabei tief berühren kann. Emmee, die eigentlich in Frankreich Kunst studieren wollte, landet stattdessen in einer chaotischen WG in Wien und mit ihr zieht eine ganz eigene Mischung aus Unsicherheit, Hoffnung und Neuanfang ein.

Was dieses Buch so besonders macht, ist die feine Art, mit der große Themen wie Identität, Herkunft und Familie verhandelt werden. Nichts wird aufgebauscht, nichts überdramatisiert. Stattdessen fließen Gedanken und Gefühle ganz natürlich durch die Seiten. Das Zusammenspiel zwischen Emmee und Casimir ist dabei besondersgelungen. Es wirkt zu Beginn eher unterkühlt, verwndelt sich dann aber langsam in etwas Zartes und Echtes. Die Verbindung entsteht nicht über große Gesten, sondern über Blicke, kleine Gespräche und geteilte Unsicherheiten. Wien als Kulisse verleiht dem Roman ein warmes, leicht nostalgisches Sommerflair. Sonnenblumen, Altbauzimmer, WG-Küchengespräche, alles fühlt sich greifbar und lebendig an. Gleichzeitig sorgen die anonyme Nachricht, die unerwartete Nachricht vom leiblichen Vater und das Spiel der Fake-Beziehung für eine Spannung, die leise, aber konstant wirkt. Das Buch lässt einen nachdenklich zurück; nicht traurig, eher mit einem sanften Ziehen im Herzen. Der Roman spricht in leisen Tönen und hat auch zwischen den Zeilen viel zu erzählen.

Ein stilles Highlight unter den New-Adult-Romanen - poetisch, nahbar und voller Sonnenblumenglanz.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Wenn Glück zur Krankheit wird

All Better Now
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Was passiert, wenn ein Virus nicht nur tötet, sondern auch heilt; auf eine Weise, die das Menschsein selbst infrage stellt? All Better Now entwirft eine düstere und zugleich faszinierende Zukunftsvision. ...

Was passiert, wenn ein Virus nicht nur tötet, sondern auch heilt; auf eine Weise, die das Menschsein selbst infrage stellt? All Better Now entwirft eine düstere und zugleich faszinierende Zukunftsvision. Nach einer globalen Pandemie erleben die Überlebenden nicht nur körperliche Genesung, sondern auch totale emotionale Ausgeglichenheit. Kein Neid, kein Schmerz, keine Sorgen mehr - einfach Glück. Doch was auf den ersten Blick wie eine Utopie wirkt, hat tiefgreifende Konsequenzen.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen dabei drei sehr unterschiedliche Jugendliche. Mariel, eine Überlebenskünstlerin ohne Zuhause, scheint gegen das Virus immun zu sein und damit auch gegen seine euphorische Wirkung. Für sie ist echtes Leben nur mit echten Gefühlen möglich, selbst wenn sie wehtun. Rón, Sohn eines mächtigen Tech-Moguls, erlebt durch die Infektion zum ersten Mal Ruhe in seinem von Depressionen geprägten Leben. Für ihn ist das Virus ein Segen und er wird zum überzeugten Botschafter dieser neuen Heilung. Morgan, Tochter einer reichen Familie, kämpft gegen die Verbreitung, weniger aus Nächstenliebe, als aus Angst, Kontrolle und Ehrgeiz zu verlieren. Die Geschichte wirft große Fragen auf: Was macht den Menschen aus? Kann eine Welt ohne Schmerz überleben? Und wie viel Zufriedenheit ist zu viel? Neal Shusterman spinnt daraus einen dichten, oft erschreckenden Plot über Macht, Medien, Wissenschaft und Gesellschaft. Sprachlich ist der Roman kraftvoll, teils provokant, mit raschen Perspektivwechseln und Szenen, die rund um den Globus spielen. Die Kapitel sind abwechslungsreich, mal philosophisch, mal dramatisch, oft bedrückend und lassen Raum für Interpretation. Dabei bleibt die Handlung stets nah an den Figuren, ohne einfache Antworten zu liefern. Einige Passagen wirken dabei jedoch etwas überladen oder ziehen sich, und hier und da hätte etwas mehr emotionale Tiefe bei den Nebenfiguren gut getan. Trotzdem: All Better Now bleibt im Kopf als düstere Mahnung, dass Glück nicht immer das höchste Gut sein muss.

Ein Roman, der zum Nachdenken zwingt. Über das, was fehlt, wenn alles besser ist.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Segeltrip der unausgesprochenen Wahrheiten

Blaue Tage
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Blaue Tage lässt die Ägäis glitzern und deckt zugleich Risse in einer scheinbar heilen Familie auf. Zwei Schwestern, Leo und Emma, folgen zögerlich der Einladung ihres entfremdeten Vaters zu einem zehntägigen ...

Blaue Tage lässt die Ägäis glitzern und deckt zugleich Risse in einer scheinbar heilen Familie auf. Zwei Schwestern, Leo und Emma, folgen zögerlich der Einladung ihres entfremdeten Vaters zu einem zehntägigen Törn. Schon beim Ablegen wird klar: Unter Sonnensegeln und Salzwind brodeln verdrängte Konflikte. Leo, ehrgeizige Projektleiterin, verschiebt den lange angepeilten Kinderwunsch heimlich zugunsten der Karriere. Emma dagegen sehnt sich verzweifelt nach einem Baby und ringt mit dem Gefühl, im Leben auf der Stelle zu treten. Zwischen den Schwestern spannt sich ein unsichtbares Tau aus Neid, Schuld und Liebe. Der Vater präsentiert seiner Crew ein neues Leben, das ebenso viele Fragezeichen aufwirft wie seine Vergangenheit. Und als Skipperin Alex an Bord kommt, gerät das fragile Gleichgewicht endgültig ins Wanken. Leos Selbstbild prallt auf unerwartete Gefühle und lange verschlossene Fragen nach Identität.

Tatjana von der Beek erzählt in klaren, fast filmischen Bildern von Hitze, Wellenschlag und dem engen Raum eines Katamarans, einem Schauplatz, der jede Unstimmigkeit verstärkt. Mal leichtfüßig, mal beklemmend legt der Roman Schicht um Schicht familiärer Rollen offen: Karriere­druck, Kinderwunsch, queere Selbstfindung, Midlife‑Neuanfang. Jede Figur trägt ein Päckchen aus Versäumnisse, jede hofft, es in diesen blauen Tagen endlich abwerfen zu können. Besonders überzeugend ist dabei der ruhige, eindringliche Ton. Dialoge wirken unaufgeregt, treffen aber Ziel um Ziel ins Mark. Kleine Gesten wie ein verweigerter Blick oder eine Berührung am Relingseil sagen oft mehr als jede Aussprache. Wenn schließlich ein Segelmanöver misslingt und die Masken fallen, sitzt die Spannung so fest wie ein verklemmter Karabiner.

Blaue Tage ist kein lauter Sommerroman, sondern eine subtile, gut beobachtete Geschichte über Selbsttäuschung und den Mut zur Veränderung. Ein Roman, der zwischen türkisfarbenem Meer und inneren Abgründen segelt und dabei noch länger nachhallt.