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Veröffentlicht am 09.02.2026

Zwei verlorene Herzen auf demselben Pfad

The Trail of Lost Hearts
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Wren Waters steckt fest in ihrer Trauer. Sie sich zurück, bis sie durch Zufall das Geocaching für sich entdeckt. Was zunächst nur ein kleiner Ausbruch aus dem Alltag ist, wird bald zu einer einwöchigen ...

Wren Waters steckt fest in ihrer Trauer. Sie sich zurück, bis sie durch Zufall das Geocaching für sich entdeckt. Was zunächst nur ein kleiner Ausbruch aus dem Alltag ist, wird bald zu einer einwöchigen Solo-Reise nach Oregon. Allein, abgeschieden, mitten in der Natur. Auf einem der Trails begegnet sie Marshall Hendricks, ebenfalls Geocacher. Nach einer bedrohlichen Situation entscheiden sich die beiden, ihre Wege zusammen fortzusetzen und was als pragmatische Entscheidung aus Sicherheitsgründen beginnt, entwickelt sich langsam zu einer intensiven Verbindung. Doch beide tragen ihre eigenen Wunden mit sich, und nicht jeder ist bereit, sie offen zu zeigen.

Tracey Garvis Graves erzählt diese Geschichte ruhig, emotional und erstaunlich lebensnah. Der Fokus liegt klar auf Trauer, Heilung und der Frage, ob zwei Menschen einander Halt geben können, ohne selbst schon ganz gefestigt zu sein. Wren und Marshall wirken dabei wie echte Menschen und zeigen sich verletzlich, manchmal widersprüchlich, aber immer glaubwürdig. Positiv ist auch. dass die Protagonisten in ihren Dreißigern sind. Das verleiht der Geschichte eine wohltuende Reife, denn es gibt keine unnötlichen Dramen, sondern leise Entwicklungen, ehrliche Gespräche und spürbares Zögern. Die Natur Oregons und das Geocaching sind dabei zudem mehr als nur Kulisse. Sie spiegeln schön den inneren Weg der Figuren wider. An manchen Stellen wirkt abeer der Dialog etwas zu erklärend, fast therapeutisch, was einen manchmal kurz aus dem Lesefluss reißen kann. Überwiegend hat man jedoch den Eindruck einer warmen, ehrlichen Geschichte, die Zeit braucht und sich diese Zeit auch nimmt.

Eine sanfte, emotionale Romance mit Tiefgang. Keine laute Liebesgeschichte, sondern ein stilles Annähern zweier Menschen, die lernen müssen, mit ihrer Vergangenheit zu leben.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Magie, Gefahr und ein würdiger Abschluss

Night Lake Academy – Das Vermächtnis der Nachtfalter (Night Lake Academy 2)
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Mit Das Vermächtnis der Nachtfalter findet die Night Lake Academy-Dilogie ihren spannenden Abschluss. Der zweite Band knüpft nahtlos an die Ereignisse des Auftakts an und zieht seine Leser noch einmal ...

Mit Das Vermächtnis der Nachtfalter findet die Night Lake Academy-Dilogie ihren spannenden Abschluss. Der zweite Band knüpft nahtlos an die Ereignisse des Auftakts an und zieht seine Leser noch einmal tief hinein in eine Welt voller Magie, Intrigen und dunkler Bedrohungen. Denn nach dem Angriff ist nichts mehr wie zuvor und Hannah steht vor ihrer größten Herausforderung. Gefangen in Abigails Fängen muss sie nicht nur einen Weg aus dieser aussichtslosen Lage finden, sondern auch verhindern, dass sich eine tödliche Gefahr weiter ausbreitet. Dabei bleibt lange offen, wie weit Abigails Pläne tatsächlich reichen und ob Hannahs Freunde rechtzeitig eingreifen können.

Der Schreibstil ist weiterhin angenehm flüssig und emotional zugänglich. Die Gedanken und Gefühle der Figuren lassen sich gut nachvollziehen, wodurch besonders Hannahs innere Zerrissenheit gut greifbar wird. Auch die Nebenfiguren wirken authentisch und tragen spürbar zur Entwicklung der Geschichte bei. Das Schulsetting der Night Lake Academy bleibt dabei ein echtes Highlight, denn es ist geheimnisvoll, atmosphärisch und voller Details, die neugierig machen und zum Weiterentdecken einladen. Inhaltlich zieht die Autorin das Tempo zudem deutlich an. Spannung, Drama und magische Elemente greifen intensiv ineinander, sodass es schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen. Die Geschichte gewinnt an dabei zudem Dichte, ohne den emotionalen Kern zu verlieren, und steigert sich konsequent auf ein packendes Finale hin.

Ein stimmungsvolles, spannendes und emotionales Finale, das die Night Lake Academy-Dilogie würdig abschließt. Mit dem magischen Schulsetting, dunklen Geheimnissen und dramatischen Entwicklungen ist dieser zweite Band ein gelungener Abschluss voller Intensität und Atmosphäre.

Veröffentlicht am 06.02.2026

Absurd, brutal und unfassbar unterhaltsam

Dungeon Crawler Carl
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Dungeon Crawler Carl ist laut, grotesk und vollkommen durchgeknallt und genau das macht dieses Buches auf jeden Fall zu etwas besonderem. Was zunächst wie eine völlig absurde Idee klingt, entwickelt sich ...

Dungeon Crawler Carl ist laut, grotesk und vollkommen durchgeknallt und genau das macht dieses Buches auf jeden Fall zu etwas besonderem. Was zunächst wie eine völlig absurde Idee klingt, entwickelt sich schnell zu einem erstaunlich fesselnden Leseerlebnis. Nach der Zerstörung der Erde werden die letzten Überlebenden gezwungen, an einem intergalaktischen Dungeon-Crawler teilzunehmen, der als Unterhaltungsshow für Außerirdische dient. Mitten drin steckt Carl, ein ziemlich normaler Typ, der gemeinsam mit seiner sprechenden Katze Princess Donut ums Überleben kämpft. Donut ist dabei weit mehr als nur Sidekick, denn ihre scharfzüngigen Kommentare und ihr überzogenes Selbstbewusstsein sorgen für viele der besten Momente der Geschichte.

Das Buch liest sich wie ein Videospiel in Romanform. Levelaufstiege, Skills, Lootboxen und Achievements sind allgegenwärtig. Fans von RPGs, LitRPG oder Pen-and-Paper werden sich sofort abgeholt fühlen. Die Action ist schnell, die Herausforderungen eskalieren stetig und der Einfallsreichtum des Autors ist beeindruckend, von bizarren Gegnern bis zu völlig überdrehten Spielmechaniken. Der Humor ist dabei sehr speziell, er ist derb, schwarz und bewusst grenzüberschreitend. Nicht jede Szene überzeugt und das Buch polarisiert ganz klar. Gleichzeitig ist scheint diese Rücksichtslosigkeit aber Teil des Konzepts zu sein. Hinter der grellen Fassade blitzen zudem immer wieder Themen wie Machtmissbrauch, Sensationslust, Ausbeutung und Unterhaltung auf Kosten anderer durch, was nicht sehr subtil ist, aber effektiv. Auch wenn die Geschichte selten inne hält, um emotional zu reflektieren, entwickelt sich vor allem die Dynamik zwischen Carl und Princess Donut spürbar weiter. Gerade diese Beziehung verleiht dem Chaos Herz und sorgt dafür, dass das Buch mehr ist als nur eine Aneinanderreihung von Kämpfen und Gags.

Sicherlich kein Buch für jeden, aber für die richtigen Leser ein Volltreffer. Wer Spaß an Gaming-Mechaniken, schwarzem Humor und völligem Eskalationswahnsinn hat, wird hier bestens unterhalten.

Veröffentlicht am 06.02.2026

Zwischen Kaffeeduft, Neuanfang und leisen Wundern

Books & Coffee - An Wunder muss man glauben
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Manchmal läuft alles gleichzeitig schief: Job weg, Beziehung zerbrochen, Zukunft unklar. Genau an diesem Punkt steht Emilia, als sie widerwillig in ihre Heimatstadt Nürnberg zurückkehrt und somit zurück ...

Manchmal läuft alles gleichzeitig schief: Job weg, Beziehung zerbrochen, Zukunft unklar. Genau an diesem Punkt steht Emilia, als sie widerwillig in ihre Heimatstadt Nürnberg zurückkehrt und somit zurück in i hr ates Kinderzimmer und zurück zu Erinnerungen, die eigentlich längst abgeschlossen waren. Doch im Café Zuckerzeit wartet mehr als nur Kaffee und Kuchen auf sie. Gemeinsam mit Lucy entsteht ein Buchclub, der nicht nur Geschichten zusammenbringt, sondern auch Emilias Blick auf das eigene Leben verändert. Als dann auch noch Florian, Lucys jüngerer Bruder, eine immer wichtigere Rolle spielt, wird klar, dass manche Neuanfänge leise kommen und sich trotzdem richtig anfühlen.

Der zweite Band der Books & Coffee-Reihe überzeugt wieder mit seiner Wohlfühlatmosphäre. Das Café Zuckerzeit ist erneut ein Ort zum Ankommen, Durchatmen und Neuordnen. Emilias Geschichte erzählt diesmal von gescheiterten Träumen, vom Festhalten an der Vergangenheit und vom Mut, sich selbst neu zu begegnen.Die Handlung dabei nicht laut oder dramatisch, sondern zeigt in kleinen Schritten, wie aus Unsicherheit neue Stärke wachsen kann. Der Schreibstil bleibt dabei locker, warm und sehr zugänglich und ist somit perfekt für entspannte Lesestunden. Emilia wirkt mit ihrem Chaos, ihren Zweifeln und kleinen Fehlentscheidungen nahbar und authentisch. Florian überrascht als ruhiger Gegenpol, der weniger durch große Gesten, sondern durch Verlässlichkeit und ehrliche Unterstützung überzeugt. Auch bekannte Figuren aus dem ersten Band fügen sich harmonisch ein und sorgen für ein vertrautes Gefühl. Der Buchclub und die Themen Bücher, Freundschaft und Zusammenhalt hätten stellenweise noch etwas mehr Tiefe vertragen, tragen aber dennoch zur gemütlichen Gesamtstimmung bei. Die Liebesgeschichte entwickelt sich ruhig und vorhersehbar, passt jedoch gut zum Feelgood-Charakter des Romans.

Ein schöner Wohlfühlroman über Neuanfänge, Freundschaft und die Erkenntnis, dass das Leben manchmal andere, aber nicht schlechtere Pläne bereithält. Ein Buch zum Zurücklehnen, Mitfühlen und Genießen.

Veröffentlicht am 04.02.2026

Wenn Erwachsenwerden zur Überforderung wird

Amokalarm
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Amokalarm erzählt die Geschichte von H.C. Nachtnebel, sechzehn Jahre alt, Mathegenie, Basketballtalent und innerlich längst an einem Punkt angekommen, an dem alles zu viel wird. Zwischen Verlust, Leistungsdruck, ...

Amokalarm erzählt die Geschichte von H.C. Nachtnebel, sechzehn Jahre alt, Mathegenie, Basketballtalent und innerlich längst an einem Punkt angekommen, an dem alles zu viel wird. Zwischen Verlust, Leistungsdruck, Identitätssuche und der ersten Liebe verdichtet sich sein Leben zu einem emotionalen Ausnahmezustand. Von Beginn an ist klar, dass diese Geschichte auf eine Eskalation zusteuert. Die eigentliche Frage ist nicht ob, sondern wie es so weit kommen konnte.

Uli Black gelingt es eindrucksvoll, die Gedanken- und Gefühlswelt eines Jugendlichen sichtbar zu machen, der nach außen funktioniert, innerlich jedoch immer weiter zerbricht. Die Erzählweise mit kurzen Kapiteln, wechselnden Perspektiven und verschiedenen Zeitebenen erzeugt dabei eine enorme Sogwirkung. Vergangenheit, Gegenwart und Stimmen aus dem Umfeld greifen ineinander wie Puzzleteile eines Ereignisses, das sich lange angekündigt hat. Besonders stark ist auch die Sprache, denn sie ist direkt, roh und teilweise im jugendlichen Slang gehalten. Das mag zuerst ungewohnt sein, passt aber exakt zur Figur von H.C. und verleiht so der Geschichte große Authentizität. Die Gedanken wirken ungefiltert, voller Widersprüche, Wut, Sehnsucht und Hilflosigkeit und genau darin liegt die emotionale Kraft des Romans. H.C.selbst ist keine einfache Figur, aber eine glaubwürdige. Seine Verletzlichkeit, seine Arroganz, seine Überforderung und seine Hoffnung machen ihn greifbar. Auch die Beziehung zu Keira wird nicht romantisiert, sondern als weiterer emotionaler Brennpunkt gezeigt, der Nähe verspricht und gleichzeitig neue Konflikte auslöst. Das Buch zeigt eindringlich, wie viele kleine, scheinbar harmlose Faktoren zusammenkommen können, bis ein Mensch keinen anderen Ausweg mehr sieht.

Das Nachwort schafft es zudem sehr nachwirkend, den Blick noch einmal zu weiten und deutlich zu machen, wie nah diese Geschichte an der Realität ist und wie wichtig Aufmerksamkeit, Zuhören und echte Unterstützung für Jugendliche sind.

Amokalarm ist kein leichtes Buch, aber ein wichtiges. Ein aufrüttelnder Coming-of-Age-Roman, der nicht schockieren will, sondern verstehen lässt. Er zeigt, wie schnell junge Menschen übersehen werden und wie fatal dieses Übersehen sein kann. Eindringlich, emotional und lange nachhallend ist es ein Buch, das gelesen, besprochen und ernst genommen werden sollte.