Katze und Carl
Schon am Anfang des ersten Bandes musste ich so lachen über diese verrückte Katze Prinzessin Donut. Da springt sie bei beißender Kälte aus dem Fenster auf einen Baum, was sie noch nie gemacht hat. Und ...
Schon am Anfang des ersten Bandes musste ich so lachen über diese verrückte Katze Prinzessin Donut. Da springt sie bei beißender Kälte aus dem Fenster auf einen Baum, was sie noch nie gemacht hat. Und da Katzen bekanntlich keinen Rückwärtsgang haben – nun ja – so schlüpft Carl schnell in die rosa Crocs seiner abwesenden Exfreundin Bea um Prinzessin Donut zu retten. Dann kommt die Transformation – wow! Auf solche Ideen muss man erstmal kommen.
Ich fühlte mich stellenweise an „Per Anhalter durch die Galaxis“ erinnert. Auch da stand die Zerstörung der Erde unmittelbar bevor. Und dann kommt etwas ganz anderes.
Hier sterben alle Lebewesen unter Dächern. Da haben Carl und Donut nochmal Glück gehabt – im Freien – wenn auch bei eisiger Kälte. Nun ist die Prinzessin eine schildpattfarbene Perserkatze mit viel, viel Fell – aber Carl? Er trägt nur eine Boxershorts und hat auf dem Weg nach draußen noch schnell eine Lederjacke gegriffen. Wenigstens etwas.
So hielt Carl – der Ich-Erzähler – „eine jaulende, kratzende, zappelnde und fauchende Katze namens Prinzessin Donut die Königin Anne Chonk in den Armen.“ (S. 8) Gerettet und nun? Nun finden sich die beiden auf der Dungeon-Ebene 1 wieder und müssen gegen Monster kämpfen, während das Ganze intergalaktisch übertragen wird in einer riesigen Spielshow. „Dungeon Crawler World: Erde“. Wo es auch Sponsoren gibt und jede Menge Zuschauer. Meist nicht-menschliche.
Zum Glück hat Donut viel Erfahrung im Showbusiness, hat sie doch unzählige Preise auf der Erde bei Wettbewerben gewonnen und ihre einstige Herrin Bea hatte ein ganzes Zimmer für Donut und ihre Pokale, Trophäen, Siegerschleifen etc. eingerichtet.
Matt Dinniman schafft es hier, dass die Lektüre über 500 Seiten dieses neuen Genres LitPRG niemals langweilig wird und bei aller Grausamkeit trotzdem jede Menge (schwarzer) Humor durch die Seiten schimmert. Und die Gegner sind fies. Katze und Carl haben jede Menge zu lernen, und wie sie mit viel Kreativität sogar Gebietsbosse besiegen, sich Gefährte bauen lassen und am Leben bleiben, da gehört schon reichhaltiger Erfindungsgeist dazu. Und ja – manchmal, zwar selten – tun dem Leser sogar die Opfer leid, besonders, wenn sie von Katze und Carl belogen werden. Zwangsweise versteht sich.
„Sie teilen die Leute in Gruppen ein und sagen ihnen, ihren Angehörigen würde nichts geschehen, solange sie andere töten. Dann bringen sich alle gegenseitig um.“ (Seite 135, eine Präsentation und gleichzeitig ein Werbespot vom Squim-Konglomerat zum Kampf um den Planeten Aryl.)
Wie Donut es versteht, sich für die Publicity und die Follower in Szene zu setzen, das macht so viel Spaß. Sie setzt sich sogar ein Diadem auf, in den späteren Bänden kommt noch eine coole Sonnenbrille dazu. Und Carl möchte immer so gern eine lange Hose beim Kampf ergattern, aber das gelingt ihm nun nicht. Nur eine neue Boxershorts mit Herzchen ist drin. Und: Wer braucht schon eine lange Hose?
Ob Donuts neuer ungezogener Hausgenosse Mongo dem Team auf Dauer gut bekommt, wird sich dann in den Folgebänden erweisen, wir werden sehen …
Wer alle fünf Bände auf Deutsch lesen möchte, der muss noch etwas Geduld mitbringen, Band fünf erscheint erst in etwa einem Jahr.
Fazit: Ich habe mich köstlich amüsiert und musste so oft laut lachen. Herrlich. Wer verrückte Geschichten mag und nicht immer alles so ernst nimmt, der kommt hier voll auf seine Kosten. Und: Ich bleibe Katze und Carl treu – auf jeden Fall! 5 Sterne.