Profilbild von coffee2go

coffee2go

Lesejury Star
offline

coffee2go ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit coffee2go über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2025

Traue niemandem, außer dir selbst

Düsteres Tal
0

Der dritte Teil der Reihe mit Clara Lofthus ist im Vergleich zu den beiden Vorgängern noch temporeicher und vollgepackt mit Überraschungsmomenten. Man fühlt sich als Leser*in sofort in die Geschichte hineingezogen ...

Der dritte Teil der Reihe mit Clara Lofthus ist im Vergleich zu den beiden Vorgängern noch temporeicher und vollgepackt mit Überraschungsmomenten. Man fühlt sich als Leser*in sofort in die Geschichte hineingezogen und kommt nicht mehr weg, egal wie viele unglückliche Unfälle rund um Clara passieren. Die Zeit in Nairobi geht dramatisch zu Ende und Clara wird wieder für das Amt als Justizministerin angeworben. Dadurch stehen sie und ihre Familie wieder im Fokus der Medien und es besteht die Gefahr, dass Journalisten, allen voran das neue Podcast-Team in ihrer Vergangenheit wühlen und ungünstige Geschehnisse ausgraben und in Verbindung mit aktuellen bringen. Clara wirkt als Charakter in diesem Teil sehr unnahbar und war mir nicht sympathisch, vor allem auch ihrer Familie gegenüber verhält sie sich respektlos. Alex, der sich um den Haushalt und Claras Söhne kümmert, wird von ihr nicht für voll genommen und tut mir schon ein wenig leid. Da es der abschließende Teil der Serie ist, hatte ich schon etwas höhere Erwartungen, diese werden zum Großteil erfüllt, indem alle vergangenen Fälle abgeschlossen und nochmals kurz erwähnt werden. Was mir nicht ganz so gut gefallen hat, war wie sich Clara charakterlich zum Negativen verändert hat. In diesem Teil konnte sie alle Hindernisse und Probleme nur noch mit Morden lösen, das war stark überzogen. Wem kann sie noch vertrauen? Da stimmt der Satz, den ihr Vater ihr mitgegeben hat: „Traue niemandem, außer dir selbst!“

Veröffentlicht am 22.10.2025

Hätte ich genauer hinschauen sollen?

Da, wo ich dich sehen kann
0

Maja ist neun Jahre alt, als sie ihre Mutter auf tragische Weise verdient, diese wird von ihrem Vater getötet. Plötzlich ändert sich im Leben von Maja alles, Schulwechsel, neuer Wohnort, Mutter tot, Vater ...

Maja ist neun Jahre alt, als sie ihre Mutter auf tragische Weise verdient, diese wird von ihrem Vater getötet. Plötzlich ändert sich im Leben von Maja alles, Schulwechsel, neuer Wohnort, Mutter tot, Vater im Gefängnis und der Sorgerechtsstreit ihrer beiden Großelternpaare, bei wem sie wohnen soll. Nicht nur für Maja ändert sich alles, sondern für alle, die Emma geliebt haben und denen sie nun schmerzlich fehlt. Und alle plagen Schuldgefühle: „Hätte ich etwas bemerken müssen? Hätte ich eingreifen sollen? Warum hat Emma uns nicht vertraut und von ihrer schlimmen Lage erzählt?“ Häufig ist es so, dass das Umfeld wegschaut, sich nicht einmischen möchte oder dass betroffene Frauen noch nicht den Mut haben, von sich aus ihr Leben zu verändern oder es auch durch den Auszug oder eine Trennung nicht besser wird, sondern komplett eskaliert. Diese traurigen Varianten haben auch Platz gefunden.
Das Thema Femizid wird von verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und es dürfen alle Personen, denen Emma und Maja wichtig sind, zu Wort kommen, mit ihren Gedanken, Ängsten und Sorgen, sowie ihr Umgang mit der Trauer und dem Verlust. Durch diese mehrperspektivische Erzählweise sind die Eindrücke sehr umfangreich und wirken authentisch. Mir hat auch der Zugang von Liz mittels der Sternenkunde und Reisen in ein Paralleluniversum gut gefallen, da sie Maja ein klein wenig Hoffnung geben. Die Dialoge auf den geschwärzten Seiten, wie die Situation verlaufen hätte können, wenn im Gespräch intensiver nachgefragt und Situationen verändert worden wären, haben mir als Gedankenanreiz gut gefallen. Es hinterlässt bei mir auch die Aufforderung, wenn einem etwas komisch vorkommt, bei der Nachbarin, bei Freundinnen oder Kolleginnen, lieber einmal öfter das Gespräch suchen und nachfragen, nicht nur oberflächlich, sondern vertrauensvoll und ehrlich.
Die Grundstimmung im Buch ist durchwegs gedrückt, traurig, zerstörerisch, depressiv, stark emotional und erst am Ende zeigt sich ein kleiner Lichtblick der Hoffnung.

Veröffentlicht am 21.10.2025

persönlicher, ehrlicher Fall

Zorn – Der Fall Schröder
0

Nachdem ich alle vorangegangenen Teile gelesen habe, wurde der 14. Fall von mir schon sehnsüchtig erwartet, vor allem nach den Vorerwartungen, die aufgrund des Klappentextes geweckt werden. Im Fokus steht ...

Nachdem ich alle vorangegangenen Teile gelesen habe, wurde der 14. Fall von mir schon sehnsüchtig erwartet, vor allem nach den Vorerwartungen, die aufgrund des Klappentextes geweckt werden. Im Fokus steht diesmal Schröder, der sich von einer ganz anderen Seite zeigt: verletzlich, ernst, deprimiert, er kämpft mit den Dämonen aus seiner Kindheit. Generell hat der aktuelle Teil einen durchwegs melancholischen und ernsten Grundton, obwohl Zorn mit seiner gewohnten Art versucht, Lockerheit und Witz reinzubringen. Auch Edgar trägt dazu bei, er ist momentan im mürrischen Teenageralter. Mir hat diese schonungslos ehrliche Seite sehr gut gefallen, die Charaktere sind für mich noch intensiver und vielschichtiger geworden, als dies ohnehin schon der Fall ist. Die Gespräche und Gedanken über die Vergangenheit von Schröder tragen ebenfalls dazu bei. Etwas gefehlt hat mir diesmal Frieda, die nach ihren schlimmen Verletzungen noch immer im Krankenhaus ist und somit nur von dort aus mit ihrer Expertise unterstützen kann. Aber auch ihr geht es körperlich noch nicht so gut und dies wirkt sich auf ihre Stimmung aus, sodass sie gedämpft wirkt und in diesem Teil etwas zu kurz kommt.
Ich finde das Buch nicht geeignet für Leser*innen, die direkt mit dem 14. Teil einsteigen wollen, da ihnen die Beziehungsgeflechte und die charakterlichen Veränderungen aus der Vergangenheit sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der Beziehungen fehlt und somit der aktuelle Fall nicht richtig eingeordnet werden kann, daher unbedingt zumindest ein paar der vorigen Teile vorab lesen.

Veröffentlicht am 19.10.2025

Ich weiß, was du getan hast!

Ich war's nicht
0

Der Ich-Erzähler Will führt ein normales, ruhiges Leben, bis sich dies von einem Tag auf den anderen aufgrund einer kurzen Handlung von Grund auf ändert. Am Heimweg provoziert ihn ein Fremder, er schlägt ...

Der Ich-Erzähler Will führt ein normales, ruhiges Leben, bis sich dies von einem Tag auf den anderen aufgrund einer kurzen Handlung von Grund auf ändert. Am Heimweg provoziert ihn ein Fremder, er schlägt zu und plötzlich bleibt dieser tot liegen. Die Reaktion von Will ist Flucht und in der Hoffnung, dass ihn keiner gesehen hat, unbemerkt zu verschwinden, allerdings kommt es komplett anders als erwartet. Eine falsche Entscheidung im Leben und schon ändert sich alles. Er wird erpresst, nur von wem? Es wird mit den Gefühlen von Will und mit denen der Leser*innen gespielt, von Wut, Schuld, Angst, Kontrolle wird im Verlauf der Geschichte eine breite Palette abgedeckt. Dies hat mir gut gefallen, weniger gelungen finde ich, dass gewisse Handlungen für mich vorhersehbar und von Anfang an klar waren, also nicht überraschend oder neu und häufig waren Szenen stark überzogen und unrealistisch dargestellt.

Veröffentlicht am 18.10.2025

Single oder Dating-Plattform?

Horror-Date
0

Ich lese die Thriller des Autors sehr gerne und bin nun auch bei den „Nicht-Thrillern“ auf den Geschmack gekommen, wobei ich hier gestehen muss, dass die Pointe am Ende jeweils ähnlich gelagert ist, sodass ...

Ich lese die Thriller des Autors sehr gerne und bin nun auch bei den „Nicht-Thrillern“ auf den Geschmack gekommen, wobei ich hier gestehen muss, dass die Pointe am Ende jeweils ähnlich gelagert ist, sodass man als Leser*in spätestens beim dritten Buch ein Muster erkennen muss. Hier würde ich mir im nächsten Teil eine persönliche Überraschung wünschen!
Das Thema an sich ist nicht lustig, dennoch wird es humorvoll umgesetzt, wenn auch stark pointiert. Zwischenzeitlich jagt eine Pointe die nächste, sodass man aus dem Schmunzeln nicht mehr herauskommt. Eine Dating-Plattform für Menschen, die nicht mehr lange zu leben habe, finde ich interessant, damit habe ich mich bis jetzt noch nie auseinandergesetzt, die Idee ist aber originell. Die Message am Ende des Buches finde ich gut gelungen und am allerbesten gefallen mir bei diesem Autor die Nachworte, die auch diesmal sehr treffend ausgewählt wurden.