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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2025

Dialoge könnten noch dynamischer sein

In einem Zug
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Der Roman beschreibt die Gespräche und Gedanken zwischen einem Autor und seiner Sitznachbarin während einer Zugfahrt von Wien nach München, die auf diese oder ähnliche Weise tatsächlich stattgefunden haben ...

Der Roman beschreibt die Gespräche und Gedanken zwischen einem Autor und seiner Sitznachbarin während einer Zugfahrt von Wien nach München, die auf diese oder ähnliche Weise tatsächlich stattgefunden haben könnte. Zu Beginn gestaltet sich das Gespräch wie zufällig ergeben, noch recht oberflächlich und zurückhaltend, aber Catrin bleibt hartnäckig und fragt ihren Sitznachbarn schon fast unverschämt über sein Privatleben und vor allem über die langjährige, glückliche Liebesbeziehung zu seiner Frau Gina aus. Mit der Zeit wird das Gespräch inhaltlich spannender und lockerer, obwohl ich auf der Seite von Eduard nie eine ehrliche Offenheit gespürt habe. Er gibt nicht gerne etwas von sich preis, in wunden Punkten herumzubohren mag er schon gar nicht und somit bleibt es an manchen Stellen holprig. Hier hätte ich mir noch etwas mehr Schwung und Dynamik gewünscht, vor allem da ich aus vorigen Romanen weiß, dass der Autor sehr gute Dialoge schreiben kann. Spannender als die Dialoge sind die Überlegungen dahinter, warum etwas wie ausgedrückt wird, was gesagt wird oder was besser ungesagt bleibt. Es werden auch unangenehmere Themen angesprochen, wie der Konsum von Alkohol oder die Schreibblockade sowie finanzielle Probleme. An diesen Stellen wirkt das Gespräch für mich authentisch und ehrlich. Am Ende der Zugfahrt gibt es ein Überraschungsmoment, mit dem ich so nicht gerechnet hatte.

Veröffentlicht am 13.03.2025

alte Geheimnisse - neue Geheimnisse

Stromlinien
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Zu Beginn taucht man als Leserin in die Natur und Landschaftsgegebenheiten ein, darauf muss man sich zuerst einlassen können. Ich bin eher neugierig und bestrebt, schnell an neue Informationen zu kommen ...

Zu Beginn taucht man als Leserin in die Natur und Landschaftsgegebenheiten ein, darauf muss man sich zuerst einlassen können. Ich bin eher neugierig und bestrebt, schnell an neue Informationen zu kommen oder möchte wissen, wie die Geschichte weitergeht. Doch hier wurde ich ausgebremst und habe die Bilder, die dadurch entstanden sind, aber nach kurzer Zeit doch sehr schön gefunden und mich auch auf eine Entschleunigung der Geschichte einlassen können. Wenn man im Nachhinein das Nachwort der Autorin liest, versteht man auch ihren Bezug zu den Erzählungen und zur Natur, das finde ich sehr gelungen. Ich finde es immer interessant, wie Autorinnen gerade auf dieses eine Thema stoßen, das sich für ein Buch lohnt und hier wurde dies sehr ausführlich und für mich nachvollziehbar erklärt.
Inhaltlich werden die Lebensgeschichten einer nicht ganz gewöhnlichen Familie über mehrere Generationen beschrieben. Gewisse Themenbereiche und Probleme treten scheinbar gehäuft auf, wie Gefängnisaufenthalte oder die Frage nach Schuld und Vergebung oder auch die Häufung von Zwillingen. Spannend finde ich vor allem die jugendlichen Sichtweisen von Enna und Luca, kombiniert mit Oma Ehme und Großtante Greetje, eine gelungene Ergänzung. Auch das Leben in der Abgeschiedenheit inmitten der Natur an der Elbe und zugleich die Nutzung neuer Medien finde ich spannend.
Am Ende werden alle Handlungsstränge miteinander in Verbindung gebracht und die Fragen aus der Vergangenheit werden aufgeklärt. Die aktuellen Ereignisse werden zwar auch aufgelöst, allerdings kam mir dies am Ende etwas zu kurz und knapp, vor allem in Relation zu den vorangegangenen, doch sehr ausführlichen Schilderungen. Hier hätte ich mir noch weitere Sichtweisen von Jale oder Alea gewünscht, sie kommen für mich etwas zu kurz. Häufig wird über Jale aus Sicht von Enna oder aus der Perspektive ihrer Schulkolleg*innen von ihr gesprochen, aber was sie selbst denkt und warum sie wie handelt, ist am Ende etwas knapp gehalten. Trotzdem hat mich die Familiengeschichte sehr berührt und ich hätte sehr gerne noch weitergelesen, wie die Zukunft sich entwickeln wird. Alte Geheimnisse werden geklärt, aber neue sind wieder entstanden.

Veröffentlicht am 12.03.2025

Zahltag

The Twenty
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Der Thriller konnte mich nicht sofort fesseln. Er war zwar temporeich und hatte gleich zu Beginn ein paar Schreckmomente und Leichen parat, allerdings fehlte mir noch „das Besondere“. Ab dem Zeitpunkt, ...

Der Thriller konnte mich nicht sofort fesseln. Er war zwar temporeich und hatte gleich zu Beginn ein paar Schreckmomente und Leichen parat, allerdings fehlte mir noch „das Besondere“. Ab dem Zeitpunkt, als auch die Privatleben der Ermittlerinnen mit dem Fall verwoben wurden und der Fall persönlich wurde, hat er mich gecatcht und es blieb spannend bis zur letzten Seite. Sprachlich wird viel mit brutalen Mordmethoden, mit Blut, mit Folter, psychologischen Triggern gespielt, sodass man als Leserin entweder fasziniert ist oder diejenigen, die das nicht mögen, abbrechen. Mit der Zeit wurden auch die Familienverhältnisse von Romilly klarer und auch wie sie in Zusammenhang mit den weiteren verwickelten Personen steht. Die Charaktere werden mit der Zeit, je mehr man über sie weiß, vielschichtiger und interessanter. Zu Beginn waren sie mir zu oberflächlich. Es sind viele Cliffhanger eingebaut, aber auch ein paar Klischees, somit hebt sich dies wieder etwas auf. Am Ende werden alle offenen Fragen geklärt, auch wenn manche Situationen etwas unerwartet auftreten und die Motive etwas weit hergeholt erscheinen mögen.

Veröffentlicht am 10.03.2025

Schicksale aus dem Alltag

Dünne Wände
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Der Roman macht zuerst mit dem auffälligen und treffenden Cover aufmerksam. Es zeigt die Fensterfront einer Hochhaussiedlung, bei der alle Fenster geschlossen und verdunkelt sind, nur bei einem einzigen ...

Der Roman macht zuerst mit dem auffälligen und treffenden Cover aufmerksam. Es zeigt die Fensterfront einer Hochhaussiedlung, bei der alle Fenster geschlossen und verdunkelt sind, nur bei einem einzigen erkennt man einen kleinen Spalt, der den Blick zur Außenwelt herstellt. Ich finde es sehr gelungen.
Sprachlich wechselt der Roman zwischen literarischem Stil und im nächsten Satz plötzlich Alltagssprache aus dem Leben gegriffen. In unterschiedlichen Geschichten werden die Bewohnerinnen der Siedlung vorgestellt, mit ihren Ängsten und Nöten, aber auch mit ihren Träumen und Hoffnungen. Die Schilderungen sind bildhaft und authentisch, sodass man sich sofort in die unterschiedlichen Lebenswelten hineinversetzen kann. Es sind Einzelschicksale, die auch anderswo spielen könnten und die jedem von uns in gewisser Weise bekannt vorkommen und vielleicht bewegen sie auch gerade dadurch die Leserinnen. Mich haben die Geschichten berührt!

Veröffentlicht am 09.03.2025

intensiv und ungeschönt

Zehn Bilder einer Liebe
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Der Roman erzählt in zehn unterschiedlichen Abschnitten, zeitlich nicht in chronologischer Reihenfolge, von der ersten Begegnung zwischen Luisa und David, über ihre unterschiedlichen Stationen ihrer Beziehung ...

Der Roman erzählt in zehn unterschiedlichen Abschnitten, zeitlich nicht in chronologischer Reihenfolge, von der ersten Begegnung zwischen Luisa und David, über ihre unterschiedlichen Stationen ihrer Beziehung bis jetzt. Gut gelungen finde ich, dass auch unangenehme Themen wie unerfüllter Kinderwunsch oder Schwangerschaftsabbrüche Platz haben und nicht wertend, sondern in situationsabwägend betrachtet werden. Die Formen der Liebe sind vielfältig aufgezeigt, vor allem die Liebe zwischen Luisas Tochter Ronya und David nähert sich langsam an und wird mit der Zeit immer inniger, das ist schön zu lesen. Auch die Beziehung zwischen Luisa und David wandelt sich mit den Jahren, die Liebe wird anders, mal mehr, mal weniger intensiv wahrgenommen. Der Roman beschreibt Situationen intensiv und ungeschönt.