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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.03.2025

Schicksale aus dem Alltag

Dünne Wände
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Der Roman macht zuerst mit dem auffälligen und treffenden Cover aufmerksam. Es zeigt die Fensterfront einer Hochhaussiedlung, bei der alle Fenster geschlossen und verdunkelt sind, nur bei einem einzigen ...

Der Roman macht zuerst mit dem auffälligen und treffenden Cover aufmerksam. Es zeigt die Fensterfront einer Hochhaussiedlung, bei der alle Fenster geschlossen und verdunkelt sind, nur bei einem einzigen erkennt man einen kleinen Spalt, der den Blick zur Außenwelt herstellt. Ich finde es sehr gelungen.
Sprachlich wechselt der Roman zwischen literarischem Stil und im nächsten Satz plötzlich Alltagssprache aus dem Leben gegriffen. In unterschiedlichen Geschichten werden die Bewohnerinnen der Siedlung vorgestellt, mit ihren Ängsten und Nöten, aber auch mit ihren Träumen und Hoffnungen. Die Schilderungen sind bildhaft und authentisch, sodass man sich sofort in die unterschiedlichen Lebenswelten hineinversetzen kann. Es sind Einzelschicksale, die auch anderswo spielen könnten und die jedem von uns in gewisser Weise bekannt vorkommen und vielleicht bewegen sie auch gerade dadurch die Leserinnen. Mich haben die Geschichten berührt!

Veröffentlicht am 09.03.2025

intensiv und ungeschönt

Zehn Bilder einer Liebe
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Der Roman erzählt in zehn unterschiedlichen Abschnitten, zeitlich nicht in chronologischer Reihenfolge, von der ersten Begegnung zwischen Luisa und David, über ihre unterschiedlichen Stationen ihrer Beziehung ...

Der Roman erzählt in zehn unterschiedlichen Abschnitten, zeitlich nicht in chronologischer Reihenfolge, von der ersten Begegnung zwischen Luisa und David, über ihre unterschiedlichen Stationen ihrer Beziehung bis jetzt. Gut gelungen finde ich, dass auch unangenehme Themen wie unerfüllter Kinderwunsch oder Schwangerschaftsabbrüche Platz haben und nicht wertend, sondern in situationsabwägend betrachtet werden. Die Formen der Liebe sind vielfältig aufgezeigt, vor allem die Liebe zwischen Luisas Tochter Ronya und David nähert sich langsam an und wird mit der Zeit immer inniger, das ist schön zu lesen. Auch die Beziehung zwischen Luisa und David wandelt sich mit den Jahren, die Liebe wird anders, mal mehr, mal weniger intensiv wahrgenommen. Der Roman beschreibt Situationen intensiv und ungeschönt.

Veröffentlicht am 05.03.2025

second chance

Luzie in den Wolken
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Der Roman startet etwas holprig, wird dann aber immer flüssiger zu lesen. Vor allem Luzie und ihr Aufwachsen ohne Papa haben mich sehr berührt. Von Ben alias Gabriel war ich lange Zeit nicht überzeugt, ...

Der Roman startet etwas holprig, wird dann aber immer flüssiger zu lesen. Vor allem Luzie und ihr Aufwachsen ohne Papa haben mich sehr berührt. Von Ben alias Gabriel war ich lange Zeit nicht überzeugt, da er zu Beginn nicht authentisch rüberkommt, eher oberflächlich und irgendwie unausgereift, mit der Zeit wurde es aber immer stimmiger. Das Lügenkonstrukt, das er sich aufgebaut hat, wurde immer größer, sodass es für ihn keinen leichten Ausstieg mehr gab und er irgendwann aufgedeckt werden wird, das war schon sehr schnell klar. Die Hintergrundgeschichte an sich war nicht neu, aber trotzdem gut interpretiert und schön zu lesen. Gewisse Situationen waren für meinen Geschmack zu stark ausgeschmückt oder wiederholend, da hätte man etwas abkürzen können. Am Schluss hingegen überschlagen sich die Ereignisse und man kommt als Leser*in kaum noch hinterher. Die Idee mit Second Chance – Geschichten, die Kleidungsstücke erzählen und was sie vielleicht noch erleben werden, finde ich genial.

Veröffentlicht am 02.03.2025

auf die Instinkte hören

Don't Let Her Stay
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Der Thriller erweckt mit einem auffälligen Cover und englischem Titel mein Interesse und hat mich gleich zu Beginn gefesselt. Der Schreibstil ist mitreißend, gleich von Anfang an wird man als Leserin in ...

Der Thriller erweckt mit einem auffälligen Cover und englischem Titel mein Interesse und hat mich gleich zu Beginn gefesselt. Der Schreibstil ist mitreißend, gleich von Anfang an wird man als Leserin in den Sog der Familiengeschichte hineingezogen und weiß nicht so recht, was man von Richard und seiner erwachsenen Tochter Cloe halten soll. Mit der Zeit wird die Geschichte komplexer und als Leserin wird man von einer Fährte zur nächsten gelenkt. Wer erzählt nun die Wahrheit darüber, was damals passiert ist? Richard oder Cloe? Joanne sollte hier genau auf ihr Bauchgefühl hören und ihren Instinkten vertrauen.
Der Spannungsbogen ist hoch und bleibt konstant ziemlich im oberen Bereich. Die Charaktere waren mir allerdings zu eindimensional beschrieben, sodass ich sie nicht authentisch empfunden habe. Joanne wirkt sehr verloren, verunsichert und planlos, Cloe wird übertrieben manipulativ und hetzerisch beschrieben, sodass es fast schon peinlich ist, wie Richard mit ihrem Verhalten umgeht.
Spannend finde ich, dass Joanne die Hintergrundgeschichte der Familie recherchiert und nach und nach Informationen herausfindet, die sehr beunruhigend sind. Für mich stellt sich allerdings die Frage, warum sie dies nicht schon viel früher gemacht hat. Zumindest die leicht zugänglichen Fakten, wie Zeitungsberichte, hätte sie schon finden können.
Am Ende gibt es nochmals einen Wendepunkt, der die Gesamtsituation von einem anderen Blickwinkel beleuchtet, aber mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Es wird von der Autorin sehr bewusst mit den Leser*innen gespielt und sie von einer verdächtigen Person zur nächsten gelenkt, das finde ich gut gelungen.