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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.01.2025

kurz vor dem Gewitter

Bevor es geschah
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Der Roman ist sprachlich sehr gut geschrieben, sodass man als Leser*in das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein. Man wird langsam an die Charaktere herangeführt, erfährt über ihre zwischenmenschlichen ...

Der Roman ist sprachlich sehr gut geschrieben, sodass man als Leser*in das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein. Man wird langsam an die Charaktere herangeführt, erfährt über ihre zwischenmenschlichen Konflikte und bekommt schon sehr schnell ein Gespür dafür, dass das geplante Barbecue aus dem Ruder laufen wird. Die Grundstimmung ist angespannt und unheilvoll, wie kurz vor einem Gewitter. Es haben sich viele ungesagte, ungeklärte Vorwürfe aufgestaut, die dann geballt an die Oberfläche müssen. Mit dem Ende habe ich in dieser Weise nicht gerechnet, dies hat mich überrascht, ohne, dass ich jetzt an dieser Stelle mehr verraten möchte.

Veröffentlicht am 14.01.2025

im Mittelteil Potenzial verschenkt

Das Haus meiner Schwester
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Der Psychothriller beginnt harmlos mit der Beschreibung der aktuellen Lebenssituation von Danielle und Margo, zwei Schwestern, die in unterschiedlichen Milieus leben und nur sehr losen Kontakt zueinander ...

Der Psychothriller beginnt harmlos mit der Beschreibung der aktuellen Lebenssituation von Danielle und Margo, zwei Schwestern, die in unterschiedlichen Milieus leben und nur sehr losen Kontakt zueinander haben. Mit der Zeit bekommt man als Leser*in ein Gefühl dafür, dass im Leben von Margo nicht alles so toll und glänzend ist, wie sie es zu vermitteln versucht.
Interessant finde ich, dass die Kapitel aus unterschiedlicher Perspektiven geschrieben wurden, teilweise aus Sicht von Margo und teilweise aus Sicht von Danielle. Die Erzählungen sind beide nicht nur beschreibend, sondern ehrlich und lassen hinter die Fassade blicken.
Der Mittelteil war meiner Meinung nach zu lang und nicht spannend genug aufgebaut für einen Psychothriller. Es wurden Szenen mehrfach wiederholt oder ewig lange aufgebauscht, ohne dass es neue Geschehnisse gab.
Erst im letzten Drittel ist wieder Spannung und Bewegung in die Geschichte gekommen und ab da war ich inhaltlich wieder voll dabei. Am Ende werden alle Szenen vollständig aufgeklärt, auch wenn viele Dinge ohnehin schon klar waren oder vorhersehbar waren.

Veröffentlicht am 14.01.2025

zwiegespalten über Sinn und Genre

Das Buch der Schwestern
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Ich bin etwas zwiegespalten, was ich von diesem Roman halten soll. Einerseits finde ich ihn sprachlich ausdrucksstark und gelungen, auch die Message kommt sehr gut an. Auf der anderen Seite kann ich das ...

Ich bin etwas zwiegespalten, was ich von diesem Roman halten soll. Einerseits finde ich ihn sprachlich ausdrucksstark und gelungen, auch die Message kommt sehr gut an. Auf der anderen Seite kann ich das Genre nicht einordnen und gewisse Szenen haben mir gar nicht gefallen, da sie so unrealistisch und überzogen dargestellt werden. Wie soll beispielsweise ein drei Monate altes Baby verstehen, dass es nicht weinen soll und sich dann daranhalten. Wie soll ein vierjähriges Kind Babies und Kleinkinder versorgen, den Haushalt schmeißen und noch dazu selbst Lesen, Schreiben, usw. erlernen? Dies ist so weit weg von der Realität, dass ich nicht weiß, warum es so überzogen dargestellt wurde. Wären die Szenen auch nur annähernd authentisch, hätte man als Leser*in den Hintergedanken dazu auch verstanden und besser nachvollziehen können.
Der Wunsch nach einem Geschwisterchen und die Liebe der Schwestern finde ich schön und in verschiedenen Facetten beschrieben. Die ältere Schwester schützt die jüngere vor der sozialen Vernachlässigung durch die Eltern, somit kann sich Laetitia viel freier entwickeln als ihre Schwester. Die Eltern versorgen die Kinder nur grundlegend mit Nahrung und Hygiene, ansonsten sind sie sehr egoistisch und auf sich selbst und ihre Beziehung bezogen. Die Folgen dieser Entwicklungen sind in der Ausbildung der unterschiedlichen Charaktere gut sichtbar. Am Ende lässt mich der Roman weiterhin unentschlossen und zwiegespalten zurück.

Veröffentlicht am 13.01.2025

Gedankenkarrussel

Drei Tage im Juni
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Der Roman beschreibt Alltagssituationen aus der Sicht von Gail und Max, einem geschiedenen Ehepaar, dass sich anlässlich der Hochzeitsfeier ihrer Tochter für drei Tage wieder sieht und notgedrungen zusammenwohnen ...

Der Roman beschreibt Alltagssituationen aus der Sicht von Gail und Max, einem geschiedenen Ehepaar, dass sich anlässlich der Hochzeitsfeier ihrer Tochter für drei Tage wieder sieht und notgedrungen zusammenwohnen muss. Ich finde die Gedanken von Gail humorvoll und nachdenklich zugleich. Sie entwickelt in jeder Situation Szenarien, was sein könne, wer sich was denken könnte, und macht sich viele Gedanken zu allen Themenbereichen. Dies betrifft auch ihre Vergangenheit und ihre Zukunft. Wenn Gail mal mit dem Gedankenkarussell beginnt, kommt sie so schnell nicht mehr heraus. Für mich waren diese Gedankenspiralen amüsant zu lesen, aber ich konnte sie zum Großteil auch aus ihrer Sichtweise nachvollziehen. Max ist eher ruhig und pragmatisch und nimmt Situationen wie sie kommen.
Am Ende haben sich einige Situationen noch aufgelöst, aber viele angesprochenen Themen blieben weiterhin unbehandelt, was mir nicht so gut gefällt. So hätte ich gerne gewusst, ob der Bräutigam kurz vor der Hochzeit untreu war oder nicht, denn diese Vermutungen haben einen nicht unbeachtlichen Teil der Überlegungen ausgemacht. Die Antwort bleibt allerdings offen.

Veröffentlicht am 13.01.2025

rückwärtsgehen

Zitronen
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Das erste Kapitel war sehr verwirrend geschrieben, sprunghaft und voller Andeutungen, sodass ich mich beim Lesen erst einfinden musste, aber das Gefühl hatte, durch das Tempo und die Sprünge mir nicht ...

Das erste Kapitel war sehr verwirrend geschrieben, sprunghaft und voller Andeutungen, sodass ich mich beim Lesen erst einfinden musste, aber das Gefühl hatte, durch das Tempo und die Sprünge mir nicht die Zeit dafür nehmen zu können. Dies finde ich schade, da ich somit in die Geschichte hineingestolpert bin. Auch das Thema rund um die Apfelbäume war für mich zu präsent im Vordergrund. Danach wurden die Erzählungen stringenter und nachvollziehbar für mich. Manche Äußerungen und Erlebnisse sind dramatisch und wie angekündigt, der Sprachstil sprachgewaltig, sodass man als Leser*in häufig den Atem anhalten und in sich gehen muss. August wächst in einer völlig zerrütteten Familie auf, seine Mutter leidet am Münchhausen-Stellvertretersyndrom und somit verbringt August seine halbe Kindheit krank bzw. krankgemacht. In seiner Zeit als junger Erwachsener ist er bindungsunfähig, sodass auch seine Ehe schnell in die Brüche geht. Am Ende werden viele Dinge aus der Vergangenheit aufgeklärt und die Situation spitzt sich zu, mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.