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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.01.2025

zwiegespalten über Sinn und Genre

Das Buch der Schwestern
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Ich bin etwas zwiegespalten, was ich von diesem Roman halten soll. Einerseits finde ich ihn sprachlich ausdrucksstark und gelungen, auch die Message kommt sehr gut an. Auf der anderen Seite kann ich das ...

Ich bin etwas zwiegespalten, was ich von diesem Roman halten soll. Einerseits finde ich ihn sprachlich ausdrucksstark und gelungen, auch die Message kommt sehr gut an. Auf der anderen Seite kann ich das Genre nicht einordnen und gewisse Szenen haben mir gar nicht gefallen, da sie so unrealistisch und überzogen dargestellt werden. Wie soll beispielsweise ein drei Monate altes Baby verstehen, dass es nicht weinen soll und sich dann daranhalten. Wie soll ein vierjähriges Kind Babies und Kleinkinder versorgen, den Haushalt schmeißen und noch dazu selbst Lesen, Schreiben, usw. erlernen? Dies ist so weit weg von der Realität, dass ich nicht weiß, warum es so überzogen dargestellt wurde. Wären die Szenen auch nur annähernd authentisch, hätte man als Leser*in den Hintergedanken dazu auch verstanden und besser nachvollziehen können.
Der Wunsch nach einem Geschwisterchen und die Liebe der Schwestern finde ich schön und in verschiedenen Facetten beschrieben. Die ältere Schwester schützt die jüngere vor der sozialen Vernachlässigung durch die Eltern, somit kann sich Laetitia viel freier entwickeln als ihre Schwester. Die Eltern versorgen die Kinder nur grundlegend mit Nahrung und Hygiene, ansonsten sind sie sehr egoistisch und auf sich selbst und ihre Beziehung bezogen. Die Folgen dieser Entwicklungen sind in der Ausbildung der unterschiedlichen Charaktere gut sichtbar. Am Ende lässt mich der Roman weiterhin unentschlossen und zwiegespalten zurück.

Veröffentlicht am 13.01.2025

Gedankenkarrussel

Drei Tage im Juni
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Der Roman beschreibt Alltagssituationen aus der Sicht von Gail und Max, einem geschiedenen Ehepaar, dass sich anlässlich der Hochzeitsfeier ihrer Tochter für drei Tage wieder sieht und notgedrungen zusammenwohnen ...

Der Roman beschreibt Alltagssituationen aus der Sicht von Gail und Max, einem geschiedenen Ehepaar, dass sich anlässlich der Hochzeitsfeier ihrer Tochter für drei Tage wieder sieht und notgedrungen zusammenwohnen muss. Ich finde die Gedanken von Gail humorvoll und nachdenklich zugleich. Sie entwickelt in jeder Situation Szenarien, was sein könne, wer sich was denken könnte, und macht sich viele Gedanken zu allen Themenbereichen. Dies betrifft auch ihre Vergangenheit und ihre Zukunft. Wenn Gail mal mit dem Gedankenkarussell beginnt, kommt sie so schnell nicht mehr heraus. Für mich waren diese Gedankenspiralen amüsant zu lesen, aber ich konnte sie zum Großteil auch aus ihrer Sichtweise nachvollziehen. Max ist eher ruhig und pragmatisch und nimmt Situationen wie sie kommen.
Am Ende haben sich einige Situationen noch aufgelöst, aber viele angesprochenen Themen blieben weiterhin unbehandelt, was mir nicht so gut gefällt. So hätte ich gerne gewusst, ob der Bräutigam kurz vor der Hochzeit untreu war oder nicht, denn diese Vermutungen haben einen nicht unbeachtlichen Teil der Überlegungen ausgemacht. Die Antwort bleibt allerdings offen.

Veröffentlicht am 13.01.2025

rückwärtsgehen

Zitronen
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Das erste Kapitel war sehr verwirrend geschrieben, sprunghaft und voller Andeutungen, sodass ich mich beim Lesen erst einfinden musste, aber das Gefühl hatte, durch das Tempo und die Sprünge mir nicht ...

Das erste Kapitel war sehr verwirrend geschrieben, sprunghaft und voller Andeutungen, sodass ich mich beim Lesen erst einfinden musste, aber das Gefühl hatte, durch das Tempo und die Sprünge mir nicht die Zeit dafür nehmen zu können. Dies finde ich schade, da ich somit in die Geschichte hineingestolpert bin. Auch das Thema rund um die Apfelbäume war für mich zu präsent im Vordergrund. Danach wurden die Erzählungen stringenter und nachvollziehbar für mich. Manche Äußerungen und Erlebnisse sind dramatisch und wie angekündigt, der Sprachstil sprachgewaltig, sodass man als Leser*in häufig den Atem anhalten und in sich gehen muss. August wächst in einer völlig zerrütteten Familie auf, seine Mutter leidet am Münchhausen-Stellvertretersyndrom und somit verbringt August seine halbe Kindheit krank bzw. krankgemacht. In seiner Zeit als junger Erwachsener ist er bindungsunfähig, sodass auch seine Ehe schnell in die Brüche geht. Am Ende werden viele Dinge aus der Vergangenheit aufgeklärt und die Situation spitzt sich zu, mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Veröffentlicht am 10.01.2025

düstere Kunstwerke

Das zweite Kind
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Der Thriller hat eine besondere, düstere und einnehmende Grundstimmung, die mir sehr gut gefallen hat. Zudem passen auch das Cover und die Eigenschaften der Charaktere sehr gut dazu. Das Flair der Toskana ...

Der Thriller hat eine besondere, düstere und einnehmende Grundstimmung, die mir sehr gut gefallen hat. Zudem passen auch das Cover und die Eigenschaften der Charaktere sehr gut dazu. Das Flair der Toskana zeigt sich diesmal von einer anderen Seite, auch die Intrigen, Bestechungen und Vertuschungen innerhalb des Polizeiapparates und der reichen Elitegesellschaft werden aufgezeigt. Valentina kämpft lange Zeit fast allein gegen Windmühlen, einzig Costa ist zeitweise an ihrer Seite und ein junger Polizist, der noch neu und unerfahren im Dienst ist. Interessant ist es zu sehen, wie sie gerade trotz der Hürden nicht aufgibt und aus sich herauswächst, sich an brisante Themen traut und dies unter höchster Lebensgefahr.
Die Verbrechen selbst, die sich an der „Kunst“ orientieren, sind äußerst grausam, unvorstellbar für die beteiligten Familien und Hinterbliebenen, aber auch genau und gut ausgetüftelt und konstruiert, also in gewisser Weise auch „Kunstwerke“.
Ich hatte zuerst meine Bedenken, ob der Thriller, die schon am Anfang aufgebaute Spannung und Grundstimmung auch über das Ausmaß und die Länge des Buches durchhalten kann, aber diese Bedenken waren unbegründet. Es kommen kaum Längen oder Wiederholungen vor und auch die Grausamkeiten werden von Situation zu Situation immer wieder getoppt. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, hauptsächlich aufgrund der Stimmung, aber auch aufgrund der authentischen Charaktere und der ungewöhnlichen Szenarien und Herangehensweisen.

Veröffentlicht am 09.01.2025

guter Spannungsaufbau, aber auch unpassende Situationen

Finster die Rache, dunkler die Schuld
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Der Thriller ist sehr gut aufgebaut, indem zu Beginn das normale Alltagsleben von Ava und ihrer Tochter Cosima beschrieben wird. Mit der Zeit geschehen ungewöhnlich, bedrohliche Dinge, die immer intensiver ...

Der Thriller ist sehr gut aufgebaut, indem zu Beginn das normale Alltagsleben von Ava und ihrer Tochter Cosima beschrieben wird. Mit der Zeit geschehen ungewöhnlich, bedrohliche Dinge, die immer intensiver und schlimmer werden und Ava und Cosima in Angst versetzen. Ava weigert sich allerdings, die Polizei zu involvieren und es wird nur angedeutet, dass sie viele Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit mit sich herumschleppt und daher auch nicht unbedingt auf sich aufmerksam machen möchte. Dieser Spannungsaufbau und die Informationen aus Avas Leben haben mir sehr gut gefallen. Was mir nicht so gut gefallen hat, war dass Ava ständig über ihre Arbeitsbedingungen jammert, aber nichts daran ändert, zumindest sehr lange Zeit nicht und auch der Umgang und die Ausdrucksweise ihrer Tochter gegenüber. Ava behandelt ihre 14jährige Tochter, als ob sie ein Kleinkind wäre, obwohl Cosima teilweise schon eher wie eine Erwachsene wirkt und Ava in allen alltäglichen Lebenssituationen unterstützt.
Am Ende wird die Vergangenheit von Ava aufgearbeitet und die Geheimnisse haben mich sehr überrascht, ich hätte mit anderen Vorfällen gerechnet.