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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2024

Mensch und Natur

Das Flüstern im Eis
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Bei diesem Regionalkrimi ist alles stimmig, vom Cover über die regionalen Geschichten bis zu den authentisch wirkenden Ermittlerinnen. Der Fall kommt mit weniger grausamen Details oder blutrünstigen Beschreibungen ...

Bei diesem Regionalkrimi ist alles stimmig, vom Cover über die regionalen Geschichten bis zu den authentisch wirkenden Ermittlerinnen. Der Fall kommt mit weniger grausamen Details oder blutrünstigen Beschreibungen von Tötungsarten aus und ist dennoch spannend und mitreißend. Vor allem durch die bildhafte Beschreibung der Region hat man als Leserin das Gefühl vor Ort zu sein, die Stimmung zu spüren, den Wetterwechsel und auch die regionalen Traditionen und charakterlichen Eigenheiten mitzuerleben. Die Geschichten der Bergführer und Bergrettung über den Ortler haben mir sehr gut gefallen und auch die Hintergrundgeschichte der Klettermeisterin. Ich hoffe, dass Kommissar Grauner sich dafür entscheidet, noch ein wenig länger im Amt zu bleiben, denn mittlerweile hat sich das Team gerade gut zusammengefunden und jeder kann ihre/seine Stärken zeigen und Schwächen kompensieren. Sehr gut gefällt mir an diesem Krimi, dass auch teilweise Täterinnen nicht als Unmenschen dargestellt werden, sondern die Person dahinter wahrgenommen werden kann und auch die Schicksale, die miteinander verstrickt sind. Ich habe den kurzen gedanklichen Ausflug auf den Ortler sehr genossen und freue mich auf den nächsten Teil!

Veröffentlicht am 15.05.2024

düster und bedrückend

Das dunkle Versteck
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Der fünfte Teil der Island-Krimi-Serie mit dem mittlerweile pensionierten Kommissar Konrad hat eine düstere Grundstimmung. Die Geschehnisse aus der Vergangenheit und auch die Erkenntnisse aus den vorigen ...

Der fünfte Teil der Island-Krimi-Serie mit dem mittlerweile pensionierten Kommissar Konrad hat eine düstere Grundstimmung. Die Geschehnisse aus der Vergangenheit und auch die Erkenntnisse aus den vorigen Teilen wirken stark in den aktuellen Teil ein, sodass es notwendig ist, die vorigen Teile zu kennen, da das Buch nicht in sich abgeschlossen ist.
Von Konrad sieht man nicht nur die Seiten, die er als Ehemann und Polizist gezeigt hat, sondern diesmal kommen sehr viele dunkle Züge von ihm zum Vorschein, die ihn anders zeigen, an der Grenze zur Legalität und manchmal auch darüber. Seine eigene Vergangenheit belastet ihn noch schwer, vor allem die kriminellen Aktivitäten seines Vaters und der noch immer ungeklärte Mord an seinem Vater. Erschreckend ist auch, wie in den 1960er Jahren mit Kindesmissbrauch und Homosexualität umgegangen wurde, wie alles verheimlicht und vertuscht wurde und nicht einmal zur Anzeige gebracht wurde und welch schwerwiegende und nachhaltige Folgen dies für die Betroffenen hatte und bis jetzt noch hat. Dies ist eines der zentralen Themen in diesem Teil der Serie. Ich bin gespannt, was im nächsten Teil noch alles aufgedeckt wird, viel düsterer kann es fast nicht mehr werden.

Veröffentlicht am 14.05.2024

die Lavendelfrau

Bonjour Agneta
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Der Roman hat mich überrascht und war nicht ganz so, wie ich ihn mir aufgrund der Beschreibung vorgestellt hatte. Ich hatte mir die Provence sommerlicher, leichter und idyllischer vorgestellt. Auch hätte ...

Der Roman hat mich überrascht und war nicht ganz so, wie ich ihn mir aufgrund der Beschreibung vorgestellt hatte. Ich hatte mir die Provence sommerlicher, leichter und idyllischer vorgestellt. Auch hätte ich mir gewünscht, dass Agneta mehr Kontakt zu jüngeren Menschen herstellen kann und sich mit ihnen austauschen kann, auch wenn ich die älteren Personen sehr stark und liebenswert finde, allen voran Bonibelle, die mich überrascht hat. Eine Liebesbeziehung würde ich das kurze leidenschaftliche Aufflammen nicht nennen, ich finde eher, dass Agneta noch immer am Erforschen ihrer Libido ist. Das alte Kloster und ihr an Demenz erkrankter Bewohner sind eine Bereicherung für Agnetas Situation und die Geschichten, die in den Klostermauern passiert sind, sind noch immer spürbar und haben so rein gar nichts klösterliches an sich.
Agneta versucht sich selbst wiederzuentdecken, nachdem sie sich jahrelang in ihrer Familie angepasst hat, sich um die Kinder und den Haushalt gekümmert hat und jeden neuen Fitnesstrend ihres Mannes mitgemacht hat, auch wenn sie nicht überzeugt davon war. Sogar in ihrer Firma war sie unsichtbar und ihr Arbeitsbereich sollte nun auch wegrationalisiert werden. Da ist es verständlich, dass sich Agneta nach einer Auszeit aus dem Alltagstrott sehnt und Zeit braucht, um ihre Situation neu zu überdenken und sich selbst neu zu entdecken.
Einen kompletten Neuanfang mit eigenen Ideen für ihr eigenes Leben, etwas zu tun, das Agneta selbst gerade will, hat meiner Meinung nach am Ende aber dennoch nicht geschafft. Ihr Leben verläuft nun komplett anders, sie hat ein paar Dinge in ihrem Leben verändert, macht wieder spontan was ihr gefällt, aber dennoch orientiert sie sich auch hier sehr an anderen Menschen und muss sich an die Umstände anpassen. Für einen gewissen Zeitraum mag der Ausstieg schön und erfüllend sein, aber ob sie es für längere Zeit genießen kann und ihre Erfüllung darin findet, bin ich mir nicht sicher. Agneta entwickelt sich von der unsichtbaren Hausfrau und Mutter zu einer Lavendelfrau, aber vielleicht schafft sie sogar noch den nächsten Sprung zum roten Stiletto. Der Schreibstil ist locker, leicht, mit Metaphern und Satire geschmückt, an manchen Stellen hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht.

Veröffentlicht am 10.05.2024

spannend, aber nicht realitätsnah

Gehe mit den Toten
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In diesem Thriller sterben reiche, einflussreiche Männer unter mysteriösen Umständen und Lara Plank versucht einen Zusammenhang herzustellen. Leider wird sie von ihrem Vorgesetzten zurückgerufen und eingebremst, ...

In diesem Thriller sterben reiche, einflussreiche Männer unter mysteriösen Umständen und Lara Plank versucht einen Zusammenhang herzustellen. Leider wird sie von ihrem Vorgesetzten zurückgerufen und eingebremst, was Lara nur noch neugieriger macht. Gemeinsam mit ihrem Ex-Freund und Journalisten Daniel und einem pensionierten Ermittler Simon recherchiert und ermittelt sie auf eigene Faust und erfährt höchst interessante Neuigkeiten.
Der Thriller ist lebendig geschrieben, in lockerer Sprache und mitreißend, sodass die Spannung aufrechterhalten wird. Inhaltlich gibt es einige Unstimmigkeiten und realistisch dargestellte Szenen und Laras Alleingänge sind schon etwas too much und nicht tragbar für die Teamarbeit. Gestört hat mich, dass Lara dauermüde und ewig geschlafen hat bzw. dieser Fakt so in den Mittelpunkt gerückt wurde, das hat schon fast genervt. Auch die Weitergabe von Insiderwissen an die Presse, in diesem Fall an ihren Ex-Freund, ist nicht tragbar. Interessant auch, dass sich die Medien bei diesen hochkarätigen Toten nicht mehr ins Zeug legen und intensiver berichten, das ist etwas unglaubwürdig, tatsächlich wäre es ein gefundenes Fressen für die gesamte Presse.
Am Ende wird aufgelöst, wer in welcher Weise mit wem verstrickt ist, war dann auch keine allzu große Überraschung mehr dabei. Der Thriller ist locker und spannend zu lesen, realitätsnah ist er allerdings nicht.

Veröffentlicht am 08.05.2024

intensiv

Notizen zu einer Hinrichtung
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Das Buch kann man nach dem Lesen nicht so schnell vergessen, sondern es arbeitet noch lange nach. Mich hat es inhaltlich überrascht und mit voller Wucht getroffen.
Interessant finde ich, dass die Autorin ...

Das Buch kann man nach dem Lesen nicht so schnell vergessen, sondern es arbeitet noch lange nach. Mich hat es inhaltlich überrascht und mit voller Wucht getroffen.
Interessant finde ich, dass die Autorin die einzelnen Sichtweisen schildert, jede Person bekommt ihren Raum und wird von ihr in den Mittelpunkt gestellt. Nicht wie ansonsten häufig der Mörder, vor allem Serienmörder, die gesamte Aufmerksamkeit der Medien und Gesellschaft abbekommt, so wird hier auch versucht das Leben der Opfer ins Zentrum zu stellen, sie als Menschen, die sie waren und die sie hätten werden können und wie sich das Leben ihrer Familien ohne sie verändert. Die Geschichte beginnt mit der harten, brutalen Kindheit von Ansel und seiner verzweifelten Mutter, die versucht, das Richtige zu unternehmen unter Berücksichtigung ihrer damaligen Situation und ihres Wissens. Spannend finde ich auch die Gedanken, die Ansel sich über seine Mitmenschen macht, vor allem auch über Frauen, die Theorien, die er aufstellt und wie er den Countdown bis zur Hinrichtung erlebt.
Interessant finde ich die Sichtweise der Autorin, dass sie versucht, nicht kategorisch in Gut und Böse einzuteilen, sondern in allen Menschen beide Seiten zum Vorschein bringt, mit mehr oder weniger starken Ausprägungen.
Das Buch ist düster, schwer und intensiv und wirkt noch lange nach dem Lesen nach.