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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.11.2023

aus der Perspektive der Tochter

Die Wahrheiten meiner Mutter
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Der Roman analysiert die Mutter-Tochter-Beziehung von Johanna und ihrer Mutter aus Sicht von Johanna. Die Atmosphäre ist vergiftet, traurig, düster und lässt nicht viel Hoffnung auf ein positives Ende. ...

Der Roman analysiert die Mutter-Tochter-Beziehung von Johanna und ihrer Mutter aus Sicht von Johanna. Die Atmosphäre ist vergiftet, traurig, düster und lässt nicht viel Hoffnung auf ein positives Ende. Spannend finde ich, dass viele Situationen aus der Kindheit erzählt werden, in denen auch noch weitere Personen eine Rolle spielen, wie Johannas Vater oder ihre Schwester Ruth. Johanna hat seit über 30 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter und auch nicht zu ihrer Schwester, der Vater ist inzwischen verstorben. Für Johanna ist der Zeitpunkt gekommen, die Geschehnisse und Zerwürfnisse von damals wieder aufzurollen und zu analysieren und aus ihrer heutigen Perspektive zu betrachten und neu zu bewerten. Interessant finde ich, dass Tage aus Johannas Kindheit und das Leben ihrer Mutter mit ihrem heutigen Wissensstand und ihrer Erfahrung teilweise komplett anders wahrgenommen werden. Schade finde ich, dass die Erzählung nur aus Johannas Perspektive erzählt wird und die anderen beteiligten Personen nicht ihre Sichtweise darlegen können. Eine erneute Annäherung ist nicht erwünscht und trotzdem wünscht sich Johanna einen Abschluss, sodass sie ihre eigenen Rituale dafür findet. Den Titel finde ich etwas problematisch, denn als außenstehende Person kann Johanna nicht „die Wahrheiten ihrer Mutter“ beschreiben, sondern bestenfalls ihre eigenen Wahrheiten. Auch wenn „Wahrheiten“ im Titel impliziert, dass es mehr als eine Wahrheit gibt.

Veröffentlicht am 25.11.2023

ernst und intelligent

Kant und das Leben nach dem Tod
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Der Kriminalroman beginnt ruhig und führt aus der Erzählperspektive des Ermittlers in die Themen ein. Auch wenn man die Vorgänger-Bücher nicht gelesen hat, ist man sofort mit den Charakteren vertraut und ...

Der Kriminalroman beginnt ruhig und führt aus der Erzählperspektive des Ermittlers in die Themen ein. Auch wenn man die Vorgänger-Bücher nicht gelesen hat, ist man sofort mit den Charakteren vertraut und wichtige Inhalte werden wiederholt. Der Ermittlungsfall selbst ist in sich abgeschlossen und kann alleine gelesen werden. Die Mordfälle sind skurril und gut durchdacht, über lange Zeit geplant. Hauptsächlich lebt der Kriminalroman allerdings von den unterschiedlichen Ermittler*innen, über die man auch einige Hintergrundgeschichten aus dem Privatleben erfährt. Ich finde die Kombination aus Berufsleben und privaten Einblicken gut gelungen, es macht die Personen auch authentischer. Es werden die Charaktere mit ihren Lebensgeschichten in den Mittelpunkt gestellt und ernst genommen, auch die älteren Menschen, um die sich in der Anonymität der Wohnsiedlung ansonsten niemand kümmert und bei denen es gar nicht auffällt, wenn sie über Jahre verschwinden. Die Geschichte macht nachdenklich, ist auch ernst und intelligent geschrieben.

Veröffentlicht am 18.11.2023

Utopie oder bald schon Realität?

Projekt 22
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Der Thriller spricht ein wichtiges und für mich interessantes Thema an: Gen-Forschung. Auch wenn die Forschungen und Durchführung teilweise noch utopisch klingt, kann es eventuell in Zukunft zur Realität ...

Der Thriller spricht ein wichtiges und für mich interessantes Thema an: Gen-Forschung. Auch wenn die Forschungen und Durchführung teilweise noch utopisch klingt, kann es eventuell in Zukunft zur Realität werden. Der Gedanke, Krankheiten damit heilen zu können, ist natürlich vielversprechend und verlockend, aber auch die Gefahren sind nicht ohne, vor allem, wenn Versuche an Menschen durchgeführt werden.
Als Charakter hat mir Alice sehr gut gefallen und bei ihr merkt man auch schon in dieser kurzen Zeit eine enorme Persönlichkeitsentwicklung und Veränderung in ihrem gesamten Charakter und Erscheinungsbild. Zu Beginn war sie sehr verschlossen und ihren Mitmenschen gegenüber skeptisch, sie konnte auch kaum normale freundschaftliche Rituale, da sie dies bisher nicht kennenlernen durfte. Mit der Zeit wurde Alice immer selbstbewusster und in ihrer Persönlichkeit gestärkt, ihre Ängste wurden weniger und der Kontakt mit anderen Menschen, die sie nicht nur als „Projekt“ sehen, sondern ihr helfen wollen und auch eine Freundschaft mit ihr, waren für sie enorm wichtig und prägend.
Das Ende des Buches präsentierte Forschungsergebnisse, die schockierend und grausam klingen und hoffentlich in der Realität besser erprobt werden, bevor sie zum Einsatz kommen und vor allem auch nicht an Menschen.

Veröffentlicht am 16.11.2023

Spannungsbogen mit einem Knick

Die letzte Nacht
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Nachdem ich auch die Vorgänger-Bücher gelesen habe, waren mir die Hauptcharaktere schon bekannt und ich konnte direkt in die Geschichte einsteigen. Generell finde ich es interessant, wie sich die Charaktere ...

Nachdem ich auch die Vorgänger-Bücher gelesen habe, waren mir die Hauptcharaktere schon bekannt und ich konnte direkt in die Geschichte einsteigen. Generell finde ich es interessant, wie sich die Charaktere im Laufe der Zeit verändern und sich weiter entwickeln, was vor allem auch bei Will und Sara deutlich zu sehen ist.
Die Geschichte ist interessant aufgebaut und wird durch mehrere Handlungsstränge eingeführt, die auch in zeitlichem Abstand zueinander geschehen sind. Sie reichen von Saras Studienzeit als Assistenzärztin bis jetzt und werden am Ende zu einer Geschichte zusammengeführt. Die Chatprotokolle und Handynachrichten haben den Lesefluss etwas aufgelockert und die Spannung erhöht. Zwischenzeitlich hatte das Buch einen Spannungsabfall, nachdem die einzelnen Charaktere, Handlungen und Zusammenhänge geklärt waren, folgten für meinen Geschmack zu viele Wiederholungen und erneute Analysen, bis es am Ende dann noch einmal spannend wurde. Ich habe mich trotzdem gut unterhalten gefühlt, aber der Überraschungs-Wow-Effekt, mit einer unvorhergesehenen Neuigkeit ist für mich ausgeblieben, da schon länger diskutiert wurde, wie die Geschehnisse zusammenhängen.

Veröffentlicht am 12.11.2023

zwei große Fälle in einem Buch

Erbschande
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In diesem Teil ermitteln Thyra und Folkert zuerst an einer investigativen Reportage über Ghosting und Männer, die Frauen ausnutzen und sie dann betrogen, psychisch am Ende und finanziell ausgenutzt zurücklassen. ...

In diesem Teil ermitteln Thyra und Folkert zuerst an einer investigativen Reportage über Ghosting und Männer, die Frauen ausnutzen und sie dann betrogen, psychisch am Ende und finanziell ausgenutzt zurücklassen. Eigentlich wäre dies schon spannend genug gewesen, doch dann ist auch noch Bea, Thyras beste Freundin Opfer von Ghosting und will sich sogar umbringen, obwohl sie ansonsten eine sehr starke Frau und Persönlichkeit ist. Mitten in den Recherchen zur Reportage, tauchen plötzlich weitere Themen auf, denen Thyra sofort nachgeht und die noch um einiges spannender erscheinen und größer aufgezogen sind, mit Verstrickungen bis hoch hinauf und in die Vergangenheit reichend. Mehr möchte ich hier an dieser Stelle nicht verraten, aber für meinen Geschmack, tritt dadurch die eigentliche Geschichte um die Reportage in den Hintergrund und verliert an Bedeutung, was ich überaus Schade finde. Eine große Story und die Aufklärung dazu hätte für diesen Teil gereicht, zwei waren schon etwas too much. Zu Beginn gefiel mir auch sehr gut, wie Thyra arbeitete, wie sie recherchierte und Ergebnisse ablieferte, aber am Ende kam mir die Aufklärung zu konstruiert vor und der journalistische Ansatz ist stark in den Hintergrund gerückt. Vielleicht wäre hier wirklich die Konzentration auf ein Thema besser gewesen.